Kurz vorgestellt: Ubuntu 21.04 “Hirsute Hippo”

Aus LinuxUser 06/2021

Kurz vorgestellt: Ubuntu 21.04 “Hirsute Hippo”

© CMG

Haarige Angelegenheit

Die wenigen Neuerungen in Ubuntu 21.04 erweisen sich teils als nicht unproblematisch.

Ende April 2021 erschien mit Ubuntu 21.04 “Hirsute Hippo” die inzwischen 24. Version von Canonicals Distribution [1]. Der Support für das “haarige Nilpferd” beschränkt sich auf neun Monate und läuft im Januar 2022 aus. Anders als erwartet implementierten die Entwickler in Ubuntu 21.04 nicht durchgängig neueste Technologien. So entfiel etwa die Integration von Gnome 40, da das Desktop-Projekt zahlreiche Modifikationen in seine Umgebung integrierte, die die Ubuntu-Entwickler nicht vollständig einpflegen konnten. Auch das GTK4-Toolkit wurde nicht übernommen, Ubuntu bleibt vorerst bei GTK3.

Neuheiten

Bei der Server-Ausgabe von Ubuntu 21.04 sticht der neue Subiquity-Installer ins Auge, der die Installation des Server-Systems erheblich komfortabler gestaltet.

Allen Varianten gemein ist ein Kernel-Update auf Linux 5.11, was die Kompatibilität zu aktuellster Hardware sicherstellt, etwa zu den neuen Grafik-Chipsets von Intel und AMD. Die in mehrfacher Hinsicht erheblich verbesserte Speicherverwaltung minimiert Latenzen und lässt das System agiler wirken. Daneben optimierten die Entwickler die Unterstützung für Btrfs und Ext4 sowie die NFS-Anbindung im Intranet.

Eine native Integration in das Active Directory von Microsoft erweitert und verbessert die Einsatzmöglichkeiten in heterogenen Netzen. Zudem pflegte Canonical Leistungsverbesserungen für den MS-SQL-Server auf Linux ein. Ubuntu gehört zusammen mit den Enterprise-Distributionen von Red Hat und Suse zu den wenigen Plattformen, die Microsofts Datenbankserver direkt unterstützt.

Updates

Zwar bietet Ubuntu 21.04 noch nicht die aktuellste Gnome-Shell, bringt aber die Anwendungen überwiegend auf den Stand von Gnome 40. Das gilt allerdings nicht für das Terminal, den Dateimanager Nautilus, die Archivverwaltung und den Kalender, die auf dem Stand von Gnome 3.38 bleiben. Dagegen erhielten diverse Werkzeuge Aktualisierungen, darunter Pulseaudio, BlueZ für die Nutzung von Bluetooth-Geräten und der NetworkManager.

Modifikationen

Zu den wichtigsten Modifikationen am Betriebssystem zählt die Änderung der Rechte an den Home-Verzeichnissen. Bislang hatte zwar nur der Eigner Schreibrechte, aber auch die Gruppe und der Rest der Welt verfügten über Lese- und Ausführungsrechte an den Dateien. Mit Ubuntu 21.04 ändert sich die Rechtestruktur von 755 auf 750, sodass zwar der Eigner selbst und auch die zugehörige Gruppe noch Zugriffs- und Ausführungsrechte besitzen, nicht mehr jedoch der Rest der Welt.

Das trägt dem Umstand Rechnung, dass heute Cloud-Dienste und kollaboratives Arbeiten einen deutlich umfassenderen Zugriff von außen auf Dateien ermöglichen als früher. Allerdings greift die neue Rechtestruktur nur bei einer Neuinstallation; bei Upgrades von älteren Versionen bleibt die bestehende Rechtestruktur erhalten.

Eine weitere einschneidende Modifikation betrifft den Übergang vom Display-Server X.org auf den Wayland-Compositor. Der war zwar bereits in Ubuntu 17.10 als voreingestellter Display-Server aktiviert worden, musste dann jedoch wegen der unausgereiften Implementation wieder weichen. Jetzt halten die Entwickler ihn offenbar für den Alltagseinsatz tauglich. Allerdings gibt es nach wie vor Ausnahmen: Auf Nvidia-Grafikkarten kommt aufgrund der schlechten Unterstützung durch Wayland weiter X.org zum Einsatz. Ansonsten kann der Anwender beim Start des Betriebssystems im Anmeldebildschirm zwischen X.org-Server und dem Wayland Compositor wählen.

Applikationen

Ubuntu 21.04 bringt fast alle gängigen Anwendungen auf den aktuellen Stand. Neben LibreOffice 7.1.2.2, Firefox 87 und Thunderbird 78.8.1 finden sich allerdings noch ältere Versionen von VLC und Gimp in den Repos. Ein leistungsfähiges Brennprogramm findet sich in der Standardinstallation ebenso wenig wie ein professionelles grafisches Programm zur Nutzung von Flachbettscannern.

Zusatzsoftware können Sie jedoch problemlos mithilfe des Ubuntu-eigenen App-Stores (Abbildung 1) ins System integrieren. Er enthält anders als das grafische Frontend Synaptic auch zahlreiche Anwendungen in Canonicals Snap-Paketformat. Diese Pakete beinhalten neben den eigentlichen Programmen auch Bibliotheken und für die Nutzung der jeweiligen Software zwingend nötige Dateien.

Abbildung 1: Der App-Store beinhaltet auch zahlreiche voluminöse Snaps.

Abbildung 1: Der App-Store beinhaltet auch zahlreiche voluminöse Snaps.

Das verlangsamt die Installation vieler Pakete enorm, da sie nur als Snaps vorliegen und entsprechend voluminös ausfallen. Zudem werden Snap-Pakete nicht über die herkömmliche Aktualisierungsverwaltung auf dem aktuellen Stand gehalten, sodass bei Aktualisierungen Inkonsistenzen auftreten können.

Durcheinander

Die Ankündigung, Ubuntu 21.04 ein dunkles Desktop-Theme zu geben, hat Canonical nur zum Teil umgesetzt. In der Gnome-Shell erscheinen die jeweiligen Dialoge und Fenster zwar in einem dunklen Farbton mit kontrastreichen hellen Beschriftungen. Bei herkömmlichen Fenstern bleibt es jedoch bei dunkler Schrift auf weißem Hintergrund, sodass eine insgesamt unruhige Arbeitsumgebung entsteht. Dem helfen Sie ab, indem Sie im Dialog Einstellungen in der Kategorie Darstellung die Option Dunkel anwählen. Erst das gewährleistet eine einheitliche Farbgebung der einzelnen Fenster und Elemente.

Fazit

Ubuntu 21.04 weist nur relativ wenige Neuheiten auf, wie etwa die aus Sicherheitsgründen längst überfällige Anpassung der Rechtestruktur bei Home-Verzeichnissen. Die erneute Implementation des Wayland-Compositors birgt gewisse Risiken: Harmonieren Anwendungen nicht mit der internen Fallback-Lösung auf X.org, muss man das System mit einer reinen X.org-Umgebung komplett neu starten. Für den produktiven Einsatz am Arbeitsplatz eignet sich Ubuntu 21.04 daher nur bedingt. (jlu)

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