Wie leicht gelingt die Installation der Distribution? Funktioniert das auch auf neuen Rechnern mit UEFI, und verkleinert der Installer vorhandene Windows-Systeme? Wir testen die Einsteigerfreundlichkeit von sechs aktuellen Linux-Distributionen.
Laut DistroWatch-Rangliste [1] liegt Linux Mint in der Gunst der Nutzer weit vorne – und das schon seit Monaten. Deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt Ubuntu, dicht dahinter Debian. OpenSuse, Fedora und Mageia sind auf den Rängen 4, 5 und 6. Wir haben fünf der Spitzenreiter sowie den KDE-Ableger Kubuntu von Ubuntu unter die Lupe genommen. Alle sechs Distributionen sollten zeigen, wie einsteigerfreundlich sie sind. Zu Kubuntu und Mageia finden Sie darüber hinaus ab Seite 28 und ab Seite 34 Installationsanleitungen, weil wir diese Distributionen auf die Heft-DVD gepackt haben.
Dazu haben wir uns zunächst den Installer angeschaut. Ohne Ausnahme setzen alle getesteten Systeme auf ein grafisches Werkzeug bei der Einrichtung. Kubuntu, Linux Mint und Fedora booten zunächst ein Live-System, und Sie können die Distribution nach Herzenslust testen, bevor Sie über ein Desktopsymbol die Installation anstoßen. Debian, Mageia und OpenSuse starten das Installationsprogramm hingegen direkt nach dem Booten von einem entsprechenden Medium.
Alle Kandidaten sollten darüber hinaus zeigen, wie kooperativ sie sich verhalten und ob sie vorhandene Windows-Systeme miteinbeziehen. Schon länger können die Installationsprogramme NTFS-Partitionen verkleinern und den freien Platz für Linux nutzen; inzwischen sind die meisten Systeme so weit, dass sie auch mit dem neuen UEFI klarkommen. Unsere sechs Prüflinge beherrschen das alle – manchmal allerdings gilt es, aufzupassen und selbst Hand anzulegen.
Schließlich haben wir uns die Desktops angeschaut. Während einige Distributionen sich auf einen Standard festlegen, bieten andere bei der Installation mehrere Oberflächen zur Auswahl an. Teilweise sind die alternativen Desktops auf eigenen Installationsmedien untergebracht; im Fall von Ubuntu trägt das System sogar einen eigenen Namen (Kubuntu). Da EasyLinux in den meisten Artikeln die KDE-Arbeitsumgebung beschreibt, haben wir zudem nachgeschaut, wie aufwendig das Nachrüsten dieses Desktops ist, wenn er nicht automatisch installiert wird.
Debian 8.1
Die neueste Ausgabe der Community-Distribution Debian [2] ist im April 2015 als Version 8.0 erschienen; im Juni folgte mit Version 8.1 ein erstes Update. Beide Systeme (und auch weitere Ausgaben der 8er-Reihe) hören auf den Codenamen “Jessie”. Schon lange hat Debian unterschiedliche Installationsmedien im Angebot: Neben fertigen CD-/DVD-Images bieten die Entwickler auch kleine Abbilder für USB-Sticks oder Netzwerkinstallationen an [3]. Wir haben für unseren Test das erste von insgesamt drei DVD-Images für 64-Bit-Systeme verwendet. (Die anderen beiden Abbilder enthalten zusätzliche Software; sie sind nicht bootbar.)
Der Debian-Installer erkennt automatisch, ob es sich um ein System im UEFI-Modus handelt, und zeigt das im Startbildschirm am oberen Rand an. Die ausgewählte Sprache und den Aufenthaltsort nutzt der Installer, um später eine passende Zeitzone und einen Debian-Spiegelserver vorzuschlagen. Anschließend versucht das System, die vorhandene Hardware zu identifizieren. Ist im Netz ein DHCP-Server vorhanden, erhält der Debian-Rechner von diesem automatisch eine IP-Adresse. Nach der Netzwerkkonfiguration setzen Sie ein Passwort für den Systemadministrator root. Wenn Sie die Felder leerlassen, deaktiviert das System den Account und gibt dem bei der Installation eingerichteten Benutzer mithilfe von sudo Administratorrechte. Nach dem Einrichten eines normalen Benutzeraccounts untersucht der Installer vorhandene Festplatten. Ein Partitionierungsassistent steht nun hilfreich zur Seite, wenn es ans Aufteilen des Platzes geht.
