Minitunes: Einfacher aber sehr schöner Musikplayer

Aus EasyLinux 04/2010

Minitunes: Einfacher aber sehr schöner Musikplayer

© Carol Kramberger,sxc.hu

Einfach Musik

Musikhören am PC muss nicht kompliziert sein. Sind Ihnen Programme wie Amarok oder Rhythmbox zu kompliziert und umfangreich, dann lohnt sich ein Blick auf Minitunes.

Laut Minitunes-Entwickler Flavio Tordini ist Minitunes ein ganz normaler Audioplayer, nur besser. Das stimmt insofern, als sich das Programm ganz einfach benutzen lässt und auch optisch einen sehr guten Eindruck macht. Denn während Amarok, Banshee und Rhythmbox immer mehr Wert auf soziale Dienste, Internetangebote und sonstige Spezialfunktionen legen, verfolgt Minitunes [1] nur ein Ziel: möglichst einfach zu sein. Es macht dazu einen radikalen Schnitt mit den teilweise überfüllten Musikplayern unter Linux und arbeitet mit einer minimalistischen aber umso einfacheren Oberfläche.

Das Qt-Programm stammt vom Italiener Flavio Tordini und gleich dem dem YouTube-Clients Minitube [2] aufs Haar. Das ist kein Zufall, da Minitube ebenfalls von Tordini stammt.

Minitunes ist anders

Beim ersten Start von Minitunes geben Sie einen Sammlungsordner an (Abbildung 1), wobei Minitunes in der Grundeinstellung den Ordner ~/Musik in Ihrem Home-Verzeichnis vorschlägt. Verwalten Sie Ihre Musik an einem anderen Ort, klicken Sie hier auf Choose a folder (Ordner auswählen) und geben danach das gewünschte Verzeichnis an.

Abbildung 1: Beim ersten Programmaufruf geben Sie den Ordner an, in dem Sie Ihre Musik sammeln.

Abbildung 1: Beim ersten Programmaufruf geben Sie den Ordner an, in dem Sie Ihre Musik sammeln.

Damit haben sich jedoch die Parallelen zu anderen Musikplayern bereits erschöpft. Minitunes scannt nun die lokale Sammlung und holt sich dabei automatisch die zugehörigen Infos von Last.fm. Dabei beschränkt sich das Programm nicht auf die Albumcovers sondern holt sich auch Bilder und Zusatzinformationen zu den Interpreten ab. Details dazu lesen Sie im Kasten Informationen aus dem Internet.

Informationen aus dem Internet

Während Sie bei den meisten Musikprogrammen die Albumvorschauen und Informationen zu den Künstlern live aus der Wikipedia oder von Amazon beziehen, holt sich Minitunes seine Infos beim Musikdienst last.fm [3]. Dabei handelt es sich um einen (teilweise kostenpflichtigen) Dienst, über den Sie online Musik hören und Ihren Musikgeschmack mit anderen Benutzern teilen können. Minitunes greift aber auf diese sozialen Dienste nicht direkt zu, sondern benutzt lediglich die sehr umfangreiche Datenbank von Last.fm, um die Albumvorschauen und Details zu den einzelnen Interpreten herunterzuladen. Kosten entstehen Ihnen somit keine.

Hat Minitunes Ihre Sammlung einmal gescannt, benötigt das Programm keinen Internetzugang mehr. Die heruntergeladenen Daten bleiben auf dem Rechner erhalten. Während auf der deutschen Seite von Last.fm die meisten Informationen auch in Deutsch zur Verfügung stehen, müssen Sie in Minitunes allerdings mit den englischen Texten Vorlieb nehmen.

Der erste Scan-Vorgang dauert je nach Internetanbindung und Umfang der Sammlung eine Weile. Danach kann die Musik spielen. Minitunes zeigt die gefundenen Interpreten an. Halten Sie den Mauszeiger über einem Bild, erscheint ein Play-Button. Ein Klick darauf spielt sämtliche Songs des Interpreten ab. Von nun an kümmert sich Minitunes beim Start automatisch um das Update der Sammlung.

Abbildung 2: In der Grundeinstellung zeigt Minitunes sämtliche Interpreten an.

Abbildung 2: In der Grundeinstellung zeigt Minitunes sämtliche Interpreten an.

Interpreten, Alben, Ordner

Minitunes sortiert die eigene Sammlung nach Künstlern und Alben und zeigt sie in einer Verzeichnisstruktur an. Dabei ist nicht die Sortierung an und für sich erwähnenswert, sondern die Art, auf die das Programm die enthaltenen Informationen präsentiert. Interpreten erscheinen mit einem Foto, bei Alben stellt das Programm als Zusatzinformation das Jahr der Veröffentlichung bereit, und in der Ordneransicht blendet das Programm die Anzahl der Tracks ein.

Abbildung 3: Ganz schön bunt ist die Alben-Ansicht von Minitunes.

