Für die Datensynchronisation setzen viele Anwender auf Dropbox. Wie es dort um die Privatsphäre steht, ist aber unklar, und damit bietet sich der Wechsel zu einer selbstverwalteten Alternative an. Wir vergleichen Dropbox mit dem Tool Syncthing, das ohne zentralen Server im Ausland arbeitet.
Online-Speicherdienste wie Google Drive sind aus dem Alltag vieler Nutzer nicht mehr wegzudenken – sie haben die klassische Lösung per USB-Stick erfolgreich verdrängt: Wo man früher noch mit eigener Hardware hantierte, um Dokumente von einem Rechner auf den anderen zu kopieren, erledigt das heute elegant die Cloud. “Cloud” ist ein klassisches Buzzword, das Anbieter für alle möglichen Anwendungen nutzen: von klassischen Cloud-Anwendungen bis hin zur “Private Cloud” in Form von NAS-Servern für zu Hause. Die Grundiee hinter der Cloud ist simpel: Anbieter stellen Hardware und die dazu gehörige Infrastruktur zur Verfügung, damit Anwender sie von überall aus nutzen können. Besonders populär in der Kategorie “Speicher-Cloud” ist das US-Unternehmen Dropbox [1]: Deutlich über 300 Millionen Anwender auf der Welt nutzen den Dienst.
Dropbox hat sein Produkt in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt: Die Funktionalität geht mittlerweile weit über das simple Hoch- und Runterladen von Dateien hinaus. Clients gibt es auch für die mobilen Betriebsysteme Android und iOS, und auf dem Desktop lässt sich Dropbox nahtlos in die Oberfläche integrieren; so sieht der Dropbox-Speicherplatz wie eine Festplatte aus, die direkt an den Computer angeschlossen ist. Team- und Profifunktionen runden das Angebot ab.
Privatsphäre
Mit zunehmendem Erfolg von Dropbox mehren sich aber auch die kritischen Stimmen: Dropbox kommt aus den USA und muss sich an das dort geltende Recht halten. Nicht zuletzt die Enthüllungen Edward Snowdens haben gezeigt, dass der lange Arm der US-Geheimdienste sogar Server erreicht, die nicht auf US-Territorium stehen, wenn der Anbieter einen Sitz in den USA hat. Hinzu kommt, dass Server von Dropbox & Co. ein beliebtes Ziel von Hackerattacken sind, denn Angreifer erhoffen sich von erfolgreichen Attacken hohe Einnahmen durch Erpressungen. Wer seine Daten auf fremde Server hochlädt, riskiert die Verletzung seiner Privatsphäre.
Da kommen Alternativen gerade recht: Syncthing [2] verspricht, dass es die Aufgabe der Synchronisation über verschiedene Rechner hinweg zuverlässig und vor allem lokal erledigt. Die Daten verlassen also die Computer des Nutzers nicht und bleiben unter seiner Kontrolle. Auf den Gratisspeicher beim Anbieter, der eine (virtuelle) Vergrößerung der Plattenkapazität des eigenen Rechners bedeutet, müssen Sie bei Syncthing zwar verzichten, aber die Synchronisation, die für viele Anwender die wichtigste Funktion darstellt, ist vorhanden.
EasyLinux macht den Test: Ist Syncthing als Alternative zu Dropbox ohne Datenleck zu gebrauchen – oder hält die Lösung nicht, was sie verspricht?
Erstkonfiguration
Die erste Frage ist die nach der reibungslosen Installation. Dropbox und Syncthing sind hier nur eingeschränkt vergleichbar, denn Dropbox ist ein Onlinedienst, und Syncthing erfordert eine lokale Installation. Das Ziel ist in beiden Fällen allerdings das gleiche: Dateien über die Grenzen mehrerer Rechner zu synchronisieren, so dass sie überall identisch (und aktuell) sind.
Dropbox gibt sich bei der Einrichtung keine Blöße: Der wesentliche Arbeitsschritt ist das Anlegen eines Dropbox-Accounts. Sobald die Bestätigung der Anmeldung in der Mailbox liegt, kann es über das Webinterface auch schon losgehen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gleich nach der Anmeldung bei Dropbox steht der Dienst bereits über das Webinterface zur Verfügung.
