Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilentools, mit denen sie manche Aufgabe schneller bewältigen als in grafischen Programmen. Wir stellen interessante Anwendungen und Aufrufparameter vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug in die Shell zu ermutigen.
Tipp: Sicheres Löschen mit “srm”
In der letzten EasyLinux-Ausgabe haben wir im Artikel zum Dateimanager Dolphin [1] gezeigt, wie Sie das Programm srm[2] ins Kontextmenü der rechten Maustaste aufnehmen und damit eine Funktion zum sicheren Löschen bereitstellen. Zur Erinnerung: Wenn Sie in den grafischen Dateimanagern (Dolphin, Nautilus, Thunar usw.) etwas löschen, landet alles zunächst im Papierkorb (in der Regel im versteckten Verzeichnis .local/share/Trash/). Von dort aus können Sie Dateien wiederherstellen oder über die Schaltfläche Leeren ganz von der Platte fegen.
Shell-Fans kommen mit dem Papierkorb eher selten in Berührung und greifen normalerweise beherzt zum Kommando rm, was den Mülleimer umgeht und Dateien sowie Verzeichnisse samt Inhalt entfernt [3]. Da aber auch in diesem Fall findige Forensiker Daten wiederherstellen können, haben Entwickler das Tool srm programmiert, das eine Datei mehrfach überschreibt, bevor es sie löscht. Sie finden das Programm im Paketmanager Ihrer Distribution. OpenSuse-Anwender installieren srm, (K)Ubuntu-Nutzer das Paket secure-delete.
Um eine Datei zu löschen, reicht es aus, diese hinter dem Befehl anzugeben:
srm datei.txt
Möchten Sie eine zusätzliche Sicherheitsabfrage einbauen, können Sie genau wie bei rm den Schalter -i einsetzen:
$ srm -i datei.txt Remove datei.txt? (y/n) y
Ein Verzeichnis werden Sie auf diese Weise nicht los. Dazu benötigen Sie einen anderen Parameter: -r räumt rekursiv auf.
Tipp: Wie lange läuft der Rechner schon?
Sie möchten wissen, wie viel Zeit seit dem letzten Booten vergangen ist? Das Kommando uptime, das Sie ohne weitere Parameter am Shell-Prompt eingeben, verrät es. Während OpenSuse die Informationen auf Deutsch ausgibt (Abbildung 1), sieht das Ganze unter Ubuntu etwas anders aus:
$ uptime 12:46:01 up 25 min, 3 users, load average: 0,76, 0,25, 0,12
Die Auskunft ist allerdings gleich: Zuerst sehen Sie die aktuelle Uhrzeit, dann die Zeit, die der Linux-Rechner schon läuft. Abbildung 1 zeigt, dass das OpenSuse-System bereits seit 12 Stunden und 22 Minuten in Betrieb ist, der Ubuntu-Rechner erst seit 25 Minuten. Danach folgt die Anzahl der angemeldeten Benutzer, und dann kommen Informationen zur Systemauslastung: die mittlere Systemauslastung in der letzten Minute, den letzten fünf Minuten und den letzten 15 Minuten.

Abbildung 1: Der Befehl “uptime” (hier unter OpenSuse Leap 42.1) zeigt unter anderem, wie lange das System läuft und wie viele Benutzer derzeit angemeldet sind.
Dass Ubuntu und OpenSuse eine andere uptime-Version mitbringen, sehen Sie, wenn Sie beispielsweise --version oder --help an den Befehl anhängen. Die Variante auf Ubuntu-Systemen kennt als Optionen außerdem -p, die eine Kurzform ausgibt, und -s, die Datum und Uhrzeit des Systemstarts verrät:
$ uptime -p up 41 minutes $ uptime -s 2015-11-20 12:20:47
Tipp: Festplattenbelegung mit “du” ermitteln
Das Kommando du zeigt, wie viel Platz Dateien und Verzeichnisse auf der Platte belegen. Ohne weitere Parameter aufgerufen erfasst es alles vom aktuellen Verzeichnis ausgehend, was ziemlich unübersichtlich wirken kann (Abbildung 2). Ganz am Schluss steht eine Zusammenfassung:
$ du [...] 24 ./.gnupg 282048 .
