Ubuntu, Linux Mint und Knoppix basieren auf der Distribution Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Systemen angenehmer machen.
Tipp: Unity: Mehrere Arbeitsflächen nutzen
Mit Ubuntu 13.04 hat Unity die virtuellen Desktops nicht verloren – die Entwickler haben das Feature lediglich deaktiviert, Sie schalten es aber mit wenigen Mausklicks wieder ein. Öffnen Sie aus dem Menü ganz rechts oben im Panel den Eintrag Systemeinstellungen oder klicken Sie links im Starter das Icon mit dem Schraubenschlüssel an. Wechseln Sie in der Kategorie Persönlich zu Darstellung und dort auf den Reiter Verhalten. Setzen Sie ein Häkchen bei Arbeitsflächen aktivieren. Links in der Startleiste erscheint nun ein kleiner Umschalter. Wenn Sie diesen anklicken, erhalten Sie eine verkleinerte Darstellung aller virtuellen Desktops (bei Unity “Viewports” genannt) und können mit der Maus oder den Pfeiltasten wechseln (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die virtuellen Arbeitsflächen (Viewports) müssen Sie für Unity in aktuellen Ubuntu-Versionen erst wieder aktivieren. Danach erscheint ein Umschalter in der linken Startleiste.
Tipp: Unity: Viewports per Tastatur wechseln
Die vier Unity-Arbeitsflächen können Sie wesentlich schneller erreichen, wenn Sie dafür Tastaturshortcuts einrichten. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie es geht:
- Installieren Sie (falls noch nicht vorhanden), den Einstellungs-Manager CompizConfig (Paket compizconfig-settings-manager aus dem Universe-Repository).
- Starten Sie das Programm. Im Dash finden Sie es über Eingabe von
compiz; auf der Shell lautet der Befehl zum Startenccsm. - Wechseln Sie links in die Abteilung Arbeitsfläche und wählen Sie dann rechts Viewport Switcher aus. Gehen Sie dort zum Reiter Go to specific viewport (“zu bestimmter Arbeitsfläche wechseln”).
- Klicken Sie in der ersten Zeile neben Switch to Viewport 1 (“zur ersten Arbeitsfläche wechseln”) auf die Schaltfläche Deaktiviert. Setzen Sie ein Häkchen bei Aktiviert: Dann öffnet sich ein Dialog, in dem Sie der Funktion ein Kürzel zuweisen können.
- Klicken Sie auf Tastenkombination auswählen und drücken Sie dann die gewünschte Kombination. Der Dialog zeigt diese danach an (Abbildung 2). Es eignen sich beispielsweise Shortcuts wie [Strg]+[1] (für den ersten Desktop), [Strg]+[2] (für den zweiten) usw.
- Eine Warnung, falls Sie etwas gewählt haben, das der Desktop schon anderweitig nutzt, erhalten Sie allerdings erst, wenn Sie auf OK klicken. In dem Fall können Sie den Vorgang abbrechen oder das neue Kürzel erzwingen und damit die andere Funktion deaktivieren.
Sie können den Einstellungs-Manager CompizConfig danach schließen und bequem per Tastatur durch die Viewports navigieren.

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Strg+1, um auf die erste Arbeitsfläche zu gelangen, Strg+2 für die zweite und Strg+3 für die dritte gewählt.Tipp: Unity: Programme automatisch starten
Um bestimmte Anwendungen direkt nach der Anmeldung geöffnet vorzufinden, fügen Sie diese zur Liste der Startprogramme hinzu. Das dafür nötige Konfigurationswerkzeug finden Sie, indem Sie im Dash start eingeben und dann den Eintrag Startprogramme auswählen. Alternativ geben Sie in ein Terminalfenster den Befehl gnome-session-properties ein. Im folgenden Dialog sehen Sie bereits einige Einträge, die der Distributor für Sie dort hinterlegt hat. Über Hinzufügen erweitern Sie die Liste. Sie vergeben einen Namen und tragen den Startbefehl ins Feld Befehl ein. Über die Schaltfläche Durchsuchen öffnen Sie einen Dateiauswahldialog, in dem Sie zu den Programmen navigieren können. Um beispielsweise nach jeder Anmeldung den Browser Firefox vorzufinden, füllen Sie den Dialog aus, wie in Abbildung 3 zu sehen.

