Immer griff- und einsatzbereit muss sie sein – die Urlaubskamera. EasyLinux stellt zehn digitale Modelle der mittleren bis oberen Preisklasse vor, die sich in jedem Handgepäck gut machen.
Eine digitale Kamera zu kaufen, ist manchmal genauso frustrierend, wie sich einen neuen Rechner zuzulegen: Kaum ist man mit dem Modell glücklich zu Hause angelangt, gibt es bereits ein neueres, besseres zum gleichen Preis. Abhilfe schafft man hier am besten, indem man keine Schnäppchenkamera erwirbt, sondern ein etwas besseres Modell, das auch in einem oder zwei Jahren noch mit der Konkurrenz mithalten kann. EasyLinux hat zehn solche Geräte getestet (siehe Tabelle “Testgeräte-Übersicht”).
Testgeräte-Übersicht
Viermal Samsung
Die Samsung-Kameras heben sich von der Konkurrenz durch besonders große LCD-Displays aus. Sie zeigen nicht nur sehr detaillierte Vorschaubilder an, sondern eignen sich im Fall der Modelle L74 und i7 auch als Touchscreen. Die Menüführung hat Samsung bei allen vier Modellen sehr gut gelöst: Fast alle Optionen lassen sich ohne Handbuch intuitiv einstellen. Zudem bleibt der Blick des Fotografen auf dem Display, der Drehradschalter wird kaum benötigt.
Das Flaggschiff von Samsung ist zurzeit die NV11 mit 10,1 Megapixeln und fünffachem optischem Zoom. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, ist aber mit knapp 220 Gramm kein Leichtgewicht. Über die Automatik sind Makroaufnahmen bis zu 5 cm möglich. Ein spezieller manueller Fokus, den Sie über die Sensortasten steuern, erlaubt es jedoch dem avancierten Fotografen, bis zu 1 cm an das gewünschte Objekt heranzugehen. Die Kamera bringt 20 MByte internen Speicher mit, bei der höchsten Auflösung reicht das für drei Bilder.
Eine besondere Funktion der NV11 finden Sie im Szenenmenü (über das Drehrad). Stellen Sie hier die Kamera auf BIZ ein, erscheint ein spezieller Rahmen, um Visitenkarten zu fotografieren. Mit der Samsung-Software Digimax Biz Reader – die unter Linux mit dem Windows-Emulator wine arbeitet – lesen Sie dann aus diesen Fotos per OCR die Kontaktdaten aus. Die Erkennung arbeitet ziemlich gut, zur Nacharbeitung können Sie die Daten auch ins TXT-Format exportieren.
Als günstige Alternative zur NV11 bietet sich das Vorgängermodell NV10 an. Es erstellt ebenfalls 10-Megapixel-Bilder, bringt aber nur ein dreifaches optisches Zoom mit, und die maximale Lichtempfindlichkeit beträgt 1000 ISO. Auch unterstützt die NV10 den neuen Speicherkartenstandard SDHC noch nicht, und der 800-mA-Akku hält nur für rund 150 Fotos. (Die drei übrigen Samsung-Geräte verfügen jeweils über einen 1100-mA-Akku.) Im Gegenzug ist das NV10-Modell nur 170 Gramm schwer und kostet rund 100 Euro weniger als die NV11-Variante.
Seit diesem Frühling auf dem Markt sind die Modelle L74 und i7 (nicht zu verwechseln mit der Ixus i7 von Canon). Bei der L74 handelt es sich um eine 7,2-Megapixel-Kamera mit einem Weitwinkel-Objektiv (siehe Abbildung 1 bis 4). Die i7 ist nicht nur eine digitale Kamera, sondern zugleich auch MP3- und Videoplayer. Beide Modelle kommen mit einem üppigen internen Speicher von rund 450 MByte. Die Bedienung beider Modelle erfolgt über den fast 8 cm großen Touchscreen und gestaltet sich ähnlich intuitiv wie bei der NV-Serie. Das Display der i7 lässt sich zudem um 90° beziehungsweise 180° drehen. Je nachdem in welche Richtung es zeigt, arbeitet der Personal Media Player (PMP) als Kamera, Audio- oder Videoplayer. In allen drei Modi schaltet ein leichter Druck auf den Auslöser sofort in den Kameramodus um. Somit lassen sich jederzeit Schnappschüsse erstellen.
Alle vier Samsung-Kameras hinterließen in den Tests einen guten Eindruck. Die NV-Modelle sehen nicht nur sehr professionell aus, sondern liegen auch sehr gut in der Hand. Gut gelang Samsung auch der Auslöser, dessen Druckpunkt sich wie bei einer analogen Kamera anfühlt. Umso mehr erstaunt es, dass Samsung in diesen Geräten auf einen Orientierungssensor verzichtet: Bilder im Portrait-Format müssen Sie also selbst drehen, um diese am PC zu betrachten.