Alle Zahlen geben den Verbrauch in KByte an. Wer gut im Kopfrechnen ist, sieht, dass im Home-Verzeichnis rund 276 MByte Daten liegen. Alle anderen geben hinter dem Befehl den Parameter -h an. du verwendet dann die nächstliegende Einheit (siehe Listing “du -h”-Ausgabe) und schreibt die Angaben in K (KByte), M (MByte) und G (GByte) vor die Zeilen, wobei das Tool die “historischen” Einheiten verwendet, welche die Formeln 1 GByte = 1024 MByte, 1 MByte = 1024 KByte und 1 KByte = 1024 Byte verwenden. Wollen Sie statt der alten Angaben die SI-Einheiten des Système international d’unités [4] verwenden, die mit Potenzen von 1000 rechnen, nutzen Sie statt -h die Option --si; zur Unterscheidung verwendet das Tool dann Kleinbuchstaben k, m und g für die “neuen” KByte, MByte und GByte.
Interessiert Sie nicht, wie viel Platz die einzelnen Verzeichnisse und deren Unterverzeichnisse belegen, sondern möchten Sie nur die Zusammenfassung sehen, verwenden Sie einfach die Option -s:
$ du -sh 276M .
Ausgabe von “du -h”
$ du -h [...] 110M ./Musik 32K ./.pki/nssdb 36K ./.pki 4,0K ./.gnupg/private-keys-v1.d 24K ./.gnupg 276M .

Abbildung 2: Im Home-Verzeichnis aufgerufen, wandert “du” durch alle Unterverzeichnisse (auch die versteckten, die mit einem Punkt beginnen) und schreibt vor jeden Eintrag, wie viel Platz (in KByte) er verschlingt.
Tipp: Gezielt Dateitypen bei “du” ausklammern
In einem Verzeichnis liegen etliche größere Archivdateien, die auf .tar.gz oder .tar.bz2 enden, und Sie möchten, dass du diese beim Berechnen ignoriert? Nichts leichter als das: Der Schalter --exclude= akzeptiert hinter dem Gleichheitszeichen ein Suchmuster. Um .tar.gz-Dateien auszuschließen, schreiben Sie also Folgendes:
du --exclude="*.tar.gz" -h
Das Sternchen * vor der Dateiendung sorgt dafür, dass alle Dateien gemeint sind, und die Anführungszeichen, die das Muster umschließen, bewirken, dass die Shell den Ausdruck nicht interpretiert. Soll du weiterhin die Dateien ignorieren, die auf .tar.bz2 enden, ergänzen Sie einfach einen weiteren Parameter --exclude="*.tar.bz2".
Tipp: Vim: Rechtschreibprüfung einrichten
Der Texteditor für fortgeschrittene Shell-Fans enthält eine integrierte Rechtschreibprüfung, die Sie mit wenigen Handgriffen nachrüsten:
- Starten Sie den Editor und überprüfen Sie, ob die Option bereits aktiviert ist, indem Sie den Doppelpunkt, gefolgt von
spellinfoeingeben. Am unteren Rand des Terminalfensters sollten Sie nun eine Ausgabe wie Rechtschreibprüfung ist nicht aktiviert sehen. -
Aktivieren Sie die deutsche Rechtschreibung über das folgende Kommando:
:setlocal spell spelllang=de_de
-
Beim ersten Aufruf bemerkt Vim, dass es noch kein beschreibbares Verzeichnis spell im versteckten Ordner .vim in Ihrem Home-Verzeichnis gibt. Netterweise fragt Vim nach:
Shall I create /home/tux/.vim/spell
Auf Deutsch heißt das: “Soll ich das Verzeichnis /home/tux/.vim/spell anlegen?” Geben Sie
y, gefolgt von [Eingabe] ein. -
Sofern das passende Wörterbuch auf Ihrem Rechner noch nicht installiert ist (das war im Test weder unter Ubuntu noch unter OpenSuse der Fall), bietet der Texteditor nun an, die Wortlisten herunterzuladen:
Cannot find spell file for "de" in utf-8 Do you want me to try downloading it?