Gut aufgeteilt
Für die meisten Anwender sind die folgenden Optionen beim Partitionieren interessant:
- Geführt — vollständige Festplatte verwenden: In diesem Szenario teilt der Partitionierungsassistent eine Platte selbständig auf. Der Debian-Installer bietet dabei an, alle Dateien auf eine Partition zu packen, eine separate /home-Partition zu erstellen oder sogar eigene /home-, /usr-, /var– und /tmp-Partitionen anzulegen. Befinden sich schon ein Windows-System oder weitere Linuxe auf der Platte, wählen Sie stattdessen die Aufteilung von Hand.
- Manuell: Entscheiden Sie sich hierfür, blendet der Partitionierungsassistent zunächst eine Übersicht der vorhandenen Platten und Partitionen ein. Unbelegter Platz ist deutlich als FREIER SPEICHER gekennzeichnet. Sie können vorhandene (NTFS-)Partitionen bearbeiten und deren Größe anpassen. Dazu wählen Sie einen Eintrag aus, klicken auf Weiter und entscheiden sich dann für Partitionsgröße ändern.
Windows-Partitionen können Sie im Debian-Installer auswählen und unformatiert (!) einbinden. Damit sind diese direkt ins System integriert, und Sie können sie unter Linux einhängen und vom Dateimanager aus erreichen.
Der Debian-Installer kümmert sich nur im geführten Modus um das Anlegen einer UEFI-System-Partition (ESP), in welcher er später den Bootloader unterbringt. Beim manuellen Aufteilen muss man sich selbst darum kümmern (Abbildung 1). Eine bereits von Windows erstellte ESP kann Debian mit benutzen.

Abbildung 1: Der Debian-Installer erzeugt UEFI-System-Partitionen und macht diese automatisch bootfähig.
Was bleibt
Nach der Installation des Grundsystems erhalten Sie die Möglichkeit, weitere CDs oder DVDs sowie Paketquellen im Netz einzubinden. Ausgehend von der vorher eingestellten Sprache zeigt die Übersicht in der Voreinstellung deutsche Debian-Mirrors an. In einem Auswahldialog entscheiden Sie sich letztendlich für Paketgruppen. Debian bietet verschiedene Zusammenstellungen an, die u. a. eine grafische Oberfläche, Standard-Systemwerkzeuge oder diverse Server einrichten.
Die von den Debian-Entwicklern zusammengestellten Paketgruppen können Sie auch im laufenden Betrieb jederzeit nachrüsten. Suchen Sie dazu im Paketmanager nach Paketen, die mit task- beginnen. Neben der bei der Installation angebotenen Grundausstattung finden Sie hier etliche interessante Sammlungen. Auf diese Weise gelingt es auch leicht, den KDE-Desktop nachzurüsten: task-kde-desktop und task-german-kde-desktop bringen alle benötigten Komponenten auf die Platte. Alternativ zur klassischen Installation können Sie auch die Debian-KDE-Live-DVD herunterladen und darüber installieren (Abbildung 2).

Abbildung 2: An einen Debian-KDE-Desktop kann man auch über die Debian-Live-DVD gelangen – dann fehlen aber die deutschen Sprachpakete.
Fedora 22
Fedora 22 [4] (genau wie der Vorgänger ohne Codenamen) ist im Mai 2015 erschienen. Für die Installation der “Workstation”-Variante (es gibt auch Server-Versionen) bietet das Projekt zwei Live-DVD-Images mit 32- und 64-Bit-Versionen an, die je 1,3 GByte groß sind [5]. Wir haben die 64-Bit-Version unter die Lupe genommen.
Beim Booten mit eingelegter DVD wechselt das System nach einigen Sekunden in den Grafikmodus und bietet an, Fedora auszuprobieren oder direkt zu installieren; auch aus dem mit Gnome als Desktop laufenden Live-System (Abbildung 3) heraus lässt sich später der Installer starten.

Abbildung 3: Im Fedora-Live-System läuft Gnome, Sie können aber später auch KDE installieren oder direkt eine andere DVD verwenden.
