MPlayer und MEncoder haben einiges auf dem Kasten und lassen sich über Kommandozeilenoptionen geschickt steuern. Film ab für die beiden Programme.
MPlayer [1] ist ein richtiger Alleskönner – das Programm spielt auf verschiedenen Betriebssystemen (darunter Windows, Mac OS X und Linux) viele Video- und Audioformate ab und unterstützt auch Digital Video Broadcasting (DVB). Das Programm lässt sich optional mit Codecs aufrüsten, so dass es auch proprietäre Formate abspielt. Praktisch ist darüber hinaus, dass MPlayer Fehlern gegenüber äußerst tolerant ist: Er spielt auch unvollständige und defekte Dateien ab, ohne sich zu beklagen.
Die Installation und Bedienung von MPlayer sowie der grafischen Oberfläche gmplayer beschreibt ein älterer Artikel, den Sie unter [2] finden. In dieser Ausgabe finden Sie zudem einen Artikel zum grafischen Frontend SMPlayer. OpenSuse-Anwender finden den Player im Packman-Repository [3]; wer Ubuntu einsetzt, installiert ihn über die Onlinequelle multiverse[4]. Aber auch wenn die grafischen Oberflächen schick aussehen, zeigen MPlayer und sein Kollege MEncoder erst auf der Kommandozeile so richtig, was sie auf dem Kasten haben.
Lokale Dateien abspielen
Einfache Video- und Audiodateien, DVDs und VCDs können Sie schon beim Start angeben. Im einfachsten Fall lautet der Aufruf:
mplayer Dateiname(n)
Es ist möglich, MPlayer gleich beim Start mehrere Dateien zu übergeben. Optional beeinflussen Sie das Verhalten des Players mit weiteren Parametern. Diese können allgemeingültig sein und direkt auf das mplayer-Kommando folgen oder sich nur auf einzelne Dateien beziehen, wenn sie hinter den Dateinamen stehen, zum Beispiel:
mplayer -loop 3 datei1.mp3 datei2.mp3
Im Klartext bedeutet das: “Spiele alle angegebenen Dateien hintereinander in einer Schleife (loop) ab; wiederhole das dreimal.” Soll die erste Datei hingegen dreimal und die zweite viermal laufen, setzen Sie loop-Parameter hinter die Dateinamen:
mplayer datei1.mp3 -loop 3 datei2.mp3 -loop 4
Sie legen mit der an -loop angehängten Ziffer fest, wie oft die Datei zu wiederholen ist. Wenn Sie hinter dem Parameter eine Null angeben, spielt MPlayer alles in einer Endlosschleife ab. Das ist vielleicht praktisch, wenn Sie eine Party-Playlist zusammengestellt haben und diese nun immer wiederholen möchten:
mplayer -loop 0 -playlist party.m3u
DVDs und VCDs
Sie können MPlayer schon beim Start mitteilen, welches Medium Sie abspielen möchten. Um eine Video-DVD wiederzugeben, rufen Sie das Programm mit der Angabe dvd:// auf. Optional hängen Sie dahinter die Nummer des Titels: So zeigt mplayer dvd://2 direkt den zweiten Titel an. Auch die Kapitel können Sie schon beim Start angeben: Das Kommando mplayer dvd://1 -chapter 3 beginnt die Wiedergabe der DVD mit dem dritten Kapitel des ersten Titels. Um hingegen nur die Kapitel 3 bis 5 anzuschauen, tippen Sie
mplayer dvd://1 -chapter 3-5
Bei DVDs mit mehreren Audiospuren wählen Sie die gewünschte Sprache über den Parameter -alang, und Untertitel aktivieren Sie mit -slang. Wie Sie Informationen über die Sprachen und andere Eigenschaften herausfinden, verrät der Kasten Tipp: DVD-Informationen auslesen.
Tipp: DVD-Informationen auslesen
Wenn Sie nicht wissen, wie viele Titel, Kapitel, Sprachspuren und so weiter auf der DVD sind, nutzen Sie den folgenden Trick: Starten Sie MPlayer mit der Option -msglevel, übergeben dieser als Modulnamen identify und wählen einen Debug-Level, zum Beispiel 7. (Näheres dazu steht in der Manpage von mplayer.) Der vollständige Aufruf im Terminalfenster lautet:
mplayer -msglevel identify=7 dvd://
In den Programmmeldungen finden Sie sämtliche Informationen, zum Beispiel verrät das Kommando über die Struktur der DVD:
Playing dvd://. … ID_DVD_TITLES=20 ID_DVD_TITLE_2_CHAPTERS=1 … ID_DVD_TITLE_1_LENGTH=7277.280 ID_DVD_TITLE_2_LENGTH=135.360 … There are 20 titles on this DVD. ID_DVD_CURRENT_TITLE=1 There are 36 chapters in this DVD title. …
Auch zu den Themen Audiospur und Untertitel schweigt sich MPlayer nicht aus:
audio stream: 0 format: ac3 (5.1) language: de aid: 128. ID_AUDIO_ID=128 ID_AID_128_LANG=de audio stream: 1 format: mpeg1 (stereo) language: de aid: 1. ID_AUDIO_ID=1 ID_AID_1_LANG=de audio stream: 2 format: mpeg1 (stereo) language: en aid: 2. ID_AUDIO_ID=2 ID_AID_2_LANG=en number of audio channels on disk: 3. subtitle ( sid ): 0 language: de ID_SUBTITLE_ID=0 ID_SID_0_LANG=de number of subtitles on disk: 1 …
Um die Wiedergabe dieser DVD in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln zu starten, geben Sie also
mplayer dvd:// -alang en -slang de
an.
