Das beste Einsteiger-Linux mit KDE

Aus EasyLinux 01/2015

Das beste Einsteiger-Linux mit KDE

Grün hat Vorfahrt

Drei aktuelle Distributionen mit dem KDE-Desktop in Version 4.14 treten gegeneinander an: Welche ist am besten für Linux-Einsteiger geeignet – OpenSuse 13.2, Kubuntu 14.10 oder Linux Mint 17 KDE?

Noch vor einigen Jahren war eine neue Hauptversion von Suse Linux für die Linux-Gemeinschaft ein wichtiges Ereignis: Suse war lange Zeit Trendsetter und die beliebteste Distribution für Desktop-Nutzer und Linux-Einsteiger. Diese Rolle hat Suse zwar spätestens mit dem Erfolg von Ubuntu abgegeben, schaut man aber nur auf KDE-Systeme, gehört das OpenSuse-Projekt immer noch zu den wichtigsten Vertretern.

Dass OpenSuse nicht mehr die Nummer Eins in der Gunst der Desktop-Nutzer ist, hat viele Gründe, unter anderem das große Angebot ähnlich guter Distributionen und die schwindende Bedeutung des Konfigurationswerkzeuges YaST, das früher ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal war.

Die Kandidaten

Die nun vorliegende Version 13.2 von OpenSuse [1] ist trotz des ursprünglich geplanten Acht-Monats-Rhythmus’ wie schon OpenSuse 13.1 erneut erst nach fast einem Jahr Entwicklungszeit erschienen. Kubuntu 14.10 [2] ist wie üblich zeitgleich mit der aktuellen Ubuntu-Version 14.10 im Oktober 2014 veröffentlicht worden und bringt für eine reguläre Ubuntu-Release (keine LTS-Version) untypisch fast keine strukturellen Änderungen gegenüber der aktuellen LTS-Version 14.04. Linux Mint 17 [3], alias “Qiana” ist dagegen im Auslieferungszustand softwaretechnisch auf einem rund vier Monate älteren Stand. Mit Version 17 haben die Mint-Entwickler ihre Release-Politik geändert: Während es bislang zu jeder neuen Ubuntu-Version (also zweimal im Jahr) auch eine Mint-Release gab, erscheint eine neue Mint-Hauptversion nun lediglich bei einer LTS-Version von Ubuntu. Daher wird Linux Mint 17 Qiana von den Entwicklern im Unterschied zu Kubuntu 14.10 fünf Jahre lang mit Updates versorgt. Nutzer von Kubuntu 14.10 dagegen erhalten nach Ablauf von sechs Monaten nur noch Sicherheitsaktualisierungen. OpenSuse kommt bei einem Veröffentlichungszyklus von acht Monaten auf eine Lifetime von 18 Monaten, die sich aus zwei Ausgaben zuzüglich zwei Monaten Überlappung berechnet.

Wegen der traditionellen Nähe zwischen OpenSuse und den KDE-Entwicklern ist davon auszugehen, dass das OpenSuse-Team innerhalb der gesamten Lifetime, also über den aktuellen Veröffentlichungszyklus hinaus, Fehlerkorrektur-Updates für KDE ausliefert.

Dieser Artikel richtet sich primär an Privatnutzer und widmet sich vorrangig der Alltagstauglichkeit und Einsteigerfreundlichkeit der drei Kandidaten mit KDE-Desktop. Wie Sie OpenSuse 13.2 und Kubuntu 14.10 installieren, lesen Sie in der Artikeln ab Seite 28 bzw. Seite 34; die 64-Bit-Versionen dieser beiden Distributionen finden Sie auf der Heft-DVD.

KDE intern

Wünschen Sie sich in erster Linie ein stabiles Arbeitsplatzsystem, sind Sie mit dem 14. KDE-Haupt-Update in mehrfacher Hinsicht bestens bedient. Der Grund: KDE 4 besteht aus den drei wesentlichen Einzelkomponenten “KDE Platform”, “KDE Applications” und “KDE Workspaces”. Bisher wurden alle drei unter der Bezeichnung KDE Software Collection stets gemeinsam veröffentlicht, obwohl KDE-intern seit längerer Zeit verschiedene Teams an der Weiterentwicklung arbeiten.

