SoftMaker Office 2008 mit Präsentationsmodul

Aus EasyLinux 04/2008

SoftMaker Office 2008 mit Präsentationsmodul

Weder PowerPoint noch Impress

Softmakers Officepaket hat sich einen Namen als schlanke Alternative zum Boliden OpenOffice gemacht – bisher gab es aber nur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Version 2008 macht das Paket mit einem PowerPoint-Ersatz komplett.

Über die beiden bisherigen Kernprogramme von SoftMaker Office [1], TextMaker und PlanMaker, haben wir schon viel Gutes gesagt [2] – jetzt steht die Linux-Variante der 2008er Version in den Startlöchern. Wir haben einen Blick auf die zweite Betaversion (Build 496) und darin vor allem auf das neue Präsentationsprogramm SoftMaker Presentations 2008 geworfen. Auf der Heft-DVD finden Sie eine spezielle EasyLinux-Variante der Betaversion, die Sie (nach Registrierung) bis zum 31.12.2008 einsetzen können. Der Kasten Registrierung der Betaversion beschreibt neben der Registrierung auch die Installation des SoftMaker-Office-Pakets auf der Heft-DVD.

Betaversion registrieren und installieren

Exklusiv für EasyLinux-Leser bietet der Hersteller die aktuelle Betaversion von Softmaker Office 2008 mit einer Laufzeit bis zum 31.12.2008 an. Um die notwendige Seriennummer zu erhalten, müssen Sie sich jedoch zuvor auf der Webseite http://softmaker.de/oflbetareg.htm registrieren. Dabei genügt aber die Angabe des Namens und der E-Mail-Adresse.

Installation

Auf der Heft-DVD finden Sie die Betaversion im Verzeichnis programme/andere/softmaker/ als tar.gz-Paket (office.tgz). Entpacken Sie es über den Dateimanager in ein beliebiges neues (leeres) Verzeichnis. Dort landen dann unter anderem drei ausführbare Dateien textmaker, planmaker und presentations, über die Sie die drei Komponenten des Officepakets starten können.

Windows-Anwender können bereits seit Dezember 2007 mit SoftMaker Office 2008 arbeiten; die Linux-Version kommt immer einen Tick später. Zudem gibt es noch Varianten für die PDA-Plattformen Pocket PC und Windows CE.

Klassiker für Text und Tabelle

Auf den ersten Blick sehen TextMaker und PlanMaker genauso wie in Version 2006 aus – die Menüs haben denselben Aufbau, und auch alle Icons finden sich am bekannten Ort. Im Detail haben sich aber einige Sachen geändert.

Neu in TextMaker ist z. B. ein Formatvorlagen-Manager, mit dem Sie Vorlagen aus einem Dokument in ein anderes übernehmen können. Schön: Der Textemacher speichert jetzt auch im OpenOffice-Textformat, so dass Sie die odt-Dateien genau wie Word- und TextMaker-eigene Dateien mit dem Programm einfach öffnen, ändern und wieder speichern können. (TextMaker 2006 konnte das Writer-Format nur lesen.)

Weniger schön: PlanMaker kommt immer noch vollständig ohne OpenOffice-Support daher, kann also OO-Calc-Dateien weder lesen noch schreiben. Gegenüber PlanMaker 2006 hat sich die Import-/Export-Situation nicht verbessert, so dass beim Datenaustausch zwischen OpenOffice Calc und PlanMaker weiter der Umweg übers Excel-Format nötig ist. Die neuen XML-Office-Formate von Microsoft (.docx, .xlsx etc.) kennen die SoftMaker-Anwendungen auch nicht, Martin Kotulla von SoftMaker sagte aber im Gespräch mit EasyLinux, dass die Entwickler gerade am Filter für .docx arbeiten und danach .xlsx und .pptx folgen – die OpenOffice-Formate (Calc, Impress) folgen erst danach.

Vorsicht: Native Dokumente aus den 2006er und 2008er Programmen verwenden zwar dieselben Dateiendungen (TextMaker: .tmd, PlanMaker: .pmd), die Formate haben sich aber geändert. Speichern Sie in TextMaker 2008 ein Dokument im Standardformat, kann die alte Programmversion es nicht lesen; für diese Zwecke kennt TextMaker 2008 das Ausgabeformat TextMaker 2006. Die umgekehrte Richtung (also alte TextMaker-Dokumente in TextMaker 2008 lesen) ist kein Problem, allerdings ändert sich das Layout: Wie Abbildung 1 zeigt, setzt TextMaker 2008 größere Zeilenabstände.

Abbildung 1: Das Format hat sich geändert: Ein in TextMaker 2006 (links) erstelltes Dokument sieht in der neuen Programmversion (rechts: TextMaker 2008) anders aus.

Abbildung 1: Das Format hat sich geändert: Ein in TextMaker 2006 (links) erstelltes Dokument sieht in der neuen Programmversion (rechts: TextMaker 2008) anders aus.

