Neue MS-Office-Dateien öffnen

Aus EasyLinux 04/2008

Neue MS-Office-Dateien öffnen

Geschlossene Veranstaltung?

Weil MS Office 2007 auf immer mehr Rechner vordringt, landen nun zunehmend DOCX-, PPTX- und XLSX-Dokumente im elektronischen Briefkasten. Was tun Linuxer mit diesen merkwürdigen Dateien?

Schickt Ihnen ein Microsoft-Nutzer Word-, Excel- oder Powerpoint-Dokumente, schauen Sie neuerdings womöglich zweimal hin: An den üblichen Dokumentenendungen hängt plötzlich jeweils ein zusätzliches x. Das ist kein Irrtum: Der Buchstabe verweist auf Microsofts offenes XML-Dateiformat, in dem MS Office 2007 seine Dokumente standardmäßig speichert. Das neue Dokumentenformat, das die ISO in einem etwas umstrittenen Verfahren zum ISO/IEC-29500-Standard erklärte, heißt Office Open XML oder kurz OOXML.

Offen, das klingt erstmal gut, trifft aber auf die Praxis nur bedingt zu (siehe Kasten Microsoft und OOXML). Wen nun Microsofts neue Offenheit unter Linux in Form dieser Dokumente anspringt, dem stehen verschiedene Fluchtwege offen – obgleich ein Königsweg bislang fehlt.

Microsoft und OOXML

Microsoft begann im Jahr 2000 mit der Arbeit am OOXML-Standard, im selben Jahr, in dem Sun das OpenOffice-Projekt ins Leben rief. Der Konzern reagierte damit auf das Bedürfnis vieler Firmen und Behörden, Dokumente langfristig zu archivieren: Sie sollen auch nach vielen Jahren noch les- und auswertbar sein. Die MS-Office-Versionen vor 2007 setzten noch auf binäre Formate, die Open-Source-Entwickler nur mit hohem Aufwand entschlüsseln konnten.

Mit MS Office 2007 will der Redmonder Konzern das OOXML-Format als Standard etablieren. Zahlreiche Kritiker, zu denen neben Open-Source-Vertretern Firmen wie Sun, Novell, IBM und Google gehören, werfen Microsoft vor, die etwa 6000 Seiten umfassende Spezifikation mache es externen Entwicklern quasi unmöglich, den Standard vollständig in die eigene Software zu integrieren. Zudem seien einige Teile der Formatbeschreibung nicht offen zugänglich. Außerdem verwende Microsoft etwa für das Einbinden von Vektorgrafiken und mathematischen Formeln eigene Formate, anstatt die etablierten Standards zu nutzen.

Die Punkte kamen auch zur Sprache, als Microsoft versuchte, sein Format als ISO-Standard anerkennen zu lassen. Die Redmonder überarbeiteten daraufhin ihre Spezifikation teilweise. Aller Voraussicht nach erklärt die ISO OOXML um den Redaktionsschluss herum trotz aller Kritik zum ISO/IEC-29500-Standard.

Zurückschicken

Tatsächlich ist es sinnvoll, den Empfänger dafür zu sensibilisieren, dass nicht alle Anwender das von ihm genutzte Format verwenden können. Selbst Windows-Nutzer, die ältere MS-Office-Versionen einsetzen, müssen erst zusätzliche Software von Microsoft herunterladen, um die Dokumente zu betrachten. OpenOffice-Anwender unter Windows schauen ebenso in die Röhre. Fordern Sie die E-Mail-Partner also freundlich auf, das Dokument noch einmal im DOC-, PPT- oder XLS-Format zu speichern und es erneut zu schicken.

Online konvertieren

Es gibt verschiedene Methoden, um solche Dokumente zu öffnen. Eine besteht darin, einen Online-Dienst im Internet zu nutzen, der das Umwandeln kostenlos übernimmt. Das geht etwa auf der Website Zamzar.com [1] (Abbildung 1), deren Betreiber zahlreiche Dokumentenformate konvertieren, seien es Word-Dokumente, Präsentationen oder Tabellen.

Abbildung 1: Online-Konvertierer wie Zamzar.com wandeln Dokumente kostenlos in andere Formate um.

Abbildung 1: Online-Konvertierer wie Zamzar.com wandeln Dokumente kostenlos in andere Formate um.

  1. Rufen Sie die Seite auf und laden Sie nach einem Klick auf Durchsuchen das umzuwandelnde Dokument im XLSX-, PPTX- oder DOCX-Format hoch.
  2. Unter Step 2 wählen Sie das gewünschte Zielformat aus. Für Textdokumente gibt es das odt-Format, für Excel-Dateien ods und für Präsentationen odp.
  3. Im Bereich von Step 3 geben Sie eine Mail-Adresse an. Sie sollten am besten ein spezielles E-Mail-Konto für diese Transaktionen anlegen, da Sie nie wissen, ob die Betreiber solcher Seiten die Daten nicht an Spammer verkaufen.
  4. Nach einem Klick auf Convert wandelt Zamzar die Datei in das gewünschte Format um und schickt sie an die angegebene Mail-Adresse.

Dieses Verfahren sollten Sie nur nutzen, wenn die Inhalte der Text- bzw. Excel-Dateien nicht vertraulich sind. Letztlich wissen Sie nicht, was die Domain-Betreiber mit den Daten anfangen. Zwar geben die Macher der Seite an, ihr Geld mit Werbe-Bannern zu verdienen – aber das lässt sich nicht nachprüfen.