Abbildung 3: Ganz schön bunt ist die Alben-Ansicht von Minitunes.

Auch bei diesen Ansichten blendet das Programm einen Play-Button ein, sobald Sie den Mauszeiger über einem Element lassen. Damit können Sie ganz einfach und sehr schnell Playlists mit einem bestimmten Album, einem bestimmten Künstler oder aus einem Verzeichnis erstellen. Während die meisten Musikprogramme lediglich für die eine oder andere Variante “programmiert” sind, funktioniert in Minitunes einfach alles, egal wie Sie Ihre Musik lokal verwalten.

Möchten Sie hingegen kein komplettes Album bzw. nicht sämtliche Alben eines Künstlers der Wiedergabeliste hinzufügen, klicken Sie bei der Auswahl nicht auf das Play-Symbol im Kreis, sondern daneben. Es erscheint dann eine Auswahl der Alben bzw. der darauf vorhandenen Stücke, so dass Sie auch einzelne Tracks in die Wiedergabeliste aufnehmen können.

Die Wiedergabeliste

Ganz schlicht hält das Programm auch die Playlist. Davon gibt es genau eine, und die lässt sich über drei Mausklicks leeren, wiederholen oder in den Zufallsmodus versetzen. Für jede der drei Funktionen ist ein Hotkey eingerichtet: [Strg]+[S] steht für Shuffle (zufällige Wiedergabe), [Strg]+[R] für Repeat (Wiederholung) und [Strg]+[N] für neu. Wer mit diesen drei Modi nicht glücklich ist, kann die Wiedergabeliste per Drag & Drop nach Belieben sortieren.

Beachten Sie, dass Minitunes beim Hinzufügen von Alben, kompletten Interpreten oder einzelnen Stücken diese an das Ende der Playlist anhängt und sogleich abspielt. Möchten Sie ein Stück oder ein Album zur Liste hinzufügen, ohne die aktuelle Wiedergabe zu stören, müssen Sie es per Drag & Drop auf die Liste ziehen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Um einzelne Alben oder Stücke an einer beliebigen Stelle in die Wiedergabeliste einzufügen, müssen Sie diese mit gedrückter Maustaste hinüberziehen.

Abbildung 4: Um einzelne Alben oder Stücke an einer beliebigen Stelle in die Wiedergabeliste einzufügen, müssen Sie diese mit gedrückter Maustaste hinüberziehen.

Zusatzfunktionen

Neben der Album- und Interpretenansicht bietet Minitunes einen Info-Dialog, der zusätzliche Details zu den gespielten Interpreten bereithält. Den Info-Bildschirm blenden Sie über [Strg]+[Eingabe] ein und aus. Möchten Sie das Programm im Vollbildmodus nutzen, drücken Sie [Alt]+[Eingabe].

Ein weiteres nützliches Feature hält die Ordneransicht bereit. Sie zeigt neben der Anzahl der Tracks auch die Spiellänge des jeweiligen Verzeichnisses an. Damit stellen Sie recht komfortabel Wiedergabelisten mit einer bestimmten Länge zusammen. Zu viel Zeit sollten Sie darauf allerdings nicht verwenden, da das Qt-Programm in der aktuellen Version noch keine Wiedergabelisten speichert. Es zeigt bei jedem Start eine neue Liste an.

Abbildung 5: Die Ordneransicht von Minitunes zeigt auch die komplette Spiellänge und die Anzahl der Tracks an.

Abbildung 5: Die Ordneransicht von Minitunes zeigt auch die komplette Spiellänge und die Anzahl der Tracks an.

Playlisten zu speichern und zu laden, steht aber auf der To-do-Liste von Flavio Tordini. Sie umfasst zudem auch ein paar Bugfixes, die die aktuelle Version 0.1.1 noch mitbringt. So stürzt das Programm manchmal ab, wenn Sie hinter seinem Rücken etwas an der Sammlung ändern. Auch die Option Application / Change collection folder zur Auswahl eines neuen Sammlungsordners verläuft nicht immer 100 % fehlerfrei. Abgesehen davon arbeitet das Musikprogramm aber sehr stabil.

Fazit

Mit Minitunes macht Musikhören richtig Spaß. Das Programm passt perfekt auf ein Tablet oder ein Netbook, da es sich auch auf einem kleinen Bildschirm und per Touchscreen problemlos bedienen lässt. Würde es noch die Wiedergabeliste beim Beenden speichern, wäre es eigentlich perfekt. Minitunes gehört wie Minitube auf jeden Linux-Rechner.

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://flavio.tordini.org/minitunes

[2] Minitube: Marcel Hilzinger, “Kleine Röhre – Youtube ohne Flashplayer”, EasyLinux 04/2009, S. 119 und https://www.linux-community.de/artikel/19480

[3] Last.fm: http://www.lastfm.de/

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