Mehrere FreeBSD-Derivate versuchen, auf dem Desktop Fuß zu fassen. Inwieweit das gelingt, sehen wir uns bei TrueOS und GhostBSD an.
FreeBSD [1] hat auf dem Desktop aufgrund mangelnder grafischer Werkzeuge und wegen einer auf Server-Systeme fokussierenden Hardware-Unterstützung im Vergleich zu Linux einen Entwicklungsrückstand von mehreren Jahren. Findige Entwickler haben dieses Problem erkannt und sich darangemacht, FreeBSD auch fit für den Desktop zu machen. Herausgekommen sind mit GhostBSD und TrueOS (das frühere PC-BSD, dessen Desktop-Version sich zukünftig Trident nennt) zwei Projekte, die dem exzellenten Server-Betriebssystem auch Chancen auf dem Desktop eröffnen.
TrueOS
Das bereits seit 2005 entwickelte TrueOS [2] basiert auf FreeBSD und bietet im Vergleich zu Linux einige Besonderheiten: So nutzt es voreingestellt das Highend-Dateisystem ZFS sowie den in eigener Regie entwickelten Desktop Lumina, der auf den Qt-Bibliotheken aufsetzt. Optional stehen die Desktop-Oberflächen KDE SC 4, LXDE, XFCE und Maté zur Verfügung.
Das 64-Bit-System kommt außerdem mit einer grafischen Installationsroutine und einem grafischen Frontend für das Paketverwaltungssystem, dem AppCafe. Darüber hinaus ist TrueOS konzeptionell eine Rolling-Release-Distribution. Anders als bei den meisten Linux-Distributionen kommt nicht Systemd als Init-System zum Einsatz, sondern OpenRC, das von Gentoo stammt. Als besonderes Highlight gilt es, Jail herauszustellen, das eine Container-Virtualisierung für Applikationen ermöglicht, die in Grundzügen Docker oder AppImage ähnelt.
Auch in Sachen Datensicherheit entpuppt sich TrueOS, wie aufgrund der Basis FreeBSD nicht anders zu erwarten, als wahres Schwergewicht: Mit GELI implementiert es eine Technologie zur kompletten Massenspeicherverschlüsselung, mit PersonaCrypt eine innovative mobile Technologie zum Verschlüsseln von extern gespeicherten Home-Verzeichnissen. Daneben verfügt TrueOS auch über einen Tor-Modus beim Surfen im Internet, die ähnlich funktioniert wie jener von Kali Linux und anonymisierte Verbindungen ermöglicht.
Erste Schritte
Sie erhalten TrueOS als rund 2,6 GByte umfassendes ISO-Image auf der Webseite des Projekts [3]. Nach dem Herunterladen und Schreiben eines bootfähigen Mediums startet das Betriebssystem zunächst in den schmucklosen BSD-Bootmanager. Dort wählen Sie die erste Option, den Multiuser-Modus.
Anschließend verzweigt die Routine in einen grafischen Assistenten, in dem Sie zunächst die Lokalisierung einstellen. Danach starten Sie in einem Optionsbildschirm die Installation auf dem Massenspeicher. Dabei besteht die Möglichkeit, entweder ein Server- oder ein Desktop-Profil aufzurufen, wobei das Server-Profil als installiertes System keine grafische Nutzeroberfläche bietet (Abbildung 1).
Nach der Auswahl des Datenträgers legt der Installer das ZFS-Dateisystem an und beginnt die Systemeinrichtung durch Übertragen der Dateien aus den einzelnen Ports. Die Oberfläche ähnelt dabei stark der des Ubuntu-Installers Ubiquity und hält daher für Linux-Anwender keine Überraschungen bereit (Abbildung 2).
Nach Abschluss der Installation führen Sie einen Warmstart durch. Ein weiterer grafischer Assistent nimmt nun eine interaktive Grundkonfiguration vor. Findet die Hardware-Erkennung dabei keinen passenden Treiber für die Grafikkarte des Rechners, so schlägt das System eine Liste möglicher Module vor. Den dort aktivierten Vesa-Treiber sollten Sie in dieser Konstellation beibehalten.
Anschließend legen Sie ein Root-Passwort fest und erstellen einen neuen Nutzer mit entsprechendem Passwort. Für diesen User lässt sich in einem zusätzlichen Dialog für Wechseldatenträger PersonaCrypt aktivieren: Dabei legt das System die Daten des Nutzers verschlüsselt auf einem externen Datenträger ab, also etwa einem USB-Stick oder einer USB-Festplatte. Diese Wechseldatenträger lassen sich auf jedem TrueOS-System einhängen, und der Anwender kann dort dann so arbeiten, als säße er an seinem eigenen Rechner.