Bei Syncthing geht es deutlich rustikaler zu. Um die Dienste des Programms zu nutzen, installieren Sie zunächst das Paket für Syncthing auf sämtlichen Rechnern, auf denen Sie Dateien synchronisieren wollen. Je nach genutzter Distribution geht das unterschiedlich komfortabel:
- Für Ubuntu stellen die Syncthing-Entwickler selbst passende Pakete zur Verfügung.
- OpenSuse bringt eigene Syncthing-Pakete mit, allerdings in einer älteren Version – die nicht kompatibel mit der aktuellen Version 0.12 ist. Dadurch ist es z. B. unmöglich, Ubuntu-Systeme mit den Paketen der Syncthing-Autoren und Systeme mit den OpenSuse-Distributionspaketen synchron zu halten. Alternativ installieren Sie unter OpenSuse eine Syncthing-Version, welche die Syncthing-Entwickler über ihre Website anbieten.
- Passende Installationspakete bietet Syncthing auch für Windows und OS X an.
In Sachen Betriebssystemkompatibilität bleiben also keine Wünsche offen. Der Workshop ab Seite 46 zeigt, wie Sie Syncthing unter Ubuntu und OpenSuse installieren.
Allerdings ist die Installation nur die halbe Miete; denn wenn Syncthing den Weg auf Ihre Computer gefunden hat, steht dessen Konfiguration an: Es geht darum, dass die Syncthing-Instanzen auf Ihren Systemen Kontakt zueinander finden. Auch dieser Schritt funktioniert, ist teilweise aber nicht sehr intuitiv.
Damit ist klar, dass Syncthing bei der Erstkonfiguration den Kürzeren zieht: Es dauert im Vergleich zu Dropbox deutlich länger, bis Sie den Dienst nutzen können.

Abbildung 2: Syncthing setzt eine lokale Installation voraus. Die Konfiguration über das Webinterface gelingt leicht.
Dropbox-Client
Dafür entfällt bei Syncthing ein Arbeitsschritt, der für die automatische Synchronisation notwendig ist. Nach der Dropbox-Anmeldung steht Ihnen der Dienst zwar zur Verfügung, er ist aber noch nicht in das System integriert. Sobald Syncthing auf allen beteiligten Computern konfiguriert ist, hält Syncthing die festgelegten Ordner automatisch auf allen Rechnern synchron. Wenn Sie also Dateien in ein solches Verzeichnis kopieren, kümmert sich das Programm im Hintergrund um den Rest.
Nach der Dropbox-Anmeldung ist zunächst nur das manuelle Hoch- und Runterladen von Dateien via Webinterface möglich. Um Dropbox direkt in Ihr System zu integrieren, benötigen Sie einen lokalen Client.
Passende Pakete liegen den gängigen Linux-Distributionen entweder direkt bei (wie im Beispiel von OpenSuse), oder sie lassen sich bequem von der Dropbox-Website für das jeweilige System nachinstallieren (wie bei Kubuntu). Installationspakete gibt es außerdem für Windows und OS X. Die Einrichtung ist leicht: Nach der Paketinstallation startet ein Konfigurationsassistent, der lediglich Ihren Benutzernamen und Ihr Dropbox-Kennwort abfragt. Dann legen Sie noch fest, welches Verzeichnis Ihres Systems Sie synchronisieren möchten. Überwachung und Aktualisierung der Ordnerinhalte laufen dann automatisch im Hintergrund.
Dropbox und Syncthing sind, was den Komfort bei der täglichen Nutzung angeht, sehr ähnlich.
Mobile Clients
In die Synchronisation können Sie auch Smartphones und Tablets integrieren. Programme, die Ihre Dropbox-Dateien auf den gängigen mobilen Betriebssystemen (iOS, Android und Windows Mobile) verfügbar machen, stehen in den jeweiligen App-Stores zum Download bereit. Nach ein paar Sekunden sind Sie also auf Ihrem mobilen Gerät in Sachen Dropbox startklar: Eine glatte Eins.
Bei Syncthing gbt es nur Android-Support: Im Google Play Store findet sich eine Syncthing-App, die dem Desktop-Programm in Sachen Funktionalität ebenbürtig ist. Eine iOS-App gibt es nur als Betaversion, und diese ist nur nach einem Jail-Break installierbar. Pläne für eine Windows-Phone-App gibt es bisher keine. Wer mobile Geräte mit Apple- oder Windows-Betriebssystem nutzt, kann diese also aktuell nicht mit Syncthing nutzen.
