Viele Programme spielen Audiodateien ab, doch wenn man auch eine umfassende Verwaltung der eigenen Musikbibliothek braucht, lichten sich die Reihen der Alternativen schnell. EasyLinux vergleicht vier Tools und zeigt ihre Stärken und Schwächen.
Vielleicht gehören Sie zu den Anwendern, die wie selbstverständlich Musik am Computer hören. Per Mausklick erreicht man problemlos eine große Sammlung der eigenen Lieblingsstücke, aus denen man nach Lust und Laune frei wählen kann. Zwar haben Streamingangebote wie Spotify in den letzten Jahren die Hörgewohnheiten vieler Nutzer verändert, aber noch immer gibt es eine große Anzahl von Anwendern, die auf ihre lokale Musik schwören. Nun ist es auch unter Linux nicht besonders schwierig, eine Audiodatei im MP3- oder Ogg-Vorbis-Format abzuspielen.
Komplizierter wird es allerdings, wenn man eben nicht nur einzelne Dateien wiedergeben möchte, sondern seine Musiksammlung auch adäquat verwalten möchte. Und das geht schnell: Meist sind Musikdateien mit ID3-Tags versehen, die es ermöglichen, sie zu katalogisieren. Diese Funktion ist etwa dann sehr nützlich, wenn man alle Lieder eines bestimmten Albums hören möchte. Dann aber ist “Musik spielen” nur eine Aufgabe von vielen, die das Audioprogramm beherrschen muss. Ergänzend dazu muss es auch die ID3-Tags lesen und auswerten sowie viele weitere Arbeitsschritte beherrschen, von denen der Nutzer oft gar nichts wahrnimmt.
Viele Anwender wünschen sich auch, dass das Werkzeug der Wahl Konvertierungsfunktionen bietet, etwa um alle Lieder der Sammlung im selben, einheitlichen Format zu speichern. Wer noch CDs besitzt und diese rippen möchte, wünscht sich, dass das jeweilige Programm das ebenfalls anbietet, aus verschiedenen ID3-Datenbanken im Netz gleich die richtigen Daten organisiert und die CD in die eigene Sammlung importiert. Ganz schön viel also, was ein Musikplayer leisten muss.
Große Auswahl
Unter Linux haben Sie die Wahl zwischen mehreren sehr mächtigen Alternativen. Wir stellen vier Programme vor, mit denen Sie auf Ihrem Linux-System Musik hören können:
- In den Ring steigt zunächst Amarok [1], der hauseigene Audioplayer von KDE und ein echtes Schwergewicht mit diversen Funktionen.
- Auch Rhythmbox [2] gibt sich die Ehre: Der Gnome-Audiospieler besticht durch einen großen Funktionsumfang und braucht sich vor Amarok gar nicht erst zu verstecken.
- Zwei Underdogs gehen ebenfalls ins Rennen: Guayadeque[3] basiert wie Rhythmbox auf Gtk und ist ein noch recht junges Projekt.
- Hinzu gesellt sich noch Audacious [4], eine Weiterentwicklung von XMMS2, also dem quasi-offiziellen XMMS-Nachfolger, dessen Look den alten MP3-Player WinAmp aus der Windows-Welt nachahmt.
Welches Programm bietet die meisten Funktionen? Welche Killerfeatures sind implementiert? Und wie gestaltet sich die Nutzung der Test-Probanden im Alltag? Dieser Überblick verrät es Ihnen.
Amarok, das KDE-Urgestein
Wer das Wort “Amarok” hört, denkt vielleicht an Spritschleudern aus dem Hause Volkswagen. Mit denen hat der Audioplayer von KDE aber nichts zu tun, er teilt sich lediglich den Namen Amarok mit dem Automodell: Amarok entspringt übrigens der Mythologie der Eskimos und bezeichnet dort ein wolfsähnliches Wesen. Ganz ohne Mythen kommt hingegen der KDE-Audiospieler aus – dafür hat er viele Features im Gepäck.
Bei den Basics leistet Amarok (Abbildung 1) sich erwartungsgemäß keine Schwächen: Wollen Sie lediglich Musikdateien in das Programm importieren, katalogisieren und wiedergeben, funktioniert das mit Amarok problemlos. Dann entgehen Ihnen aber ungefähr 98?% seiner Funktionalität – die Featureliste ist scheinbar endlos. Im Folgenden beschreiben wir nur ein paar der beeindruckenden Funktionen.