In einem weiteren Schritt stellen Sie den Audio-Gerätetreiber ein. Dazu steht ebenfalls eine Liste verfügbarer Module bereit, wobei aufgrund der erkannten Hardware bereits ein Treiber voreingestellt sein sollte. In einem letzten Dialog vor Fertigstellung erhalten Sie die Möglichkeit, einige optionale Dienste zu konfigurieren, darunter IPv6, SSH und zusätzliche Systemmeldungen während des Bootvorgangs.
Nach erfolgreicher Grundkonfiguration starten Sie das System neu. Im Anmeldebildschirm wählen Sie nach der Eingabe Ihrer Authentifizierungsdaten, welchen Desktop das System starten soll. Voreingestellt lädt die TrueOS-eigene Oberfläche Lumina, alternativ die schlanke Fluxbox-Umgebung. Später nachinstallierte Desktops klinken sich in die Liste ein.
Belassen Sie es beim Lumina-Desktop, so baut sich dieser zügig in dunklen Farbtönen auf dem Bildschirm auf. Mit seiner am unteren Rand befindlichen Panelleiste samt System-Tray ähnelt er anderen gängigen Arbeitsumgebungen.
Systemeinstellungen
Klicken Sie auf den Startschalter unten links in der Panelleiste, öffnet sich ein konventionelles Menü, das jedoch kaum Anwendungen vorhält. Neben Firefox, Thunderbird und VLC listet das Menü hier lediglich noch den E-Mail-Client Trojita. Daneben finden Sie die beiden Starter Einstellungen und Kontrollzentrum. Auch das Einstellungsmenü fällt spartanisch aus und erlaubt lediglich Änderungen an der Lokalisierung und den Lautstärkeeinstellungen.
Die Option Konfiguriere Desktop öffnet dagegen ein Menü, in dem Sie ähnlich viele Konfigurationsoptionen vorfinden wie bei KDE Plasma. Diese sind, wie das gesamte System, in den unterschiedlichen Dialogen noch nicht vollständig eingedeutscht, was der Verständlichkeit jedoch keinen Abbruch tut. Zahlreiche weitere Einstelloptionen finden Sie im Kontrollzentrum.
Hier stechen sofort das AppCafe und der Update-Manager ins Auge. Letzterer gestattet in einem gesonderten Dialog mit wenigen Mausklicks ein automatisches Update des Systems, während das AppCafe die grafische Oberfläche der Paketverwaltung darstellt. Das AppCafe, unter dem TrueOS-Vorgänger PC-BSD noch als native Qt-Applikation realisiert, ähnelt im Aufbau nun einem Webbrowser.
Hier finden Sie den vorhandenen Programmbestand nach verschiedenen Kategorien sortiert vor. Klicken Sie auf einen der Schalter für die Kategorien, öffnet sich eine tabellarische Übersicht der vorhandenen Programme. Die bereits installierten Applikationen erkennen Sie dabei an einem symbolisierten Papierkorb, der sich rechts neben dem jeweiligen Programmnamen befindet. Ein Klick auf dieses Symbol deinstalliert das betreffende Programm. Alle anderen Pakete zeigen rechts neben dem Paketnamen ein Installationssymbol. Ein einfacher Mausklick darauf richtet das betreffende Programm ohne weiteres Zutun ein (Abbildung 3).
Da das AppCafe nach erfolgreicher Installation einer Applikation keine Statusmeldung anzeigt, erfahren Sie erst durch einen Klick auf den Reiter Pending im AppCafe vom erfolgreichen Abschluss der Installation. Das betreffende Paket erscheint in diesem Fall auch automatisch in der Liste der installierten Programme, die Sie im Reiter Installed einsehen.
Möchten Sie mehrere dort gelistete Anwendungen deinstallieren, so markieren Sie diese durch Setzen eines Häkchens vor den entsprechenden Programmen und klicken anschließend auf das links über der Liste befindliche Papierkorb-Symbol. Nach einer Sicherheitsabfrage löscht das Programm die betroffenen Pakete vom Massenspeicher.
Desktops
Der Lumina-Desktop orientiert sich an einfachen Arbeitsumgebungen wie Fluxbox oder IceWM; ihm fehlen weitergehende Funktionen, wie sie beispielsweise KDE Plasma bietet. Wünschen Sie sich einen etwas komfortableren Desktop, stehen zahlreiche weitere Oberflächen zur Wahl. Die Installation nehmen Sie einfach über das AppCafe und die darin per Schaltfläche aufzurufende Kategorie Desktops vor.