Video-CDs (VCDs) haben eine weniger komplexe Struktur als DVDs. Hier geben Sie hinter dem Schlüsselwort vcd:// die Tracknummer an, zum Beispiel mplayer vcd://3.
Standardmäßig sucht MPlayer für DVDs nach /dev/dvd und für VCDs nach /dev/cdrom. Beschwert sich das Programm darüber, dass es das CD-ROM- oder DVD-Gerät nicht findet, können Sie eine alternative Gerätedatei angeben, zum Beispiel über:
mplayer vcd://1 -cdrom-device /dev/cdrom1 mplayer dvd://1 -dvd-device /dev/dvd1
Screenshots aufnehmen
Viele grafische Player bieten einen Menüeintrag an, mit dem Sie per Klick einen Snapshot vom Video erstellen. Wenn Sie das ohne weitere Aufrufoptionen in MPlayer versuchen, ist die Enttäuschung groß: Der Standard-Videoausgabetreiber nutzt das Overlay, und der Screenshot ist leer. Eine mögliche Lösung ist, den MPlayer mit einem anderen Videoausgabetreiber zu starten; das erledigt die Option -vo (video output driver):
mplayer -vo x11 dvd://
Alternativ starten Sie den Player mit dem so genannten Screenshot-Videofilter:
mplayer -vf screenshot dvd://
Um einen Schnappschuss aufzunehmen, drücken Sie während der Wiedergabe die Taste [S], und die Ausgabe auf der Konsole zeigt, unter welchem Dateinamen das Bild gespeichert wurde.
Aus dem Netz
Auch die Wiedergabe von Audio- und Videostreams aus dem Internet unterstützt der MPlayer. Das Programm versteht die Protokolle HTTP, FTP, MMS und RTSP/RTP. Der Kasten Stream-Adressen herausfinden zeigt, wie Sie auf der Kommandozeile die benötigten Links aus Webseiten herausfischen. Der richtige Befehl für das Radioprogramm SWR 3 lautet beispielsweise:
mplayer rtsp://195.52.221.172/farm/*/encoder/swr3/livestream.rm
Handelt es sich bei dem Stream um eine Datei im Playlist-Format, geben Sie zusätzlich die Option -playlist an:
mplayer -playlist http://85.25.145.179/motorfm.mp3.m3u
Bei einer langsamen Internetverbindung oder größeren Dateien empfiehlt es sich, die Option -cache einzusetzen. Als zusätzlichen Parameter versteht sie die Größe des Zwischenspeichers in KByte:
$ mplayer -cache 8192 http://www.einedatei.avi […] Cache size set to 8192 KBytes […]
Achtung, Aufnahme!
Haben Sie einen Stream gefunden, der Ihnen besonders gut gefällt, bietet MPlayer mit den Optionen -dumpstream und -dumpfile die Möglichkeit mitzuschneiden:
mplayer -dumpstream rtsp://beispiel.de/livestream.rm -dumpfile datei.ra
speichert den Inhalt des Radiostreams in datei.ra ab. Genauso funktioniert es mit Video-Streams:
mplayer -dumpstream mms://beispiel.stream.wmv -dumpfile datei.wmv
Die einizige Einschränkung ist, dass MPlayer das entsprechende Protokoll unterstützen muss. Wenn Sie die Aufnahme mit anderen Benutzern oder Betriebssystemen austauschen möchten und der Stream in einem inkompatiblen Format vorliegt, wandeln Sie die Dateien um, wie der nächste Abschnitt beschreibt.
Format, Format – MEncoder
Teil des MPlayer-Pakets ist der MEncoder, ein Programm zum Umwandeln von Dateien und Streams in andere (von MPlayer abspielbare) Formate. Der Befehl
mencoder ntv_mitschnitt.wmv -o datei.avi -ovc lavc -oac lavc -lavcopts vcodec=mjpeg -lavcopts acodec=flac
wandelt die Datei ntv_mitschnitt.wmv in eine AVI-Datei um. Der Name der neuen Datei steht hinter dem Parameter -o. Die beiden Optionen -oac und -ovc definieren den Audio- und Video-Codec für die neue Datei; das Beispiel nutzt die Codec-Sammlung libavcodec (kurz lavc). Welche Video- und Audio-Codecs aus den in dieser Sammlung verfügbaren Formaten Sie wählen, steht Ihnen frei. Das Beispiel zeigt Motion-JPEG für den Video- und FLAC (Free Lossless Audio Codec) für den Audio-Codec.
Listen mit den MEncoder bekannten Audio- und Video-Codecs geben mencoder -oac help und mencoder -ovc help aus.
Ausblick
MPlayer und MEncoder bieten noch jede Menge weiterer Möglichkeiten: DVDs rippen, nur die Audiospur von DVDs aufnehmen und umwandeln und vieles mehr – die Manpage liest sich wie ein gut geschriebener Roman.
Glossar
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Overlay
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Ein Verfahren, das analoge Videos durch Überlagerung des Computerbilds auf dem PC-Monitor darstellt.
[1] MPlayer-Homepage: http://www.mplayerhq.hu/
[2] MPlayer-Artikel: Marcel Hilzinger, “Filmvergnügen”, EasyLinux 07/2005, S. 18 ff., http://www.easylinux.de/2005/07/018-mplayer/
[3] Packman-Repository: http://packman.links2linux.de/
[4] MPlayer unter Ubuntu installieren: http://wiki.ubuntuusers.de/MPlayer