Das Setup-Programm fragt nach der Sprache und schlägt eine automatische Partitionierung vor (wobei sich die Partitionen auch verschlüsseln lassen), Windows-Partitionen kann das Programm verkleinern. Von der manuellen Partitionierung mit dem Fedora-Tool sollten Einsteiger absehen, denn das Feature ist unübersichtlich und benutzt in der deutschen Lokalisierung ungewöhnliches Vokabular (z. B. “Anschlusspunkt” statt Mount-Point oder Einhängepunkt).
Wenn das Thema bearbeitet ist, beginnt auch schon das Kopieren der Dateien. Währenddessen können Sie noch das Root-Passwort setzen und ein erstes Benutzerkonto anlegen. Für den neuen Benutzer lässt sich die Option Diesen Anwender als Administrator festlegen aktivieren – er darf dann später sudo verwenden. Mehr ist zunächst nicht zu tun, eine gezielte Auswahl von Software oder das Festlegen des Desktops ist hier nicht vorgesehen.
So landet dann ein Gnome-Desktop auf der Festplatte – wer hier lieber KDE sehen würde, kann den Desktop entweder später zusätzlich installieren oder vorab auf ein anderes Image ausweichen. Doch diese Information findet nur, wer ein wenig Zeit auf der Projektwebseite verbringt und dort die Informationen zu “Fedora Spins” entdeckt.
Erst nach der Installation und einem Neustart des frischen Systems folgen einige weitere Einstellungen – diese sind benutzerspezifisch; u. a. können Sie hier nochmal die Sprache umstellen aber auch die Tastaturbelegung auswählen. Ein weiterer Dialog erledigt die Anmeldung bei Google (Mail), OwnCloud, Windows Live und Facebook (Abbildung 4). Danach erscheint eine Übersicht mit Informationen für Neulinge.
Fedora Spins
Über die Spins [6] gibt es alternative Installations-Images mit KDE, Xfce, LXDE, Mate und SOAS (Sugar on a Stick) [7]. Für KDE sind wieder Workstation-Images in 32 und 64 Bit im Angebot, deren Dateigrößen gegenüber der Gnome-Version mit 1,1 GByte etwas geringer ausfallen.
Bei der KDE-Version fällt die direkt nach dem Booten gestellte Entscheidung zwischen Live-System und Installation weg, hier startet in jedem Fall der volle KDE-Desktop. Im Startmenü finden Sie dann einen Eintrag für den Installer, der identisch mit dem Tool der Standardversion ist. Fedoras KDE enthält Plasma 5. Es zeigt keine Icons auf dem Desktop an und benutzt das nicht-aufklappende Standardmenü; beides lässt sich aber ändern.
Für die grafische Paketverwaltung setzt der KDE-Spin auf Apper, doch hat das Programm einen Bug, der bei jeder Auswahl einer Programmgruppe eine Fehlermeldung produziert; dazu gesellen sich obskure Darstellungsfehler, so dass das Tool nicht benutzbar ist. Die Gnome-Version bringt mit “Gnome Software” ein benutzbares Tool mit. Auf der Kommandozeile installieren Sie Software mit dem neuen Tool dnf (“Dandified YUM”), das ähnlich wie zypper oder apt-get funktioniert.
Linux Mint 17.1
Die aktuelle Linux-Mint-Version [8] hört auf den Namen “Rebecca” und erschien im November 2014. Wie alle Mint-Versionen seit Ende Mai 2014 basiert sie auf einer LTS-Version von Ubuntu. Die mit “Long Term Support” (Langzeitunterstützung) ausgezeichneten Systeme erscheinen alle zwei Jahre und erhalten fünf Jahre lang Updates und Support vom Hersteller. Auch Linux Mint 17.1 trägt den Zusatz LTS, das heißt, die Entwickler versorgen Sie noch bis 2019 mit Updates.
Auf den Downloadseiten des Projekts [9] stehen verschiedene Ausgaben zur Verfügung. Welches Image Sie hier auswählen, entscheidet über die Desktopumgebung, die Sie bei der Installation einrichten. Alternative Oberflächen rüsten Sie aber jederzeit über den Paketmanager nach. Wir haben die KDE-Variante getestet und im Bootmanager-Menü den ersten Punkt (Start Linux Mint 17.1 KDE 64-bit) ausgewählt. Nach kurzer Zeit startet die Distribution im Live-Modus, und über das Symbol Install Linux Mint auf dem Desktop beginnen Sie mit der Installation.
