Was bringt die neue Kubuntu-Version 7.10 alias “Gutsy Gibbon”?

Aus EasyLinux 04/2007

Was bringt die neue Kubuntu-Version 7.10 alias “Gutsy Gibbon”?

Neues Kubuntu, altes KDE

Im Oktober ist die neue Ubuntu-Version 7.10 alias “Gutsy Gibbon” erschienen. Für diese Ausgabe haben wir einen Blick auf die letzte Beta-Version der KDE-Variante Kubuntu geworfen.

Wenn es etwas gibt, auf das man sich bei Kubuntu fest verlassen kann, dann sind es die angekündigten Release-Termine. Passend zum Announcement von Mark Shuttleworth landet im Oktober die neue Kubuntu-Version 7.10 auf den Servern und damit auch auf den PCs der Benutzer. Allzu hohe Erwartungen an die neue Version gab es im Vorfeld indes nicht: Erst die kommende Version 8.04 soll sich mit Long Time Support empfehlen – LTS-Versionen versorgt Ubuntu fünf Jahre lang mit Updates.

Das mutige Äffchen (deutsch für “gutsy gibbon”) bietet interessante Ansätze, aber reichen diese, um ein Upgrade auf die neue Version zu rechtfertigen oder ist Ubuntu 7.10 nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur nächsten LTS-Version? EasyLinux schaut genauer hin.

Die Installation

Man muss schon zweimal hinsehen um herauszufinden, ob man gerade mit Version 7.04 oder 7.10 arbeitet, nachdem man die Kubuntu-CD ins Laufwerk gelegt und von ihr gebootet hat. Beim ohnehin recht robusten Installer hat sich in der neuen Version nur wenig verändert, und wer schon mit der Vorversion keine Schwierigkeiten hatte, wird auch Kubuntu 7.10 ohne Probleme installieren können.

Dass Kubuntu dem Installer zumindest in dieser Release nicht allzuviel Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist verständlich: Wer bereits eine Kubuntu-Installation hat, wird die Update-Funktion des Systems verwenden, um auf die neue Version zu aktualisieren. Allen anderen leistet der “alte” Installer weiterhin gute Dienste.

Eine Frage des Komforts

Eine Veränderung in Kubuntu 7.10 dürfte vor allem Notebook-Benutzer sehr erfreuen, die ihr Gerät häufig für Vorträge verwenden: Während man bis Version 7.04 nach dem Anschließen des Beamers mindestens X oder in vielen Fällen sogar den ganzen Rechner neu starten musste, ist das nun dank X.org 7.3 überflüssig. Die RandR-Extension des neuen X-Servers erkennt nämlich neu angeschlossene Anzeigegeräte selbstständig und aktiviert sie “on the fly” – ohne Neustart des Computers oder X. Die Konfiguration über ein GUI ist anschließend nur noch eine Formalie.

Das Feature funktionierte im Test auf einem Notebook mit Nvidia-Chipsatz allerdings nicht – bisher kann nur der freie Treiber für Intel-Grafikchipsätze überhaupt die entsprechenden Befehle des X-Servers verarbeiten. Es wäre schön, wenn Nvidia und ATI ihre Treiber bald um dieses Features erweitern, damit diese nützliche Funktion nicht brachliegt.

Versionspflege

Kubuntu 7.10 hat auch die obligatorische Versionspflege nicht verschlafen: Es enthält mit OpenOffice 2.3, GIMP 2.4, CUPS 1.3 und X.org 7.3 die neuesten Versionen einiger wichtiger Systemkomponenten. Da Kubuntu für die neue Release seine Paketlisten mit den neuen Paketlisten von Debian “Testing” synchronisiert hat, präsentiert sich das System durchgehend auf der Höhe der Zeit.

Ubuntu 7.10 enthält außerdem erstmals den Treiber NTFS-3g, der unter Linux das problemlose Schreiben auf NFTS-Partitionen ermöglicht. Wer eine Linux-Windows-Parallelinstallation betreibt und bisher darunter gelitten hat, dass Linux mit dem Windows-Dateisystem NTFS nicht richtig umgehen kann, findet mit Ubuntu 7.10 Linderung.

Liebe zum Detail

Manche Änderung sticht nicht sofort ins Auge, erweist sich bei genauerem Hinsehen allerdings als sehr praktisch: Firefox haben die Ubuntu-Entwickler beispielsweise mit einem eigenen Add-on-Manager getunt. Per Klick lassen sich jetzt Plug-ins für Firefox über eine Oberfläche auf das System bringen, die dem Ubuntu-Paketmanager sehr ähnlich sieht. Wem das zu bunt wird, der kann auch den alten, Firefox-eigenen Manager für Add-ons verwenden.

Tschüss, Konqueror!

Das einstige KDE-3-Flaggschiff Konqueror muss in Ubuntu 7.10 seinen Posten als Dateimanager räumen, an seine Stelle tritt Dolphin: Der soll wesentlich schneller und effizienter als sein Vorgänger sein. Im Test waren die Unterschiede jedoch kaum zu bemerken – das mag aber daran liegen, dass Ubuntu 7.10 den eigentlich für KDE 4 vorgesehen Dateimanager auf einem KDE-3-Unterbau betreibt. Außerdem lässt Ubuntu auch hier ein Hintertürchen offen: Wer lieber den Konqueror mag, kann ihn weiterhin wie gewohnt benutzen, denn er ist noch immer KDEs Standard-Browser für Web-Inhalte.

