Akademy: Guinness, Khmer und C++

Akademy: Guinness, Khmer und C++

Dublin, 25. 09. 2006

Irland ist das Land der schönen Rothaarigen, von Guinness und des europäischen Wirtschaftswunders. Hier tummeln sich die großen Soft- und Hardwarefirmen und diese Woche auch eine Schar von KDE-Entwicklern, die sich zur jährlichen Entwicklerkonferenz “aKademy” in Dublin versammelt haben.

Die ersten Tage der Akademy beginnen traditionell mit einer Konferenz, den Rest der Veranstaltung teilen sich die BoFs und die Coding-Marathonläufe. Auf der zweitägigen Konferenz, die am Sonntag mit einem schicken Dinner und irischer Volksmusik zu ende ging, dominierte das Thema KDE 4, es gab jedoch auch viele interessante Vorträge zu anderen Themen.

So zeigte zum Beispiel Jens Herden welche Probleme es bei der Übersetzung von KDE nach Khmer (Landessprache von Kambodscha) gibt. Schriftzeichen, die über und unter der Grundlinie verlaufen und zusammen eine Art Cluster bilden sind dabei noch das kleinste Übel [1]. Mit Unicode und ausgefeilten Eingabemethoden lässt sich diesem Problem einfach beikommen. Doch damit, dass Khmer zwischen vielen Wörtern keinen Zeichenabstand setzt, rechnen wohl die wenigsten Programmierer. Khmer kennt zudem — wie zahlreiche Sprachen der Region — mehrere Verben für mehrere soziale Gruppen. So gib es zum Beispiel vier verschiedene Verben für essen, je nachdem, ob der König, ein Mönch, ein alter oder ein junger Mensch isst. Das Frauen und Männer zudem ein anderes Wort für “Ja” benutzen, ist da nur noch ein Detail am Rande.

KDE ist für die Bevölkerung von Kambodscha eine große Chance. Sie haben damit zum ersten Mal die Möglichkeit, ein Computerprogramm in ihrer eigenen Sprache zu benutzen. Die Übersetzung ist aber zugleich auch eine große Chance für Open Source im fernen Osten.

Auch Olaf Schmitt wies in seinem Vortrag zur Barrierefreiheit von KDE die Entwickler darauf hin, immer mit dem außergewöhnlichsten zu rechnen. Dazu legte er den Anwesenden fünf Regeln nahe:
– auf eigene Farben zu verzichten und die Farbschemata des KDE-Kontrollzentrums zu verwenden
– keine Elemente mit festen Fenstergrößen fester Positionierung zu schreiben
– auf Mausefallen zu achten und Programme stets ohne Maus zu testen
– keine unveränderbare Timeouts in Programme einzubauen
– und auf die zahlreichen Möglichkeiten von Qt zu setzen

Die Barrierefreiheit von Anwendungen spielt vor allem dann eine zentrale Rolle, wenn sich KDE auch in Regierungsprojekten durchsetzen will.

Ein sehr praxisnahes Referat hielt auch David Faure. Er zeigte den zahlreichen KDE-Hackern, wie sie ihre Rechner am besten auf die Arbeit mit KDE 4 vorbereiten. Das Einrichten einer separaten Build-Umgebung gehört dazu ebenso wie der — längst überfällige — Umstieg auf die beste aller Shells: zsh. Neben Tipps zu popd/pushd und cmake stellte David auch einige interessante Scripts vor, die er auf seiner Homepage [2] zum Download anbietet.

Im Mittelpunkt der KDE-4-Vorträge standen die neuen Frameworks Plasma [3], Solid [4], Phonon [5] und Akonadi [6]. Leider wollte uns Aaron Seigo [7] keine Eyecandys zeigen, aber seine Vorträge sind ja schon ansich eine Sehenswürdigkeit. KDE 4 ist voll in Fahrt. Sämtliche Projekte sind über die Prototypen-Stufe hinaus, jetzt gilt es, Features einzubauen. Zur Frage, wann es denn fertig ist äußerten sich die Entwickler kaum. “Es ist fertig, wenn es fertig ist”, lautet hier der allgemeine Konsens.

Wer es nicht nach Dublin geschafft hat, aber trotzdem so nah wie möglich dabei sein möchte, findet unter [8] aktuelle Blogs der KDE-Entwickler, virtuelles Guinness inklusive.

[1] http://i18n.kde.org/teams/infos.php?teamcode=km#screenshots
[2] http://web.davidfaure.fr/scripts/
[3] http://plasma.kde.org
[4] http://solid.kde.org
[5] http://phonon.kde.org
[6] http://pim.kde.org/akonadi
[7] http://aseigo.blogspot.com
[8] http://planetkde.org

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