Abbildung 1: Amarok ist ein mächtiger Player, der während der Wiedergabe auch Informationen zu Interpret und Song automatisch anzeigt.
Leichter Einstieg
Wirklich praktisch ist etwa die Möglichkeit, bestehende Musikdatenbanken aus iTunes oder älteren Amarok-Versionen zu übernehmen. iTunes ist (mehr unter macOS als unter Windows) sehr beliebt, und wer das Programm gewohnt ist und auf Linux umsteigt, sucht häufig einen brauchbaren iTunes-Ersatz. iTunes legt in seiner Musikdatenbank nicht nur Informationen über die vorhandenen Titel ab, sondern auch über angelegte Wiedergabelisten, über vom Nutzer vorgenommene Bewertungen von Liedern und viele weitere Details. Amarok kann diese Datenbank auslesen und die Daten importieren.
Wer von iTunes also auf Amarok umsteigt, verliert nicht automatisch seine Playlists und muss auch keine mühsame Orgie aus Export- und Importvorgängen starten, um die Wiedergabelisten 1:1 manuell zu übertragen. Ähnliches gilt für die Anzahl der Wiedergaben pro Lied sowie diverse Statistiken, die im Rahmen Ihres Musikhörens entstehen.
Dynamische Playlists
Vielleicht kennen Sie das: Sie möchten Musik aus einem bestimmten Jahrzehnt hören, etwa aus den 60ern, aber haben keinen konkreten Interpreten oder Song im Sinn. An dieser Stelle kommt die Funktion Dynamic Playlists von Amarok wie gerufen: Dahinter verbirgt sich ein schlaues Suchfeld, in das Sie Regeln eingeben können. Amarok sucht anschließend Lieder aus Ihrer Bibiliothek, die zu diesen Regeln passen. Legen Sie als Regel also “Lieder aus den Jahren 1960 bis 1969” fest, erstellt Amarok aus den gefundenen Titeln eine neue Playlist, die Sie anschließend der Reihe nach oder im Shuffle-Modus hören können – fertig ist die dynamische Disko.
CDs rippen
Gedanken haben die KDE-Entwickler sich auch im Hinblick auf den Import von CDs gemacht. Das ist durchaus wichtig: Vielleicht haben Sie nicht nur eine große Sammlung von digitalen Musikstücken, sondern auch viele CDs im Regal. CDs – auch die maschinell gepressten – haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Hinzu kommt, dass das Tauschen von CDs im Laufwerk lästig ist und manuelle Eingriffe erfordert. Außerdem werden viele moderne Computer und allen voran Laptops heute komplett ohne optisches Laufwerk ausgeliefert.
Wer ein Linux-System mit CD- oder DVD-Laufwerk besitzt, kann seine Musik mit Amarok schnell und komfortabel rippen. Speichert man sie sicher, überdauert sie selbst den Zeitpunkt, an dem die dazu gehörende CD nicht länger lesbar ist. Praktisch: Die Menüführung in Amarok zum Rippen ist denkbar leicht gestaltet, und Amarok wickelt auch die Kommunikation mit verschiedenen CD-Datenbanken im Internet transparent ab: Wenn Sie eine CD einlegen, prüft Amarok zunächst anhand der Track-Struktur, um welche CD es sich handeln könnte, und zeigt Ihnen entsprechende Vorschläge an. Sie wählen den richtigen Eintrag aus, und Amarok importiert die Lieder gleich mit den passenden ID3-Tags in seine Datenbank.
Mächtige Skripte
Oft entbrennt bei Projekten wie Amarok ein Streit um den Funktionsumfang, den das Programm bieten soll. Manche Entwickler etwa wünschen sich kleine und ressourcenschonende Programme, andere wollen hingegen so viel wie möglich abdecken. Amarok hat sich hier einen schlauen Kompromiss einfallen lassen: Das Programm hat eine Skriptumgebung, über die es kleine Programmschnipsel nachladen kann, die Zusatzfunktionen nachrüsten. Für Amarok 2 gibt es im Netz Dutzende Skripte [5] für beinahe jede erdenkliche Funktionalität. Wer sich der Aufgabe gewachsen fühlt, kann Amazon selbst um Funktionen erweitern, indem er solche Skripte verfasst. Das ist ausgesprochen praktisch und ein großer Pluspunkt für Amarok (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über Skripte lässt Amarok sich um diverse Funktionen erweitern; im Netz gibt es ein Verzeichnis mit Tausenden von Amarok-Skripten.