Ein weiteres Detail am KDE-3-Desktop fällt übrigens auf: das Tool Strigi, das wie Dolphin eigentlich zu KDE 4 gehört und dort die neue Desktop-Suchmaschine wird (Abbildung 1). Strigi ahmt ähnliche Tools wie Beagle nach und verspricht, Dateien und Ordner schnell und effizient zu finden. In der Tat war die Suche mit Strigi schneller als mit dem alten KDE-Suchdialog.

Abbildung 1: Die neue Desktop-Suchmaschine Strigi gehört zu KDE 4 – Kubuntu 7.10 hat sie bereits an Bord.

Abbildung 1: Die neue Desktop-Suchmaschine Strigi gehört zu KDE 4 – Kubuntu 7.10 hat sie bereits an Bord.

KDE 4.0? Ja, aber ..

Ursprünglich war geplant, Kbuntu 7.10 mit KDE 4.0 auszuliefern. Dass das so nicht funktioniert hat, liegt am KDE-Projekt: Die Entwickler sind mit ihrem Zeitplan im Rückstand und teilten im August mit, dass sie nicht vor Dezember fertig werden. Der Standard-Desktop in Kubuntu 7.10 ist deshalb weiterhin KDE 3.5 – allerdings hält Kubuntu allen, die die neue Version ausprobieren möchten, eine Hintertür offnen: Über das Universe-Verzeichnis können Interessierte KDE-4-Pakete beziehen, die sich nahtlos in das System integrieren und einen funktionierenden KDE-4-Desktop liefern. Der Release Candidate von KDE 4.0 tat dann im Test auch brav seinen Dienst und fiel (abgesehen von einigen etwas schrägen Übersetzungen) nicht unangenehm auf.

KDE 4.0 nach der Fertigstellung offiziell nachzuliefern und zu unterstützen, plant Kubuntu für diese Distributionsversion aber nicht: Die Pakete in Universe sind explizit mit dem Hinweis versehen, dass sie nicht unterstützt und damit für den Einsatz auf Produktivmaschinen ungeeignet sind.

Abbildung 2: Der neue KDE-Dateimanager Dolphin (links) zeigt Zusatzinformationen zu Dateien an, über denen Sie die Maus schweben lassen, rechts der Paket-Manager Adept.

Abbildung 2: Der neue KDE-Dateimanager Dolphin (links) zeigt Zusatzinformationen zu Dateien an, über denen Sie die Maus schweben lassen, rechts der Paket-Manager Adept.

Variantenvielfalt

(K)ubuntu 7.10 gibt es in einer Vielzahl neuer Arten und Geschmacksrichtungen: Während Anwender bisher die Wahl zwischen Server- und Desktop-Version die Wahl hatten (wobei unter den Namen Kubuntu, Ubuntu und Xubuntu KDE, GNOME und Xfce als Desktops im Angebot sind), gibt es Version 7.10 gleich in mehreren neuen Varianten: Neben einer Spezialausgabe für mobile Geräte wie PDAs und Handys wird es laut Ubuntu-Chef Mark Shuttleworth erstmals ein “Gobuntu”, das ausschließlich freie Software enthält. Die teilweise proprietären Treiber, die es in den anderen Ubuntu-Versionen gibt, fehlen dort.

Gobuntu kommt Benutzern entgegen, denen es wichtig ist, ausschließlich freie Software einzusetzen. Außerdem bahnt diese Variante Firmen einen Weg, die Ubuntu zwar im Grunde benutzen möchten, dies aber nicht können, weil eben jene unfreien und mit speziellen Lizenzen versehenen proprietären Komponenten sie hindern.

Fazit

Kubuntu 7.10 wird eine rundum stabile und im Vergleich zum Vorgänger ordentlich aktualisierte Version des Debian-Derivats. Wirklich große Veränderungen haben nicht Eingang in die Distribution gefunden, aber die vielen kleinen Verbesserungen hier und da wissen durchaus zu erfreuen. Dazu zählt auch, dass Ubuntu für KDE 4.0 zumindest ein Sprungbrett bereithält. Dass Kubuntu trotz des “K” im Namen nicht auf die neue KDE-Version warten konnte, liegt daran, dass Kubuntu nur eine Variante der Hauptversion Ubuntu ist, die auf Gnome basiert.

Gobuntu ist die Antwort für alle Kritiker, die bisher über die unfreien Komponenten in Ubuntu geklagt haben. Künftig können auch ideologisch motivierte Anwender Ubuntu nutzen, für die proprietäre Bestandteile ein K.O.-Kriterium sind.

Bei Erscheinen dieser Ausgabe sollte die endgültige Fassung von Kubuntu 7.10 auf dem Webserver des Projekts [1] verfügbar sein.

Infos

[1] Kubuntu-Download: http://www.kubuntu.org/download.php

[2] Ubuntu-Release-Notes: http://www.ubuntu.com/getubuntu/releasenotes

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