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Aus EasyLinux 01/2015

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Neue Software (Teil 2/2)

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise (Teil 2/2).

Digikam 4.5.0 – leistungsfähige Fotoverwaltung

Tagging, Gesichtserkennung und eine Kartenprojektion bei eingebetteten GPS-Koordinaten: Mit diesen leistungsfähigen Funktionen behalten Sie mit Digikam selbst in riesigen Fotosammlungen den Überblick. Umgekrempelt haben die Entwickler das Programm trotz Major-Versionssprung seit der letzten Vorstellung in den Softwarenews 03/2013 nicht, doch sie haben spürbar an der Bedienung gefeilt.

Besitzer einer großen Digitalfotosammlung wissen, dass sich Bilder nur mit Einschränkungen in Verzeichnissen ordnen lassen: Zu oft passt ein Foto in mehrere Kategorien. Dateien in vielen Versionen parallel zu speichern, kostet aber unnötig Speicherplatz. Auch kommt man schnell durcheinander, bei welcher Fassung die Belichtung schon optimiert ist.

Hier hilft das aus sozialen Netzwerken bekannte Tagging: Dabei weisen Sie einem Foto beliebig viele Tags zu, zum Beispiel “Freundin”, “Urlaub”, “Sommer” und “2014”. Ein solches Tagging bildet den Kern des umfangreichen Fotoverwaltungsprogramm Digikam (Abbildung 9) [1].

Abbildung 9: Zwei Beispiele für vier Ansichtsmodi zum Durchblättern der Bilder in Digikam: Die Thumbnail-Ansicht mit vergrößertem Einzelbild und die Kartendarstellung für Bilder mit eingebetteter GPS-Position.

Abbildung 9: Zwei Beispiele für vier Ansichtsmodi zum Durchblättern der Bilder in Digikam: Die Thumbnail-Ansicht mit vergrößertem Einzelbild und die Kartendarstellung für Bilder mit eingebetteter GPS-Position.

Öffnen Sie mit [T] das Stichwörter-Unterfenster (Abbildung 10), um Fotos auszuzeichnen. Wählen Sie eines oder mehrere Bilder aus und setzen Sie die passenden Kontrollkästchen vor den Stichwörtern. Neue Stichwörter tippen Sie in das Textfeld oberhalb der Liste ein.

Abbildung 10: Über Tagging ordnen Sie ein Bild mehreren Kategorien zu. Bei hierarchischen Tags genügt die Zuordnung zur spezifischsten Kategorie: Die Ringelblume rechnet Digikam automatisch zu den "Heilpflanzen" und zum Thema "Garten", da sie den Unterkategorien "Tee" und "Blumen" angehört.

Abbildung 10: Über Tagging ordnen Sie ein Bild mehreren Kategorien zu. Bei hierarchischen Tags genügt die Zuordnung zur spezifischsten Kategorie: Die Ringelblume rechnet Digikam automatisch zu den “Heilpflanzen” und zum Thema “Garten”, da sie den Unterkategorien “Tee” und “Blumen” angehört.

Im Stichwörter-Unterfenster bringen Sie die Tags per Drag & Drop in eine hierarchische Ordnung. Fotos aus Unterkategorien erben dabei die Zugehörigkeit zur Oberkategorie. Um per Stichwort nach Fotos zu suchen, öffnen Sie links im Programmfenster den Reiter Stichwörter (Klemmmappen-Icon) und markieren eine oder mehrere Kategorien.

Ins Gesicht schauen

Eine eingebaute Gesichtserkennung erleichtert das Taggen von Personenfotos: Öffnen Sie den Reiter Personen links im Programmfenster (Portrait-Icon) und klicken Sie auf Sammlung nach Gesichtern durchsuchen. Dann präsentiert das Programm sämtliche in Ihrer Sammlung erkannten Gesichter als Bildausschnitte.

Sie brauchen nur noch in das bei Mauskontakt erscheinende Textfeld Wer ist das? den Namen der abgebildeten Person einzutippen. Dieses Verfahren funktioniert sogar bei Klassenfotos mit dreißig Personen ausgezeichnet.

