Kein Käse aus Holland: SolydXK mit XFCE- und KDE-Desktop

Aus LinuxUser 05/2019

Kein Käse aus Holland: SolydXK mit XFCE- und KDE-Desktop

© Computec Media GmbH

Solyde Sache

Debian ist zwar grundsolide, hinkt aber auf dem Desktop hinterher. SolydXK macht das ausgezeichnete Server-Betriebssystem fit für den Desktop.

Debian gilt allgemein als stabiles und grundsolides Server-Betriebssystem, weist jedoch auf dem Desktop einige Defizite auf. Das aus den Niederlanden stammende SolydXK [1] versucht diese zu beseitigen und legt gleichzeitig den Fokus der Entwicklung auf Sicherheitsaspekte und Teamarbeit in heterogenen Infrastrukturen. Damit möchte das Debian-Derivat auch auf dem Desktop punkten.

SolydXK gibt es nicht nur für verschiedene Hardware-Architekturen, sondern es kommt auch in zwei unterschiedlichen Varianten: SolydK setzt auf den aktuellen KDE-Plasma-Desktop, während SolydX mit der schlanken Arbeitsumgebung XFCE sich für Anwender mit älterer Hardware empfiehlt. Diese Variante funktioniert auch auf Hardware mit langsamer Grafik und nur wenig Arbeitsspeicher gut.

Das System liegt offiziell nur für 64-Bit-Hardware vor. Es gibt jedoch mehrere halboffizielle Community-Editionen, darunter eine für 32-Bit-Computersysteme und eine für den Raspberry Pi. Alle Varianten erhalten Sie über die Webseite des Projekts [2] als direkten Download oder Bittorrent. Bei den Abbildern handelt es sich um Hybrid-Images, die sich sowohl auf einen optischen Datenträger brennen als auch auf einen USB-Stick transferieren lassen.

Erster Eindruck

SolydXK lässt sich nicht direkt nach dem Booten auf eine Festplatte installieren. Nach dem Booten von DVD oder USB-Stick gelangen Sie zunächst in ein Live-System, auf dessen Desktop Sie ein Installations-Icon vorfinden. Im Startmenü können Sie sich erst einmal einen Überblick über die installierte Software machen.

Hier fällt SolydXK nicht aus dem Rahmen: In beiden Varianten finden sich bis auf den Bildbearbeitungsboliden Gimp alle typischen Applikationen, obwohl das ISO-Image lediglich rund 1,6 GByte in der XFCE-Variante und 1,9 GByte in der KDE-Plasma-Version umfasst. Darüber hinaus integrierten die Entwickler in das Live-System auch Programme wie das Backup-Tool Luckybackup oder grafische Systemwerkzeuge wie Gparted und Systemadm, ein Tool zur Verwaltung von Systemd.

Positiv sticht zudem ins Auge, dass nicht nur die ESR-Variante von Firefox mit Langzeit-Support vorinstalliert ist, sondern der Browser bereits die nützlichen Erweiterungen Privacy Badger, Ublock Origin und HTTPS Everywhere mitbringt. Sie müssen also den Webbrowser nicht erst umständlich durch manuelles Nachziehen der entsprechenden Addons gegen neugierige Beobachter absichern.

Mit Gufw enthält die Distribution außerdem eine leicht zu konfigurierende Firewall, die von Haus aus mit dem System startet und drei voreingestellte Profile mit entsprechenden Regelwerken bietet.

Auf die Platte

Mit dem Installations-Icon auf dem Desktop starten Sie den SolydXK-eigenen Assistenten, der einen etwas gemischten Eindruck hinterlässt. Im ersten Schritt stellen Sie die Lokalisierung des Systems ein. Dabei sollten Sie sich an den Landesflaggen links im Fenster orientieren. Die Liste lässt sich über einen Klick auf den Tabellenkopf entweder nach der Sprache oder dem Land sortieren.

Die danach folgenden Arbeitsschritte der Zeitzonen- und Tastatureinstellung folgen optisch wie auch funktionell weitgehend dem weitverbreiteten Installer Calamares. Anschließend müssen Sie den stationären Datenträger partitionieren. Dabei nimmt die Routine automatisch sinnvolle Voreinstellungen vor, erwartet aber selbst bei nur einer nutzbaren Partition die explizite Angabe des Einhängepunkts für das Root-Verzeichnis. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Partition und wählen im Kontextmenü die passende Zuweisung (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Installationsroutine erscheint teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, gibt sich jedoch funktionell.