Nach dem Auswählen der Sprache prüft der Installer, ob ausreichend Festplattenplatz vorhanden ist, ob der Rechner am Stromnetz hängt (falls es sich um einen Laptop handelt) und ob eine Internetverbindung besteht. Danach widmet sich das Programm der Festplattenaufteilung. Nur wenn Linux Mint das einzige System auf der Platte sein soll, wählen Sie den Punkt Geführt — vollständige Festplatte verwenden. Eine Möglichkeit, eine separate /home-Partition anzulegen, bietet der Installer in diesem Szenario nicht.
Teamwork
Befindet sich bereits ein anderes System auf der Platte, zeigt der Dialog dies deutlich an und blendet auch die vorhandene Aufteilung ein. Falls Sie Linux Mint neben Windows installieren möchten, entscheiden Sie sich hier für Manuell. Danach können Sie eine vorhandene Windows-Partition zum Verkleinern auswählen und den freien Plattenplatz neu aufteilen. Vorhandene UEFI-System-Partitionen (ESP) von einem Windows-System erkennt der Installer und wählt den Installationsort des Bootloaders passend aus.
Wie bei der Debian-Installation gilt: Wenn Sie von Hand partitionieren, etwa weil Sie eine eigene Partition für die Home-Verzeichnisse verwenden möchten, achten Sie darauf, außer der Root- und der Swap-Partition eine mindestens 35 MByte große UEFI-System-Partition zu erzeugen (Abbildung 5). Bei der geführten Partitionierung passiert das automatisch.

Abbildung 5: Im UEFI-Modus benötigt jedes Linux (hier: Mint) eine EFI-Boot-Partition; ist bereits Windows installiert, können Sie eine vorhandene EFI-Partition nutzen.
Unter Dach und Fach
Der Rest läuft automatisch ab. Eine Wahl, was die vorinstallierte Software betrifft, haben Sie nicht. Während das Installationsprogramm die Programme einspielt, fragt es die Zeitzone und die Tastatureinstellung ab und richtet einen Benutzeraccount ein. Einen Root-Account gibt es nicht; der zuerst angelegte Benutzer erhält über sudo Administratorrechte.
Haben Sie Linux Mint nicht in der KDE-Variante, sondern ein Image mit Cinnamon, Mate o. Ä. installiert, ist es kein großer Aufwand, die KDE-Arbeitsumgebung nachzurüsten. Spielen Sie über den Paketmanager Ihrer Distribution die beiden Pakete kde-full sowie kde-l10n-de für die deutschen Sprachanpassungen ein.
Lohn der Installation ist ein flotter KDE-Desktop (Abbildung 6), in den Sie nur wenig Konfigurationsarbeit stecken müssen, um ihn richtig brauchbar zu machen: Es gibt zunächst nur eine Arbeitsfläche – eine unverständliche Beschränkung, die auch bei anderen Distributionen auffällt. Gut: Ab Werk lassen sich Icons auf den Desktop werfen, wie man das von anderen Oberflächen kennt.
Mitte Juni ist ein Release Candidate von Linux Mint 17.2 erschienen, so dass also bald mit einer neuen Version zu rechnen ist.
Kubuntu 15.04
Die KDE-Variante Kubuntu [10] erschien genau wie Ubuntu selbst im April 2015. Das System mit dem Codenamen “Vivid Vervet” installiert als Standarddesktop das neue KDE Plasma 5. Die anderen Derivate der Distribution setzen bei den grafischen Oberflächen auf Unity (Ubuntu), Xfce (Xubuntu) und LXDE (Lubuntu). Wer die Gnome Shell bevorzugt, greift zu Ubuntu Gnome (seit 13.04 offiziell anerkannte Variante), Ubuntu Mate gehört seit Version 14.10 zur Familie dazu. Es gibt zahlreiche weitere Spielarten, z. B. eine eigene Ubuntu Server Edition, Edubuntu (mit Schwerpunkt auf Lern- und Schulsoftware), Ubuntu Studio (Audio-, Grafik- und Videobearbeitung) oder Mythbuntu (mit MythTV und anderer Software, die den Rechner zum Home Theater PC macht).