Scrobbling und Netzwerkdienste
Vor etlichen Jahren hat sich das so genannte Scrobbling als Trend bei audiophilen IT-Nutzern etabliert: Dabei tracken sie per Internetdienst, welche Musik sie gerade hören, und erstellen so im Vorbeigehen eine Statistik über ihr Hörverhalten. Der bedeutendste Dienst dieser Art ist Last.fm, und in Amarok ist die Integration für Scrobbling via Last.fm ab Werk enthalten.
Zudem kann Amarok sich auch mit diversen anderen Netzdiensten verbinden, die sich um das Thema Musik drehen: MP3Tunes etwa, um Musik zu hören. Zur Kollektion gehören auch das OPML-Podcast-Verzeichnis und Jamendo, die Redebeiträge und gesprochene Artikel in digitaler Form anbieten. Auch auf den Umgang mit lokalen Quellen im Netz ist Amarok vorbereitet: Wer einen DAAP-Server hat – beispielsweise in Form von iTunes auf einem anderen Rechner – kann Musik von diesem direkt hören: DAAP-Server tauchen ohne Konfiguration in der Liste der verfügbaren Audioquellen in Amarok auf – ein Mausklick genügt, schon hören Sie Titel der entfernten Musiksammlung.
In Summe gilt: Wer KDE nutzt und einen Audioplayer braucht, ist mit Amarok gut bedient. Weil das Programm wie KDE selbst auf Qt basiert, fügt es sich optisch nahtlos in den Desktop ein und übernimmt auch das Theme, das für KDE konfiguriert ist. Wegen seiner großen Funktionalität wirkt Amarok aber bisweilen etwas träge, gerade wenn es auf älteren Systemen läuft, die nicht beliebig viel Arbeitsspeicher und Rechenleistung bieten.
Übrigens: Als Qt-4-Anwendung läuft Amarok mittlerweile auch unter Windows. Wer also Linux und Windows einsetzt, kann das Programm auf beiden Systemen verwenden und braucht nicht die Bedienung verschiedener Anwendungen zu erlernen. Bei OpenSuse und Kubuntu ist Amarok in den Standard-Repos enthalten; unter OpenSuse ist es vorinstalliert.
Rhythmbox für Gnome
Nach all dem Lob für Amarok denken Sie nun vielleicht, das Thema Audiowiedergabe unter Linux sei abschließend behandelt. Wenn Amarok ohnehin gut ist, warum sollte man sich dann mit einer anderen Lösung überhaupt befassen? Die Antwort darauf ist simpel: Vielfalt ist eine Triebfeder der gesamten Linux-Community, und andere Audioplayer haben ihre Stärken an den Stellen, an denen Amarok nicht ganz so gut funktioniert.
Der Klassiker als Gegenspieler zu Amarok ist Rhythmbox: Wie Amarok gehört auch dieses Programm fest zu einer Desktop-Umgebung, und zwar zu Gnome. Folglich ist es Gtk-3-basiert. Weil sich aber Gtk-3-Programme auch ohne Gnome nutzen lassen, können Sie Rhythmbox auch auf einem KDE-Desktop ohne Probleme nutzen (Abbildung 3). Wie Amarok liegt Rhythmbox zudem Kubuntu und OpenSuse ab Werk bei, so dass die Installation einfach über die Paketverwaltung Ihres Systems erfolgt.

Abbildung 3: Rhythmbox basiert auf Gtk 3 und ist der Haus- und Hof-Audioplayer des Gnome-Desktops – funktioniert aber auch unter KDE.
Keine Schnitzer bei den Basics
Wenn es um das Katalogisieren von Musikdateien und deren Wiedergabe geht, leistet Rhythmbox sich keine Fehler. Die Kür passt, und die Pflicht ist es, die Rhythmbox von Amarok abhebt. Einen der größten Unterschiede werden Sie im Normalfall gar nicht bemerken: Amarok nutzt standardmäßig die Bibliothek des Videoplayers Xine, um Audiodateien wiederzugeben – Rhythmbox hingegen setzt auf das Gnome-eigene Audio-Framework GStreamer. Einfach gesagt, spielt auch Rhythmbox Lieder nicht selbst ab, sondern reicht diese Aufgabe an GStreamer weiter.
