Notebooks mit vorinstalliertem Linux gehören nachwievor zu den Ausnahmeerscheinungen und kosten manchmal sogar mehr als ihre Windows-Pendants. Nicht so beim Presario CQ56, das Amazon für 300 Euro im Angebot hat.
Beim CQ56 [1] handelt es sich auf den ersten Blick um ein gewöhnliches 15-Zoll-Notebook. Die Besonderheit des Notebooks liegt beim Preis und bei der Ausstattung: Es kostet in der günstigsten Ausführung nur 300 Euro [2] und ist wahlweise mit Windows oder Linux beziehungsweise mit einem Prozessor von Intel oder AMD erhältlich. Wir testeten die Linux-Version des Notebooks (CQ56-103EG) mit einem Sempron V140 Prozessor von AMD, 2 GByte Hauptspeicher, Lightscribe-fähigem DVD-Brenner und einer 250 GByte großen Festplatte. Das Notebook kostet in dieser Version 300 Euro und kommt mit vorinstalliertem Suse Linux Enterprise Desktop 11.
Perfektes Linux-Setup
Der auf dem CQ56 vorinstallierte Suse Linux Enterprise Desktop 11 gibt kaum Grund zur Beanstandung. Das Compaq-Notebook zeigt nach dem Start einen Assistenten an, der den Benutzer in wenigen Schritten durch die Einrichtung des Notebooks führt und die Quellen für Updates einspielt. Allerdings liegt dem Gerät keine Recovery-CD bei und Sie erhalten auch keinen Lizenzschlüssel. Das bedeutet, dass Sie für das System zwar Sicherheitsupdates erhalten, aber keine Upgrades auf kommende Service Packs durchführen können. So bringt das SLED-System aus Sicherheitsgründen zwar den aktuellen SP1-Kernel 2.6.32 mit und setzt auch beim Dateisystem auf Ext3, die restlichen Komponenten beruhen aber noch auf dem ursprünglichen Suse Linux Enterprise Desktop 11. Gnome steht somit bei Version 2.24 und KDE ist in den Repos mit 4.1.3 vertreten (zur täglichen Nutzung nicht unbedingt zu empfehlen).
Obwohl also nicht mehr ganz taufrisch macht der Gnome-Desktop einen sauberen und schnellen Eindruck. Dank vorinstallierter ATI-Treiber werkelt der X-Server gleich nach dem Start mit Compiz, sodass der Benutzer in den Genuss wabbelnder Fenster und eines drehenden Desktop-Würfels kommt (Abbildung 1). Auch für die zusätzlichen Multimediatasten hat sich Novell Zeit genommen: ein Druck auf den Button mit dem Briefumschlag startet Evolution, die Musiktaste Banshee, der Globus Firefox und die Rechner-Taste den Gnome-Taschenrechner (Abbildung 2).

Abbildung 1: Dank des vorinstallierten Grafiktreibers funktioniert auch der 3D-Desktop aus dem Stegreif.

Abbildung 2: Sämtliche Sondertasten des Compaq-Notebooks funktionieren nur unter dem vorinstallierten SLED 11.
Das vorinstallierte Linux unterstützt über den Moonshine-Player von Novell zudem auch Filme und Musikstücke im Windows-Media-Format, dennoch kommt man für die meisten Filme um zusätzliche Codecs und einen separaten Player nicht herum. Abhilfe schafft hier das Packman-Repo für SLES11 mit Service Pack 1 [3].
Auch beim Powermanagement gibt sich das Compaq-Notebook keine Blöße: Suspend und Aufwachen aus dem Ruhezustand funktionieren perfekt: Schließen Sie den Laptop-Deckel, so schläft das System auf, machen Sie den Deckel wieder auf, erwacht es aus dem Suspend-to-RAM. Die Einschalttaste müssen Sie dazu nicht separat drücken. Auch der Geräuschpegel weiß zu gefallen, wobei das Notebook im Leerlauf bereits zu hören ist. Der Lüfter macht aber keine nervenden Auf-und-ab-Geräusche sondern läuft über längere Zeit mit konstanter Drehzahl.
Starke Grafik
Das spiegelnde 15-Zoll-Display des Compaq CQ56 wird von einer ATI Radeon HD 4250 angetrieben. Die integrierte Grafikkarte funktioniert auch mit den freien Treibern gut und liefert von Haus aus 3D-Support. Der Stromverbrauch des Compaq-Notebooks liegt zwischen 14 Watt im Leerlauf (800 MHz, ohne WLAN, niedrigste Helligkeitsstufe) und gut 30 Watt unter Volllast mit 2,3 GHz. Die Akkulaufzeit mit dem beliegenden 47-Wh-Akku beträgt somit im besten Fall drei Stunden, im schlechtesten rund 90 Minuten oder noch weniger.
Im Unterschied zu den meisten Günstig-Notebooks unterstützt das Mainboard des CQ56 bis zu 8 GByte RAM. Von Haus aus bringt das Compaq-Modell ein 2-GByte-Modul mit, ein zusätzlicher RAM-Slot steht somit zur Erweiterung frei (Abbildung 3). Die Sempron-CPU gehört hingegen eher zu den Schwachstellen des Rechners. Sie bringt es beim Umwandeln von WAV-Dateien ins OGG-Vorbis-Format auf den Faktor 23,5 und liegt damit in etwa auf dem Level eines zwei oder drei Jahre alten Phenom-Prozessors. Dafür unterstützt der Sempron-Prozessor 64-Bit-Befehlssätze – gleich günstige Celeron-CPUs sind oft nur 32-Bit-kompatibel.