Eingebettete GPS-Koordinaten wertet Digikam automatisch aus: Das Programm platziert die Fotos im Reiter Karte (Weltkugel-Icon) auf einer Karte, die sich von einer Globus-Übersicht bis auf Straßenebene zoomen lässt. Verschiedene Kartenquellen stehen zur Verfügung, darunter OpenStreetMap und Google Maps (Abbildung 9).

Digikam unterstützt das Herunterladen aus der an den Rechner angeschlossenen Kamera, ohne dass Sie die Speicherkarte herausnehmen müssen. Mit an Bord sind auch zahlreiche Fotobearbeitungsfunktionen. Diese bewähren sich besonders dann, wenn Sie dieselben Bearbeitungsschritte auf viele Bilder gleichzeitig anwenden möchten. Außerdem genügt ein Rechtsklick, um ein Foto in einem auf dem System installierten Bitmap-Editor zu öffnen.

Epochensprung

Seit der letzten Vorstellung von Digikam in den Software News 03/2013 ist die Hauptversion des Programms von Version 3 auf 4 gesprungen. Neben vielen Fehlerkorrekturen sind auch etliche neue Funktionen hinzugekommen.

Besonders hervorzuheben ist das zügigere und intuitivere Tagging von Gesichtern. Es gibt nun eine Suchfunktion für Bilder ohne Tags, die das Vervollständigen der Auszeichnung sehr erleichtert. Auch Fotos ohne GPS-Tags lassen sich nun mit wenigen Mausklicks aufspüren.

Da zwar fast alle Smartphones, aber nur wenige Digitalkameras solche Tags einbetten, ergänzen Sie diese nun leichter per Hand, um in den Genuss der in der Kartendarstellung angeordneten Fotos zu kommen. GPS-Koordinaten findet man oft bei Wikipedia.

Generell sind viele Keyboard-Shortcuts hinzugekommen, die das Navigieren durch die Bildersammlung beschleunigen. In der ebenfalls neuen Stichwortverwaltung (Abbildung 11) bündeln Sie Stichwörter in Listen oder weisen ihnen aussagekräftige Icons oder Tastaturshortcuts zu.

Abbildung 11: Im neu hinzugekommenen Stichwortverwaltungs-Fenster weisen Sie den Stichwörtern Icons oder Tastaturshortcuts zum schnellen Umschalten zu.

Abbildung 11: Im neu hinzugekommenen Stichwortverwaltungs-Fenster weisen Sie den Stichwörtern Icons oder Tastaturshortcuts zum schnellen Umschalten zu.

Die Redaktion meint

Schon in Version 3 wirkte Digikam “feature complete”. Dennoch erleichtern die neuen Funktionen die Arbeit in der Praxis und blähen die Anwendung nicht weiter auf. Zwar braucht es seine Zeit, bis man alle Aspekte des Programms überblickt, Doch Digikam präsentiert seine Funktionen übersichtlich, und keine ist überflüssig.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Qtractor 0.6.4 – handlicher, leistungsfähiger Sequencer

Es gibt sie noch, die Programme, die mit inneren Werten glänzen und die Benutzeroberfläche dabei schlicht und übersichtlich halten: Der Sequencer Qtractor gibt sich minimalistisch, bietet aber dennoch alle Funktionen, die das Hobbymusikerherz begehrt.

Aggressives Marketing kommt in der Welt der freien Software zum Glück seltener vor als im kommerziellen Umfeld. Rui Nuno Capela, der Entwickler des Musikprogramms Qtractor (Abbildung 12) [2], übt sich gar in noblem Understatement: Er attestiert seinem Programm gerade einmal Beta-Qualität, obwohl es in der Praxis sehr stabil läuft. Auch bezeichnet er es bescheiden als “Sequencer”, wenngleich es den Funktionsumfang dieser Gattung längst übertrifft: Andere Programme, die neben klassischen Sequencer-Funktionen mehrspurige Tonaufnahmen beherrschen, nennen sich “Digital Audio Workstation”. Der etwas vage Begriff suggeriert dann, dass das Programm im Bereich der Audioverarbeitung einfach alles kann.