Aus einer Liste wählen Sie die gewünschten grafischen Oberflächen und klicken auf den Installations-Button. Die Routine integriert nun alle markierten Desktops eigenständig in das System. Nach Abschluss der Installation melden Sie sich ab und wieder an. In einem Auswahlfeld des Login-Bildschirms wählen Sie dann den gewünschten Desktop aus (Abbildung 4).
Die verschiedenen Desktops binden die im System installierten Anwendungen unterschiedlich in ihre jeweilige Menüstruktur ein. Ähnliches gilt auch für die Konfigurationswerkzeuge, zudem erscheinen Lumina-spezifische Optionen in den Systemeinstellungen anderer Desktop-Umgebungen. Das AppCafe und der Update-Manager integrieren sich jeweils in die üblichen Kontrollzentren, sodass Umsteiger die grafische Paketverwaltung und das Update-Tool an gewohnter Stelle finden (Abbildung 5).
Ressourcen
Anders als der schlanke Lumina-Desktop eigentlich erwarten lässt, gibt sich TrueOS nicht weniger ressourcenhungrig als die gängigen Linux-Distributionen. Zwar benötigt das Betriebssystem im Vergleich zu verschiedenen Linux-Derivaten wie Ubuntu oder Linux Mint spürbar weniger CPU-Leistung und agiert daher auch auf Maschinen mit Zweikern-Prozessoren sehr agil, jedoch liegt der Arbeitsspeicherbedarf sehr hoch. Daher empfiehlt es sich auf jeden Fall, das System mit mindestens 4 GByte RAM auszustatten.
Sollen auch virtuelle Maschinen unter TrueOS zum Einsatz kommen und schwergewichtige Anwendungen wie Firefox oder Gimp zügig arbeiten, braucht es eher 8 GByte RAM, um nicht die Swap-Partition in Anspruch nehmen zu müssen. Der hohe Arbeitsspeicherbedarf von TrueOS resultiert aus der Nutzung des eher für Server konzipierten Dateisystems ZFS. Für Desktop-Systeme etwas überdimensioniert, bietet es allerdings eine sehr hohe Betriebssicherheit und eignet sich auch für sehr große Datenträger (Abbildung 6).
Jails
Eines der herausragendsten Alleinstellungsmerkmale von PC-BSD war das aus FreeBSD übernommene Jail mit der grafischen Verwaltungsoberfläche Warden. Mithilfe von unterschiedlichen Jails lassen sich Anwendungen und auch komplette, speziell angepasste Betriebssysteme in abgeschotteten Umgebungen nutzen.
TrueOS hat zwar nach wie vor Jails implementiert, nutzt aber als Verwaltungswerkzeug anstelle von Warden nunmehr Iocage. Das kennt keine grafische Bedienoberfläche und lässt sich nur im Terminal mithilfe von zahlreichen Befehlen nutzen. Zwar befindet sich bereits seit fast drei Jahren eine grafische Bedienoberfläche für Iocage in Arbeit, wurde jedoch bislang nicht veröffentlicht. Um die Bedienung zu erleichtern, steht für Iocage eine ausführliche englischsprachige Dokumentation bereit [4].
GhostBSD
Auch das seit 2010 entwickelte GhostBSD [5] war ursprünglich ein FreeBSD-Abkömmling und möchte sich gern auf dem Desktop etablieren. Es basiert in den aktuellen Versionen auf FreeBSD 13.0, setzt dabei jedoch nicht auf einen eigenentwickelten Desktop, sondern nutzt in der Vorgabe die von Gnome 2 abgeleitete Arbeitsumgebung Maté in der Version 1.20.3. Das rund 2,6 GByte umfassende ISO-Image eignet sich ausschließlich für 64-Bit-Hardware [6]. Zusätzlich bietet das Projekt eine Community-Version mit XFCE-Desktop an.
GhostBSD startet dank des OpenRC-Init-Managers zunächst sehr zügig ein Live-System mit vollständigem Maté-Desktop. Aus diesem heraus lässt sich das System dann mithilfe des Starters Install GhostBSD grafisch unterstützt auf der Festplatte des Rechners einrichten. Hat die Bootroutine Probleme, die Grafikkarte des Systems zu erkennen, öffnet sich ein Ncurses-Fenster, in dem Sie aus mehreren Grafiktreibern einen passenden auswählen können. Hier stehen auch Module für Nvidia-, AMD- und Intel-Chipsätze bereit.