Die Installation von Kubuntu läuft wie bei Linux Mint ab, da beide Distributionen im Wesentlichen denselben Installer nutzen: Wenn die Vorschläge zur Partitionierung der Festplatte passen (siehe auch den Installationsartikel ab Seite 28), sind die Fragen, die das Programm nach dem Booten stellt, in weniger als einer Minute beantwortet – danach kopiert das System Dateien und schließt die Einrichtung ab.
Das neue Design von Plasma 5 (siehe den separaten Test ab Seite 104) fällt gleich nach dem Start ins Auge (Abbildung 7). Vom zweiten gewichtigen Umstieg in Ubuntu 15.04 bemerkt der Durchschnittsanwender hoffentlich nie etwas: Statt der Ubuntu-Eigenkreation Upstart ist nun Systemd (siehe Artikel ab Seite 96) für den Start von Hintergrunddiensten zuständig.

Abbildung 7: Sieht man vom grellen Desktop-Hintergrund ab, überzeugt Kubuntu 15.10 mit den unaufgeregten Elementen von Plasma 5.
Beim Umstieg auf “KDE 5” ist Kubuntu die erste Distribution gewesen, beim Umstieg auf Systemd eine der letzten. Dass hier Ubuntu den Sprung nicht zu früh gewagt hat, ist beruhigend, denn sollten in einer solch zentralen Systemkomonente Fehler auftreten, hätte das gravierende Einflüsse auf die Funktion des Gesamtsystems.
In unserem Test ließ sich Kubuntu auf einem Rechner mit Windows 8 und UEFI problemlos hinzufügen, auch wenn sich im Internet einige Hinweise zu Problemen mit der Parallelinstallation im UEFI-Modus finden. Die automatische Partitionierung verkleinerte die Windows-Datenpartition (um Platz für zwei Linux-Partitionen zu schaffen) und schrieb die UEFI-typischen Boot-Informationen in die schon von Windows genutzte EFI-System-Partition.
Kubuntu oder Mint?
Linux Mint hat gegenüber Kubuntu den Praxisvorteil, dass etwas mehr proprietäre oder aus anderen Gründen heikle Softwarekomponenten automatisch installiert sind; auf beiden Systemen können Sie aber z. B. aus dem Stand MP3-Dateien anhören und Flash-Videos im Browser gucken. Mint installierte direkt die für den Betrieb in einer VirtualBox-VM nötigen Treiber, bei Kubuntu fehlten sie, aber nach wenigen Minuten Laufzeit erschien ein Dialog, der anbot, ebendiese Komponenten nachzuinstallieren.
Die Standardversionen von Mint (mit Mate- oder Cinnamon-Desktop) sind schlanker als aktuelle KDE- oder Gnome-Desktops und mischen aktuelle Bedienkonzepte mit Elementen aus der alten Gnome-Version 2. Damit passen sie auch gut zu älteren Rechnern. Der Ubuntu-eigene Desktop (Unity) ist für Umsteiger von Windows 7 (und davor) gewöhnungsbedürftig, dafür bringt das hier getestete Kubuntu die derzeit modernste KDE-Version auf den Bildschirm.
Mageia 5
Mageia [11] erschien das erste Mal im September 2010 als Abspaltung von Mandriva Linux, das es mittlerweile nicht mehr gibt: Im Mai hat die französische Firma Mandriva S.A. Konkurs angemeldet, nachdem 2011 die letzte offizielle Release (2011.0) erschienen war.
Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet “Magie”. Die aktuelle Version 5 ist im Juni 2015 erschienen, sie ist die erste Ausgabe der Community-Distribution, die auf UEFI-Systemen installierbar ist.
Das Installationsprogramm ist leicht zu bedienen und führt in wenigen Schritten durch die Einrichtung. Wie in der Mandrake-/Mandriva-Welt üblich, wird ein Root-Passwort festgelegt, und der Standardbenutzer muss später su verwenden, um Root-Rechte zu erhalten – sudo wird nicht vorkonfiguriert. Das ist Geschmacksache; wer sudo bevorzugt, kann die Konfiguration später ändern.