Abbildung 12: Midi und Audio-Tracks, Mixer und Effekte: Das übersichtliche und dennoch leistungsfähige Musikprogramm Qtractor verdient die raumgreifende Bezeichnung "Digitale Audio-Workstation" so gut wie viele andere Programme aus dieser Gattung.

Abbildung 12: Midi und Audio-Tracks, Mixer und Effekte: Das übersichtliche und dennoch leistungsfähige Musikprogramm Qtractor verdient die raumgreifende Bezeichnung “Digitale Audio-Workstation” so gut wie viele andere Programme aus dieser Gattung.

Noten-Sequenzen

Sequencer sind Programme, die auf MIDI-fähigen Instrumenten gespielte Töne aufzeichnen und später wiedergeben – auch auf anderen Instrumenten, zum Beispiel Software-Synthesizern, die selbst wieder als Computerprogramm umgesetzt sind. Die zwischengeschalteten Sequencer erfüllen dabei zwei Aufgaben: Wie bei Mehrspurtonbandgeräten kann man mehrere Tracks nacheinander einspielen, sich also selbst begleiten. Doch vor allem lassen sich die eingespielten Noten direkt in der Sequencer-Software bearbeiten: Spielfehler verschwinden so ohne störendes Knacken. Auch die Anschlagstärke jeder einzelnen Note bleibt veränderbar.

Allerdings bietet Qtractor dazu nur das Grundwerkzeug “Klavierwalzenansicht” (Abbildung 13), das die Noten in Dauer (Horizontalachse) und Tonhöhe (Vertikalachse) als Balken symbolisiert. Eine Notendarstellung, wie sie Rosegarden [3] bietet, fehlt – die hilft bei per Keyboard eingespielten Tonfolgen aber auch nicht allzu sehr: In der Praxis kommt es dabei fast immer zu krummen, kaum lesbaren Notenwerten.

Abbildung 13: Nicht nur bunt, sondern auch funktionell: In der Piano-Roll-Ansicht erfassen Sie Tonhöhe, Dauer und Lautstärke eines Tons auf einen Blick.

Abbildung 13: Nicht nur bunt, sondern auch funktionell: In der Piano-Roll-Ansicht erfassen Sie Tonhöhe, Dauer und Lautstärke eines Tons auf einen Blick.

In einem Sequencer liegt das Musikstück noch nicht als Klangdatei (Wave-Datei) vor, sondern als zeitlich definierte Tastenanschläge. Die endgültige Aufnahme in eine gewöhnliche Musikdatei (Wave, MP3- oder OGG) war früher Aufgabe eines zweiten Programms, zum Beispiel des Wave-Editors Audacity [4]. Inzwischen nehmen viele Sequencer, auch Qtractor, selbst Wave-/Klangdateien auf. Man braucht also keine zusätzliche Software mehr für den letzten Arbeitsschritt des Abmischens. Vor allem aber lassen sich Gesangsaufnahmen von Anfang an synchron zu den Midi-Tracks aufzeichnen.

Das Programm beherrscht auch die so genannte Effekt-Automation. Dabei können sämtliche Parameter eines Effekts im zeitlichen Verlauf des Stücks variieren. So sind in Abbildung 12 in der E-Piano- und Gesangsspur die Intensitäten von Flanger und Hall als bearbeitbare Kurven zu sehen.

Der richtige Mix

Bisher war professionelles Abmischen mehrspuriger Aufnahmen unter Linux fast nur mit dem komplizierten Programm Ardour [5] zu stemmen. Die auf versierte Anwender zugeschnittene Software erlaubt effizientes und präzises Arbeiten, nimmt aber wenig Rücksicht auf Einsteiger. Laien geht das Mischen der Aufnahme-Tracks mit Qtractor daher viel leichter von der Hand.

