Mit Leap 15.3 nähert sich das Community-Projekt weiter der Enterprise-Variante an. Wir stellen Neuerungen vor.
OpenSuse gehört zu den beliebtesten Distributionen weltweit. Anfang Juni 2021 ist die neue Version OpenSuse Leap 15.3 erschienen, die bis Ende 2022 Updates erhält. Im Vergleich zu den Vorgängern fallen die Modifikationen und Innovationen in der Menge eher spärlich aus, beinhalten jedoch einige interessante Innovationen.
Annäherung
Wie üblich beim OpenSuse-Projekt kommt Leap 15.3 mit unterschiedlichen Desktop-Varianten und bietet als Offline-Abbild kein Live-System, sondern nur Optionen zur stationären Installation auf einem Massenspeicher [1]. Für den Live-Betrieb sind die alternativ erhältlichen, abgespeckten Live-CDs gedacht. Die Offline-Abbilder erreichen dank der vollständigen Software-Ausstattung jeweils mehrere Gigabyte Umfang.
Bereits bei der Installation fällt auf, dass die neue Variante von OpenSuse unter anderem auf Update-Repositories von Suse Linux Enterprise zurückgreift. Die Basispakete der Community-Variante entstammen also nun der Enterprise-Version.
Damit ist Leap 15.3 ein Derivat, das binärkompatibel zu den Desktop- und Server-Systemen der Enterprise-Linie ist, und dem lediglich der Support fehlt. Falls Sie diesen benötigen, setzt das voraus, dass Sie das jeweilige Enterprise-Paket erwerben. Ein Zukauf von Support-Leistungen für die Leap-Variante ist nicht möglich (Abbildung 1).
Architektonisches
OpenSuse Leap 15.3 liegt als plattformübergreifendes Betriebssystem mit Unterstützung für verschiedene Architekturen vor, das selbst im Linux-Universum seinesgleichen sucht. Neben den allgegenwärtigen Intel- und AMD-basierten Abbildern für 64-Bit-Hardware stehen Images für 64-Bit-basierte ARM-Server bereit.
Mit JeOS stehen Abbilder für den Einsatz in virtuellen Umgebungen wie KVM, XEN, OpenStack oder VMWare bereit. Darüber hinaus finden Sie Live-CD-Abbilder für 64-Bit-basierte Intel-, AMD- und ARM-Rechner. Mit einem Rescue-Image gibt es zudem ein für Rettungszwecke gedachtes Abbild.
Für die PPC64le-Architektur ebenso wie für Z-Systeme von IBM mit der S390x-Architektur stellen die Entwickler außerdem Container-Varianten auf Basis von Docker zur Verfügung. Für Anwender, die noch mit 32-Bit-Hardware arbeiten, bleibt OpenSuse Tumbleweed als Alternative, da von Leap 15.3 – wie bereits von den Vorgängerversionen – keine entsprechenden Abbilder mehr existieren.
Durchwachsen
Der Software-Bestand der neuen Leap-Variante fällt teils durchwachsen aus: Der bereits im Jahr 2019 freigegebene Kernel der Serie 5.3 wirkt ähnlich wie die Desktop-Umgebungen Gnome in Version 3.34 und KDE Plasma in Version 5.18 mit Framework 5.76 bereits veraltet. Der Kernel hat den EOL-Status erreicht, kommt jedoch in Suse Enterprise Linux SP3 ebenfalls zum Einsatz, daher pflegt das Team diesen separat.
Die XFCE-Arbeitsumgebung dagegen ist in der aktuellen Version 4.16 an Bord. Anstelle des i3-Fenstermanagers nutzt OpenSuse Leap 15.3 nunmehr den Fenstermanager und Wayland-Compositor Sway, der das Wayland-Displayserver-Protokoll unterstützt.
Bei den Applikationen entsprechen die Versionsnummern ebenfalls teils nicht dem aktuellen Stand: Hier finden Sie LibreOffice in Version 7.1.2.2, Firefox in Version 78.10.0ESR, den Mail-Client und Personal Information Manager Thunderbird in der gleichen Version, während der Browser Chromium die Version 91 aufruft. Zu allen Versionen stellen die Entwickler ausführliche Dokumentationen in unterschiedlichen Formaten bereit [2].