Abbildung 1: Die Installationsroutine erscheint teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, gibt sich jedoch funktionell.

In diesem Dialog lassen sich zudem ein oder mehrere Laufwerke verschlüsseln, indem Sie rechts im Bildschirm vor den gewünschten Laufwerken in der Spalte Verschlüsseln ein Häkchen setzen. Nach der Zusammenfassung der eingestellten Optionen, die Sie durch Zurückspringen nochmals modifizieren dürfen, spielt der Installationsassistent das Betriebssystem auf die Festplatte.

Nach einem anschließenden Warmstart öffnet das System zunächst ein Willkommensfenster, das der detaillierteren Konfiguration des Systems in mehreren Schritten dient. Zunächst bietet der Dialog an, Flash nachzuinstallieren, da es nach wie vor Webseiten gibt, die Multimediainhalte nicht HTML5-basiert ausliefern. Falls Sie darauf verzichten möchten, klicken Sie rechts unten auf den Schalter Nächste; anderenfalls wählen Sie die Option Installiere. Im nächsten Schritt offeriert SolydXK das Einrichten des Buchhaltungsprogramms Gnucash, ein dritter Dialog ermöglicht die Installation des Bildbearbeitungsprogramms Gimp.

Im darauffolgenden Optionsbildschirm lassen sich Systemwerkzeuge wie Gparted, Virtualbox und Filezilla auf den Massenspeicher packen. Anschließend ermöglicht die Routine die Installation zahlreicher ausgewählter Spiele sowie von PlayOnLinux, einer grafischen Oberfläche für die Windows-kompatible Laufzeitumgebung Wine (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unübersehbar: Bei der Installation von Windows-Anwendungen warnt Solydx vor möglichen Sicherheitsproblemen.

Abbildung 2: Unübersehbar: Bei der Installation von Windows-Anwendungen warnt Solydx vor möglichen Sicherheitsproblemen.

Gegebenenfalls beenden Sie den Dialog jederzeit durch einen Klick auf den Schalter Beenden links unten im Fenster. Anschließend ist das holländische Debian-Derivat in deutscher Lokalisierung anwendungsbereit.

Software

Dank der Debian-Basis stehen Ihnen unter SolydXK mehr als 52?000 Pakete zur jederzeitigen Installation zur Verfügung. Dabei greift das System nicht nur auf die Software-Quellen von Debian zurück, sondern auch auf ein eigenes Repository.

SolydXK unterstützt Sie bei der Installation zusätzlicher Applikationen mit gleich zwei grafischen Frontends: Das Programm Pakete aus dem Menü System hält eine einfache Oberfläche zum Nachinstallieren von Software bereit. Im selben Menü finden Sie auch das altbekannte Synaptic. Um die vorhandene Software stets auf aktuellem Stand zu halten, findet sich im Menü System das komfortable grafische Frontend Paketaktualisierung, das Terminalkommandos zu diesem Zweck überflüssig macht.

Eine weitere Konfigurationshilfe für proprietäre Komponenten steht im Menü Einstellungen mit dem Werkzeug SolydXK Systemeinstellungen zur Verfügung. In einem auf mehrere Reiter aufgeteilten Dialog installieren und konfigurieren Sie hier proprietäre Treiber für Systemkomponenten. Insbesondere bei einigen Grafikkarten bieten diese Treiber Vorteile in Sachen Geschwindigkeit und Funktionen.

Das Werkzeug erlaubt aber auch, Pakete gezielt vom Update auszunehmen, etwa weil ein Bug das Update obsolet macht. Zudem kann es verschiedene Konfigurationsaufgaben übernehmen, wie beispielsweise die Integration einer neuen Lokalisierung (Abbildung 3).

Abbildung 3: In den <span class="ui-element">SolydXK Systemeinstellungen</span> b&uuml;ndelt das Debian-Derivat verschiedene Optionen.

Abbildung 3: In den SolydXK Systemeinstellungen bündelt das Debian-Derivat verschiedene Optionen.

Schwerpunkt Security

SolydXK bringt von Haus aus eine Reihe Anwendungen zum Schutz der Rechnersicherheit und Privatsphäre mit. So finden Sie im Menü Zubehör das grafische Frontend ClamTk für den bereits vorinstallierten freien Virenscanner ClamAV. Über ClamTk lässt sich das AV-Programm sehr komfortabel und gleichzeitig ressourcenschonend nutzen und verwalten.

