Fedora Workstation 33 in der Übersicht

Aus LinuxUser 12/2020

Fedora Workstation 33 in der Übersicht

© Micha Klootwijk, 123RF

Maßvoll

Mutige Entscheidungen wie Btrfs als Standard sollen neue Benutzer für das mit Neuerungen prall gefüllte Fedora 33 gewinnen.

Fedora Workstation 33 ist ein prall gefülltes Release, über dessen Verbesserungen unter der Haube wir bereits im letzten Heft ausführlich berichtet haben [1]. Heute sehen wir uns die Änderungen an, die direkt ins Auge springen oder dem Anwender im täglichen Umgang mit dem Betriebssystem früher oder später begegnen. Dazu zählen besonders der Kernel 5.8 und Gnome 3.38.

Fedora 33 und Ubuntu 20.10 “Groovy Gorilla” gehören zu den ersten Distributionen, die Gnome 3.38 in einem Release als Standard-Desktop ausliefern. Ubuntu nimmt dabei einige Anpassungen vor, bei Fedora Workstation erhalten Sie das Original. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Distributionen besteht darin, dass beide Kontrahenten nun über die Möglichkeit verfügen, mit Bordmitteln Snapshots zu erstellen und im Notfall, etwa bei einem nicht mehr funktionierenden System, zum Stand eines solchen Snapshots zurückzukehren.

Während Canonical dabei (noch experimentell) auf ZFS setzt, eröffnet bei Fedora 33 das erstmals als Standard für Desktop-Neuinstallationen eingesetzte Dateisystem Btrfs diese Möglichkeit. Ubuntu erstellt Snapshots automatisch via Paketmanagement bei jeder Aktion über Apt-Hooks und ermöglicht das Zurückrollen durch die Integration in den Boot-Prozess. Fedora 33 hingegen unterstützt den Anwender derzeit noch nicht bei Snapshots und deren Zurückrollen – das bleibt späteren Ausgaben vorbehalten.

Zunächst werfen wir jedoch einen Blick auf die augenfällig umgesetzten Neuerungen. Da wäre zunächst ein neues optionales Angebot von Gnome 3.38 zur Begrüßung für Neueinsteiger: Nach der Ersteinrichtung übernimmt eine neue App namens Gnome Tour. Die Anwendung stellt auf acht Tableaus grundsätzliche Bedienungsschritte der Gnome Shell vor (Abbildung 1). Wer sich bereits gut mit Gnome auskennt, überspringt die Einleitung.

Abbildung 1: Nach der Installation und einem Neustart erfolgt die Ersteinrichtung des Systems, bei der Sie unter anderem User anlegen und Dienste konfigurieren können.

Abbildung 1: Nach der Installation und einem Neustart erfolgt die Ersteinrichtung des Systems, bei der Sie unter anderem User anlegen und Dienste konfigurieren können.

Animierter Hintergrund

Als Nächstes springt das neue Hintergrundbild ins Auge. Hier greift Fedora zu einem optischen Gimmick, das bereits bei Fedora 7 zum Einsatz kam und seitdem optional war. Fedora 33 passt den Hintergrund automatisch an und wechselt dessen Farben adäquat zur Tageszeit (Abbildung 2). Die einzelnen Phasen der Animation sind in Einstellungen | Hintergrund hinterlegt. An dieser Stelle wählen Sie gegebenenfalls auch ein nicht animiertes Wallpaper aus oder integrieren eigene Hintergründe.

Abbildung 2: Der animiert Desktop-Hintergrund von Fedora 33 passt die Ansicht an die Tageszeiten an.

Abbildung 2: Der animiert Desktop-Hintergrund von Fedora 33 passt die Ansicht an die Tageszeiten an.

Auf dem Hintergrund stellt Gnome seine App Grid genannte Anwendungsübersicht dar (Abbildung 3). Der Umbau des Anwendungsrasters, der schrittweise über die letzten Ausgaben der Distribution erfolgte, ist nun abgeschlossen und beschert Ihnen eine wesentlich flexiblere Darstellung der installierten Anwendungen. Dabei wurden die bisher angebotenen Ansichten Häufig und Alle durch eine konfigurierbare Ansicht ersetzt. Sie ermöglicht das Neuordnen der Apps, das Anlegen eigener Ordner und das Verschieben von Apps zwischen den Ordnern.

Abbildung 3: Das sogenannte App Grid gewann in den letzten Ausgaben wesentlich an Flexibilität. Sie können Ordner anlegen und Anwendungs-Icons nach eigenen Vorgaben sortieren.