Unsere einzigen Kritikpunkte am Installer sind
- der mehrfache Wechsel zwischen Dialogen mit Rückfragen und Kopier- oder Download-Aktionen (das führt dazu, dass man ein paar Minuten am Rechner sitzen bleiben muss)
- sowie die Tatsache, dass trotz des Einrichtens von Onlinequellen die Installations-DVD als Standardquelle aktiviert bleibt, so dass man diese im fertigen System erst manuell aus der Liste der Paketquellen entfernen muss, um regelmäßige Aufforderungen zum Einlegen der DVD zu vermeiden (siehe Installationsartikel ab Seite 34).
Desktop und Konfiguration
Mandrake Linux war eine der ersten Distributionen, die ein zusammenhängendes Kontrollzentrum eingeführt haben – das ist über Mandriva bis hin zu Mageia so geblieben: Das Mageia-Kontrollzentrum bündelt alle wichtigen Konfigurationsaufgaben unter einem Dach (Abbildung 8).

Abbildung 8: Der Mageia-Desktop gefällt mit einer effektarmen klassischen KDE-Konfiguration, in der sich auch Windows-Umsteiger direkt zurecht finden.
Der Desktop präsentiert sich schlank und übersichtlich, obwohl hier ein aktuelles KDE 4.14.5 arbeitet. Das Startmenü verwendet out-of-the-box den klassischen, aufklappenden Stil, was alle Anwender erfreuen wird, die sich mit dem Kickoff-Stil nie anfreunden konnten und bei jedem frischen KDE-Desktop als erstes das Startmenü auf klassisch umstellt.
Windows-Umsteiger werden an Mageias KDE-Konfiguration auch schätzen, dass hier der Doppelklick als Standard eingestellt ist, um Programme und Dateien über Desktop- oder Dateimanager-Icons zu starten bzw. zu öffnen. Auch schön: Von Anfang an gibt es vier Arbeitsflächen, auf denen sich die Fenster breit machen dürfen.
Das Mageia-Projekt, das ohne Firmenmitwirkung als Community-Projekt organisiert ist, hat seit der Vorgänger-Release 16 Monate Arbeit in die neue Version gesteckt, und das Ergebnis wirkt rund.
OpenSuse 13.2
Die aktuelle Version 13.2 von OpenSuse [12] mit dem Codenamen “Harlequin” hat schon ein paar Monate auf dem Buckel: Sie ist im November 2014 erschienen. Der Nachfolger 13.3 (der auch 14.1 heißen könnte) ist noch für dieses Jahr geplant; ein genaues Veröffentlichungsdatum war bei Redaktionsschluss aber nicht bekannt.
Der zentrale Programmname, den jeder OpenSuse-Anwender kennt, ist YaST: Die Abkürzung steht für Yet another Setup Tool (deutsch: noch ein weiteres Einrichtungswerkzeug), und er bezeichnet gleichzeitig die Installationsroutine und das Konfigurationsprogramm fürs laufende System. YaST wurde schon für Version 13.1 komplett neu entwickelt und fasst alle Systemeinstellungen in einer übersichtlichen Oberfläche zusammen (Abbildung 9).
KDE ist unter OpenSuse der Standard-Desktop: Im deutschsprachigen Raum hat sich KDE in den frühen Jahren deutlich stärker verbreitet als alternative Desktops, und OpenSuse ist als Community-Distribution Nachfolger des deutschen SuSE Linux – entsprechend kennt man sich bei OpenSuse mit KDE gut aus. Dennoch stehen auch zahlreiche weitere Desktops zur Installation bereit, darunter Gnome, Xfce und LXDE. Die mit OpenSuse 13.2 ausgelieferte KDE-Version 4.14.8 kommt noch ohne Plasma 5, die neueren Pakete lassen sich aber nachrüsten.
Unter der Oberfläche ist die wichtigste Besonderheit von OpenSuse 13.2, dass Btrfs [13] jetzt das Standarddateisystem für die Root-Partition ist. Das ist fortschrittlich, weil es das Anlegen von Snapshots (Wiederherstellungspunkten) ermöglicht, kann Einsteiger aber verwirren, wenn sie die Liste der eingebundenen Datenträger ansehen (Abbildung 10).