Mit der Freigabe der KDE-Hauptversion 4.14 im Sommer 2014 haben die KDE-Entwickler das monolithische Veröffentlichen der KDE SC aufgegeben. Nachdem die Entwicklung der KDE Workspaces bereits mit der Version 4.11 eingefroren wurde, gelten KDE Applications 4.14 und KDE Platform 4.14 als letzte Veröffentlichungen des vierten Zyklus vor dem Wechsel zu Version 5. Für KDE 4.14 sind nur noch Fehlerkorrekturen vorgesehen. Zum Redaktionsschluss wurde das Minor-Update 4.14.3 ausgeliefert. Einige weitere werden noch kommen, ein KDE 4.15 wird es aber nicht mehr geben.

Dass die aktuelle KDE-Version also kurz vor dem Ende ihrer Lifetime steht, werten wir als Vorteil, denn einen ausgereifteren Linux-Desktop werden Sie nicht finden. Da zudem alle drei Kandidaten spätestens nach dem ersten System-Update KDE-technisch auf einem vergleichbaren Softwarestand sein dürften, lässt sich als Vorabfazit jetzt schon festhalten, dass die Unterschiede im Detail liegen. Das betrifft zum Beispiel die Frage, wie gut KDE mit der jeweiligen Distribution integriert ist, ob eine unveränderte oder vorkonfigurierte bzw. angepasste KDE-Version ausgeliefert wird oder bis wann Sie mit Fehlerkorrekturen und Sicherheitsupdates für KDE versorgt werden.

OpenSuse 13.2

Trotz der langen Entwicklungszeit – die Dreizehn hat bei OpenSuse nichts mit dem Erscheinungsjahr zu tun – wartet die neue OpenSuse-Version im Wesentlichen mit Software-Aktualisierungen auf und bringt strukturell nur wenige Änderungen gegenüber Version 13.1. Da wir unser Augenmerk vor allem auf die Alltags- und Einsteigerfreundlichkeit richten, verweisen wir, was die Versionsnummern wichtiger Pakete und Komponenten betrifft, auf die Release-Notes [3] und das Change-Log. Sie können aber davon ausgehen, dass Ihnen OpenSuse ein topaktuelles System mit einem Kernel 3.16.6 und einem KDE-Desktop auf dem aktuellsten Stand 4.14 zur Verfügung stellt.

Beim Installieren ist der KDE-Desktop standardmäßig vorausgewählt. Wenn Sie neugierig auf die kommende KDE-Version 5 sind, können Sie nach (nicht während) der Grundinstallation mit YaST Preview-Versionen von Plasma 5 und KF 5 installieren. Neben dem OpenSuse-spezifischen Linux-Konfigurationswerkzeug YaST zählt die detailverliebte KDE-Integration zu den besonderen Merkmalen von OpenSuse. Eine gerade für Einsteiger nicht ganz unproblematische Besonderheit von OpenSuse 13.2 besteht zudem darin, dass nun per Voreinstellung das Dateisystem Btrfs (siehe Artikel ab Seite 94) für die Systempartition und XFS für die Home-Partition verwendet wird. Sicher sind beide gegenüber Ext4 die moderneren Dateisysteme. Solange Sie aber keine Datenmengen in Big-Data-Dimensionen bewältigen müssen, ist das ausgereifte Ext4 für Einsteiger die bessere Wahl, denn Btrfs macht extensiven Gebrauch von Btrfs-Subvolumes, was beim Verwenden von Befehlen wie df -h zu einer unübersichtlichen Darstellung führt, die Einsteiger eher verunsichert. (Bei Subvolumes handelt es sich um eine Art virtuelles Dateisystem innerhalb von Btrfs.) Ferner gibt es für die Pflege des Dateisystems für Ext4 eine größere Auswahl gut funktionierender Tools.

Linux Mint 17 “Qiana” KDE-Edition

Linux Mint 17 ist die erste Release, nachdem die Entwickler ihr Veröffentlichungsschema geändert haben, und wie Ubuntu 14.04 eine offizielle LTS-Release, bisher einmalig für das Mint-Projekt. Somit wird Quina von den Mint-Entwicklern bis mindestens 2019 mit Updates versorgt. Da ist es zu verschmerzen, dass im Auslieferungszustand noch KDE 4.13 installiert wird. Der Kernel ist noch auf dem Stand 3.13.0. Bis 2016 sollen dann auch Zwischenversionen von Linux Mint auf Ubuntu 14.04 LTS basieren. So ist kurz vor Redaktionsschluss die Version 17.1 (Rebecca) mit aktualisierter Softwareausstattung erschienen, allerdings nur in der Cinnamon- und Mate-Variante.

