Browser-Alternative in neuer Version erschienen

Aus EasyLinux 03/2008

Browser-Alternative in neuer Version erschienen

Für Profi-Surfer

Opera hat schon lange einen festen Platz als Browser-Alternative, die niedrigen Ressourcenverbrauch mit einem guten Feature-Angebot kombiniert. Das für Linux, Windows, Mac OS X und weitere Plattformen erhältliche Programm ist nun in Version 9.50 mit neuen Funktionen erschienen.

Einige Wochen vor der sehnsüchtig erwarteten und von viel Marketing begleiteten Version 3.0 des freien Mozilla-Browsers Firefox ist – ganz leise – die neue Opera-Version 9.50 erschienen, die dieser Artikel vorstellt.

Neben den Windows- und MacOS-X-Versionen bietet Opera Installationspakete für zahlreiche Linux-Distributionen an, darunter auch für die von EasyLinux unterstützten Varianten OpenSuse, Ubuntu und Mandriva (Abbildung 1), auch exotischere Distributionen wie Slackware, Mepis und Xandros tauchen in der Liste auf. Die Pakete sind bereits mehrsprachig und benötigen in der Regel keine Zusatzpakete, so dass die Installation schnell erledigt ist. Deutscher Sprach-Support ist schon enthalten – neben diversen weiteren Sprachen.

Abbildung 1: Unterstützt etliche Distributionen: Auf der Downloadseite von Opera finden Sie u. a. Pakete für OpenSuse, Mandriva und Ubuntu.

Abbildung 1: Unterstützt etliche Distributionen: Auf der Downloadseite von Opera finden Sie u. a. Pakete für OpenSuse, Mandriva und Ubuntu.

Nach der Installation finden Sie Opera im OpenSuse-Menü unter Anwendungen / Internet / Webbrowser /Opera; auf anderen Distributionen (und ebenso unter OpenSuse) funktioniert auch der Start über [Alt]+[F2] und Eingabe von opera ins Schnellstartfenster.

Opera bietet schon sehr lange das Tab-Feature, über das Sie mehrere parallel geöffnete Webseiten als Reiter in einem Fenster sehen – per Klick auf einen Reiter oder mit einer Tastenkombination springen Sie die einzelnen Tabs an. [Strg]+[T] öffnet einen weiteren, leeren Tab, während Sie mit [Strg]+[N] ein neues Fenster erzeugen, um etwa zwei Webseiten parallel anzuzeigen. Das geht aber auch mit mehreren Tabs: Opera unterstützt als MDI-Anwendung das Verkleinern und Anpassen von Größe und Position einzelner Webseiten, so dass Sie auch in einem einzelnen Fenster mehrere Dokumente betrachten können.

Quick Find und Verlaufssuche

Ein sehr nützliches Feature ist die Quick-Find-Funktion: Die meisten Browser geben Ihnen die Möglichkeit, in das Adressfeld statt einer Webadresse einen Suchbegriff einzugeben und diesen an eine Suchmaschine zu schicken. Opera merkt sich die Inhalte von bereits besuchten Seiten und schlägt bei Eingabe eines Begriffs auch alle Seiten vor, die dieses Wort enthalten. In Abbildung 2 sehen Sie, wie Opera bei Eingabe von “Easy” neben der EasyLinux-Webseite auch zahlreiche andere Seiten auflistet, die das Wort Easy enthalten.

Abbildung 2: Mit dem "Quick Find"-Feature finden Sie schnell bereits besuchte Webseiten wieder. Die Suchbegriffe hebt Opera dabei fett hervor.

Abbildung 2: Mit dem “Quick Find”-Feature finden Sie schnell bereits besuchte Webseiten wieder. Die Suchbegriffe hebt Opera dabei fett hervor.

In früheren Versionen bot Opera nur Vervollständigungen von Adressangaben (etwa: http://www.easylinux.de bei Eingabe von “Easy”). Eine langsamere aber übersichtlichere Variante der neuen Suchfunktion erreichen Sie über Eingabe der URL http://opera:historysearch: Es erscheint dann ein Suchdialog, der Ihnen die Ergebnisse ähnlich wie eine Suchmaschine präsentiert (Abbildung 3). Diese Suche können Sie auch zu einem auf der aktuellen Webseite sichtbaren Begriff aufrufen, indem Sie ihn doppelt anklicken und aus dem Kontextmenü Suche mit / Suche im Verlauf auswählen – dann präsentiert Opera die Ergebnisse allerdings in anderer Form (Abbildung 4).

Abbildung 3: Mehr zusammenhängenden Text als "Quick Find" präsentiert die "History Search".

Abbildung 3: Mehr zusammenhängenden Text als “Quick Find” präsentiert die “History Search”.

Abbildung 4: Der Verlauf präsentiert alle in letzter Zeit besuchten Webseiten, nach verschiedenen Kriterien geordnet und mit Suchfunktion.

Abbildung 4: Der Verlauf präsentiert alle in letzter Zeit besuchten Webseiten, nach verschiedenen Kriterien geordnet und mit Suchfunktion.