Abbildung 3: Ein Programm soll direkt nach der Anmeldung den Dienst aufnehmen? Kein Problem – tragen Sie es einfach in die Liste der Startprogramme ein.
Tipp: Ubuntu, Mint, Knoppix: Größte Pakete
Einige Pakete verschlingen viel Platz auf der Festplatte. Mit einem kleinen Kommandozeilentool finden Sie heraus, welche das sind. Installieren Sie dazu auf allen drei Distributionen das Paket debian-goodies. Danach öffnen Sie ein Terminalfenster und geben – als normaler Benutzer oder mit Root-Rechten – den Befehl dpigs ein. Das Programm präsentiert nun die zehn speicherhungrigsten Pakete. Möchten Sie die Liste verlängern, können Sie hinter -n die Zeilenanzahl angeben, z. B. so:
dpigs -n 20
Am Anfang der Zeile sehen Sie die Größe in Bytes. Möchte Sie das Ganze etwas lesbarer gestalten, verwenden Sie zusätzlich die Option -H (Abbildung 4). dpigs zeigt die Dateigröße nun “human readable” (“für Menschen lesbar”) an. Das M hinter der Zahl steht für Megabyte, und ein k weist auf Kilobyte hin.

Abbildung 4: Das kleine Tool “dpigs” zeigt auf Debian-basierten Distributionen die Pakete an, die den meisten Platz verschlingen.
Tipp: Ubuntu, Mint, Knoppix: Paketbeziehungen
Wenn es um das Installieren oder Entfernen von Software geht, ist oft von Abhängigkeiten zwischen den Paketen die Rede. Wie aber genau hängt das eine von einem anderen ab? Erfordert letzteres vielleicht eine weitere Komponente? Das praktische kleine Perl-Skript Debtree [1] gibt Antworten auf diese Fragen, denn es stellt Paketbeziehungen grafisch dar. Es berücksichtigt nicht nur die direkten Abhängigkeiten eines Pakets, sondern auch weitere Glieder in der Kette. Somit hilft es dabei, Fragen wie “wenn ich Paket X installiere, welche anderen Pakete zieht das nach sich?” oder “welche Komponenten braucht eigentlich das Programm Y?” zu beantworten.
Debtree unterstützt reguläre Abhängigkeiten (vorwärts und rückwärts), installierte und nicht installierte Pakete, virtuelle Pakete und vieles mehr. Sie bedienen das Werkzeug auf der Kommandozeile. Im ersten Schritt erhalten Sie dabei eine DOT-Datei, die Sie dann in eine Bilddatei oder ein PostScript-Dokument umwandeln.
- Spielen Sie das Paket debtree über den Paketmanager Ihrer Distribution ein. Dabei wandern bei Ubuntu auch das Programm Graphviz [2] und einige Bibliotheken als Abhängigkeiten auf die Platte. Unter Linux Mint spielen Sie graphviz zusätzlich von Hand ein.
- Öffnen Sie ein Terminalfenster und erzeugen Sie ein neues Verzeichnis (z. B. mit
mkdir debtree). Wechseln Sie in dieses hinein (cd debtree.) Auf diese Weise fliegen die angesammelten Debtree-Dateien nicht alle in Ihrem Home-Verzeichnis herum. -
In unserem ersten Beispiel schauen wir uns an, welche Abhängigkeiten das Paket nano hat. Geben Sie dazu im Terminal zunächst folgendes Kommando ein:
debtree nano > nano.dot
-
Sie sollten nun eine neue DOT-Datei vorfinden, die Sie im nächsten Schritt mit dem Tool
dotin eine PNG-Datei umwandeln. Tippen Sie dazu am Shell-Prompt:dot -T png nano.dot -o nano.png
Die Datei nano.png können Sie nun mit einem Bildbetrachter wie GThumb oder Gwenview betrachten (Abbildung 5). Um stattdessen ein PostScript-Dokument zu erzeugen, ersetzen Sie -T png im Aufruf durch -T ps und den Namen der Ausgabedatei (nano.png) durch nano.ps. Der nächste Tipp hilft Ihnen beim Deuten des Graphen und erklärt, wofür die Linien und Formen stehen.

Abbildung 5: Mit Debtree erzeugen Sie ansprechende Graphen, welche die Abhängigkeiten zwischen Paketen auf Ihrer Distribution visualisieren. Mit “dot” (aus dem Graphviz-Paket) erstellen Sie PNG-Bilder.