Bis 2016 wollen sich die Mint-Entwickler dann vollständig auf das Weiterentwickeln der eigenen Distribution konzentrieren. Ein Highlight aller Ubuntu-basierten Distributionen ist die Treiberverwaltung. Die bietet in Linux Mint 17 auch die Möglichkeit, Treiber vom Installationsmedium oder von einen USB-Stick zu installieren, falls es keine Internetverbindung gibt. So ist es möglich, passende Treiber auch auf Notebooks zu installieren, die nur eine WLAN-Verbindung nutzen können, für die aber beim erstmaligen Installieren kein WLAN-Treiber verfügbar ist.

Ein für Einsteiger recht nettes Feature von Mint ist der Willkommensbildschirm, der bei der ersten Orientierung hilft. Der ist in Linux Mint 17 aufgeräumter aus in früheren Versionen. Zudem basiert er jetzt nicht mehr auf Webkit und startet schneller, weil er weniger Ressourcen als der Vorgänger braucht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Willkommensbildschirn von Linux Mint bietet Einsteigern eine erste Orientierung.

Abbildung 1: Der Willkommensbildschirn von Linux Mint bietet Einsteigern eine erste Orientierung.

Kubuntu 14.10

Kubuntu 14.10 bietet – abgesehen von Softwareaktualisierungen – kaum Änderungen gegenüber der von uns in Ausgabe 03/2014 getesteten LTS-Version 14.04. Der Kubuntu-Kernel ist jetzt auf dem Stand 3.16.0; KDE ist weitgehend auf dem Stand 4.14.1. Auch Kubuntu-Nutzer können Plasma 5 durch Installieren des Paketes libkf5plamas5 testen. Das Installieren klappt aber nur mit apt-get oder Synaptic, und auch Synaptic müssten Sie dazu erst mit apt-get installieren.

Der schon vor einiger Zeit beschlossene Wechsel des Boot-Systems auf Systemd lässt auch in Kubuntu 14.10 auf sich warten. Zwar ist Systemd jetzt in den Paketquellen verfügbar, wenn Sie mit apt-cache search systemd danach suchen, vorerst aber nur als Alternative zum Noch-Standard Upstart via apt-get oder Synaptic installierbar. Wenn Sie Systemd ausprobieren möchten, beachten Sie, dass viele Kubuntu-Anwendungen derzeit noch keine Systemd-Unterstützung bieten. Dies ist aber eh nur für fortgeschrittene Anwender interessant.

Update- und Software-Verwaltung bei OpenSuse

Obwohl OpenSuse auch die KDE-eigene, auf PackageKit basierende Softwareverwaltung Apper installiert, finden Sie alles, was Sie zum Aktualisieren des Systems und zum Installieren zusätzlicher Software benötigen, in YaST im Bereich Software in Form der Module Software installieren oder löschen, Software-Repositories und Online-Aktualisierung. Neuerungen gegenüber OpenSuse 13.1 gibt es hier allerdings nicht. Im Vergleich mit den modern anmutenden Tools der Konkurrenten wirkt das Design der YaST-Module heute etwas antik, und einfach zu handhaben sind sie auch nicht unbedingt. Dafür ist die Paketverwaltung mit YaST flexibler und leistungsfähiger als bei der Konkurrenz, funktioniert aber nicht ohne Vorkonfiguration. Einsteiger sollten zum Beispiel beachten, dass der Zugriff auf Software-Repositories scheitert, wenn Software installieren oder löschen aktiviert ist und umgekehrt.

Um das Tool nutzen zu können, müssen die benötigten Paketquellen erst einmal konfiguriert sein. Das ist bei einem Community-Projekt wie OpenSuse wegen der zahlreichen verfügbaren Paketquellen nicht ganz so einfach. Haben Sie die korrekten Repositorys eingebunden und aktiviert, liest das YaST-Modul beim Start die zugrunde liegende Datenbank ein, aktualisiert sie und bietet gefundene Patches zum Installieren an. Die konfigurierten Repositorys finden Sie im Menü Konfiguration / Repositories. Mit Hinzufügen können Sie Paketquellen ergänzen. Hier wählen Sie zum Beispiel Community-Gemeinschafts-Repositories und setzen dann auf der nächsten Seite des Assistenten Liste der Online-Repsositories Häkchen bei den gewünschten Paketquellen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Damit die Software- und Update-Verwaltung mit YaST unter OpenSuse funktioniert, müssen Sie erst die benötigten Paketquellen einrichten.