Bei der Installation bietet die Routine an, entweder das bei TrueOS genutzte Standard-Dateisystem ZFS oder das bei FreeBSD voreingestellte UFS zu nutzen. Andere, unter Linux gebräuchliche Dateisysteme wie Ext4, XFS oder Btrfs unterstützt der Installer nicht (Abbildung 7).
Nach Abschluss der Installation fordert die Routine zu einem Neustart auf, bei dem sie dann in eine komplett deutsch lokalisierte Oberfläche bootet. Auch die Ordnernamen sind bereits entsprechend angepasst. Wie bereits in der Live-Variante finden Sie alle im alltäglichen Einsatz gebräuchlichen Programme in den entsprechenden Menüs vor, wobei LibreOffice, Firefox und Thunderbird noch nicht in der deutschen Variante vorliegen.
Konfiguration
GhostBSD bietet die gängigen Dialoge und Optionen zur Konfiguration des Systems. Die in den Maté-Desktop integrierten Applikationen sind dabei ebenso wie unter Linux vorhanden, sodass Umsteiger keine Einarbeitung benötigen. Auch das Einspielen von Software-Updates funktioniert bei GhostBSD mithilfe des integrierten Update-Managers ähnlich wie bei vielen Linux-Derivaten: Das System prüft die Verfügbarkeit von Updates automatisch beim Systemstart und zeigt mögliche Aktualisierungen im System-Tray an.
Um die vorhandenen Updates dann ins System zu integrieren, klicken Sie im Tray auf das entsprechende Symbol Update Available und öffnen damit den Update-Manager. Er führt die vorhandenen Aktualisierungen auf und spielt sie nach einem Klick auf Install Updates ins System ein (Abbildung 8).
Bei Bedarf rufen Sie über System | Systemverwaltung | Update Station die Aktualisierungsroutine manuell auf. Da FreeBSD und GhostBSD einer regen Entwicklung unterliegen, fallen für die Updates oft mehrere Hundert Megabyte Download-Volumen an, sodass ein Aktualisierungslauf etwas dauern kann.
Software
Wer von Linux auf GhostBSD umsteigt, muss sich anders als bei FreeBSD nicht erst mit der kommandozeilenbasierten Paketverwaltung Pkgng vertraut machen, wenn er zusätzliche Programme installieren möchte. GhostBSD bietet ein grafisches Frontend namens Octopkg, das Sie im Menü System | Systemverwaltung über den Starter Software Station erreichen (Abbildung 9).
Mit einer Oberfläche, die der von Synaptic ähnelt, gestattet das Tool eine sehr einfache Software-Installation. Es kategorisiert die einzelnen Pakete, wobei links im Fenster die Kategorien stehen, rechts die zugehörigen Pakete. Sie merken Programme wie bei Synaptic durch Setzen eines Häkchens zur Installation vor. Nach einem Klick auf Apply rechts oben im Fenster integriert Octopkg die Software in das System.
Der Paketmanager führt dabei einen Gesamtbestand von mehr als 32?000 Paketen auf, die GhostBSD-Repositories stehen also jenen gängiger Linux-Distributionen um nichts nach. Programme, die deren Entwickler in eigenen Repositories bereitstellen, sind allerdings meist nicht für GhostBSD verfügbar.
Lokalisierung
Da die Mozilla-Webseite weder Firefox noch Thunderbird für BSD-Derivate mit deutscher Menüführung anbietet, müssen Sie die Programme manuell anpassen, um eine lokalisierte Oberfläche zu erhalten. Dazu laden Sie für beide Anwendungen zunächst die deutschen Sprachpakete von der jeweiligen Projektwebseite herunter und integrieren sie dann als Addon in die beiden Programme.
Dann rufen Sie mit about:config in Firefox den Konfigurationsdialog auf und markieren mit einem Rechtsklick eine beliebige Zeile des Konfigurationsdialogs. Im aufklappenden Kontextmenü wählen Sie nun die Option New und anschließend den Eintrag String. Firefox öffnet daraufhin ein Fenster, in dem Sie in die Eingabezeile intl.locale.requested eintragen. Nach einem Klick auf OK geben Sie im nächsten Eingabefeld den Wert de ein und klicken erneut auf OK. Nach einem Neustart des Programms zeigt sich die Menüführung nun komplett deutsch lokalisiert.