TextMaker beherrscht jetzt Kerning: Das bedeutet, dass das Programm Zusatzinformationen über Buchstabenpaare auswertet, die direkt in den Fonts gespeichert sind, und dann die Buchstabenabstände optisch vorteilhaft setzt. Am deutlichsten sieht man dies an Buchstabenpaaren wie AT und AV. Ist Kerning aktiviert, entsteht ein ruhigeres Schriftbild. In der aktuellen Betaversion funktioniert das Feature noch nicht richtig:

  • Zwar zeigt das Programm die veränderten Abstände am Bildschirm an (Abbildung 2), im Ausdruck (und beim PDF-Export) ist das Kerning aber abgeschaltet.
  • Die Positionierung des Eingabecursors berücksichtigt das Kerning nicht, so dass man Text mit aktiviertem Kerning praktisch nicht mehr ordentlich bearbeiten kann.
Abbildung 2: Kerning soll in TextMaker 2008 das Schriftbild verbessern.

Abbildung 2: Kerning soll in TextMaker 2008 das Schriftbild verbessern.

SoftMaker Presentations

Viele Konzepte sind aus den älteren Anwendungen Impress und PowerPoint bekannt; schließlich muss das Rad nicht immer neu erfunden werden:

  • Auch Presentations arbeitet mit Folienvorlagen (Folienlayouts), die verschiedene Standardtypen mit Überschriften, ein- oder mehrspaltigen Auflistungen etc. definieren,
  • es kennt eine Masterfolie, mit der Sie Standardelemente wie eine Fußnote mit Foliennummer auf jeder Folie montieren,
  • und nutzt die bekannten Shortcuts (etwa: [F5] für den Start der Präsentation)

Praktisch bei den Vorlagen: Die vordefinierten Blöcke sind standardmäßig Textkästen, in die Sie direkt hineinschreiben können – solange sie aber leer sind, zeigen sie zwei Icons an, über die Sie ohne weiteres Hangeln durch die Menüs Tabellen oder Grafiken einfügen können.

Die Arbeit mit den Foliendesigns geht leicht von der Hand – wollen Sie über Folie / Foliendesigns ein neues ausprobieren, zeigt Presentations gleich auf der aktuellen Folie (und in der linken Spalte in allen Miniaturen) an, wie sich das auswirken wird (Abbildung 3). Ein Klick auf Allen zuweisen führt dann einheitlich das neue Design ein, während Zuweisen nur die aktuelle Folie umformatiert.

Abbildung 3: Entscheiden Sie sich erst für ein Foliendesign…

Abbildung 3: Entscheiden Sie sich erst für ein Foliendesign…

Abbildung 4: … und danach für eine Farbvariante.

Abbildung 4: … und danach für eine Farbvariante.

Farbschemata erweitern das Designkonzept: Die Designs sind nicht auf bestimmte Farbkombinationen festgelegt, sondern variabel. Abbildung 4 zeigt ein Beispiel dafür: Das ursprünglich weiß-blaue Layout wird durch einen Klick im ganzen Dokument gelb-lila.

Presentations ist, wie auch TextMaker und PlanMaker, eine MDI-Anwendung, so dass Sie mehrere Präsentationen parallel in einem Hauptfenster bearbeiten können. Rufen Sie eine bereits laufende Anwendung erneut auf und übergeben dabei einen Dateinamen als Argument, öffnet sich kein neues Fenster, sondern das schon laufende SoftMaker-Programm öffnet das Dokument.

Folien-Import und -Export

Im Handbuch heißt es: “[…] Presentations kann nicht nur seine eigenen Präsentationen, sondern auch Dateien anderer Präsentationsprogramme öffnen (zum Beispiel Microsoft PowerPoint).” Tatsächlich ist PowerPoint aber das einzige andere unterstützte Format, und das auch nur in den klassischen Versionen (erkennbar an den Dateiendungen ppt und pps bzw. pot für Vorlagen). Diese Formate kann Presentations sowohl lesen als auch schreiben. Die neuen XML-basierten Microsoft-Formate (erkennbar am zusätzlichen x in der Dateiendung) kennt das Programm nicht, aber die Entwickler arbeiten bereits an neuen Filtern (siehe oben).

Allerdings geht es auch OpenOffice Impress nicht anders; der Konkurrent beherrscht außer seinem eigenen und dem alten Microsoft-Format nur das frühere StarOffice-Format. Dass OpenOffice das Presentations-Format nicht unterstützt, ist dabei verständlich – schließlich ist diese SoftMaker-Anwendung noch recht neu.

Alle SoftMaker-Anwendungen bieten jetzt direkten PDF-Export über das Datei-Menü, so auch Presentations. Der Exportfilter hat aber noch Schwierigkeiten mit transparenten Elementen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das hat nicht ganz geklappt: Der PDF-Export von Presentations (links) enthält keine Transparenz und zeigt den gekippten Text falsch an; zum Vergleich der Export aus OpenOffice Impress (rechts).