Abbildung 1: Das Referenzbild mit einer Canon Ixus 900Ti aufgenommen im traditionellen 4:3 Format mit 3648×2736 Bildpunkten (10 Megapixel).

Abbildung 2: Die Ixus-Kamera nimmt auch Bilder im 16:9-Format auf. Dabei schummelt die Kamera allerdings und schneidet oben und unten ab. In der Breite ist nicht mehr zu sehen, als beim Referenzbild. Die Auflösung beträgt 3648×2048 Bildpunkte.

Abbildung 3: Das 16:9-Format der LX2-Kamera von Panasonic zeigt rechts und links deutlich mehr an als das 4:3-Bild der Canon Ixus. Mit 4224×2376 Bildpunkten ist das Foto etwas breiter als das ebenfalls 10 Megapixel große Referenzbild.

Abbildung 4: Die Samsung-Kamera L74 besitzt ein Weitwinkel-Objektiv. Das Bild wurde vom gleichen Standort aufgenommen wie die übrigen Aufnahmen, es zeigt in der Breite und in der Höhe aber deutlich mehr Details. Die Auflösung beträgt 3072×2304 Bildpunkte (7,2 Megapixel).
Canon
Von Canon erhielten wir zwei Modelle aus der Ixus- und eines der Powershot-Serie zum Test. Die Powershot A570 verwendet handelsübliche AA-Batterien, was für längere Einsätze in Gebieten ohne Strom interessant ist. Sie verfügt auf der Oberseite über das gewöhnliche Drehrad für die Programmauswahl. Zusätzlich gibt es einen Schalter, der nur zwischen dem Aufnahme- und dem Abspielmodus umschaltet, was unter Umständen praktisch ist, im Test aber eher negativ auffiel. Die größere Ixus-Variante 900Ti verzichtet auf der Oberseite auf ein Rad, hier gibt es an der Gehäuserückseite einen Drehschalter, der auch den Play-Modus anbietet. Die kleinere Ixus i7 – zugleich die kleinste Kamera im Testfeld – verzichtet ganz auf einen Drehschalter: Hier wählen Sie das passende Programm über das Menü.
Die drei Canon-Modelle bieten eine gute bis sehr gute Akku-Laufzeit. Als einzige Kameras im Testfeld sind die Modelle Ixus 900Ti und Powershot A570 IS mit einem optischen Sucher ausgestattet. So lassen sich auch bei sehr starkem Sonnenlicht noch Aufnahmen machen und Sie können das Display zu Stromsparzwecken ausschalten. Weniger gut gefiel uns die kompakte Ixus i7. Das Display ist mit einer Diagonale von gut 4 cm doch sehr klein. Mangels direktem USB-Anschluss müssen Sie die Kamera an den PC über eine spezielle Docking Station anschließen. Immerhin bringt die Mini-Ixus eine Fernbedienung mit. Damit können Sie Ihre Fotos vom Sofa aus per Fernbedienung über den Fernseher präsentieren.
Wer oft Leute fotografiert, wird an der automatischen Gesichtserkennung der Canon Ixus 900Ti Gefallen finden. Sie markiert auf dem Display durch kleine weißes Vierecke sämtliche Köpfe, die die Kamera erkannt hat und richtet Fokus und Tiefenschärfe entsprechend aus. In den Tests hat das gut bis sehr gut funktioniert, allerdings nur mit dem Ixus-Modell, obwohl laut Aufschrift auch die Powershot A570 über dieses Feature verfügt. Diese zwei Kameras bringen zudem einen optischen Bildstabilisator mit, der hilft, verwackelte Aufnahmen zu verhindern. Im Vergleich zu den anderen Kameras konnten wir hier aber keinen deutlichen Vorteil erkennen.
Panasonic
Auch Panasonic Deutschland schickte uns drei aktuelle Lumix-Geräte zum Test. Die kompakte DMC-FX30 bringt ein Weitwinkel-Objektiv und 7,2 Megapixel mit. Die Optik stammt von Leica. Der 1000-mA-Akku reicht für ungefähr 250 Fotos. Wie das Schwestermodell LZ7 nimmt sie Videos im Format 848 x 480 mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Allgemein hat sich die Videoqualität der Digitalkameras in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert. Die LZ7 bringt ein sechsfaches optisches Zoom mit und die zwei AA-Batterien reichen für rund 250 Fotos.