Der Clou: GStreamer basiert auf einer Architektur mit Plug-in-Schnittstelle, über die sich Support für viele Musikformate ganz einfach nachrüsten lässt. GStreamer spielt also MP3- und Ogg-Vorbis-Dateien so selbstverständlich ab wie WAV-Dateien, wenn die passenden GStreamer-Plug-ins im System vorhanden sind. Und die Anzahl an GStreamer-Plug-ins für diverse Formate ist gewaltig. Falls Sie es also mal mit einer exotischen Audiodatei zu tun haben, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass Rhythmbox noch liefert, wenn Amarok sich bereits ergeben hat.
CDs rippen und brennen
Wie Amarok beherrscht auch Rhythmbox das Einlesen von CDs unter Rückgriff auf verschiedene CD-Datenbanken im Netz. Hier leistet das Programm sich keinen Lapsus und rippt im Test probemlos eine CD. Anders als Amarok bietet Rhythmbox aber bei aktiviertem Audio-CD-Recorder-Plug-in auch die Möglichkeit, Musik-CDs selbst zu brennen. Zur Erinnerung: Damit ein CD-Player eine CD als Musik-CD erkennt, muss diese in einem bestimmten Format vorliegen, das sich vom klassischen Format für Daten-CDs unterscheidet. Rhythmbox kann auf Wunsch ebensolche CDs auf Basis Ihrer Titelauswahl erstellen. Das ist z. B. dann praktisch, wenn Sie im Auto ein Radio mit CD-Player aber ohne USB-Anschluss oder Bluetooth-Kopplung mit Smartphones haben.
Das gute alte Radio
Radiofreunde erfreut Rhythmbox gleich mit zwei Features: Das Programm kann auf eine riesige Liste von Internet-Radiostreams zugreifen, wie sie etwa die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland anbieten. Wer also z. B. in Berlin ist, aber trotzdem WDR 2 hören möchte, klickt in Rhythmbox einfach auf den entsprechenden Link – fertig ist der Lack. Hinzu gesellen sich eine Reihe von speziellen Internet-Radiosendern, die für jeden Geschmack etwas bieten, ganz gleich ob Musik, Nachrichten, Reportagen oder jede andere erdenkliche Art von Inhalt (siehe auch den Artikel ab Seite 40).
Rhythmbox kann aber auch lokale Fernsehkarten ansteuern, die in der Regel einen FM-Tuner besitzen. Wer also an seinen Computer ohnehin eine FM-Antenne angeschlossen hat, kann Rhythmbox auf Sendersuchlauf schicken und sich so die in seiner Region ausgestrahlten Radiosender anhören, ohne ein separates Tool dafür zu benötigen.
Wer lieber Podcasts hört, ist bei Rhythmbox ebenso an der richtigen Stelle, denn wie Amarok verfügt auch das Gnome-Programm über ein riesiges Verzeichnis von verfügbaren Podcasts, aus denen Sie per Mausklick wählen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Podcasts kann Rhythmbox genauso verwalten wie Musiks – wenn Sie dem Programm einen Podcast-Feed verfüttern, lädt es die Podcasts automatisch.
Plug-ins statt Skripten
Bei Amarok war bereits von Skripten die Rede, die es nachladen kann, um sich im Nachhinein mit mehr Funktionalität auszustatten. Ganz ähnlich hält es auch Rhythmbox, allerdings heißen die Skripte hier Plug-ins. Ein großer Teil der beschriebenen Funktionen kommt aus Plug-ins, welche die Entwickler aber zentral warten und betreuen. Das liegt auch daran, dass Plug-ins für Rhythmbox deutlich komplizierter zu entwickeln sind als Amarok-Skripte. Einen Marktplatz für Plug-ins analog zum Amarok-Marktplatz für Skripte gibt es jedenfalls so nicht.
Beim Verfassen dieses Artikels fiel deutlich auf, dass Rhythmbox sich mit weniger Ressourcen zufrieden gibt als Amarok. Das mag daran liegen, dass hier Gtk 3 statt Qt als Bibliothek dient. Klar scheint jedoch: Wer einen älteren Rechner nutzt, sollte Rhythmbox selbst dann genauer unter die Lupe nehmen, wenn er ansonsten KDE bevorzugt.