Abbildung 2: Damit die Software- und Update-Verwaltung mit YaST unter OpenSuse funktioniert, müssen Sie erst die benötigten Paketquellen einrichten.

Rufen Sie dann zum ersten Mal das Menü Konfiguration / Online-Aktualisierung auf, fordert YaST Sie auf, das Paket yast2-online-update-configuration zu installieren, wozu Sie lediglich auf Installieren klicken müssen. Ist das geschehen, können Sie schließlich die Option Automatische Online-Aktualisierung aktivieren. Dabei müssen Sie ebenfalls durch Setzen ein Häkchens die Lizenzbedingungen akzeptieren und sich entscheiden, ob Sie auch interaktive Patches einbeziehen und ob Sie Delta-RPMs benutzen wollen. Außerdem können Sie Patch-Kategorien wie Sicherheit, Empfohlen usw. hinzufügen oder einen Zeitraum (täglich, wöchentlich oder monatlich) für Online-Aktualisierungen festlegen (Abbildung 3). Ist das erledigt, informiert künftig ein Applet über verfügbare Patches.

Abbildung 3: Online-Aktualisierungen lassen sich in YaST weitaus differenzierter steuern als bei Kubuntu & Co.

Abbildung 3: Online-Aktualisierungen lassen sich in YaST weitaus differenzierter steuern als bei Kubuntu & Co.

Die Software-Verwaltung mit YaST unter OpenSuse ist zwar aufwendiger als bei den Konkurrenten, bietet aber mehr Flexibilität. Ohne vorherige Konfiguration geht allerdings bei OpenSuse wenig, auch wenn Sie dazu lediglich Apper und die KDE-Aktualisierungsverwaltung benutzen.

Updates und Software bei Linux Mint

Bei Linux Mint 17 haben es die Entwickler geschafft, erstmals einen einigermaßen gut funktionierenden Update-Manager mit dem Namen Aktualisierungsverwaltung auf die Beine zu stellen. Beim neuen Update-Manager gibt es keine Startverzögerung, und er prüft die Internetverbindung nicht mehr. Dafür gibt es zwei neue Optionen bei den Ebeneneinstellungen unter Bearbeiten / Einstellungen : So ist jetzt Sicherheitsaktualisierungen immer anzeigen standardmäßig aktiviert. Die zweite neue Option Sicherheitsaktualisierungen immer auswählen und vertrauen müssen Sie bei Bedarf explizit aktivieren. Der Update-Manager merkt dann alle sicherheitsrelevanten Pakete zum Installieren vor, also auch die, die Sie vorher manuell markieren mussten, zum Beispiel bei neuen Kernel-Versionen (Abbildung 4). Sie können sich zudem jetzt im Menü Anzeigen / Linux-Kernel alle verfügbare Kernel-Versionen anzeigen lassen (Abbildung 5).

Abbildung 4: Die Aktualisierungsverwaltung von Linux Mint wurde gegenüber dem Vorgänger verbessert.

Abbildung 4: Die Aktualisierungsverwaltung von Linux Mint wurde gegenüber dem Vorgänger verbessert.

Abbildung 5: Elegant und einfach finden Sie die unter Linux Mint verfügbaren Kernel-Versionen heraus.

Abbildung 5: Elegant und einfach finden Sie die unter Linux Mint verfügbaren Kernel-Versionen heraus.

Haben Sie das Einspielen von Updates angestoßen, listet der Update-Manager zunächst sämtliche Aktualisierungen auf. Das klappt auch nachträglich mit Anzeigen / Aktualisierungsverlauf. Wie OpenSuse (YaST und Apper) und Kubuntu (Muon und Apper) stellt auch Linux Mint neben den jeweiligen Kommandozeilen-Paketverwaltern (apt-get bei Mint und Kubuntu, zypper bei OpenSuse) mit Synaptic ein weiteres grafisches Tool zum Installieren von Software zur Verfügung und erleichtert damit für Einsteiger die Programmverwaltung.

