Benjamin “RangerRick” Reed und Benjamin “icefox”Meyer führten in ihren Weihnachtsferien einen beinahe komplettenPort von KDE nach Mac OS X durch. Nach Bekanntwerden der ersten Erfolge auf Slashdot explodierten die Zugriffe auf RangerRicks blog von 15.000 pro Woche auf 1.000.000 für die ersten 7 Tage im Januar.
Nach Weihnachten zirkulierten erstmals URLs von Screenshotsdes portierten Konqueror, wie er sozusagen nativ auf Mac OS X läuft. Danach kamen updates in schneller Folge: KOffice, kate, konsole, und einige andere KDE Applikationen. Schliesslich lief direkt auf Mac OS X praktischdas gesamte KDE Framework.
“Direkt” bedeutet, dass es keinen X-Server benötigt. Wie bekannt, verwendet Apple für sein Mac OS X (obwohl es Unix-basiert ist) kein X11 Window System, sondern ein neu entwickeltes Framework namensQuartz. OS X kann dennoch portierte X11-Anwendungen verwenden, muss dafür jedoch extra einen X-Server starten. Die allermeisten Unix/Linux-Programme werden zwischenzeitlich von dem äusserst aktiven Fink-Projekt nach OS X portiert undgepflegt und müssen dafür X11 verwenden. Allerdings sehen diese Programme (so nützlich sie auch sein mögen) auf dem Mac-Desktop meist wie Fremdkörper aus. In diesem OSX/X11/Fink-Kontext laufen KDE und GNOME bereits seit längerem.
Die Neuheit am jetzigen Port ist, dass KDE nun erstmals die Qt/Mac-Library verwendet. Diese Library hat Trolltech letzten Herbstreleased. Sie ist unter einer kommerziellen Lizenz für proprietäre, undunter der GPL für Freie Softwareentwicklung erhältich. (Beim Fink-Port kommt für KDE die Qt/X11-Library zum Tragen, also diesselbe wie unter Linux). Das neue Qt/Mac ist in das native Quartz-Framework von OS X eingepasst, verwendet einen “Aqua”-Look und setzt direkt aufder Quartz-API auf.
Benjamin Reed sagt folgendes: “Es ist immer wieder verblüffend, mitwelcher Leichtigkeit Qt-Programme sich portieren lassen. Es gibt nichtviel am Sourcecode zu ändern. Das Zeug kompiliert meist mit wenigProblemen. Und dann läuft es einfach…”
Gleichwohl sind noch einige Kanten zu glätten. Da sind z.B. einige Icons, die noch nicht in der richtigen Grösse vorhanden sind, undin der Skalierung unschön aussehen. An manchen Stellen sind imKDE-Sourcecode noch Direkt-Aufrufe an X, die abgeändert und durchdie Qt-Abstraktion ersetzt werden mussten. Die nächsten Wochenwerden dem Bau von mundgerechten und qualitätsgeprüften “3-Klick-OSX-Installationspaketen” gewidmet sein.
Erste Screenshots gibt’s hier:
- KSpread (Tabellenkalkulation),
- KWord (Textverarbeitung),
- konsole (Terminal),
- Quanta Plus (HTML-Editor),
- KDE-Spiele (verschiedene)
- KDE Wallet (Passwortverwaltung), und
- Konqueror (Browser und Dateimanager in einem)
Sie schauen ziemlich ansprechend aus. Bemerkenswert: die KDE-Icons erscheinen auch im Apple-Gegenstück zum KDE-Kicker, genannt “Dock” (Programm-Startleiste am unteren Bildrand).
Der jetzige Erfolg trieb die Erwartungen erst recht in die Höhe. KDE “Killer”-Applikationen wie KDevelop (Entwicklungsumgebung) und Kontact (Groupware-Programm) werden jetzt sehnsüchtig erwartet. Kontact wird ein zentraler Bestandteil von KDE-3.2 (geplant für den 2. Februar) sein. Denn es kann erstmals per WebDAV an einem MS Exchange Server 2000 dierekt angebunden werden (d.h. ohne irgendwelche Konverter oder Connectors), ebenso wie an die Groupware-Server Kolab, OpenGroupware und eGroupware. Kontact erfülltprinzipiell dieselben Funktionen wie MS Outlook oder Ximian Evolution.Allerdings ist es kein monolithischer Block von Software. Es verwendet die innovativekparts-Technologie von KDE, um die bereits bekannten EinzelprogrammeKMail, KAddressbook, KNotes, KPilot und KOrganizerzu einem neuen Ganzen zusammenzubinden. Für den User ist Kontact trotzdemein Programm “wie aus einem Guss”. Der Clou dabei ist: wem Kontactals “Outlook”-artige Gesamtsuite nicht gefällt, der kann seine Bestandteile weiterhin einzeln verwenden.
Gut möglich, dass Kontact auf Mac OS X zum “Renner” wird, der den älteren Zwillingsbruder (Linux-Kontact) erstmal in den Schatten stellt…
Alle fertigen Pakete (Achtung, Beta-Qualität!)sind auf OpenDarwin.org gehostet, und nach wie vor gilt für sie:
They may not work. They may not even install. They may make your monitor explode in a shower of glass. EVEN LCDs, WHICH DON'T CONTAIN ANY GLASS! They may make your children grow horns, [....]
;-)





Der obige Link zu Kontact weist nicht auf die Projekt-HP. Der korrekte Link muß lauten
[1] http://www.kontact.org/
WOW, das sieht sooo cool aus! Und die Applikations-Menüleisten sind jetzt auch am oberen Bildschirmrand, wie es sich gehört. :)
Dumme Frage von einem, der nie MacOS für mehr als 5 Minuten benutzt hat: Was bringt eigentlich die Menüleiste am oberen Bildschirmrand? Das erste was mir dazu einfällt: da ist ja der Weg mit der Maus nur unnötig weit…
Die Leiste wird “höher”: Bei Windows-artigen Menues hast Du eine Menüleiste, bei der Du eine recht kleine Fläche treffen mußt. Fürs Dateimenü ist das ein Feld, das in etwa so breit und hoch ist wie das Wort “Datei” in der gewählten Schriftart. Das Menü am oberen Rand ändert nichts an der Breite, “verlängert” aber die Höhe: Die Maus kann nicht über den Bildschirmrand raus, egal wie weit nach ober Du die schiebst, Du bist immernoch im “clickbaren” Bereich. Die Fläche, die Du anclicken mußt um das Menü zu öffnen, wird also virtuel vergrößert. Die Zeit, die Du brauchst um eine… Mehr »
Vor allem bringt das aber doch mehr Platz auf dem Desktop. Das Menü am oberen Bildschirmrand bezieht sich immer auf die aktuelle Vordergrund-Anwendung. Wechselt man eine Anwendung, wechselt das Menü mit. Nicht jede Anwendung braucht eine Menüleiste im Fenster, die bei zu klein gemachten Fenstern auch noch für Zeilenumbrüche sorgt. Ein weiterer großer Vorteil, der gerade für waschechte UNIX-Anwendungen sinnvoll ist, ist die Tatsache, daß eine Anwendung auch ohne offene Fenster offen sein kann. OpenOffice ist noch nicht an die Aqua-Oberfläche angepasst, aber wenn es so wäre, könnte man alle Fenster schließen, aber dennoch über das Datei-Menü ein Dokument erstellen… Mehr »
“… mehr Platz auf dem Desktop …” Bei Linux ist das dann mehr Platz auf 1-8 Desktöppen … ich finde genau diese “features” von MacOS(X), nämlich möglichst viel vor dem Anwender zu verstecken, ehrlich gesagt kontraproduktiv. An der Arbeit habe ich zum Beispiel halbe Ewigkeiten nach den Programmen gesucht von denen ich sicher wußte, daß sie auf jedem Mac sind und in ihrem Dateiordner findet man sie ja auch. Nur in keinem Menü. Klar kann man das alles anpassen, aber wenigstens eine Shell könnte man ja mal auftauchen lassen um das Programm per Kommandozeile aufzurufen … dafür gibt es dann… Mehr »
Menüs am oberen Bildschirmrand kannst du auch unter KDE aktivieren. Allerdings klappt das nur mit echten KDE-Anwendungen. Normale QT-Anwendungen passen sich zwar den Themes an, geben aber ihre Menüs nicht außerhalb des Anwendungsfensters aus, obwohl sie es in einer Mac OS-Version machen. Desweiteren gibt es damit Schwierigkeiten, wenn man X11-Forwarding betreibt. Aus dem Menü am oberen Bildschirmrand wird dann auf dem Remote-Rechner ein Fenster, das sich immer im Vordergrund befindet und nicht bewegen lässt.