Tipp: Debtree-Graphen richtig interpretieren
Abbildung 5 zeigt das Bild, das Debtree zum Paket nano gezeichnet hat. Sie sehen hier verschiedene Kästen und Pfeile, welche die Beziehungen der Pakete untereinander und noch mehr darstellen. Ganz links steht in einem fett gezeichneten Rechteck der Name des Pakets, das Sie untersucht haben – in unserem Fall nano. In den Rechtecken mit normaler Linienstärke stehen andere Pakete, z. B. libncursesw5, libgpm2 usw. Befinden sich diese direkt untereinander (wie im Bild dpkg und install-info), dann heißt das, dass diese beiden Pakete die gleiche Funktionalität bieten. dpkg steht in geschweiften Klammern, das heißt, die Abhängigkeiten dieses Paketes tauchen in diesem Graph nicht weiter auf.
Eine Raute (hier: spell) weist auf ein Paket hin, dessen weitere Abhängigkeiten Debtree an dieser Stelle nicht weiter untersucht. Das Paket mit dem rötlichen Hintergrund (hier: pico) ist unbekannt, das heißt, es steht in den Paketquellen der Distribution nicht zur Verfügung. Der achteckige Kasten unten (editor) weist auf ein virtuelles Paket hin. Eine blaue Linie, wie sie von nano aus auf dpkg, libncursesw5 und libtinfo5 zeigt, zeigt an, dass eine direkte Abhängigkeit besteht. Rot weist auf einen Konflikt hin, das heißt, das Paket würde nicht funktionieren, wenn das andere installiert wäre.
Ein schwarzer, durchgezogener Pfeil deutet auf eine Empfehlung hin (“recommends”); libncursesw5 empfiehlt also libgpm2. Schwarz gestrichelte Linien stehen hingegen dafür, dass es sich um einen Vorschlag handelt (“suggests”). Die grüne Linie hat einen rückwärts gerichteten Pfeil, weist also von dem Paket weg. Das heißt, dass eine Komponente eine andere nicht anfordert, sondern bereithält. In diesem Beispiel stellt das virtuelle Paket editor das Paket nano zur Verfügung. Außerdem weist eine grüme Linie mit einer Zahl auf editor: Weitere dreißig Pakete bieten die gleiche Funktionalität wie editor.
Im Beispielgraph aus Abbildung 5 gibt es darüber hinaus eine dickere, violette Linie (von install-info nach dpkg), die auf eine Vorabhängigkeit hinweist (“pre-depends”). Das bedeutet in diesem Fall, dass dpkg komplett (im Gegensatz zu “normalen” Abhängigkeiten mit allen Konfigurationsdateien) installiert sein muss, bevor install-info installiert werden kann.
Tipp: Debtree-Grafiken klein halten
Unser Beispiel erzeugt ein relativ übersichtliches Bild, da nano nicht besonders viele Abhängigkeiten zu anderen Programmen oder Bibliotheken aufweist. Ganz anders sieht das aus, wenn Sie beispielsweise große Pakete wie texlive oder konsole untersuchen. Dann ist Debtree eine Weile beschäftigt, und die PNG-Bilder wachsen ebenfalls erheblich. Verschiedene Aufrufoptionen beschränken die Graphen:
--no-recommendsunterdrückt die Anzeige von empfohlenen Paketen.--no-alternativesblendet nur eine von mehreren Alternativen ein.--no-provideszeigt keine virtuellen Pakete an, die das angegebene Paket selbst bereitstellt.--no-conflictsschaltet die Darstellung von Konflikten ab.--max-depth=<nummer>berücksichtigt nur Abhängigkeitsstufen bis zur angegebenen Tiefe (<nummer>).
Tipp: Sprachpakete unter Linux Mint nachrüsten
Erscheinen bei Linux Mint einige Menüeinträge auf Englisch, obwohl Sie bei der Installation Deutsch als Standardsprache eingerichtet haben, oder möchten Sie aus Interesse andere Sprachpakete ausprobieren, dann geht das mit wenigen Mausklicks. Öffnen Sie das Menü und wählen Sie in der linken Leiste das Symbol mit den Zahnrädern aus, um die Systemeinstellungen zu öffnen. Klicken Sie den Eintrag Sprachen aus der Abteilung Einstellungen an. Im oberen Bereich sehen Sie die aktuellen Einstellungen. Dort finden Sie auch die Schaltfläche Sprachen hinzufügen/entfernen.