Eingepackt
Ein Alleinstellungsmerkmal von Leap 15.3 ist Podman, das zum Verwalten von Containern dient und weitere ähnliche Programme überflüssig macht. Mithilfe der Software, die in Leap 15.3 in Version 2.1.1 integriert ist, betreiben Sie Container ohne Root-Berechtigungen, was erheblich sicherer ist. Podman installieren Sie dabei mithilfe von YaST.
Die in Leap 15.3 vorhandene Version ist identisch zu der im Suse Linux Enterprise Server, sodass ein Austausch von Containern zwischen diesen Plattformen möglich ist. Allerdings bedarf der Einsatz von Podman für Einsteiger eine gewisse Einarbeitungszeit, da die Software am Prompt zahlreiche Parameter erfordert und keine GUI vorhanden ist. Zur Software und dessen Optionen steht auf den Webseiten von Suse Linux eine ausführliche Dokumentation bereit [3].
Weitere Anwendungen, die die neue Variante von OpenSuse im Kontext mit Container-Technologien implementiert, sind CRI-O und Containerd. Damit sind Sie in der Lage, Kubernetes-Cluster aufzusetzen, was für Administratoren die Möglichkeit eröffnet, Container-Umgebungen in OpenSuse Leap 15.3 vor dem produktiven Einsatz auf einem Enterprise-System ausgiebig unter realen Bedingungen zu testen.
Intelligent
Ein weiterer innovativer Schwerpunkt der neuen OpenSuse-Variante ist die künstliche Intelligenz: Hier finden Sie mit Tensorflow ein Deep-Learning-Framework und mit ONNX für Machine-Learning-Modelle zwei ausgereifte Anwendungen für diesen Bereich. ONNX bietet zudem eine Interoperabilität zu anderen KI-Werkzeugen.
Mit den PyTorch-Bibliotheken ist außerdem eine auf Machine-Learning ausgerichtete Programmbibliothek für die Programmiersprache Python mit an Bord. Mit Grafana und Prometheus bringt OpenSuse Leap 15.3 zudem aktualisierte Versionen dieser Pakete für visuelle Analysen mit.
Exotisch
Für Anwender, die Geoinformationssysteme nutzen, hält OpenSuse Leap 15.3 in den Repositories das Programm Qgis bereit. Dabei handelt es sich um ein professionelles Tool, das in der aktuellen Version 3.18 enthalten ist. Als bislang einzige Distribution hat Leap 15.3 zudem GNU Health integriert, ein Gesundheits- und Krankenhausinformationssystem, das alle relevanten Bereiche wie die elektronische Gesundheitsakte und Labor- sowie Krankenhausinformationen beinhaltet (Abbildung 2).

Abbildung 2: OpenSuse Leap 15.3 beinhaltet selbst exotische Software wie das Geoinformationssystem Qgis.
Fazit
OpenSuse Leap 15.3 kommt zwar optisch etwas altbacken daher, überzeugt jedoch aufgrund ausgezeichneter Stabilität und moderner Konzepte unter der Haube. Vor allem Administratoren in Unternehmen dürften Freude an der Binärkompatibilität zu den Enterprise-Versionen haben, da vorhandene Container und Applikationen ohne Modifikationen auf beiden Varianten laufen.
Auch Entwickler, die sich mit AI-Anwendungen beschäftigen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Endanwender, die ein grundsolides und ausgereiftes Betriebssystem abseits des Ubuntu-Mainstreams suchen, aber auch Power-User, die Wert auf einen ordentlichen Bestand an Applikationen und Werkzeugen legen, sind dank der verschiedenen Arbeitsumgebungen bei OpenSuse Leap 15.3 bestens aufgehoben. (agr)
Glossar
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EOL
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End of Life. Zeitpunkt, zu dem eine Software keine Updates mehr erhält. In einigen Fällen pflegen Distributoren oder Unternehmen diese aber weiter, weil sie langfristigen Support anbieten.
Infos
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OpenSuse-Projekt: https://get.opensuse.org/de/leap/
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Dokumentation: https://doc.opensuse.org/de/
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Infos zu Podman: https://documentation.suse.com/sles/15-SP2/html/SLES-all/cha-podman-overview.html