Synaptic ist einer der vielseitigsten und leistungsfähigsten Paketverwalter für Debian-basierte Distributionen, auch wenn es sich um ein GTK-Programm handelt. Der KDE-Paketverwalter Apper ist nicht vorinstalliert, versierte Anwender können ihn aber jederzeit mit apt-get nachinstallieren, wenn sie das Tool bevorzugen.

Der Standard-Paketverwalter von Linux Mint heißt auch in der KDE-Version Anwendungsverwaltung. Neu gegenüber Linux Mint 16 ist hier lediglich, dass die Verwaltung der Softwarequellen im Menü Bearbeiten jetzt auf den Namen Anwendungspaketquellen hört. Linux Mint unterscheidet bei den Paketquellen zwischen PPAs, Zusätzlichen Paketquellen und Offiziellen Paketquellen. Hier haben erfahrene Nutzer zudem die Möglichkeit, per Checkbox instabile Pakete von “romeo” oder zurückportierte Pakete zu installieren. Im Gegensatz zu Mint 16 gibt es jetzt aber einen Warnhinweis, dass solche Pakete negative Auswirkungen auf das System haben können (Abbildung 6).

Abbildung 6: Über die Paketquellenverwaltung von Linux Mint KDE-Edition fügen Sie weitere Repositorys hinzu.

Abbildung 6: Über die Paketquellenverwaltung von Linux Mint KDE-Edition fügen Sie weitere Repositorys hinzu.

Die Mint-Paketverwaltung orientiert sich mit Ihrem Bewertungssystem an Ubuntus Software-Center und ist für Einsteiger ohne Extrawünsche recht einfach zu handhaben. Synaptic ist aber leistungsfähiger und flexibler.

Updates und Software bei Kubuntu 14.10

Auch Kubuntu bringt mit Muon-Discover und der Muon-Aktualisierungsverwaltung eigene Werkzeuge für das Einspielen von Updates und die Installation von Software mit. Hierbei handelt es sich allerdings noch um die Version 2.2, die mit Kubuntu 14.04 erschienen ist und von uns bereits in Ausgabe 03/2014 vorgestellt wurde. Etwas ungewöhnlich ist die Konfiguration, denn Sie müssen auf die Schaltfläche Mehr unten links klicken, um etwa erneut auf Aktualisierungen zu prüfen (vorhandene Aktualisierungen werden auf Basis der standardmäßig eingerichteten Paketquellen gleich beim Start angeboten) oder das Tool einzurichten. Haben Sie die angebotenen Aktualisierungen markiert, müssen Sie lediglich auf Aktualisierungen installieren klicken (Abbildung 7). Auch die Aktualisierungsverwaltung profitiert vom mit Kubuntu 14.04 eingeführten neuen Benachrichtigungssystem und weist über ein Applet unmittelbar auf verfügbare Updates hin.

Abbildung 7: Die Muon-Aktualisierungsverwaltung spielt unter Kubuntu Updates ein.

Abbildung 7: Die Muon-Aktualisierungsverwaltung spielt unter Kubuntu Updates ein.

Auch Muon Discover ist betont einfach gehalten, orientiert sich optisch am Ubuntu Softwarecenter und dürfte auch Einsteiger kaum überfordern. Fahren Sie mit der Maus über den Screenshot einer App in der Ansicht Entdecken, blendet das Tool eine Beschreibung nebst einer Schaltfläche zum Installieren ein. Klicken Sie das gewünschte Programm an, wechselt das Tool in eine Detailansicht, die eine Beschreibung, sämtliche verfügbaren Benutzerbewertungen (Kommentare) und einen Screenshot zeigt, einschließlich der obligatorischen Schaltfläche zum Installieren.

Vorab zu konfigurieren gibt es im Vergleich zu OpenSuse wenig. Sie können standardmäßig lediglich in der Symbolleiste zwischen den Ansichten Entdecken, Installiert und Quellen wechseln. Mit einem Klick auf das Einrichten-Symbol rechts oben und Auswahl des Menüs Einstellungen / Werkzeugleiste einrichten können Sie die Symbolleiste aber jederzeit um weitere Funktionen erweitern (Abbildung 8).