Komfortfragen
Wenn Syncthing oder Dropbox erstmal eingerichtet ist, spielt der Komfort im Alltag eine große Rolle. Dropbox ist hier klar im Vorteil: Weil das Unternehmen Server betreibt, die aus dem Internet öffentlich zugänglich sind, gelingt die Datensynchronisation über jeden Internetanschluss ohne Probleme.
Syncthing nutzt keine externen Server. Deren Rolle muss darum eines der Systeme übernehmen, auf denen Syncthing läuft. Eine Möglichkeit ist, einen zentralen Server einzurichten, denn dann alle anderen Syncthing-Instanzen als “Master-Server” nutzen. Ein solcher Master-Server muss aber einige Anforderungen erfüllen, um seine Aufgabe sinnvoll erledigen zu können. Es muss beispielsweise sicher gestellt sein, dass sich alle anderen Syncthing-Instanzen stets mit diesem Syncthing-Master verbinden können. Das ist kein Problem, wenn alle Rechner stets zum gleichen lokalen Netz gehören, denn dann können Sie die Syncthing-Synchronisation statisch konfigurieren.
Kommen hingegen mobile Clients oder Notebooks ins Spiel, wird die Sache komplizierter. So bieten normale Internetanschlüsse keine dauerhafte IP-Adresse. Beim mobilen Syncthing lässt sich also nicht die Adresse des Syncthing-Servers eintragen. Dieses Problem ist auf zwei Arten lösbar:
- durch durch dynamische DNS-Dienste (DynDNS), die einen Hostnamen auf die gerade gültige IP-Adresse des heimischen Internet-Anschluss legen,
- oder über das Discovery-System von Syncthing: Jede Syncthing-Instanz meldet sich auf Wunsch an einem zentralen Registrierdienst der Syncthing-Betreiber an und hinterlegt dort die IP-Adresse, unter der sie zu erreichen ist. Über eine eindeutige Kennzahl (ID) ist der Server danach identifizierbar. Ist Syncthing entsprechend konfiguriert, kann es also beim Registrier-Server nach der aktuellen IP-Adresse einer spezifischen Syncthing-ID fragen und erhält in der Antwort die gewünschte IP.
Knifflig ist auch die Firewall-Thematik: Bei fast allen privaten Internetzugängen ist kein Computer direkt mit dem Internet verbunden, Router stellen stattdessen die Internetverbindung her und ermöglichen so mehreren Geräten die Verbindung ins Netz. Dann sind Rechner von außen nicht direkt erreichbar – der Router muss Verbindungsversuche an einen Rechner im heimischen Netz weiterleiten. Viele Router aktivieren außerdem eine Firewall, die alle eingehenden Verbindungsanfragen abweist. Die Router kann man zwar in der Regel so konfigurieren, dass auf Port 22000 – dem Syncthing-Standardport – eingehende Pakete erlaubt sind und den richtigen Rechner erreichen, das setzt aber voraus, sich mit der Router-Konfiguration intensiv zu befassen. Was bei Dropbox einfach geht, führt bei Syncthing also systembedingt zu mehr Arbeit.
Fazit
Dropbox und Syncthing verfolgen zwar das gleiche Ziel, erreichen es aber mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. In Sachen Komfort bei der Einrichtung und Nutzung ist Dropbox Syncthing klar überlegen, das gilt für alle Plattformen.
Weil Dropbox zentrale, aus dem Internet erreichbare Server nutzt, ist zudem der Zugriff von jedem Rechner problemlos möglich. Syncthing hat es schwerer, Kontakt zu anderen Rechnern zu finden – vor allem, wenn diese hinter einem Router stehen und noch durch eine Firewall geschützt sind. Der nötige Aufwand, um Syncthing vollständig einzurichten, ist also deutlich höher.
Wer seine Daten nicht auf fremden Servern speichern will, findet in Syncthing aber eine funktionierende (wenn auch weniger komfortable) Alternative: Beim Schutz der Privatsphäre ist Syncthing klarer Testsieger.