Der Exot: Guayadeque
Ring frei zur Runde 3: Guayadeque (Abbildung 5) ist ein Audioplayer, der weder mit KDE noch mit Gnome etwas zu tun hat; er ist eine neue Eigenentwicklung ohne Anleihen bei anderen Projekten. Das Hauptaugenmark der Applikation liegt laut Aussage der Entwickler darauf, ein leistungsfähiger Audiospieler zu sein, mit dem sich auch große Musikbibliotheken problemlos verwalten lassen. Wie Rhythmbox basiert Guayadeque auf GStreamer, so dass die unterstützten Audioformate den installierten GStreamer-Plug-ins entsprechen.

Abbildung 5: Guayadeque ist der Exot im Test, muss sich aber bei den Features nicht hinter Rhythmbox und Amarok verstecken.
Das Hinzufügen von Musik zur Bibliothek funktioniert problemlos. Songs, die einmal in der Bibliothek vorhanden sind, versehen Sie auf Wunsch mit beliebigen Labels, was das Sortieren erleichtert. Stimmen die ID3-Tags eines Tracks nicht, nutzen Sie den eingebauten Editor, um die Fehler schnell zu korrigieren. Auch lassen sich in Guayadeque die Cover-Abbilder von Alben händisch konfigurieren; auf Wunsch grast das Programm aber auch das Netz ab, um Cover automatisch zu finden.
Playlists legen Sie flexibel an, wobei Guayadeque eine “dynamische” Playlist-Funktion hat, die ähnlich wie die von Amarok funktioniert und Titel anhand von spezifischen Parametern zum Teil der Liste macht. Hinzu kommt, dass Sie Lieder über eine Sternskala bewerten können.
Lyrics und Empfehlungen aus dem Netz
Das Scrobbling via Last.fm beherrscht Guayadeque ab Werk. Auf Wunsch zeigt es Last.fm-Empfehlungen an, die der Dienst auf Basis der gehörten Lieder für Sie erstellt; diese Funktion lässt ich aber auch deaktivieren.
Wie Rhythmbox und Amarok bietet Guayadeque Zugriff auf Streamingdienste aus dem Netz, etwa auf Podcast-Seiten. Sendungen von Internetradios lassen sich auf Wunsch auch aufzeichnen (Abbildung 6), und wer noch mit CDs hantiert, kann diese in Guayadeque wahlweise wiedergeben oder rippen – auch hier mit automatischem Zugriff auf Internet-CD-Datenbanken.

Abbildung 6: Auf Wunsch spielt Guayadeque nicht nur lokale Musik ab, sondern auch Internet-Radiostationen.
Gtk 3 als Basis
Wie Rhythmbox setzt Guayadeque auf GTK 3. Optisch passt das Programm damit eher zu einem Gnome-Desktop, auch wenn es sich unter KDE ebenso problemlos nutzen lässt. Der Ressourcenverbrauch von Guayadeque hielt sich im Test in sehr angenehmen Grenzen, so dass das Programm auch für ältere Systeme bestens geeignet ist.
Guayadeque liegt aber weder OpenSuse noch Kubuntu ab Werk bei und muss aus Community-Repositorys installiert werden. Für Ubuntu ist die 1-Klick-Installation über das UbuntuUsers.de-Wiki [6] die simpelste Variante, sich mit Guayadeque auf Ubuntu auszustatten. Für OpenSuse steht ebenfalls ein 1-Klick-Installation-Paket auf PackMan [7] bereit.
Audacious: In Nostalgie schweben
Der letzte Teilnehmer am Vergleich ist Audacious (Abbildung 7). Um zu verstehen, warum das Programm eine Sonderrolle einnimmt, muss man einen Blick auf seine Geschichte werfen: Audacious ist ein Fork von XMMS2 [8], dem Nachfolger des Audioplayers, der in den frühen Jahren von Linux auf dem Desktop der unangefochtene Standard war – und starke Ähnlichkeiten mit de, nicht mehr weiter entwickelten Windows-Player WinAmp [9] aufwies. Bis heute findet sich in der Theme-Sammlung von Audacious ein Skin, das die klassische WinAmp-Optik auf den Linux-Desktop bringt (Abbildung 8).