Abbildung 8: Kubuntus Software-Verwaltung Muon Discover schlägt unter "Entdecken" beliebte Anwendungen zur Installation vor.

Abbildung 8: Kubuntus Software-Verwaltung Muon Discover schlägt unter “Entdecken” beliebte Anwendungen zur Installation vor.

Die Paktequellenliste ist deutlich übersichtlicher als bei OpenSuse. Als Vorgabe sind neben dem Standard-Repositorys Ubuntu 14.10 (mit Utopic, Utopic-Updates und Utopic-Backports) lediglich Extras und Security aktiviert. Mit einem Klick auf Softwarequelle einrichten wechseln Sie in die von Ubuntu bekannte Softwareverwaltung.

KDE-Integration Kubuntu und Linux Mint

Einen großen Einfluss auf die Benutzbarkeit im Alltag hat nicht nur der KDE-Desktop selbst, sondern auch die optische und funktionale Integration mit der jeweiligen Distribution, deren Philosophie und den vorhandenen Administrationswerkzeugen. Kubuntu 14.10 liefert einen unveränderten KDE-Desktop aus, so wie sie ihn auch von den Projektseiten des KDE-Projektes bekämen. Kubuntu-spezifisch ist nur die Softwareverwaltung Muon Discover, mit der Sie auf Wunsch auch die KDE-Softwareverwaltung Apper installieren können.

Auch Linux Mint liefert einen unveränderten KDE-Desktop aus, sieht man mal vom eigenen Desktop-Hintergrund ab. Eigene Plasma-Themes gibt es weder bei Kubuntu noch bei Mint. Hier müssen Sie sich mit Oxygen, Air und Air für Netbooks (Kubuntu) bzw. Oxygen und Air (Mint) begnügen, wobei Oxygen jeweils das Default-Theme ist. Übrigens ist das KDE-Klickverhalten in Kubuntu auf einfache Klicks eingestellt, in Mint und OpenSuse dagegen auf Doppelklicks, was Windows-Umsteigern entgegen kommt.

KDE-Integration OpenSuse

OpenSuse hingegen zeigt eine sehr detailverliebte und über das Normalmaß hinaus gehende KDE-Integration. So gibt es etwa optisch an OpenSuse angepasste Plasma-Themes mit farblich stimmigem Desktop-Hintergrund. Neben den beiden Standard-KDE-Themes Air und Air für Netbooks sowie dem von Version 13.1 bekannten, relativ dunklen Theme openSUSE, bringt die aktuelle Fassung ein sehr ansprechendes, neues Theme namens openSUSElight mit, das standardmäßig ausgewählt ist. Sie können es in den KDE-Systemeinstellungen im Bereich Erscheinungsbild und Verhalten der Arbeitsfläche bei Erscheinungsbild der Arbeitsfläche im Abschnitt Arbeitsflächen-Design anpassen. Möchten Sie nicht alle Elemente des Themes übernehmen, klicken Sie auf den Reiter Details und suchen sich für jede einzelne Designeinstellung das gewünschte Theme aus (Abbildung 9).

Abbildung 9: Bei OpenSuse steckt viel Liebe im Detail, hier das neue Plasma-Theme openSUSElight.

Abbildung 9: Bei OpenSuse steckt viel Liebe im Detail, hier das neue Plasma-Theme openSUSElight.

Sie können aber sowohl bei allen drei Distributionen jederzeit neue Themes und Designs aus dem Internet laden. Dazu müssen Sie lediglich im Systemeinstellungen-Modul Erscheinungsbild der Arbeitsfläche im Abschnitt Arbeitsflächen-Design auf Neue Designs herunterladen klicken (Abbildung 10).

Abbildung 10: Plasma-Themes (Designs) verändern das Erscheinungsbild Ihrer KDE-Umgebung mit einem Mausklick.

Abbildung 10: Plasma-Themes (Designs) verändern das Erscheinungsbild Ihrer KDE-Umgebung mit einem Mausklick.

