Das noch junge Open-Source-Projekt Songbird verspricht, das Browsen im Internet mit einem Video- und Audioplayer zu verbinden. Wir nahmen das Vögelchen zum ersten Test unter unsere Fittiche.
Für Linux gibt es einige gute Musik- und Videoplayer. Da wären beispielsweise Amarok für den KDE-Desktop und Rhythmbox unter Gnome. Ebenso existieren auch einige gute Webbrowser wie Konqueror, Firefox und Opera. Eine Mischung aus beiden Sparten erscheint auf den ersten Blick recht ungewöhnlich – es gibt sie aber trotzdem.
Mit dem Programm Songbird [1] ist vor kurzem der erste “Webplayer” erschienen. Er vereint auf seiner Oberfläche das Browsen im Internet mit einem Medienplayer. Noch ist es ein Vögelchen und längst nicht aus dem Nest geflüchtet, denn Songbird befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Doch an seinem Gefieder lässt sich schon jetzt erkennen, welch großer Vogel daraus erwachsen könnte.
Songbird im eigenen Käfig
Die Entwicklerversion eignet sich dennoch, um das Projekt zu entdecken. Installieren müssen Sie das Programm nicht; der Songbird kommt gut verpackt in einem tar.gz-Archiv, das Sie in Ihrem Home-Verzeichnis entpacken. Zum Starten der Anwendung reicht ein Klick auf die Datei songbird.
Eine Internetverbindung vorausgesetzt, lädt Songbird beim ersten Start die gewünschte Sprache und erkundigt sich nach dem Speicherort der Mediendateien. Musik und Videos im OGG-Format spielt die Anwendung schon jetzt (Abbildung 1). Das MP3-Format wie auch verschiedene Videoformate funktionieren dagegen noch nicht. Songbird nutzt eine angepasste Variante des Open-Source-Players VLC: Der spielt bestimmte Formate nur mit den richtigen GStreamer-Plug-ins ab, die Sie aber recht einfach über den Paketmanager einspielen. In der Regel funktioniert dieses Feature zwar, doch auf einigen Linux-Installationen weigert sich Songbird, MP3-Dateien wiederzugeben.

Abbildung 1: Wie in einer Bibliothek finden Sie Ihre Multimediadateien nach verschiedenen Kriterien geordnet.
Musik aus dem Web
Rufen Sie eine Webseite auf, die Musik oder gesprochene Weblogeinträge zum Anhören anbietet, listet Songbird diese im unteren Teil des Fensters auf. Jetzt brauchen Sie nur noch in der Liste der Audiodateien die gewünschte auszuwählen und auf Play zu klicken (Abbildung 2). So einfach wie Sie die Dateien anhören können, ohne externe Programme aufrufen zu müssen, speichern Sie diese auf Ihrem Rechner. Das ist auch das Herzstück von Songbird. Daraufhin ausgerichtet stellt die Anwendung Suchmaschinen bereit, die auf Webseiten nach Interpreten und Titeln stöbern.

