Drei MP3-Player mit OGG-Vorbis-Support im Test

Aus EasyLinux 03/2009

Drei MP3-Player mit OGG-Vorbis-Support im Test

© sxc.hu

Spritziges Trio

Wer mit seinem MP3-Player nicht nur Musik hören möchte, wird an den hier vorgestellten drei Geräten Gefallen finden. Sie bringen alle einen Tochscreen mit und unterstützen die freien Formate OGG-Vorbis und Flac.

Die kleinsten MP3-Player sind inzwischen so winzig, dass darauf nicht mal mehr Platz für Bedienelemente bleibt. Auch die hier vorgestellten drei Player verzichten weitgehend auf Knöpfe am Gehäuse, bringen dafür aber ein berührungsempfindliches Display mit. Eine weitere Gemeinsamkeit der drei Testgeräte: Der verbaute Speicher lässt ist über SD- (Cowon) bzw. Micro-SD-Karten (Iriver) erweiterbar, so dass Sie zum Beispiel die Fotos von der digitalen Kamera für das Betrachten nicht auf den Player kopieren müssen.

P7 von Iriver

Der P7 von Iriver [1] sieht nicht nur sehr gut aus, sondern punktet auch mit einem ebenso guten Preisleistungsverhältnis. Für rund 130 Euro bietet er einen 4,3-Zoll-Touchscreen (11 cm Diagonale), 8 GByte Flash-Speicher und einen zusätzlichen Speicherkartenslot für Micro-SD-Karten. Wer das Modell mit 16 GByte vorzieht, muss dafür rund 150 Euro ausgeben.

Das Menü des P7 gleicht einer einfachen Website oder der MIE-Oberfläche des HP-Mini-Netbooks. Für sämtliche Features gibt es eine kleine Vorschau, die sich der Player selbständig aus den vorhandenen Bildern, Musik- und Videostücken zusammenstellt. Jede Funktion ist somit mit einem einzigen Tastendruck erreichbar, was die Navigation sehr schnell und einfach macht, wenn man das Bedienkonzept einmal verstanden hat.

Der P7 verhält sich in der Grundeinstellung wie ein gewöhnlicher USB-Massenspeicher. Musik und Videos kopieren Sie per Drag & Drop auf den Player. Alternativ unterstützt der P7 auch den Datentransfer über das Media Transfer Protocol von Microsoft.

An der Geräteoberseite befinden sich neben dem Einschaltknopf zwei Buttons für die Lautstärkesteuerung und den direkten Zugriff auf das Menü. Betätigt man die Lock-Funktion am rechten Rand, bleiben zwar der Touchscreen und der Einschaltknopf deaktiviert, die Lautstärkeregelung funktioniert aber praktischerweise nach wie vor.

Das Testfeld

 
Modell P7 D2+ O2PMP
Hersteller Iriver Cowon Cowon
Speicher 8/16 GByte 4/8/16 GByte 16/32 GByte
Speichererweiterung MicroSD-Slot SD-Slot SD-Slot
Display 4,3 Zoll, 480 x 272 Pixel 2,5 Zoll, 320 x 240 Pixel 4,3 Zoll, 480 x 272 Pixel
Touchscreen Ja Ja Ja
Audioformate MP3, WMA, OGG, APE, ASF, FLAC, WAV MP3, WMA, OGG, FLAC, WAV MP3, WMA, AC3, FLAC, OGG, APE, WAV
Videoformate AVI, MPEG4 AVI, MPEG4, WMV AVI, MPEG4, MKV, OGM, WMV
Akkulaufzeit* (Audio/Video) 50h/7h 52h/10h 18h/8h
Besonderes Intuitives Menü Flash-Player für Spiele, USB-to-go-Schnittstelle Zusätzliches Ladegerät, USB-to-go-Schnittstelle
Abmessungen (ca.) 10 x 7 x 1,3 cm 8 x 5,5 x 1,7 cm 12 x 7 x 1,8 cm
Gewicht 175g 86g 203g
Preis (ca.) 130/150 Euro 125/130/160 Euro 240/340 Euro
*) Herstellerangaben