Die Handschrift der OpenSuse-Entwickler ist auch bei anderen KDE-Details erkennbar. So ist das KickOff-Menü beispielsweise mit Untermenüs besser strukturiert als ein Kickoff-Menü im Originalzustand mit einer flachen Menüstruktur, wie es z. B. Kubuntu und Linux Mint ausliefern (Abbildung 11). Ein weiteres hübsches Detail, das die KDE-Version von OpenSuse 13.2 einem Standard-KDE voraus hat, betrifft die Höhenverstellung des KDE-Panels: Wenn Sie die Höhe anpassen, zeigt OpenSuse beim Ziehen mit der Maus die Höhe in Pixeln an (Abbildung 12).

Abbildung 11: Die OpenSuse-Entwickler haben viele KDE-Details angepasst, unter anderem das KickOff-Menü.

Abbildung 11: Die OpenSuse-Entwickler haben viele KDE-Details angepasst, unter anderem das KickOff-Menü.

Abbildung 12: Beim Verändern der Höhe der Plasma-Leiste zeigt OpenSuse die zugehörige Pixelzahl.

Abbildung 12: Beim Verändern der Höhe der Plasma-Leiste zeigt OpenSuse die zugehörige Pixelzahl.

Software-Ausstattung

Zur vorinstallierten Softwareauswahl gehören bei OpenSuse die üblichen Verdächtigen, wie Kontact, Gwenview, Okular, Amarok usw., aber auch einige populäre GTK-Programme, wie Gimp und Firefox in der Version 33. Auch hier einige OpenSuse-Details: Die Links im Dialog Über Firefox hat OpenSuse an das grüne OpenSuse-Theme angepasst, und der Browser hat ein vorinstalliertes Add-on, über das er die KDE-eigenen Dialoge zum Öffnen von Dateien oder zum Finden eines Ordners für die Ablage von Downloads nutzt. Auch LibreOffice ist unter OpenSuse in der Version 4.3.3.2 mit einem Suse-eigenen, grün gehaltenen Begrüßungsdialog vorinstalliert. Bei den Bildbearbeitungsprogrammen installiert OpenSuse neben Gimp 2.18.14 auch das Panorama-Tool Hugin.

Auch bei Kubuntu 14.10 und Mint 17 ist Firefox 33 der Standardbrowser, und LibreOffice ist im unveränderten Design in Version 4.3.3.2 an Bord. Beide Distributionen installieren in der Multimedia-Abteilung Amarok als Musik-Player und Dragon-Player für Videos. OpenSuse dagegen richtet als multifunktionalen Mediaplayer Kaffeine ein, der wahlweise xine-lib oder Gstreamer für die Wiedergabe nutzt. Der Instant Messenger ist bei OpenSuse Kopete und nicht das modernere KDE-Telepathy – letzteres Programm ist ein auf Telepathy beruhender Messenger, der zahlreiche Protokolle unterstützt. Daher ermöglicht es KDE-Telepathy, mehrere Instant-Messaging-Dienste wie XMPP (Jabber) oder ICQ simultan zu benutzen. Kubuntu installiert als reinen IRC-Client Quassel IRC; Mint das IRC-Tool Konversation, wie übrigens auch OpenSuse. Funktionale Überschneidungen bei den installierten Programmen – deren Vermeidung zur Ubuntu-Philosophie gehört – lassen sich aber offenbar nicht immer vermeiden.

Qual der Wahl

Welche ist also die benutzerfreundlichste Linux-Distribution für KDE-Freunde? Was den Desktop angeht, sind Sie mit alle drei Kandidaten gut beraten, denn alle liefern ja mit kleinen optischen Abweichungen die gleiche KDE-Version aus, zumindest nach dem ersten System-Update. Da es sich mit KDE 4.14 zudem um die letzte offizielle Release vor dem Sprung auf KDE 5 handelt, ist das Qualitätsniveau von KDE derzeit ausgezeichnet. Was an vorinstallierter Software fehlt oder zu viel ist, lässt sich zudem jederzeit nachinstallieren oder entfernen.

Es gibt aber noch anderen Kriterien, nach denen Sie die von Ihnen favorisierte Distribution bewerten können, wie der vom Hersteller garantierte Unterstützungszeittraum für die Distribution und für KDE. Hier sind Sie mit Linux Mint, gefolgt von OpenSuse gut beraten. Das Kubuntu-Team verliert dagegen diese Version nach Ablauf von sechs Monaten definitiv aus dem Fokus. Da KDE 5 nicht mehr fern ist, sichern Sie sich mit Mint 17 oder OpenSuse 13.2 noch für viele Jahre einen zuverlässigen Alltags-Desktop.