Geben Sie noch einmal
yein und drücken Sie [Eingabe]. Sie sollten dann eine Meldung der Form Downloading de.utf-8.spl sehen. -
Die letzte Frage zur Einrichtung lautet:
In which directory do you want to write the file: 1. /home/tux/.vim/spell
Auf Deutsch: “In welchem Verzeichnis möchten Sie die Datei speichern?” Als Vorschlag erhalten Sie das in Schritt 3 angelegte Verzeichnis .vim/spell in Ihrem Home-Verzeichnis, was Sie durch Eingabe von
1, gefolgt von [Eingabe] bestätigen.
Dass die Einrichtung geklappt hat, sehen Sie daran, dass Vim die falsch geschriebenen bzw. nicht bekannten Wörter farblich hervorhebt. Der nächste Tipp zeigt, wie Sie mit der Rechtschreibprüfung arbeiten.
Tipp: Vim: Mit der Rechtschreibprüfung arbeiten
Haben Sie die Rechtschreibprüfung eingerichtet und aktiviert, markiert Vim falsch geschriebene oder unbekannte Begriffe in Rot. Groß- und Kleinschreibungsfehler (z. B. am Satzanfang) hebt der Editor in Blau hervor. Sie können nun mit den üblichen Navigationskommandos zu den Fehlern wechseln. Mit der Tastenkombination ]s springen Sie gezielt zum nächsten Treffer, mit [s geht es zurück. Handelt es sich nicht um einen Fehler, und Sie möchten den Begriff zum aktuellen Wörterbuch hinzufügen, drücken Sie zg. Vorschläge zur Korrektur macht der Editor ebenfalls, wenn Sie z= eingeben. Sie sehen dann eine Liste von Wörtern, die Sie durch Eingabe der entsprechenden Nummer und [Eingabe] auswählen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Vim macht Vorschläge, wie Sie falsch geschriebene Wörter ersetzen können. Die Ideen sind mal mehr und mal weniger gut.
Tipp: Vim: Rechtschreibprüfung automatisch starten
Möchten Sie das in den letzten Tipps vorgestellte Feature dauerhaft aktivieren, tragen Sie den Befehl setlocal spell spelllang=de_de in die Konfigurationsdatei des Texteditors ein. Beachten Sie, dass kein führender Doppelpunkt nötig ist. Öffnen Sie die Vim-Einrichtungsdatei .vimrc in Ihrem Home-Verzeichnis im Texteditor und tragen Sie das Kommando in eine eigene Zeile ein, speichern und schließen Sie die Datei. Beim nächsten Aufruf von Vim ist die Rechtschreibprüfung automatisch aktiv.
Alternativ können Sie über eine so genannte map eine Taste oder eine Tastenkombination definieren, welche die Rechtschreibprüfung einschaltet. Schreiben Sie beispielsweise die folgende Zeile in die Vim-Konfigurationsdatei:
map <F10> :setlocal spell spelllang=de_de<CR>
Im Klartext bedeutet das: Sobald Sie die Taste [F10] betätigen, wird das Kommando zum Einschalten der Prüfung ausgeführt; beachten Sie die Angabe von <CR> am Ende der Zeile, was den Druck auf [Eingabe] simuliert – so müssen Sie den Befehl nicht von Hand bestätigen.
Infos
[1] Artikel zu Dolphin: Hans-Georg Eßer, “Dateiverwaltung für Profis”, EasyLinux 04/2015, S. 58 ff.
[2] srm-Webseite: http://srm.sourceforge.net/
[3] Guru-Training zu rm und rmdir: Elisabeth Bauer, “Ab in die Tonne”, EasyLinux 07/2003, S. 76 ff., http://www.easylinux.de/2003/07/076-guru-rm/
[4] Wikipedia-Artikel zu SI-Einheiten (Système international d’unités): https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Einheitensystem