Abbildung 7: Audacious ist der Audioplayer für Puristen, der sich mit wenigen Ressourcen zufrieden gibt.

Abbildung 8: Nostalgie pur: Mit dem richtigen Theme versetzt Audacious einen glatt in alte WinAmp-Zeiten zurück.
Auch Audacious beherrscht den Umgang mit diversen Audioformaten problemlos, obwohl es nicht auf GStreamer setzt. Das Importieren von Musik, das Auslesen von ID3-Tags und auch die zielgerichtete Wiedergabe funktionieren ohne Probleme. Ein Suchfeld, über das Sie in der eigenen Bibliothek schnell etwas finden, gibt es ebenfalls. Außerdem stehen die üblichen Funktionen wie jene für die Verwaltung von Playlists bereit.
Schlanker Kern, viele Plug-ins
Die Kernaussage bei Audacious ist klar: Back to the basics – viele von Rhythmbox oder Amarok bekannte Features sucht man hier vergeblich. Audacious legt in erster Linie Wert auf umfassende Katalogisierungsfunktionen. Eine Plug-in-Schnittstelle hat das Tool aber trotzdem, und über diverse Plug-ins lassen sich Funktionen wie ein Visualizer oder Verzerrereffekte nachrüsten.
Im Vergleich mit den anderen Programmen begnügt Audacious sich mit deutlich weniger Systemressourcen. Wer einen Player mit Verwaltungsfunktion für die eigene Sammlung auf älterer Hardware sucht, ist bei Audacious darum an der richtigen Stelle. Deswegen ist Audacious auch der Standard-Audioplayer von Lubuntu und Ubuntu Studio. Audacious gehört außerdem bei Ubuntu und OpenSuse zum Lieferumfang und lässt sich wie üblich über die Paketverwaltung installieren.
Fazit
Der direkte Vergleich zeigt, dass Amarok, Rhythmbox und Guayadeque beim Funktionsumfang nah beieinander liegen; Audacious ist dagegen puristisch, benötigt aber auch weniger Ressourcen als die anderen Probanden. Wer ohnehin einen fetten Brummer als Computer nutzt und auf KDE setzt, macht mit Amarok sicher nichts falsch. Rhythmbox und Guayadeque sind leichtfüßige Alternativen, die ebenfalls einen Blick wert sind. (hge)
Der Autor
Martin Gerhard Loschwitz ist Telekom Public Cloud Architect bei T-Systems und beschäftigt sich beruflich vorrangig mit Themen wie Open Stack, Ceph und Kubernetes.
Glossar
-
DAAP
-
Das Digital Audio Access Protocol ist ein von Apple entwickeltes Netzwerkprotokoll, über das Server im lokalen Netz Musikdateien anbieten können. Es ist kein offizieller Standard, der aber von vielen Anwendungen unterstützt wird.
Infos
-
Amarok: https://amarok.kde.org/de
-
Rhythmbox: https://wiki.gnome.org/Apps/Rhythmbox
-
Guayadeque: http://www.guayadeque.org/
-
Audacious: https://audacious-media-player.org/
-
Amarok-Skripte: https://store.kde.org/browse/cat/260/
-
Guayadeque im UbuntuUsers.de-Wiki: https://wiki.ubuntuusers.de/Guayadeque/
-
Guayadeque für OpenSuse: http://packman.links2linux.com/package/guayadeque/672486
-
Wikipedia-Artikel zu WinAmp: https://de.wikipedia.org/wiki/Winamp


Hmm … der Artikel scheint fast perfekt. Es fehlen allerdings bei Amarok und Rhythmbox 2 wesentliche Angaben – die Anzahl der Audiodateien, die sie verkraften. Anders gesagt: Bereits bei ca. 35.000 Audiodateien ist die eine Anwendung jedes Mal abgestürzt, wenn sie sie einlesen sollte; die andere ebenfalls und ließ sich danach nicht mehr starten. Ich fürchte, dass es mit mittlerweile fast 50.000 Datein nicht anders wäre. Leider fehlt auch die Nennung von gmusicbrowser. Der kann locker knapp 50.000 einlesen und verwalten. Er kommt foobar2000 ziemlich nahe und ist meiner Ansicht nach DER Player für Leute mit großen Musiksammlungen. Für mich… Mehr »