Auch das Thema Administrationswerkzeuge ist mitunter ein wichtiges Kriterium, aber ein zweischneidiges Schwert. OpenSuses YaST ist zweifelsohne unerreicht (siehe Kasten YaST) und für manche Einsteiger eine große Hilfe. Andererseits erschweren die durch YaST verursachten Redundanzen den Überblick, zumal auch die KDE-eigenen Administrationtools gute Dienste leisten.

Fazit

So endet unser Vergleich mit einem Patt zwischen OpenSuse 13.2 und Linux Mint 17 (KDE Edition), was nicht bedeutet, dass Kubuntu 14.10 eine schlechte Wahl wäre – wer Kubuntu mag, sollte aber lieber zur LTS-Version 14.04 greifen, um von der längeren Systempflege zu profitieren – es sei denn, Sie planen eh, in einem halben Jahr wieder auf die nächste Release zu aktualisieren.

Der längere Support-Zeitraum ist neben der einfachen Installation und Bedienung sowie der einsteigerfreudlichen Vorkonfiguration der Hauptgrund, zu Linux Mint 17 KDE zu greifen. Auch OpenSuse bietet noch mindestes 18 Monate Systempflege und erfreut mit einem liebevoll in das Gesamtsystem integrierten KDE-Desktop. Die Redundanzen im Zusammenhang mit YaST sind für Linux-Einsteiger möglicherweise ein Problem, erfahrene Linux-Anwender und Umsteiger von Ubuntu kommen auch ohne YaST zurecht. Erfahrene OpenSuse-Nutzer dagegen werden die weitreichenden Konfigurationsmöglichkeiten auch im Verlauf der Installation eher schätzen, trotz der teilweise umständlichen Bedienung. OpenSuse ist allerdings in mancherlei Hinsicht auch sehr speziell, daher unser Unentschieden aus der Einsteigerperspektive. Die Distribution mit dem Chamäleon lässt sich nämlich nicht ganz so schnell und einfach installieren, trotz oder wegen der erweiterten Einflussmöglichkeiten beim Setup. Stabil und alltagstauglich sind aber alle drei Kandidaten.

YaST

Das multifunktionale grafische Konfigurationswerkzeug YaST (“Yet another Setup Tool”) gehört nach wie vor zu den Alleinstellungsmerkmalen von OpenSuse; bislang bietet lediglich Mandriva mit seinen Drake-Tools etwas konzeptionell Vergleichbares, wenn auch nicht so umfassend. Da OpenSuse das Tool seit Jahrzehnten pflegt und weiterentwickelt, kann man das Festhalten daran nachvollziehen, zwingend benötigen wird der Anwender heute aber in erster Linie eine Paketverwaltung, und die bieten die Konkurrenten auch.

Die übrigen Systemeinstellungen, einschließlich der Netzwerkkonfiguration und dem Einrichten sonstiger Hardware (z. B. Bildschirm, Drucker, Multimediageräte) lassen sich auch direkt unter KDE vornehmen, wenn auch weniger umfassend. Eine positive Ausnahme bei Ubuntu-Abkömmlingen ist der Driver-Manager von Kubuntu und Linux Mint: Er ist eines der wenigen Systemverwaltungstools, die Nutzer außerhalb der KDE-Einstellungen gut gebrauchen können.

Was den Funktionsumfang und das einheitliche Erscheinungsbild angeht, bleibt YaST aber unerreicht, wenn auch in Aussehen und Bedienung etwas altbacken. Ein Problem für Einsteiger ist allerdings, dass in OpenSuse mit YaST für viele Administrationsaufgaben zwei Anlaufstellen existieren.

Die Qualität der OpenSuse-Administrationstools ist trotz teilweise umständlicher Bedienung oft besser. Das zeigt sich zum Beispiel an der Software- und Update-Verwaltung. Die muss zwar erst aufwendig konfiguriert werden, ist aber zuverlässiger und flexibler als der auf PackageKit basierende Apper.

Für YaST-Kenner interessant: YaST wartet in OpenSuse 13.3 mit einigen Verbesserungen auf. Obwohl die Entwickler den gesamten Unterbau in Ruby neu implementiert haben, was das Tool vor allem schneller macht, funktionieren die meisten Module so wie gewohnt.

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