Abbildung 2: Player und Webbrowser in einem Programm: Im unteren Teil des Fensters listet Songbird Audiodateien auf, die die besuchte Webseite anbietet.
Optisch erinnert die Oberfläche an das von Mac OS bekannte iTunes. Im oberen Bereich befinden sich die Knöpfe für die Mediensteuerung, gleich daneben ein Display mit Informationen zum abgespielten Titel. Auf der linken Seite ist Platz für die Lesezeichen und weitere Programmfunktionen. Die Mitte des Fensters steht bereit für die Anzeige von Webseiten, der geordneten Medienbibliothek oder Wiedergabelisten. Wie bei einem Webbrowser finden Sie auch hier eine typische Adresszeile und die Steurungselemente für Webseiten.
Songbird anpassen
Songbird ist aber nicht fest an diesen Aufbau gebunden. Über die Einträge Rechte Seitenleiste, Inhaltsleiste unten und Serviceleiste unten im Menü Ansicht lässt sich die Aufteilung des Fensters ändern. An diesen Stellen können Sie mehr aus dem Songbird machen. Add-ons von der Songbird-Community erweitern den Webplayer um weitere Funktionen. Momentan gibt es für Linux noch nicht sehr viele Erweiterungen, aber das sollte sich mit der Zeit ändern. Dafür ist es leicht, die zusätzlichen Features zu installieren: Über den Menüpunkt Extras / Add-Ons stehen die Songbird-Einstellung bereit, in denen Sie den Schriftzug Get Extensions anklicken. Danach öffnet das Programm die Add-on-Webseite, auf der Erweiterungen über den Knopf nstall eingepsielt werden können. Auf diese Weise ändern Sie auch Songbirds Federkleid (Skin) (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Federkleid (Skin) wie auch andere Erweiterungen installieren Sie ganz einfach über die Add-ons-Seite von Songbird.
Aus den Add-ons stechen einige hervor. Die Wikipedia-Erweiterung zeigt Artikel aus der freien Enzyklopädie über die Interpreten an, während die Musik läuft. Das Add-on MashTape bringt Ihnen multimediale Zusatzinformationen aus verschiedenen Internetquellen in das Songbird-Fenster (Abbildung 4). Darunter befinden sich YouTube-Videos, Biographien und Liedtexte zum gerade abgespielten Song und dessen Interpreten. Dank des Flash-Plug-in (siehe Kasten Flash in Songbird) können Sie sich zurücklehnen und genießen ein Musikvideo.
Flash in Songbird
Damit Songbird die Funktionen von Webseiten wie YouTube ausnutzen und das Add-on MashTape seine volle Wirkung entfalten kann, benötigen dieser den Adobe Flash Player. Gehen Sie auf die Homepage von Adobe [2] und laden Sie die Datei install_flash_player_9_linux.tar.gz herunter. Aus dem Archiv entpacken Sie lediglich die Datei libflashplayer.so und kopieren diese in den Ordner plugins im Programmverzeichnis von Songbird.

Abbildung 4: Mit Add-ons erweitern Sie Songbird um nützliche und unterhaltsame Funktionen. Hier Flickr (links) und MashTape (rechts).
Gleich beim ersten Start des Songbird-Start installiert die Anwendung die Unterstützung für iPods. Noch nicht für Linux vorhanden ist dagegen die Fähigkeit, mit USB-Mass-Storage-Geräten (viele MP3-Player) umzugehen. Da diese aber schon für Windows-Benutzer bereitsteht, ist mit einer Umsetzung für Linux in nächster Zeit zu rechnen. Ebenfalls nicht möglich ist der Umgang mit DRM-geschützten Multimediaformaten oder das Anhören von Internetradio-Streams. Weitere Portierungen von Funktionen, die jetzt schon unter Windows bestehen, sind geplant, darunter das Brennen von CDs/DVDs.
Fazit
Songbird setzt ein neues Konzept um, das einen Musik- und Videoplayer mit einem Webbrowser verbindet. Finden sich auf Webseiten Audiodateien, bemerkt das die Anwendung und listet diese übersichtlich auf. Das Abspielen solcher Inhalte wird zum Kinderspiel, ohne externe Programme einsetzen zu müssen. Durch Erweiterungen kommen zusätzliche Programmfunktionen hinzu, und so kann sich der Anwender seinen eigenen Songbird zusammenbauen. Trotz des frühen Entwicklungsstadiums sind schon einige Add-ons verfügbar. Weitere essenzielle Erweiterungen wie die Anbindung von MP3-Playern Musikplayern fehlen aber noch. Sieht man von ein paar Hängern ab, läuft die Anwendung für eine Entwicklerversion recht stabil. Dennoch taugt sie als Musikplayer nicht für den Ersatz von beispielsweise Amarok.
Glossar
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DRM
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Das Digital Rights Management (digitale Rechteverwaltung) ist ein Verfahren, das die Nutzung urheberrechtlich geschützter digitaler Medien kontrolliert. Einige große Online-Musikportale verkaufen nur DRM-geschützte Dateien.