Abbildung 10: Die Root-Partition (hier: “/dev/sdb5”) taucht bei OpenSuse mehrfach in der Mount-Tabelle auf – das liegt am Btrfs-Dateisystem.
OpenSuse bereitet das Administratorkonto (Benutzer root) vor, verzichtet aber standardmäßig auf die Eingabe eines root-spezifischen Passworts, sondern übernimmt hier das Passwort des auch während der Installation eingerichteten ersten normalen Anwenders – passend für alle Heimanwender, die der einzige Benutzer des PCs sind. Sie können auf Wunsch aber auch ein separates Passwort für root vergeben.
Qual der Wahl
OpenSuse, (K)Ubuntu, Linux Mint, Mageia (ehemals Mandriva) und mit Einschränkungen auch Fedora hatten schon immer Ein- und Umsteiger als Zielgruppe im Auge, was man von Debian nicht unbedingt sagen kann, wo noch bis vor kurzem ein umständlich zu bedienender Textmodus-Installer sein Werk verrichtete (den Profis übrigens noch immer anstelle der grafischen Routine nutzen können).
Alle Distributionen im Testfeld können bestehende Windows-Partitionen verkleinern und sind zu UEFI-Systemen mit GPT-Festplatten kompatibel, was für eine Parallelinstallation zu Windows 8 und neuer wichtig ist. Bei der Softwareverwaltung setzen alle auf ein Repository-System, über das Paketabhängigkeiten bei der Installation automatisch aufgelöst werden. Nach welchen Kriterien soll man also entscheiden?
Letzten Endes ist keine Wahl verkehrt. Eine eventuelle Vorliebe für das Debian- oder RPM-Paketkonzept (aus früheren Erfahrungen mit anderen Linux-Installationen) kann z. B. die Auswahl auf Debian, Kubuntu und Mint (jeweils mit Debian-Paketen) oder Fedora, Mageia und OpenSuse (jeweils RPM) einschränken. Wem es wichtig ist, dass die Distribution einen Schwerpunkt auf den KDE-Desktop legt, nimmt OpenSuse oder Mageia. Aber egal, für welche der Distributionen Sie sich entscheiden: Fehlende Software können Sie meistens nachrüsten, und beim Hardware-Support gibt es nur geringe Unterschiede. Um einen späteren Wechsel zu erleichtern, empfiehlt es sich eh, bei der Installation eine separate Partition für /home zu erzeugen – dann können Sie später ein Linux durch ein anderes ersetzen, ohne Ihre privaten Dateien zu verlieren.
Bleibt noch die Frage, mit welchem Linux sich am besten spielen lässt: Die beantworten wir im folgenden Artikel. (hge)
Linux-Distributionen
| Debian | Fedora | Kubuntu | Linux Mint KDE | Mageia | OpenSuse | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Version | 8.1 | 22 | 15.04 | 17.1 | 5 | 13.2 |
| Codename | Jessie | – | Vivid Vervet | Rebecca | – | Harlequin |
| Grafischer Installer | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Support für UEFI/GPT | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Assistent fürs Partitionieren | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Verkleinern von Windows | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Paketformat | Debian | RPM | Debian | Debian | RPM | RPM |
| Repository-Tool | APT | DNF/YUM | APT | APT | Urpmi | Zypper |
Infos
[1] DistroWatch: http://distrowatch.com/index.php?language=DE
[2] Debian-Projekt: https://www.debian.org/
[3] Debian-Download: https://www.debian.org/CD/
[4] Fedora-Projekt: https://getfedora.org/de/
[5] Fedora 22 Workstation: https://getfedora.org/de/workstation/download/
[6] Fedora Spins: https://spins.fedoraproject.org/de/
[7] Sugar on a Stick: http://wiki.sugarlabs.org/go/Sugar_on_a_Stick
[8] Linux Mint: http://www.linuxmint.com/
[9] Linux-Mint-Editionen: http://www.linuxmint.com/release.php?id=23
[10] Kubuntu: http://www.kubuntu.org/
[11] Mageia Linux: https://www.mageia.org/de/
[12] OpenSuse: https://www.opensuse.org/de/
[13] Artikel zu Btrfs: Hans-Georg Eßer, “Butter bei dat Dateisystem”, EasyLinux 01/2015, S. 94 f.