Da beide Anwendungen anders als kommerzielle Musikprogramme keine eingebauten Effekte mitbringen, sondern auf systemweit installierte LADSPA-, DSSI-, VSTi- und LV2-Plug-ins [6] setzen, sind qualitativ dennoch gleichwertige Ergebnisse möglich.

Seit der letzten Vorstellung des Programms in den Software News 04/2013 hat der Entwickler viele Fehler ausgebügelt und etliche Verbesserungen eingebaut. Hier nur ein Beispiel: Der so genannte Punch-Mode spielt eine frühere Aufnahme ab und überschreibt dabei einen festgelegten kleinen Bereich mit neuen Aufnahmedaten. So kann man einige Takte bei der alten Aufnahme mitspielen, bevor die Neuaufnahme bei einem fehlerhaften Takt automatisch einsetzt. In Version 0.6.4 funktioniert dieses Punch-In auch im Schleifenmodus, und damit lässt sich eine schwierige Passage entspannt so oft aufnehmen, bis sie sitzt.

Die Redaktion meint

In all seiner Schlichtheit bietet Qtractor inzwischen alle Funkionen, die ein digitales Musikstudio für perfektes Zusammenspiel von (Midi-)Keyboards und akustischen Instrumenten oder Gesang braucht.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Corebird 0.9 – handlicher Twitter-Client

Der Twitter-Hype mag vorbei sein. Doch der Kurznachrichtendienst hat sich als Trendbarometer und Echtzeit-Nachrichtenbörse etabliert. Wer nicht immer den Browser geöffnet lassen möchte, um auf dem Laufenden zu bleiben, greift zu einem leichtgewichtigen Twitter-Client wie Corebird.

Kaum jemand twittert [7] auf dem Smartphone per Browser: Ein langsam startendes Programm passt einfach nicht zum Twitter-Prinzip: Kurznachrichten zu schreiben, macht nur dann Spaß, wenn es schnell und mühelos funktioniert.

Auch auf dem Desktop kann man es bequemer haben: Mit Corebird (Abbildung 14) [8] gibt es ein minimalistisches Programm, das wenig Rechnerressourcen und Platz auf dem Bildschirm belegt. So kann man die Anwendung bequem nebenbei geöffnet lassen. Sie aktualisiert ihre Anzeige in Echtzeit, wenn eine Netzverbindung besteht.

Abbildung 14: Übersichtlicher als im Browser: Der schlichte Twitter-Client Corebird bildet alle Twitter-Funktionen ab und filtert die abonnierten Tweets zudem über reguläre Ausdrücke.

Abbildung 14: Übersichtlicher als im Browser: Der schlichte Twitter-Client Corebird bildet alle Twitter-Funktionen ab und filtert die abonnierten Tweets zudem über reguläre Ausdrücke.

Ein Klick auf das Bleistift-Icon oben im Fenster genügt, und schon dürfen Sie lostippen. Wie die Original-Twitter-Oberfläche im Browser zeigt auch Corebird den bis zum 140-Zeichen-Limit verbleibenden Spielraum. Die Software setzt #-Tags (Themenkennzeichnung) und @-Tags (Antwort an) farblich ab. Bilder können Sie ebenfalls anhängen.

Alles an Bord

Ein knappes Dutzend Buttons reichen zum Bedienen von Corebird: Der Home-Button schaltet zum Äquivalent der Twitter-Startseite mit Ihren eigenen und den abonnierten Tweets. Wie im Twitter-Jargon steht der @-Button für Antworten auf Ihre Tweets.

Mit dem Stern-Icon schalten Sie zu den als Favoriten gekennzeichneten Nachrichten. Auch nichtöffentliche Direktnachrichten an andere Nutzer unterstützt das Programm, ebenso wie Listen [9], die Tweets mehrerer Nutzer bündeln, ohne sie zu abonnieren.