Abbildung 3: Das WLAN-Modul und die RAM-Slots sind gut erreichbar, ein RAM-Upgrade lässt sich ohne Spezialwerkzeuge durchführen.
Schwachstellen
Wie bei dem Preis nicht anders zu erwarten, bringt das CQ56 auch einige Mängel mit: So sieht das Notebook zwar sehr gut aus, das Gehäuse besteht aber zu 100 Prozent aus Kunststoff. Dennoch bringt das Notebook rund 2,6 kg auf die Waage.
Vor allem der sehr harte Druckpunkt der aus einem Stück bestehendenden Maustaste(n) sorgte in den Tests immer wieder mal für Probleme, ein Druck auf beiden Seiten als Ersatz für die mittlere Maustaste benötigt sehr viel Kraft. Auch ist das Touchpad absolut plan mit der Oberfläche, sodass man gerne bei der Bedienung über das Pad hinausrutscht. Immerhin: Per Doppeltap auf die obere linke Ecke lässt sich das Touchpad aus und wieder einschalten. Eine rote LED zeigt dann wie beim WLAN-Schalter an, dass sich die Hardware außer Betrieb befindet.
Für Nutzer, die viel mit der Tastatur arbeiten, könnten zudem die Funktionstasten ein Problem darstellen. Wie bei einigen neuen Systemen reagieren Sie erst auf die Kombination mit der [Fn]-Taste, in der Grundeinstellung sind hingegen die Sondertasten zur Lautstärkeregelung, Helligkeitsstufe und so weiter aktiv. Möchten Sie also über [Alt]+[F2] einen Schnellstarter öffnen, dann müssen Sie dazu [Alt]+[Fn]+[F2] drücken. Abhilfe schaffen Sie im BIOS des Rechners, das Sie nach dem Einschalten des Notebooks über [Esc] gefolgt von [F10] erreichen. Hier ändern Sie unter System Configuration den Eintrag Action Keys Mode von Enabled auf Disabled.
Zu guter Letzt enthält das Compaq CQ56 zwar einen DVD-Brenner mit Lightscribe-Unterstützung, einen einfachen SD-Kartenleser oder einen Express-Card-Slot sucht man im Gerät allerdings vergeblich. Auch eine HDMI-Schnittstelle fehlt, für die Grafikausgabe ist lediglich ein VGA-Anschluss vorhanden.
OpenSuse & Ubuntu
Dass sich die Vorkonfiguration des CQ56 gelohnt hat, merkt man spätestens dann, wenn man selbst eine Linux-Distribution auf dem Rechner installieren möchte. Während die Installation und die Grundfunktionen in der Regel problemlos ihren Dienst verrichten, kommt es bei den Spezialfunktionen eventuell zu Problemen. Dazu gehören die Sondertasten zur linken Seite des Keyboards, das WLAN-Modul von Broadcom und die Spezialtaste für das Deaktivieren des Touchpads.
Unter Ubuntu 10.10 und OpenSuse 11.3 benötigt man für das WLAN-Modul spezielle Treiber. Ubuntu zeigt nach dem Start automatisch an, dass zusätzliche Treiber benötigt werden. Für die Installation folgt man einfach den Anweisungen des Assistenten. OpenSuse-Nutzer müssen zunächst das Packman-Repo als Installationsquelle einbinden und installieren anschließend über YaST oder Zypper das Paket broadcom-wlan-kmp-default. Beim nächsten Start arbeitet dann auch das drahtlose Netzwerk.
Probleme bereiteten beiden Systemen auch die Sondertaste für das Deaktivieren des Touchpads. Unter Ubuntu reagierten Sie überhaupt nicht. Bei OpenSuse 11.3 lässt sich das Touchpad zwar über einen Doppeltap auf die obere linke Ecke ausschalten, danach aber nicht mehr zum Leben erwecken. Abhilfe schaffen Sie in einem Terminal über den Befehl syndaemon -t. Er schaltet das Touchpad wieder ein. Auch das Tapping (Mausklick durch Antippen des Touchpads) müssen Sie unter OpenSuse zunächst einschalten. Wählen Sie dazu in den KDE-Systemeinstellungen den Eintrag Tastatur & Maus / Touchpad und markieren Sie auf dem Reiter Antippen die Checkbox Antippen erlauben. Unter Kubuntu 10.10 lautet der entsprechende Menüpunkt in den KDE-Systemeinstellungen Eingabegeräte.
Von der Grafikleistung her erreichten wir in den Tests mit OpenSuse 11.3 und dem freien Radeon-Treiber die besten Ergebnisse. Der Player MPlayer aus dem Packman-Repository spielte hier sogar Videos in 1080p ruckelfrei ab. Die übrigen Distributionen unterstützten lediglich HD-Filme in 720p absolut problemlos. Beim Videoplayback zeigt sich auch, welche Energie in der ATI-Grafikkarte steckt: so stieg der Stromverbrauch beim Full-HD-Playback auf satte 80 Watt an.
Fazit
Wer auf der Suche nach einem günstigen Desktop-Ersatz oder stationären Notebook ist, der findet mit dem Compaq Presario CQ56 von HP ein sehr gutes Gerät ohne Windows-Steuer, das sich dank ATI-Grafik auch für ansprechendere Grafikaufgaben eignet. Am Setup des Suse Linux Enterprise Desktops gibt es kaum etwas auszusetzen, doch auch mit OpenSuse oder Ubuntu kommt das CQ65 klar. Für 300 Euro ist das Notebook in jedem Fall eine Empfehlung.
Infos
[1] Offizielle Produktseite: http://h10010.www1.hp.com/wwpc/aa/en/ho/WF06a/321957-321957-3329742-89318-89318-4247498.html
[2] Angebot bei Amazon: http://www.amazon.de/Compaq-Presario-CQ56-103EG-Notebook-Sempron/dp/B0043RT08Y/
[3] Packman für SLED 11: http://packman.inode.at/suse/sle_11_sp1/