In den Tests überzeugt der P7 durch eine sehr gute Soundausgabe, die auch über die Stereoanlage sehr satt tönt. Dies gilt für MP3-, OGG-Vorbis- und Flac-Dateien gleichermaßen. Dank des internen Lautsprechers können Sie den P7 zur Not auch ohne Kopfhörer nutzen. Beim Video-Playback gibt sich der P7 relativ wählerisch, so dass Sie die meisten Clips zunächst in ein passendes Format konvertieren müssen. Ein mit x264 kodiertes Video herzustellen, das der P7 abspielt, gelang in den Tests nicht, der Player spielte lediglich mit XviD kodierte Filme ab.

Kritikpunkte

Neben OGG-Vorbis-Dateien spielt der Iriver-Player auch das verlustfreie Flac-Format ab, allerdings wertet er bei OGG- und Flac-Dateien keine Metainformationen aus, so dass sämtliche Stücke in der Kategorie unknown landen. Immerhin können Sie sehr leicht zwischen der Ordner- und der Metadatenansicht wechseln, so dass Sie, wenn Sie Ihre Sammlung sauber in Ordnern sortiert haben, die Lieblingsstücke leicht finden.

Ebenfalls nicht funktioniert hat in den Tests die Coververwaltung: Weder über eine Datei namens cover.jpg noch über direkt in die Metadaten von MP3-Dateien integrierte Albumbilder wollte der P7 in den Tests anzeigen.

Abbildung 1: Guter Sound, aber schlechte Metadatenunterstützung: Der P7 von Iriver.

Abbildung 1: Guter Sound, aber schlechte Metadatenunterstützung: Der P7 von Iriver.

Der Touchscreen reagierte in unseren Tests sehr träge. Das muss nicht unbedingt ein Kritikpunkt sein, da manche Benutzer einen strengen Druckpunkt bevorzugen, allerdings fällt im direkten Vergleich mit dem D2+ und dem O2PMP von Cowon auf, dass sich die Cowon-Player deutlich flotter bedienen lassen. Für alle, die zu Hause keine Windows-Rechner mehr betreiben, stellt das Firmware-Update ein Problem dar: Es lässt sich nur über eine Windows-Anwendung einspielen.

O2PMP von Cowon

Der portable Medienplayer 02PMP ist zurzeit das Flaggschiff von Cowon. Er basiert auf einem Linux-System mit Kernel 2.4 und unterstützt neben den Standardformaten auch ein paar exotische, darunter das Audioformat Monkeys Audio und die Videoformate Matroska und OGG Media. Audio- und Videowiedergabe können Sie über einen Timer starten. Als besonderes Schmankerl hat Cowon dem Player auch eine Zeitsteuerung für das Mikrofon eingebaut, der O2 eignet sich somit auch als programmierbares Diktiergerät.

Wer bereits einen O2 besitzt, sollte die Firmware unbedingt auf Version 1.31 auffrischen, da die früheren Versionen Dateisystemprobleme bereiten, die Teile der Musiksammlung oder die komplette Sammlung beschädigen können, wenn der Player nicht sauber vom PC getrennt wird. Dazu laden Sie einfach die ZIP-Datei herunter [2], entpacken sie und kopieren die darin enthaltenen Dateien per Drag & Drop auf den Player. Beim nächsten Start frischt der 02PMP automatisch das Betriebssystem auf. Das Firmware-Upgrade dauert ein paar Minuten, und Sie sollten es nur bei gut gefülltem Akku durchführen.

Den O2PMP (Abbildung 2) gibt es in Schwarz und Weiß mit 16 oder 32 GByte Flash-Speicher. Der Player verfügt neben dem Einschaltknopf nur über einen Button zur Lautstärkeregelung; die restlichen Funktionen rufen Sie über den Touchscreen auf. Das Menü ist logisch aufgebaut und der Touchscreen ist problemlos ohne Stift bedienbar.