Das Listen-Icon öffnet die Anzeige der Listen. Corebird legt auch neue Listen an oder entfernt bestehende. Um einen Nutzer einer Liste hinzuzufügen, navigieren Sie per Klick auf den Benutzernamen in der Nachricht zum Profil und klicken auf den Pfeil-nach-unten Button neben Folgen.

Dort liegen auch die “Retweeten”- (im eigenen Profil zitieren) und Benutzer-Blockieren-Funktionen. Wer die Handvoll Funktionen von Twitter kennt, braucht also für Corebird kein Handbuch. Auch die Suchfunktion fehlt nicht (Lupen-Icon), ohne die man Twitter ebenso wenig ausreizen kann wie das Internet ohne Suchmaschine.

Hervorzuheben bleibt ein einziges, doch gewichtiges Bonus-Feature, das der Twitter-Oberfläche im Browser abgeht: Hinter dem Trichter-Icon in Corebird verbirgt sich eine Filterfunktion, die Tweets über reguläre Ausdrücke [10] filtert (Abbildung 15).

Abbildung 15: Damit das Gezwitscher nicht zum nervtötenden Lärm anschwillt siebt Corebird die abonnierten Tweets auf der Basis regulärer Ausdrücke.

Abbildung 15: Damit das Gezwitscher nicht zum nervtötenden Lärm anschwillt siebt Corebird die abonnierten Tweets auf der Basis regulärer Ausdrücke.

Der ganze Leistungsumfang der regulären Ausdrücke ist schwer zu erlernen. Doch schon mit dem Wissen, dass die Zeichenfolge .* für beliebigen Text steht (gar kein Text eingeschlossen), blenden Sie Tweets zu bestimmten Begriffen aus.

Im Dialog zum Erstellen neuer Filter testen Sie Ihre regulären Ausdrücke gleich: Geben Sie in das Feld Test einen Beispiel-Tweet ein. Die Software sagt Ihnen dann, ob die Regular Expression im Feld darüber diesen Text erfassen würde.

Die Redaktion meint

Corebird ist viel handlicher und ressourcenschonender als ein Browser. Trotzdem unterstützt das Programm alle Twitter-Funktionen. Zusätzlich dämmen Sie die Nachrichtenflut mit der Filterfunktion ein – eine wahrlich wohltuende Erweiterung der Original-Twitter-Oberfläche.

Ärger gemacht hat das Programm allerdings beim Anlegen und Löschen von Listen: Die waren nicht immer synchron zum Bestand auf Twitter. Dann erschienen Dialoge mit Fehlermeldungen, die das Programm aber wenigstens nicht zum Absturz brachten. Erst etwas Warten und ein Neustart lösten das Problem.

Leider funktioniert das Programm nicht mit der bei OpenSuse 13.1 enthaltenen Version der Bibliothek Gtk3.

Bewertung

3 von 5 Sternen

SimpleAudioPlayer 1.10.3 – simpler KDE-Musikspieler

Nirgends ist ein geringer Ressourcenverbrauch willkommener als bei einem im Hintergrund laufenden Musikplayer. Der SimpleAudioPlayer, ein schlichtes GUI für die KDE-Multimedia-Komponente Phonon [11], belegt kaum Arbeitsspeicher.

Die Desktopumgebung KDE stellt Anwendungen ein vollständiges Framework zum Abspielen von Musikdateien zur Verfügung. Sie konfigurieren es in den KDE-Systemeinstellungen unter Multimedia. Auf dieser Basis arbeitet das KDE-Musikspielprogramm SimpleAudioPlayer (Abbildung 16) [12] bei einem praktisch nicht spürbaren Speicherverbrauch von unter 100 KByte.

Abbildung 16: Eine Playlist, einige Buttons und Schieberegler: Der SimpleAudioPlayer gibt sich so schlicht, wie sein Name suggeriert. Doch immerhin ist eine Mitschnittfunktion für Radiostreams an Bord, die die Aufnahme auch gleich simultan abspielt.

Abbildung 16: Eine Playlist, einige Buttons und Schieberegler: Der SimpleAudioPlayer gibt sich so schlicht, wie sein Name suggeriert. Doch immerhin ist eine Mitschnittfunktion für Radiostreams an Bord, die die Aufnahme auch gleich simultan abspielt.