In Thunderbird öffnen Sie im Einstellungsmenü den Dialog Preferences und wählen hier den Reiter Advanced ganz rechts. Anschließend finden Sie unten rechts den Button Config Editor…, der nach einer Sicherheitsabfrage den manuellen Konfigurationsdialog öffnet. Dort legen Sie wie in Firefox einen neuen Eintrag für die deutschsprachige Lokalisierung an. Nach einem Neustart präsentiert sich auch Thunderbird mit einer komplett deutschen Bedienerführung.
Um LibreOffice auf Deutsch umzustellen, wählen Sie in der grafischen Paketverwaltung Software Station links die Kategorie german und installieren anschließend das Paket de-libreoffice. Die Bürosuite präsentiert sich danach ebenfalls mit deutschen Menüs und Dialogen.
Tweaks
Unter GhostBSD müssen Sie sich nicht durch unzählige Menüs und Optionsbildschirme quälen, um den Desktop individuell zu gestalten: Die Entwickler haben das von Maté her bekannte Werkzeug MATE Tweak modifiziert und als Station Tweak in das Menü Einstellungen | Darstellung integriert.
Das Werkzeug bietet Optionen zum Einstellen der Panelleiste, der Symbole und der Schrift sowie der Ordner auf dem Desktop. Zudem lässt sich hier das Compositing aktivieren. Über die in Maté integrierte Steuerzentrale, die Sie ebenfalls im Menü System finden, lässt sich das System noch detaillierter optisch und funktionell an Ihre Vorstellungen anpassen (Abbildung 10).
Wie TrueOS erlaubt es auch GhostBSD, Anwendungen in einer abgeschotteten Umgebungen auszuführen. Dabei greift das System ebenso auf Jails zurück, wozu das System das Management-Werkzeug Ezjail in den Ports führt. Als Kommandozeilentool kann Ezjail nicht mit einer einfachen Bedienerführung aufwarten, wie sie Warden in PC-BSD bot. Allerdings lässt sich Ezjail dank der sehr guten Dokumentation auf den Webseiten von FreeBSD auch von Einsteigern recht schnell produktiv einsetzen [7].
Fazit
Die beiden BSD-Derivate TrueOS und GhostBSD geben beim Einsatz auf dem Desktop ein überwiegend positives Bild ab.
TrueOS kann wegen des noch in Entwicklung befindlichen Lumina-Desktops und des Wegfalls des grafischen Warden-Verwaltungswerkzeugs für isolierte Umgebungen nicht an die Bedienerfreundlichkeit von PC-BSD anknüpfen. Besonders im Vergleich zum unter PC-BSD verwendeten KDE-Desktop weist Lumina noch erhebliche Defizite auf. Dafür stehen mit PersonaCrypt und GELI interessante Innovationen zur Erhöhung der Datensicherheit zur Verfügung.
GhostBSD gibt dagegen auf dem Desktop ein wesentlich stimmigeres Bild ab und eignet sich auch dank besserer Stabilität im Vergleich zu TrueOS eher für den Desktop, wenn es Alltagsaufgaben zu bewältigen gilt. Dazu trägt auch der ausgereifte und ergonomisch wie optisch attraktive Maté-Desktop bei, der sich ohne jegliche Vorkenntnisse bedienen lässt.
Als Manko beider Betriebssysteme erweist sich die nach wie vor teils mangelhafte Unterstützung von Hardware-Komponenten. Insbesondere bei neuen PCs und Notebooks sollten Sie vor dem Einsatz von BSD-Derivaten sorgfältig prüfen, ob sie die vorhandene oder zu beschaffende Hardware auch wirklich unterstützen. Als Ausschlusskriterien für TrueOS und auch GhostBSD erweisen sich beispielsweise generell Mobilfunk-Modems und diverse WLAN-Chipsätze. Aber auch Grafikkarten mit proprietärer Hardware werden gelegentlich gar nicht unterstützt.
Glossar
- Ports
- Paketverwaltungssystem bei BSD-Derivaten. Ein Port bezeichnet meist ein Verzeichnis, das alle für die Installation benötigten Dateien sowie ein zugehöriges Makefile (quasi als Kochrezept) enthält. Unter FreeBSD befindet sich der sogenannte Portstree standardmäßig unter
/usr/ports/.
Infos
- FreeBSD: https://www.freebsd.org/de
- TrueOS: https://www.trueos.org
- TrueOS-Downloads: https://www.trueos.org/downloads
- Dokumentation für Iocage: https://iocage.readthedocs.io/en/latest/
- GhostBSD: http://www.ghostbsd.org
- GhostBSD-Downloads: http://www.ghostbsd.org/download
- Dokumentation zu Ezjail: https://www.freebsd.org/doc/handbook/jails-ezjail.html















