Hektische Betriebsamkeit beim Fedora-Projekt: Für Ende April planen die Entwickler die neue Version 9.0, Codename “Rawhide”. Wir werfen einen Blick auf die derzeit kursierende Alpha.
Stabilität dürfen Sie von der Alpha-Version ganz sicher nicht erwarten: Die vielen Abstürze, die verschiedenste Programme beim Test der Vorversion von Fedora 9 immer wieder ereilten, wohl eher ein deutliches Anzeichen dafür, dass es noch einiges zu tun gibt. In der Tat herrscht beim Fedora-Projekt derzeit emsige Arbeit an fast allen Ecken und Enden. Kein Wunder, denn die Feature-Liste der neuen Version hat es in sich.
Das liegt zum Teil an der Software externer Projekte, die Fedora (http://fedoraproject.org) in die eigene Distribution einarbeiten will. Was sonst meist unter Versionspflege läuft, umfasst diesmal die komplette Integration von KDE 4 in die neue Distribution. Die Änderungen zwischen der neuen Variante und der Vorgängerversion fallen dabei elementar aus. Weiterhin steht das Update auf eine neue Compiler-Version an. Updates von X.org und den weiteren typischen Desktop-Programmen stehen ebenfalls auf dem Programm.
Immerhin: Das Erkennen der im System verwendeten Hardware erfolgte zuverlässig und die entsprechenden Geräte zeigten sich nach der Installation einsatzbereit. Generell scheint das Kernel-Team derzeit zuverlässige Arbeit bei Fedora zu liefern. Viele der angepeilten Funktionen finden sich bereits in der Alpha 1: KDE-4-Pakete zur Nachinstallation, ein neuer Kern mit Ext3 als Systembasis. Darüber hinaus haben Sie bereits bei der Installation die Möglichkeit, Partitionen zu vergrößern oder verkleinern, um Platz für eine Linux-Installation zu schaffen.
Ext4 und Verschlüsselung
Unter der Haube haben die Fedora-Entwickler viele neue und pfiffige Features eingeführt: Erstmals steht das Dateisystem Ext4 zur Verfügung. In der getesteten Alpha fand sich auch die Option, bereits im Installer das Verschlüsseln von Dateisystemen zu aktivieren. Wenn Sie die Option verwenden, fordert das System Sie beim Start nach dem Passwort zur Freigabe des Dateisystem auf. Erfolgt die Eingabe nicht, endet der Spaß am Prompt.
Weitere Verbesserungen betreffen beispielsweise die Virtualisierungsumgebung Xen. Die haben die Developer nicht nur aktualisiert, sondern auch ermöglicht, dass Sie künftig Gastsysteme völlig autonom mit eigenem Betriebssystemkern starten und diesen eigene Bootparameter übergeben. Etwas nebulös spricht zudem die Feature-Liste von Fedora 9 von “Bluetooth-Verbesserungen”. Worin diese bestehen sollen, ließ sich im Test allerdings nicht feststellen.
Lange Leitung
Im Test erwies sich die Alpha-Version bisweilen als träge, und viele Komponenten ließen sich praktisch nicht sinnvoll verwenden. KDE 4 stürzte regelmäßig ohne erkennbares Muster ab; der Gnome-Desktop, der wie in den Vorversionen Systemstandard ist, wirkte wesentlich stabiler.
Der Installer fragte nach der Eingabe des Root-Passworts nicht, ob auch das Anlegen eines Benutzerzugangs ohne Administratorenrechte gewünscht würde. Beim Login fand sich nur der Eintrag Guest. Das Einloggen mit diesem Benutzerkonto führte aber nicht zum Desktop, sondern lediglich zu einem Bild auf dem Monitor – ohne jedes Menü oder andere praktische Funktionen. Blieb lediglich der Login als root. Das Hinzufügen von lokalen Benutzern über das eigens dafür vorgesehene Tool funktionierte zwar, allerdings hatten diese lokalen User anschließend das selbe Problem wie die Gast-Benutzer.
Fazit
Letztendlich befindet sich die Entwicklung von Fedora Core 9 derzeit noch in einem sehr frühen Stadium, sodass man dem System den eine oder anderen Schnitzer sicherlich vergeben kann. Laut Entwicklerplan steht die finale Version von “Rawhide” für den 29. April 2008 an. Insofern wäre es derzeit zumindest noch etwas verfrüht, über in Fedora Cora 9 enthaltene Programmversionen zu spekulieren.
KDE 4.0 darf als gesetzt gelten, für KDE 4.1 hingegen reicht die Zeit sicher nicht, denn das soll erst im Mai erscheinen. Ob es mit Firefox 3 klappt, erscheint derzeit zumindest ungewiss – eigentlich sogar unwahrscheinlich: Die Firefox-Entwickler planen, Firefox 3 zwar “früh in 2008” fertig zu stellen, wollen sich auf ein genaues Datum aber nicht festlegen. Am 12. Februar erschien die Beta 3 der neuen Version. Am Ende geht Fedora Core in der Sache wahrscheinlich einen Mittelweg, so dass der Distribution von Beginn an Firefox 2 beiliegt und Firefox 3 später über die Update-Funktion bereit steht.
Große Versionssprünge stehen überdies bei den großen Desktop-Projekten in Fedora Core 9 nicht zu erwarten. Für Gnome 2.22 dürfte der Zug abgefahren sein, so dass Sie vermutlich mit der Version 2.20 Vorlieb nehmen müssen. Auch die Frage, welcher Kernel unter der Haube werkelt, blieb bis zu Redaktionsschluss unbeantwortet, vermutlich handelt es sich aber um eine – wie üblich – stark erweiterte Variante von Linux 2.6.24.