Betätigen Sie diese und geben Sie auf Aufforderung Ihr eigenes Kennwort ein, um mit Root-Rechten zu arbeiten. Es öffnet sich nun ein Dialogfenster, das eine alphabetisch sortierte Liste aller installierten Sprachpakete anzeigt. Hinter den Einträgen sehen Sie jeweils einen Hinweis, ob das Paket vollständig installiert ist. Klicken Sie in diesem Fenster auf Hinzufügen, dann öffnet Mint einen weiteren Dialog, der alle bekannten Sprachpakete auflistet, die noch nicht auf dem System vorhanden sind (Abbildung 6). Um eines zu installieren, klicken Sie es mit der Maus an und wählen Installieren.

Abbildung 6: Auch Linux Mint haben die Entwickler in zahlreiche Sprachen übersetzt. Über die Systemeinstellungen installieren Sie neue Sprachpakete.
Tipp: Mint: Nachricht für die Bildschirmsperre
Wenn Sie möchten, können Sie die Bildschirmsperre von Linux Mint mit einer kleinen Nachricht an andere Benutzer versehen (Abbildung 7). Dazu wählen Sie in den Systemeinstellungen unter Einstellungen den Eintrag Bildschirmsperre aus. Im unteren Bereich (Abwesenheitsnachricht) tragen Sie ins Feld Diese Meldung anzeigen, wenn der Bildschirm gesperrt ist Ihren Text ein. Bei gemeinsam genutzten PCs kann eine solche Nachricht z. B. verhindern, dass ein anderer Benutzer den Rechner neu startet oder ausschaltet.
Tipp: Linux Mint Cinnamon: Wochentag im Panel
Der Desktop Cinnamon zeigt in der Voreinstellung im unteren Panel ganz rechts die aktuelle Uhrzeit an. Ein Klick darauf öffnet den Kalender. Möchten Sie neben der Zeit auch das Datum in der Kontrollleiste sehen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Applet und wählen aus dem Kontextmenü Einrichten aus. Es erscheint dann der Dialog, den Sie auch über die Systemeinstellungen / Applets / Calendar öffnen können.
Setzen Sie ein Häkchen bei der Option Verwenden eines benutzerdefinierten Datumsformates. Im Feld rechts daneben definieren verschiedene Platzhalter, welche Informationen im Applet auftauchen. In der Voreinstellung ist das:
%A %B %e, %H:%M
Dabei steht %A für den Wochentag (in Langform), %B für den Monat (ebenfalls die lange Form) und %e für den Tag (als Ziffer). Hinter dem Komma folgen die Uhrzeit im 24-Stunden-Format (%H) und die Minuten (%M). Das Ganze sieht dann so aus wie in Abbildung 8. Möchten Sie das Format erweitern oder anders gestalten, stehen Ihnen Variablen wie %a (abgekürzter Wochentag), %b (abgekürzter Monatsname), %j (Tag des Jahres, z. B. 001, 002, … bis 366), %S (Sekunden), %y (Jahr in Kurzform) und einige mehr zur Verfügung. Eine vollständige Auflistung aller Platzhalter liefert die Manpage zu strftime.
Glossar
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virtuelle Pakete
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Dabei handelt es sich nicht um ein echtes Paket, sondern lediglich um einen Namen für eine Gruppe von Paketen, die alle die gleiche grundlegende Funktion bereitstellen. So handelt es sich bei exim, postfix oder dma z. B. um MTAs (Mail Transport Agents). Alle drei Pakete (und noch einige weitere dieser Kategorie) bieten das virtuelle Paket mail-transport-agent an. Ein weiteres Programm, das einen solchen MTA benötigt, verweist nun nicht auf eine spezielle Anwendung, sondern auf das virtuelle Paket.
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DOT
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Die Beschreibungssprache für die visuelle Darstellung von Graphen beschreibt deren Struktur und steuert Form und Farbe von Knoten sowie Kanten. Programme wie Graphviz interpretieren und rendern DOT-Dateien und wandeln sie in Bilder oder PostScript-Dokumente um.
Infos
[1] Debtree: http://collab-maint.alioth.debian.org/debtree/
[2] Graphviz: http://www.graphviz.org/