Zudem integriert SolydXK in Form des ebenfalls grafisch zu bedienenden GNU Privacy Assistant eine komfortable Schlüsselverwaltung, wobei das freie GnuPG als Backend fungiert. Zur Prüfsummenberechnung dient GtkHash, KeePassX beschäftigt sich mit der Passwortverwaltung.

Ein weiterer Einstellungsdialog betrifft das Einbinden von Wechseldatenträgern und Wechselmedien: Hier definieren Sie, wie das System mit USB-Sticks, Speicherkarten, aber auch Kameras oder PDAs umgehen soll. Da diese häufig Daten enthalten, von denen manche bei plattformübergreifendem Einsatz Schadsoftware enthalten können, bestehen hier verschiedene Optionen zum Einbinden der jeweiligen Medien (Abbildung 4).

Abbildung 4: Durch zahlreiche Werkzeuge erh&ouml;ht SolydXK die IT-Sicherheit.

Abbildung 4: Durch zahlreiche Werkzeuge erhöht SolydXK die IT-Sicherheit.

Kooperativ

SolydXK fokussiert sich auf Business- und engagierte Heimanwender, bei denen plattformübergreifend Software zum Einsatz kommt. Vor allem in Unternehmen findet sich oft eine heterogene Infrastruktur, für die das holländische Debian-Derivat bereits die nötigen Werkzeuge zum Austausch von Daten mitbringt.

So ermöglicht etwa das grafische Werkzeug Gadmin-Samba die direkte Kontaktaufnahme zu einem Samba-Server im Intranet, ohne vorher Konfigurationsdateien editieren zu müssen. Das gestattet den komfortablen Datenaustausch mit Windows-Clients.

Zur Nutzung von Windows-Software findet sich in den Software-Repositories die Windows-Laufzeitumgebung Wine. Daneben gibt es auch diverse Emulatoren und weitere Runtimes für das 16-Bit-Betriebssystem DOS, sodass auch sehr betagte Applikationen unter SolydXK funktionieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: SolydXK erweist sich durch verschiedene Tools als ausgereifte Integrationsplattform.

Abbildung 5: SolydXK erweist sich durch verschiedene Tools als ausgereifte Integrationsplattform.

Proprietäres

Unter Debian steht man oft vor der Aufgabe, proprietäre Firmware-Dateien für bestimmte Hardware-Komponenten manuell ausfindig machen und anschließend in das Betriebssystem integrieren zu müssen. Dieses umständliche Prozedere steht insbesondere bei vielen Grafikkarten an, bei zahlreichen WLAN- und WWAN-Chipsätzen sowie fast allen DVB-Empfängern.

SolydXK dagegen liefert im Verzeichnis /lib/firmware/, in dem diese Firmware-Dateien distributionsübergreifend abgelegt werden, von Haus aus zahlreiche aktuelle Firmware-Bausteine. Das erspart oft ein in der Regel aufwendiges Nachinstallieren, zudem funktionieren viele bei anderen Distributionen bockige Hardware-Komponenten bei SolydXK wie von selbst.

Fazit

Mit SolydXK ist dem niederländischen Entwicklerteam um Arjen Balfoort ein großer Wurf gelungen. Das System arbeitet dank des Unterbaus Debian stabil und zuverlässig, ohne dabei dessen Defizite auf dem Desktop zu übernehmen. Besonders positiv fällt die gute Ausstattung mit Frontends für plattformübergreifendes Arbeiten in Teams auf sowie die zahlreichen Applikationen, die sicherheitsrelevante Themen adressieren. In diese Kerbe schlägt nicht zuletzt die sorgfältige Vorkonfiguration des Webbrowsers, die ein umständliches Nachladen von Addons überflüssig macht. Die stabile und gut voreingestellte Allround-Distribution SolydXK eignet sich damit bestens für Anwender, die auch in heterogenen Umgebungen arbeiten müssen. 

Infos

  1. SolydXK: https://solydxk.com

  2. Download-Seite: https://solydxk.com/downloads

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1 Kommentar
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Ravenbird
7 Jahre her

Hört sich gut an. Wie sieht es auf dem System mit hidpi aus? Gerade bei XFCE das an sich der von mir bevorzugte Desktop ist, habe ich da so gewisse negative Erfahrungen mit gemacht.

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