Die dritte Lumix-Kamera (DMC-LX2) ist die einzige Breitbildkamera im Testfeld. Sie nimmt Bilder im 16:9-Verhältnis mit einer maximalen Größe von 4224 x 2376 Bildpunkten auf. Über einen Schalter am Objektiv können Sie auch die Formate 4:3 und 3:2 einstellen. Mit dieser Einstellung verkleinert sich die maximale Bildpunktzahl auf 7,2 Megapixel, immer noch groß genug für einen Abzug von 20 x 30 cm. Das Objektiv der LX2 stammt von Leica. Um es vor Kratzern zu schützen, liegt auch ein Objektivdeckel bei. Die rund 450 Euro teure Lumix-Kamera nimmt Videos entweder in VGA-Qualität mit 640×480 Bildpunkten und 30 Bildern pro Sekunde oder im 16:9 Format mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten auf. Hier schafft die Kamera allerdings nur noch 15 Bilder pro Sekunde. Um das Format zu ändern, muss der Aspect-Schalter in der richtigen Stellung stehen. Unverständlich fanden wir es, dass Panasonic dem Gerät nur einen USB-1.1-Anschluss verpasst hat. Das Herunterladen von Bildern oder Videos gestaltet sich damit ohne Kartenleser zum Geduldspiel.
Sehr gut gelöst hat Panasonic den manuellen Fokus des LX2-Geräts. Das Display stellt dann ein Detail vergrößert dar, wodurch das Scharfstellen deutlich vereinfacht wird. Auch die Lösung mit dem versenkten Blitz hat uns gut gefallen: Bei Bedarf fährt dieser automatisch hoch, er lässt sich aber auch manuell aktivieren. Der Akku der Breitbildkamera fasst 1150 mA und reicht für rund 300 Aufnahmen.
Alle drei Panasonic-Geräte speichern Videos im Quicktime-Format. Das Playback der Dateien ist unter Linux mit den Windows-Codecs möglich, unter Windows benutzen Sie den Quicktime-Player von Apple.
Nutzung unter Linux
Es gibt zwei Typen von Digitalkameras: Modelle, die den Speicher über USB-Mass-Storage ansprechen, und solche, die das PTP/MTP-Protokoll benutzen. Zur ersten Kategorie gehören die Samsung-Kameras: Schließen Sie diese an den USB-Port an, erkennt das System ein neues Laufwerk, und der entsprechende KDE-Dialog erscheint. Auch die Panasonic-Modelle arbeiten als USB-Mass-Storage-Geräte, die DMC-LX2 unterstützt zudem das PTP-Protokoll. Die drei getesteten Canon-Modelle arbeiten nur über das PTP-Protokoll. Den Unterschied merken Sie, wenn Sie auf dem Speicher der Kamera eine Datei ablegen möchten: Während dies bei Mass-Storage-Produkten problemlos möglich ist, müssen Sie bei den PTP-Modellen den Umweg über einen Kartenleser gehen. Direkt über die Kamera können Sie keine Dateien speichern.
Um auf eine Kamera zuzugreifen, benutzen Sie am besten Digikam (siehe separaten Artikel). Rufen Sie nach dem Start von Digikam den Menüpunkt Kamera / Kamera hinzufügen auf und klicken Sie dann auf Automatische Erkennung. Version 0.9.1 von Digikam erkannte sämtliche Testgeräte problemlos und richtete je nach Modell einen Menüeintrag USB PTP Class Camera oder Mass Storage Camera ein (Abbildung 5). Um die Bilder herunterzuladen, wählen Sie einfach in Digikam den entsprechenden Eintrag aus.

Abbildung 5: Linux-Programme (hier Digikam) sprechen Digitalkameras entweder als USB-Massenspeicher oder über das PTP-Protokoll an.
Fazit
Der Kamera-Support von Linux lässt eigentlich keine Wünsche übrig. Sie müssen deshalb beim Kauf keine Rücksicht auf das Betriebssystem nehmen. Der Redaktion gefiel die etwas teurere Lumix DMC-LX2 von Panasonic am besten, allerdings eignet sie sich nicht für den Transport in der Westentasche. Auch benötigt man für das Herunterladen der Fotos unbedingt einen Kartenleser, da Panasonic dem Gerät nur einen langsamen USB-1.1-Anschluss verpasst hat. Das Rennen um das beste Preis-/Leistungsverhältnis gewinnt die Samsung NV10 dank der 10 Megapixel und der einfachen Bedienung über die Touchpad-artigen Funktionstasten.
Glossar
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SDHC
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Auch SD 2.0 genannt. Nachfolgeformat für Speicherkarten von Secure Digital. Es unterstützt Kapazitäten zwischen 4 und 32 GByte und überträgt Daten mit Geschwindigkeiten bis zu 6 MByte/s.