Im Menü File öffnet das Programm entweder einzelne Musikdateien oder ein ganzes Verzeichnis. Die Stücke erscheinen in einer schlichten Liste. Auf Wunsch gruppiert SimpleAudioPlayer die Songs nach Künstler oder Album. Im oberen Fensterdrittel gibt es Buttons zum Abspielen sowie Schieberegler für die Abspielposition und Lautstärke. Das Programm zeigt Songtitel, Künstler und Gesamtlänge des aktuellen Lieds an.

Wählerisch

Ungewohnt erscheint zunächst, dass SimpleAudioPlayer nicht alle Songs einer Playlist abspielt, sondern nur die markierten. Da sich mehrere Stücke schnell durch Ziehen der Maus mit gehaltener Taste auswählen lassen, stört dies nicht, sondern erweist sich im Gegenteil als praktisch. Leider kann man deshalb jedoch die Reihenfolge der Titel in der Playlist nicht verändern: Die Anwendung setzt jede Mausbewegung mit gedrückter Taste sofort in eine Auswahl um und sabotiert so ein Drag & Drop.

Per Rechtsklick sucht SimpleAudioPlayer im Internet nach Songtexten. Allerdings frischt das Programm den Text nicht automatisch beim Wechsel zum nächsten Lied auf. Auch ein Radiostream-Katalog ist eingebaut: Wählen Sie zunächst unter Settings / Radio streams eines oder mehrere Länder aus. Unter File / Add Radiostation fügen Sie dann der Playlist einen Radiosender hinzu.

Besonders hervorzuheben ist die Aufnahmefunktion für Webstreams (Record): Sie speichert den Stream entweder als einzelne lange Datei (Livestream) oder als nach Song und Künstler benannte Einzeldateien. Damit dies funktioniert, muss das Paket streamripper auf dem System installiert sein.

Der SimpleAudioPlayer ist auf KDE-Komponenten angewiesen, die sich mit einem Download von etwa 50 MByte nachinstallieren lassen, wenn Sie eine andere Desktopumgebung benutzen. Fast unmöglich ist jedoch sein Einsatz unter der Standard-Ubuntu-Desktopumgebung Unity: SimpleAudioPlayer startet als Icon in der Taskleiste. Unity zeigt dort jedoch nur von den Ubuntu-Entwicklern vorausgewählte Symbole an. Ab Ubuntu 13.10 ist nicht einmal mehr ein manuelles Freischalten möglich [13]. Kubuntu mit KDE ist davon aber nicht betroffen.

Die Redaktion meint

“Leichtgewichtig” bedeutet im Fall von SimpleAudioPlayer zuerst eine kaum messbare RAM-Belegung, da die KDE-Anwendung nur spätestens nach dem Abspielen des Login-Sounds ohnehin geladene Komponenten nutzt. Auch die Programmoberfläche beschränkt sich auf eine Dateiliste und Player-Buttons. Für die Aufnahmefunktion von Radiostreams gibt es im Moment unter Linux wenig grafische Alternativen.

Bewertung

3 von 5 Sternen

PhotoQt 1.1.0.1 – minimalistischer Bildbetrachter

Fast alle Bildbetrachter bringen einen Vollbildmodus mit. Doch der Fotobetrachter PhotoQt ist in seinem ganzen Design für die bildschirmleistenlose Anzeige optimiert. Durch sein unaufdringliches Äußeres empfiehlt er sich für Fotoshows.

“Ein Fotoanzeigeprogramm soll Fotos anzeigen und ansonsten dem Anwender nicht im Weg stehen.” – So könnte die Philosophie des Entwicklers Lukas Spies für sein Programm PhotoQt [14] gelautet haben. Die Software öffnet kein gewöhnliches Programmfenster, sondern verwandelt den ganzen Bildschirm in eine Projektionsfläche für Ihre Bilder (Abbildung 17).