Abbildung 2: Dank des sehr hellen Displays ist der O2PMP auch bei Tageslicht trotz des leicht spiegelnden Displays problemlos bedienbar.

Abbildung 2: Dank des sehr hellen Displays ist der O2PMP auch bei Tageslicht trotz des leicht spiegelnden Displays problemlos bedienbar.

Cowon bietet unterstützt die freien Formate OGG-Vorbis und Flac sehr gut: Bei beiden zeigt der Player die in den Metadaten der Stücke gespeicherten Informationen zu Interpret, Album und Titel an. Liegt im Verzeichnis ein Bild mit dem Dateinamen cover.jpg, zeigt der O2PMP es automatisch als Albumvorschau an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der O2PMP von Cowon zeigt auch bei OGG-Vorbis- und Flac-Dateien die zugehörigen Metainformationen an.

Abbildung 3: Der O2PMP von Cowon zeigt auch bei OGG-Vorbis- und Flac-Dateien die zugehörigen Metainformationen an.

Die Wiedergabe von sämtlichen Musikstücken können Sie über den Touchscreen verlangsamen oder beschleunigen. Allerdings kommt es bei Werten unter 0,9 und über 1,2 zu hörbaren Verzerrungen.

Als echtes Linux-System beherrscht der O2PMP auch Multitasking, allerdings nur mit zwei Anwendungen. So können Sie zum Beispiel zwischen dem Fotobetrachter und dem Musikplayer hin- und her wechseln. In der Grundeinstellung schaltet der Hold-Button sämtliche Bedienelemente aus, auch die Lautstärkeregler. Über das Setup-Menü stellen Sie den Player aber bei Bedarf so ein, dass die Lautstärkeregelung auch bei aktivierter Hold-Funktion arbeitet. Dann können Sie den Player auch in der Hosentasche leicht bedienen. Eine weitere Besonderheit beim Cowon-Player ist der eingebaute Lautsprecher: Er schaltet sich nicht wie bei den meisten Playern automatisch ein, sobald Sie die Ohrhörer vom O2PMP abziehen, sondern Sie aktivieren ihn über das Setup-Menü. Je nach Anwendungsfall kann dies ein praktisches Feature sein oder beim normalen Betrieb stören.

Der Videoplayer spielt zwar sehr viele Formate ab, in den meisten Fällen lohnt es sich allerdings, das Video in ein MPEG4-Format umzuwandeln, um best mögliche Darstellung zu erreichen. Bei unseren Tests nutzten wir dazu das zum MPlayer gehörende Kommandozeilentool mencoder und erzielten mit folgenden Parametern sehr gute Ergebnisse:

mencoder original.avi -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4 -oac mp3lame -o resultat.avi

Der 02PMP gehört zu den wenigen tragbaren Medienplayern, die bei Bildern auch das RAW-Format unterstützen. Fotografen werden auch die USB-to-Go-Schnittstelle schätzen, über die Sie von entsprechenden Digitalkameras Bilder ohne PC direkt auf den Player übertragen können. Negativ fiel in den Tests die Akkulaufzeit auf: Während der O2PMP beim Videoplayback noch mit der Konkurrenz mithalten konnte, fiel die Audiowiedergabezeit mit knapp 20 Stunden doch eher bescheiden aus.

Auf der Homepage von Cowon gibt es für den O2PMP ein Software Developer Kit [3], mit dem Entwickler unter Linux zusätzliche Programme für den portablen Player schreiben können. Zwei davon sind auf dem Player bereits vorinstalliert: ein Taschenrechner und ein “Notepad” getauftes Zeichenprogramm. Weitere Nutzerprogramme finden Sie im amerikanischen Cowon-Forum [4].