Abbildung 5: Das hat nicht ganz geklappt: Der PDF-Export von Presentations (links) enthält keine Transparenz und zeigt den gekippten Text falsch an; zum Vergleich der Export aus OpenOffice Impress (rechts).

Makros: nur für Windows

Windows-Anwender dürfen sich neben dem neuen Präsentationsprogramm auch darüber freuen, dass es mit BasicMaker jetzt ein Pendant zu Microsofts Visual Basic for Applications (VBA) gibt, das sich syntaktisch auch an VBA anlehnt. Für andere Plattformen gibt es die Makrosprache nicht, so dass für alle Anwender, die etwa Tabellen um selbst programmierte Zusatz-Features erweitern wollen, OpenOffice ohne Alternative bleibt. BasicMaker soll aber “später” auch in die Linux-Version Einzug halten, sagt Martin Kotulla.

Zusammenarbeit

Außer Import und Export ist es oft wichtig, Daten zwischen mehrere laufenden Anwendungen auszutauschen; das geht meist wahlweise mit Drag & Drop oder via Copy & Paste.

  • Drag & Drop funktionierte im Test überhaupt nicht, weder zwischen SoftMaker-Anwendungen (etwa: von Presenter nach TextMaker) noch aus anderen Programmen heraus (etwa: Bilder aus dem Dateimanager oder Webbrowser in eine Präsentation ziehen).
  • Copy & Paste klappt, zwischen SoftMaker-Anwendungen bleiben dabei auch Formate erhalten; beim Copy & Paste von OpenOffice nach SoftMaker Office verschwinden die Formate, beim umgekehrten Weg bleiben sie erhalten – sogar inklusive Stilvorlagen, von denen nur die Bezeichnungen verschwinden.

Auch eine einfache Kooperation von PlanMaker und Presentations ist nicht vorgesehen: Wer einen rechteckigen Bereich in der Tabelle kopiert und in Presentations einfügt, erhält einen Textrahmen, in dem alle Zellen direkt aneinandergeschrieben auftauchen. Es hilft auch nicht, zuvor ein Tabellenobjekt in Presentations anzulegen – der zusammengesetzte Text landet dann in der gerade aktiven Zelle. TextMaker akzeptiert hingegen solche Tabellenobjekte und erzeugt dann eine eigene Tabelle. Dabei verschwinden aber alle Formeln: Sie werden durch die aktuellen Berechnungsergebnisse zum Zeitpunkt des Kopierens ersetzt. Eingebettete Objekte kennt SoftMaker Office gar nicht; lediglich die Windows-Version von PlanMaker kann mit OLE-Objekten (etwa Bilder) umgehen, wovon Linux-Anwender aber nicht profitieren. Beim Öffnen eines (unter Windows erstellten) Dokuments mit OLE-Objekten zeigt die Linux-Version eine Warnung an.

Buggy Beta

Die Betaversion neigt noch an einigen Stellen zu Programmabstürzen – teilweise reproduzierbar: So führte im Test jeder Versuch, in Presenter eine Hilfslinie einzuziehen (Ansicht / Optionen / Hilfslinien, dann eine Linie aus dem Lineal ziehen) zum sofortigen Abbruch.

Textkästen waren in Presentations nicht drehbar: Zwar gibt es einen Anfasser zum Drehen, und eine Drehung wird auch über die Schieflage des Textkastens angezeigt, die Schrift bleibt aber waagerecht.

Der Sinn der öffentlichen Betaphase ist aber gerade, solche Probleme aufzudecken.

Fazit

Microsoft hat Office-Anwendern über so viele Jahre die Einheit von Text, Tabelle und Präsentation (sowie eigentlich noch Datenbank) gepredigt, dass ein “kleineres” Office-Paket unvollständig wirkt. SoftMaker Office hat nun durch die Integration von Presentations aufgeschlossen und bietet ein Komplettpaket für viele Betriebssysteme. Die aktuelle Betaversion hat noch einige Fehler, lässt aber schon gut erkennen, wo die Reise hingeht.

Sobald SoftMaker Office 2008 und OpenOffice 3 beide in finalen Versionen vorliegen, werden wir die beiden zum großen Vergleichstest in – dann – drei Disziplinen (schreiben, rechnen, vortragen) antreten lassen. (hge)

SoftMaker Office 2008 (Linux)

Typ Office-Paket (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm; inkl. Duden-Software: Rechtschreibkorrektur, Universalwörterbuch, Fremdwörterbuch)
Hersteller SoftMaker Software GmbH
Preis 69 Euro
Web http://softmaker.de

Glossar

MDI

Multiple Document Interface; MDI-Anwendungen öffnen mehrere Dokumente in einem einzigen Programmfenster und erzeugen dazu “Unterfenster”, die Sie über einen programminternen Window-Manager verwalten.

Infos

[1] SoftMaker Office 2008: http://softmaker.de/of.htm

[2] SoftMaker-Office-2006-Artikel: Hans-Georg Eßer, “Sanfter Helfer”, EasyLinux 03/2007, S. 116 ff.

EasyLinux 04/2008 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben