Vor allem viele ältere X11-Clients setzen auf der Bibliothek Xlib auf. Mithilfe des Projekts libx11-compat lassen sich solche Anwendungen unter Wayland und anderen Systemen ohne X-Server weiterbetreiben.
libx11-compat re-implementiert die Xlib, delegiert aber unter der Haube sämtliche Zeichenbefehle an den Simple DirectMedia Layer (SDL). Da diese Multimedia-Bibliothek plattformunabhängig arbeitet, laufen die Xlib-Anwendungen auch auf Systemen ohne X-Server. Neben Linux-Desktops mit Wayland gehören dazu unter anderem macOS und Android.
Die libx11-compat kommt sowohl mit der SDL2 als auch der aktuellen SDL3 zurecht. Zusätzlich verlangt sie die Bibliotheken SDL_ttf zur Schriftendarstellung und Pixman zur Pixelmanipulation. Per GLX erzeugte 3D-Grafiken schiebt sie an eine EGL-Implmentierung weiter, unter Linux an etwa an Mesa. OpenGL 1.x und 2.x übersetzt sie mit gl4gs auf GLES2-Hardware.
Derzeit befindet sich die libx11-compat noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Einige größere Xlib-Anwendungen lassen sich jedoch bereits starten. Dazu gehören das Zeichenprogramm Xfig, GIMP 0.54, der kultige MP3-Player XMMS, sowie ein Fork des uralten Browsers NCSA Mosaic. Allerdings benötigen die Programme in der Regel weitere Bibliotheken, wie etwa Motif. Zumindest dieses GUI-Toolkit lässt sich ebenfalls gegen die libx11-compat compilieren.
Langfristig sollen sich alle Xlib-Programme ohne Codeänderung mit der libx11-compat übersetzen lassen. Den Fortschritt protokolliert ausführlich die GitHub-Seite des Projekts. Dort weisen die Entwickler noch einmal darauf hin, dass die libx11-compat weder einen X-Server ersetzt, noch das X11 Wire-Protokoll implementiert.