Tastenkombinationen – nicht für KDE

Überarbeitet hat Opera die Standardtastenkombinationen, mit denen Sie das Programm deutlich schneller steuern können. Leider sind die Vorgaben für KDE-Anwender unpraktisch, denn verschiedene wichtige Hotkeys sind dann bereits vom Desktop belegt. So sind beispielsweise für die Navigation in den Reitern [Strg]+[Tabulator] und [Strg]+[Umschalt]+[Tabulator] vorgesehen; damit wechseln Sie aber unter KDE zwischen den verschiedenen Desktops. Um auf dem KDE-Desktop vernünftig mit Opera zu arbeiten, sollten Sie eine andere Tastaturbelegung auswählen, hier bietet sich die Variante Opera Standard for UNIX an, die Sie über Extras / Einstellungen und dann im Reiter Erweitert erreichen.

Beim Start unter KDE empfiehlt Opera übrigens nicht, die Opera-Tastenkombinationen anzupassen, sondern rät dazu, die KDE-Einstellungen zu ändern, was eine eher zweifelhafte Empfehlung ist. Besser wäre es hier, für die wichtigsten Desktops passende Einstellungen mitzuliefern.

Super Sync

Ein neues Feature namens “Opera Link” hilft Ihnen dabei, Ihre Bookmarks auf verschiedenen Rechnern zu synchronisieren. Dazu benötigen Sie einen kostenlosen Opera-Link-Account, den Sie über die Opera-Webseite anlegen können. Mit den Zugangsdaten, die Sie dort erhalten, konfigurieren Sie dann die Link-Funktion auf allen Computern mit einer Opera-Installation – das dürfen sogar Mobiltelefone sein, auf denen die Spezialversion Opera Mini [2] des Browsers läuft.

Zur Einrichtung rufen Sie den Menüpunkt Datei / Opera synchronisieren auf und legen dann zunächst mit einem Klick auf Anmelden einen neuen Zugang an. Haben Sie den Zugang bereits, tragen Sie in die Felder Ihre Accountdaten ein und klicken auf Einloggen.

Die Aktualisierungen finden im Hintergrund und vollautomatisch statt; eine Meldung in der Statuszeile weist darauf hin, wenn Opera die Daten synchronisiert hat. Das funktioniert so gut, dass Sie auf zwei Rechnern gleichzeitig im Netz surfen können – Bookmarks, die Sie auf der einen Maschine ergänze, tauchen kurz darauf auch in der Bookmark-Liste des anderen Rechners auf. Denkbar wäre auch, dass sich eine Arbeitsgruppe bei der Internetrecherche einen Opera-Link-Account teilt: Dann sieht jedes Gruppenmitglied, welche interessanten Webseiten die Kollegen zusammengetragen haben.

Sonstiges: Mail, BitTorrent, Chat

Weitere Features von Opera, die dieses Programm zu mehr als einem einfachen Browser machen, sind der integrierte Mail-Client, die Unterstützung des BitTorrent-Protokolls und ein eingebautes Chat-Programm (Abbildung 5), das Verbindungen zu IRC-Servern (Internet Relay Chat) aufbaut. Die sind aber nicht neu, weswegen wir im Rahmen dieses Artikels nicht im Detail darauf eingehen.

Abbildung 5: Chatten mit Opera – neben Browser und Mail-Client ist das Programm auch ein IRC-Client.

Abbildung 5: Chatten mit Opera – neben Browser und Mail-Client ist das Programm auch ein IRC-Client.

Fazit

Opera bleibt eine interessante Alternative zu den Standardbrowsern – zahlreiche Features sind liebevoll durchdacht und richten sich vor allem an Powersurfer, die ihren Browser ausreizen wollen. Wer nur gelegentlich eine Webseite aufruft, wird trotzdem nicht von den Möglichkeiten erschlagen, die Opera bietet; lediglich die Einrichtungsdialoge wirken auf Einsteiger ein wenig überfrachtet. Profis werden sich aber über die vielen Chancen zur Optimierung freuen und beispielsweise die Tab-Leiste vom oberen an den linken oder rechten Rand schieben, was die Darstellung von deutlich mehr Tabs ermöglicht.

Glossar

MDI

Programme, die das Mulitple Document Interface (MDI) unterstützen, erzeugen innerhalb des Programmfensters Unterfenster, welche das Programm selbst verwaltet. Jedes Unterfenster kann ein eigenes Dokument anzeigen. Nicht MDI-fähige Programme öffnen für jedes Dokument ein separates Fenster, das von der grafischen Oberfläche verwaltet wird.

BitTorrent

Download-Protokoll, bei dem ein Client Bruchstücke der gewünschten Datei von zahlreichen anderen Rechnern parallel heruntersetzt und diese dann zusammensetzt – das erhöht die Downloadgeschwindigkeit und reduziert die Last der einzelnen Rechner, welche diese Datei anbieten.

Infos

[1] Opera: http://www.opera.com/

[2] Opera Mini: http://www.operamini.com/

[3] Vergleich der Betaversionen von Opera 9.50 und Firefox 3, Karsten Reich und Thomas Leichternstern: “Browsergiganten”, EasyLinux 02/2008, S. 125 ff.

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