EasyLinux-Editorial

Aus EasyLinux 01/2014

EasyLinux-Editorial

Hallo Amazon

Hallo, liebe Amazon-Chefs,

Ihr habt ja eine Menge Linux im Einsatz und spart damit seit über zwölf Jahren richtig viel Geld [1], und auch für Kunden bietet Ihr Linux – z. B. für alle professionellen Nutzer, die in der “Elastic Compute Cloud” (Amazon EC2) Rechenzeit mieten: “Amazon EC2 unterstützt derzeit die folgenden Betriebssysteme: Red Hat Linux, Windows Server, Suse Linux, Ubuntu, Fedora, Debian, CentOS, Gentoo Linux, Oracle Linux und FreeBSD.” [2] Schon vor zwei Jahren bestand Eure EC2-Cloud aus geschätzt einer halben Million Linux-Servern [3], und auch auf Eurem Verkaufsschlager Kindle läuft in allen Gerätevarianten das Linux-System [4] – damit darf ein gewisses Interesse am Thema Linux wohl vorausgesetzt werden.

Aber könntet Ihr bitte auch mal an Eure Privatkunden denken, bei denen ein Linux-PC unter dem heimischen Schreibtisch steht? Schon seit September 2012 funktioniert der Kauf von MP3-Alben auf der Amazon-Seite nur noch sehr umständlich [5], und Euer neuer “Cloud Player” [6] hindert Linux-Anwender absichtlich daran, eine benötigte .amz-Datei herunter zu laden, die über ein alternatives Tool den Download des Albums in einem Rutsch ermöglichen würde. Wenn man es schafft, an diese Datei ran zu kommen, ist der Rest ein Kinderspiel, aber Ihr wollt einfach nicht, dass es unter Linux klappt.

Bis zu dem genannten Termin hattet Ihr das Programm “Amazon MP3 Downloader” auch in einer Linux-Version im Angebot – seitdem: nichts. Linux-Anwender dürfen zwar immerhin Euren Cloud Player im Browser aufrufen und darüber auch einzelne Songs herunterladen, aber wer mehr als einen Track markiert und auf Download klickt, erfährt, dass er das falsche Betriebssystem verwendet.

E-Books? Dasselbe in Grün

Amazon-E-Books aus dem Kindle-Store unter Linux lesen? Das geht jetzt auch im Cloud-Modus, mit dem neuen “Cloud Reader” [7], aber ein gescheites Leseprogramm für Linux (wie es mit “Kindle für PC” und “Kindle für Mac” für die alternativen Betriebssysteme Windows und OS X angeboten wird) habt Ihr nicht.

In dieser Ausgabe haben wir zwei Artikel (MP3-Shops im Netz auf Seite 56 und Kindle-Test auf Seite 99), bei denen es auch um die Nutzung von Amazon-Angeboten unter Linux geht – in beiden Fällen sind unangenehme Einschränkungen aufgefallen, die ausschließlich Linux-Anwender betreffen.

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Vielleicht denkt Ihr auch mal daran, dass Eure ganzen Linux-Server von irgendwem gewartet werden müssen, heute und in den kommenden Jahren. Wenn aber etliche Hochschulen in der Ausbildung künftiger Informatiker ausschließlich Windows-Know-how vermitteln und Ihr mit Eurem fehlenden Angebot mit dafür sorgt, dass auch der Linux-Einsatz auf dem privaten Desktop weniger Spaß macht, dürft Ihr Euch in zehn Jahren nicht wundern, wenn Ihr die offenen Stellen für Linux-Profis nicht besetzen könnt oder Phantasiegehälter für die wenigen verfügbaren Experten zahlen müsst [8]. Und: Warum sollte sich ein Linux-Profi bei Euch bewerben, wenn er zu Hause Eure Shop-Angebote nicht ordentlich nutzen kann?

Natürlich seid Ihr nicht allein; es gibt etliche weitere Angebote, die nicht oder nur eingeschränkt Linux-kompatibel sind, aber da Euer wirtschaftlicher Erfolg so offensichtlich von Linux und dessen Weiterentwicklung abhängt, wäre doch hier mal eine Änderung der Einstellung angebracht.

Bis dahin in Abwandlung Eurer beliebten Produktempfehlungsfloskel: “Kunden, die Linux installiert haben, kauften auch … nichts im Amazon MP3 und Kindle Store.” Denn es gibt ja Alternativen, die unter Linux einfach funktionieren.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

Infos

[1] S. Shankland, M. Kane, R. Lemos: “How Linux saved Amazon millions”, Cnet, 10/2001, http://news.cnet.com/2100-1001-275155.html

[2] Amazon EC2 FAQ: http://aws.amazon.com/de/ec2/faqs/

[3] S. J. Vaughan-Nichols: “Amazon EC2 cloud is made up of almost half-a-million Linux servers”, Zdnet, 03/2012, http://www.zdnet.com/blog/open-source/amazon-ec2-cloud-is-made-up-of-almost-half-a-million-linux-servers/10620

[4] Wikipedia-Eintrag zum Kindle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amazon_Kindle

[5] Probleme mit Downloader: http://forum.ubuntuusers.de/topic/amazon-mp3-downloader-nicht-mehr-fuer-linux/

[6] Amazon Cloud Player: https://www.amazon.de/gp/dmusic/mp3/player/

[7] Kindle Cloud Reader: https://read.amazon.com/

[8] A. Mesmer: “Linux-Profis heiß begehrt”, Computerwoche, 04/2012, http://www.computerwoche.de/2509363

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