Mit OpenOffice öffnen

Am besten wäre es natürlich, das XML-Dokument direkt mit OpenOffice zu öffnen. Offiziell beherrscht erst OpenOffice 3, das voraussichtlich im Oktober erscheint, Microsofts Dokumentenformat richtig. Bislang gilt die Unterstützung als wenig entwickelt. Wir schauen, wie die OpenOffice-Versionen von OpenSuse 10.3/11 und Kubuntu 8.04 mit solchen Dokumenten umgehen. Passende Testdokumente stellt dabei das ODF-Converter-Projekt im Netz kostenlos zur Verfügung [2]. Die angebotenen ZIP-Archive enthalten diverse Dokumente in den Formaten DOCX, XLSX und PPTX, die sich für Vergleichstests eignen.

Kubuntu 8.04

Zunächst versuchen wir, die Dokumente mit der OpenOffice-Version 2.4.1 von Kubuntu 8.04 zu öffnen. Dabei fällt auf: Der Konqueror ordnet diese Dokumente nicht automatisch OpenOffice zu, sondern behandelt sie als Archive. Sie müssen daher erst OpenOffice aufrufen, um damit die Dateien zu öffnen. Bei den DOCX-Dokumenten zeigt OpenOffice den enthaltenen Text leidlich gut formatiert an (Abbildung 2a). Grafische Elemente ignoriert die freie Software weitgehend. Sie können also einen Blick auf den Inhalt werfen, eine ästhetische Erfahrung wird es aber nicht. Ähnliches trifft auf XLSX-Dokumente zu: Die Excel-Dateien liefern Datenbanken, Tabellen und ihre Inhalte korrekt aus – sogar Diagramme rettet der eingesetzte Filter. Bei komplizierteren Formeln macht die Software allerdings die Grätsche. Das betrifft auch Präsentationen, wie die von Microsoft auf Abbildung 3a. OpenOffice Impress zeigt einige Schriften überlagert an und lässt Elemente weg. Je mehr geordnete Elemente eine Seite enthält, desto schlechter kommt Impress mit ihr zurecht. Auch hier gilt: Die Präsentationen sind zwar lesbar, ohne manuelle Nacharbeit aber nicht vorzeigbar. Lediglich sehr schlichte Folien können Sie mit OpenOffice auf Anhieb präsentieren.

Abbildung 2: Die Darstellung desselben Motivs unter a) Kubuntu 8.04, b) OpenSuse 11 und c) OpenSuse 10.3 sowie d) das Original in Word 2007.

Abbildung 2: Die Darstellung desselben Motivs unter a) Kubuntu 8.04, b) OpenSuse 11 und c) OpenSuse 10.3 sowie d) das Original in Word 2007.

Abbildung 3: Ein einfaches PPTX-Dokument unter a) Kubuntu 8.04, b) OpenSuse 11, c) OpenSuse 10.3 sowie d) in Powerpoint 2007.

Abbildung 3: Ein einfaches PPTX-Dokument unter a) Kubuntu 8.04, b) OpenSuse 11, c) OpenSuse 10.3 sowie d) in Powerpoint 2007.

OpenSuse 10.3 und 11

Nicht viel anders sieht es bei OpenSuse 11 aus: Es bringt ein OpenOffice in Version 2.4.0 mit, ordnet aber – im Gegensatz zu Kubuntu – die OOXML-Dateien korrekt OpenOffice zu. Die geöffneten Textdokumente stellt OpenSuse 11 jedoch genau wie Kubuntu 8.04 fehlerhaft dar (Abbildung 2b). Beim Öffnen eines der XLSX-Dokumente stürzt die Software gar ab und reißt KDE mit. Im zweiten Anlauf klappt’s dann, aber mit demselben Ergebnis wie bei Kubuntu. Beim Öffnen der Powerpoint-Präsentationen im PPTX-Format (Abbildung 3b) zeigt sich: Die Anzeigefehler gleichen sich auf beiden Systemen bis in die Überlagerungen bestimmter Wörter.

Das Ergebnis hängt die Erwartungen für den Vorgänger OpenSuse 10.3 nicht besonders hoch. Die Distribution bringt OpenOffice noch in Version 2.3.0 mit, öffnet die Microsoft-Dokumente aber zunächst ohne zu murren. Doch bereits beim DOCX-Dokument zeigen sich Unterschiede (Abbildung 2c): Die Formatierung der Überschriften fällt weg, was diese unkenntlich macht. Die Präsentationen zeigen im Vergleich mit OpenSuse 11 und Kubuntu 8.04 mehr Überlagerungen und fehlende bzw. verschobene Elemente (Abbildung 3c). Die Excel-Dateien importiert das alte OpenOffice hingegen wie auf den neueren Systemen.

Ausblick

Der OOXML-Support in OpenOffice ist offensichtlich noch Work in Progress, was bei der umfangreichen Formatbeschreibung nicht verwundert. Ändern soll das OpenOffice 3, dessen stabile Version demnächst erscheint. Dann schauen auch wir erneut, wie kompatibel Microsofts neuer Standard mittlerweile ist.

Glossar

XML

Die Extensible Markup Language (erweiterbare Auszeichnungssprache) bereitet Daten in Textdateien auf, um sie zwischen verschiedenen Anwendungen auszutauschen. HTML-ähnliche Tags weisen den Daten einen Platz innerhalb einer strengen Datenhierarchie zu.

ISO

Die international Organization for Standardization (ISO) entwirft die so genannten ISO-Standards für verschiedene technische Bereiche. Sie reichen von der Empfindlichkeit von Farbfilmen über den Aufbau von Dateisystemen für CD-ROMs bis hin zu einer Norm für die Größe von Papierformaten. Lediglich die Bereiche Telekommunikation, Elektronik und Elektrik normiert eine andere Behörde.

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