Cowon D2+

Der kleinste der drei getesteten Player (Abbildung 4) ist eine Weiterentwicklung des D2, den unsere Schwesterzeitschrift LinuxUser in Ausgabe 04/2007 [5] getestet hat. Die dort beschriebenen Mängel hat Cowon seither behoben: Der D2+ bootet deutlich schneller als der Vorgänger und zeigt bei OGG-Vorbis- und Flac-Dateien sämtliche Metadaten an. Auch die Akkulaufzeit konnte Cowon noch etwas verbessern: Sie liegt nun offiziell bei maximal 52 Stunden für die Audiowiedergabe und zehn Stunden Videoplayback, wobei wir in den Tests bei gewöhnlicher Nutzung und geringer Lautstärke mit OGG-Vorbis-Dateien rund 40 Stunden erreichten.

Abbildung 4: Den rund 8 x 5 cm^2 großen D2+ gibt es in Schwarz und Schwarz-Silber.

Abbildung 4: Den rund 8 x 5 cm^2 großen D2+ gibt es in Schwarz und Schwarz-Silber.

Den D2+ können Sie komplett über den Touchscreen bedienen, der Player verfügt zudem neben den Knöpfen für die Lautstärkeregelung auch über einen Menü-Button, der jederzeit zurück zum Hauptmenü führt. Die Soundqualität ist sehr gut, Videos kommen auf dem kleinen Bildschirm aber nicht optimal zur Geltung, zudem zeigt sich der D2+ sehr wählerisch bei der Formatauswahl und Auflösung. Als Gegenleistung bietet der Kleine dafür einen Flash-Player für Spiele, so dass Sie den D2+ auch teilweise als Gameboy-Ersatz nutzen können. Eine Liste von Spielen gibt es zum Beispiel im Iaudiophile-Forum [6].

Den D2+ gibt es in zwei Versionen: Der Standardplayer enthält ein normales UKW-Radio, die DAB-Version stattdessen einen Empfänger für das neue Digitalradio (Digital Audio Broadcasting), das in Deutschland und der Schweiz schon fast flächendeckend erreichbar ist. Sehr praktisch fanden wir die Fade-in-Funktion des Players: Stoppen Sie die Musik, fährt der MP3-Player bei der erneuten Wiedergabe die Lautstärke stufenlos hoch. Dieses Feature bietet auch der 02PMP.

Fazit

Alle drei Player bereiteten in den Tests sehr viel Freude, klanglich gehören sie zum absoluten Spitzenfeld. Das beste Preisleistungsverhältnis bietet der P7, gefolgt vom D2+. Aus Linux-Sicht landet der P7 von Iriver allerdings auf dem letzten Platz, da er die Metadaten von OGG-Vorbis- und Flac-Dateien nicht auswertet und ein Firmware-Upgrade nur via Windows-Software möglich ist.

Beim direkten Vergleich zwischen dem D2+ und dem O2PMP ist das Nutzerverhalten kaufentscheidend: Wer in erster Linie Musik hören will, fährt mit dem D2+ deutlich besser, da dieser über eine sehr gute Akkulaufzeit verfügt und auch besser in die Hosentasche passt. Wer hin und wieder auch einmal einen Film anschauen möchte, sollte zum O2PMP greifen.

Im Vergleich zum iPod Touch schneiden alle drei Player besser ab, da der Apple-Player zwar WLAN mitbringt, aber keine freien Dateiformate unterstützt und auch keine Erweiterungsmöglichkeiten (Kartenleser) bietet.

Glossar

Flac

Free Lossless Audio Codec. Komprimiertes Audioformat, das im Unterschied zu MP3 und OGG-Vorbis bei der Kompression keine Informationen verloren gehen lässt.

Matroska

Matroska ist ein offenes Containerformat für verschiedene Audio- und Video-Codecs und artverwandte Mediendaten wie etwa Untertitel. Es soll der Nachfolger des weit verbreiteten, aber von Microsoft nicht mehr weiterentwickelten AVI-Containers werden.

OGG Media

Videocontainerformat für Filme, die mit dem freien Videocodec XviD und dem ebenfalls freien Audiocodec OGG-Vorbis kodiert sind. OGG-Media-Dateien erhalten normalerweise die Endung .ogm.

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