Abbildung 17: Dezent halbtransparent, ohne Titelleiste und mit Bedienelementen, die sich erst bei Mauskontakt öffnen, stellt der Bildbetrachter PhotoQt konsequent das Bild in den Mittelpunkt.

Abbildung 17: Dezent halbtransparent, ohne Titelleiste und mit Bedienelementen, die sich erst bei Mauskontakt öffnen, stellt der Bildbetrachter PhotoQt konsequent das Bild in den Mittelpunkt.

Fotogenuss pur

Nach dem Start erscheint ein Öffnen-Dialogfeld für das anzuzeigende Bild. Nach dieser Auswahl übt sich PhotoQt in Minimalismus: Keine Fensterleiste lenkt vom angezeigten Bild ab. Außer dem Dateinamen links oben und einem winzigen X zum Schließen des Programms macht sich die Software unsichtbar.

Mit [Pfeil rechts] und [Pfeil links] blättern Sie durch die Bilder im aktuellen Ordner. [Strg]+[O] holt den Öffnen-Dialog bei laufender Anwendung zurück. Weitere Bedienelemente zeigen sich, wenn Sie die Maus an einen der Bildränder bewegen: Am linken Rand klappt ein Pop-up mit Bildinformationen (Exif-Daten) wie Blende und Belichtungszeit ein. Unten erscheint eine Leiste mit Thumbnails aller Fotos im aktuellen Verzeichnis.

Rechts öffnen sich die Quick Settings, mit denen Sie grundlegende Einstellungen des Programms anpassen. Rechts oben am Rand erscheint ein kleines Menü: Darüber starten Sie unter anderem den Diashow-Modus. Mit dem Dateifilter schränken Sie die Auswahl beim Durchblättern auf Dateien ein, die ein bestimmtes Schlagwort im Namen enthalten.

Ganz flexibel

Unten in den Quick Settings liegt der Button Show full settings. Gleich beim ersten Start lohnt sich ein Abstecher in diesen erweiterten Einstellungsdialog: Gehen Sie dort zum Reiter Other Settings und wählen Sie im oberen Drittel des Bildschirms Deutsch als Sprache. Beim nächsten Start ist die Spracheinstellung wirksam.

Der Reiter Aussehen und Verhalten ist für die Optik des Programms zuständig: Der standardmäßig angezeigte halbtransparente Hintergrund an den freien Stellen des Desktops wirkt beim Betrachten am Computer angenehm, da er die laufenden Programme abblendet, aber nicht ganz verdeckt. Für Präsentationen am Beamer ist der einfarbige, nicht-transparente Hintergrund besser geeignet. Alternativ wählen Sie ein Hintergrundbild für die freien Bildschirmbereiche.

Im Reiter Vorschaubilder verändern Sie Größe und Optik der Thumbnails am unteren Bildschirmrand oder schalten sie ganz aus. Unter Details konfigurieren Sie das Bildinformations-Pop-up am linken Rand.

PhotoQt bringt eine Reihe von Tastatur- und Mauskurzbefehlen mit, zum Beispiel das Blättern mit den Pfeiltasten oder der Leertaste, Zoomen mit dem Mausrad oder [+] und [-]. Im Reiter Kurzbefehle sehen und konfigurieren Sie alle verfügbaren Shortcuts. Bei großen Konfigurationsdialogen wie diesem zeigt das Programm eine kleine Eigenheit: Auch wenn anfangs keine Bildlaufleiste sichtbar ist, legt erst ein Scrollen mit dem Mausrad den ganzen Inhalt des Dialogs frei.

Die Redaktion meint

Bilder pur, keine störenden Fensterleisten oder Buttons: So macht das Betrachten von Fotos am Rechner Spaß. Während einer Diashow spielt das Programm sogar eine Musikdatei im Hintergrund. Leider lässt sich PhotoQt wegen der dort noch unvollständigen Qt5-Unterstützung nicht unter OpenSuse 13.1 installieren.

Bewertung

4 von 5 Sternen

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