Abbildung 3: Das sogenannte App Grid gewann in den letzten Ausgaben wesentlich an Flexibilität. Sie können Ordner anlegen und Anwendungs-Icons nach eigenen Vorgaben sortieren.

Wayland-Integration aufgewertet

Zu den weiteren Highlights der neuen Gnome-Version bei Fedora 33 zählt die unter Wayland verbesserte Unterstützung mehrerer Displays mit unterschiedlichen Bildwiederholraten sowie verbessertes Screen-Sharing und dessen Aufzeichnung dank des neuen Multimedia-Frameworks Pipewire.

Bei den mit Gnome ausgelieferten Apps haben die Entwickler unter anderem die App Karten für den Einsatz auf Smartphones mit entsprechend kleinen Displays angepasst. Die Dienstprogramme Bildschirmfoto und Sound Recorder wurden optisch aufgewertet. Der Browser Gnome Web erhielt einen verbesserten Tracking-Schutz und importiert nun auf Wunsch Passwörter und Lesezeichen von Googles Browser Chrome.

Gnome OS

Neben der Einführung von Btrfs (Abbildung 4) als Standard für die Desktop-Ausgaben von Fedora [2] hat Version 33 noch mehr augenfällige Neuerungen zu bieten. So wurde der schnell zu erlernende Editor Nano als neuer Standardeditor festgelegt. Auch dabei geht es um das Erschließen neuer Anwenderschichten durch Vereinfachung.

Abbildung 4: Der Einsatz von Btrfs wird in der Datei <code>/etc/fstab/</code> ersichtlich. Die Home- und die Root-Partition sind bei Btrfs als Subvolumes angelegt.

Abbildung 4: Der Einsatz von Btrfs wird in der Datei /etc/fstab/ ersichtlich. Die Home- und die Root-Partition sind bei Btrfs als Subvolumes angelegt.

Fortgeschrittene Anwender und Entwickler erhalten mit Fedora 33 eine einfache Möglichkeit, die Entwicklung der jeweils kommenden Gnome-Version zu verfolgen, ohne die Pakete selbst bauen zu müssen. Dazu wurde das bisher kaum bekannte Gnome OS [3] in die Virtualisierungs-Software Boxen integriert (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit Gnome&nbsp;3.38 gliedert sich das bislang weitgehend unbekannte Gnome&nbsp;OS in die Virtualisierungs-Software <span class="ui-element">Boxen</span> ein.

Abbildung 5: Mit Gnome 3.38 gliedert sich das bislang weitgehend unbekannte Gnome OS in die Virtualisierungs-Software Boxen ein.

Aktualisiert

Neben den vielfältigen Neuerungen bringt Fedora 33 wie üblich zahlreiche Aktualisierungen mit, insbesondere bei Programmiersprachen und den Tools der Werkzeugkette. Python 3.9 verdrängt dabei die nicht mehr ausgelieferten Versionen 3.4 und 2.6. Aktualisiert wurden zudem unter anderem Java 11, GNU Make 4.3, Glibc 2.32, Perl 5.32, RPM 4.16, Ruby on Rails 6.0 und Node.js 11.

In Sachen Sicherheit passt Fedora seine Krypto-Richtlinie an und schickt die veralteten Protokolle TLS 1.0 und 1.1 in Rente. Zudem müssen Schlüssel künftig eine Länge von mindestens 2048 Bit aufweisen. Die SHA1-Unterstützung für X.509-Zertifikate und TLS entfällt. Die Namensauflösung übernimmt mit Fedora 33 Systemd-resolved [4], das den bisherigen Standard-Lookup-Mechanismus ersetzt, bei dem jedes Programm einzeln mit entfernten Servern sprach und es keinen gemeinsamen Cache gab. Eine weitere Neuerung gibt es beim Swapspace: Der wird künftig per zRAM [5] verwaltet und belegt dabei weniger Platz.

Fazit

Mit vielen Neuerungen in Version 33 wahrt Fedora seinen Ruf als Bleeding-Edge-Distro. Es möchte mit Funktionen wie Btrfs und Nano als Standards neue Nutzerschichten über eine einfachere Handhabung ansprechen. Dem steht aber immer noch der wenig benutzerfreundliche Installer Anaconda im Weg. Hier könnte für Einsteiger eine einfache Umsetzung des Calamares-Frameworks als zweiter Installer Abhilfe schaffen.

Im Vergleich mit anderen Distributionen wirkt Fedora immer noch etwas behäbig. Immerhin wirkt Fedora 33 jedoch mehr aus einem Guss als frühere Veröffentlichungen. Man darf gespannt sein, welche Komfortfunktionen die Entwickler Btrfs über die nächsten Ausgaben der Distribution spendieren. (cla)

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