Mandriva Linux 2008.0 im Test

Aus EasyLinux 02/2008

Mandriva Linux 2008.0 im Test

Modellpflege

Alles neu machte in diesem Jahr schon der März – zumindest bei Mandriva: Version 2008.0 der Distribution liegt auf der Website des französischen Herstellers. Wir zeigen, was sich getan hat.

Mandriva Linux, älteren Linux-Freunden noch unter dem Namen Mandrake bekannt, richtet sich traditionell besonders an Einsteiger und gehört darum auch schon lange zu den von EasyLinux unterstützten Distributionen. Wir haben die neue Version 2008.0 unter die Lupe genommen.

Die auffälligste Neuerung erwartet Mandriva-Benutzer schon vor dem Herunterladen der neuen Version: Die bisher übliche Unterscheidung in eine “Free Version” und zwei Kaufpakete namens “Discovery” und “Powerpack” haben die Anbieter aus Frankreich aufgegeben, stattdessen gibt es nun die folgenden Varianten:

  • “Mandriva One” ist eine einzelne CD, die Sie als rund 700 MByte großes Image herunterladen können [1]. Sie enthält ähnlich wie Ubuntu ein Live-System, aus dem Sie bei Bedarf den Installer für die Einrichtung auf Platte starten.
  • Hinzu kommt das “Powerpack”, das ausführliche Dokumentation und Support bietet und kostenpflichtig über den Mandriva-Store verfügbar ist.
  • Wenn Sie konsequent auf freie Software setzen, ist “Mandriva Free” die richtige Wahl: Das Paket besteht aus einer DVD oder drei CDs, die ausschließlich freie Software enthalten.

Wir haben die “One”-Variante getestet.

System, starte dich!

Nach dem Einlegen der CD und einem Neustart des Rechners treffen Sie auf den gewohnten Mandriva-Bootscreen. An dessen Ende landen Sie aber nicht wie gehabt im Mandriva-Installer, sondern in einem Live-System. Bevor Sie Mandriva 2008.0 installieren, können Sie so zunächst testen, ob die neue Release Ihren Vorstellungen entspricht. Das Live-System enthält alle wichtigen Programme. Mandriva setzt bei der Desktop-Wahl auf KDE, hier in Version 3.5.

Die Live-CD erlaubt eine exakte Vorschau auf den Desktop, den Sie später erhalten, wenn Sie auf das Desktop-Icon Live install klicken: Sie aktivieren damit einen Assistenten, der Ihnen bei der Platteninstallation unter die Arme greift. Den Entwicklern dieses Assistenten war war es offenbar besonders wichtig, den Wizard möglichst puristisch zu halten: Schon im zweiten Dialog kümmert er sich um die Partitionierung der Platte. Sie wählen dort, ob Sie den verfügbaren freien Speicher nutzen oder die vorhandenen Partitionen selbst neu ordnen. Entscheiden Sie sich für die zweite Variante, können Sie erneut wählen: Übernehmen Sie den vom Assistenten gefundenen Vorschlag, oder partitionieren Sie völlig frei. Vorhandene Windows-Systeme konnte das Programmm im Test fehlerfrei verkleinern, um Platz für das neue Linux zu schaffen.

Ist die Platte richtig aufgeteilt, installiert der Assistent Mandriva 2008.0. Bis auf eine einfachen Statusbalken gibt es dabei keine weiteren Hinweise zum Installationsfortschritt. Stattdessen wirbt der Hersteller im oberen Teil des Wizards für aktuelle Produkte.

Nach der Installation

Die Paketinstallation verläuft sehr zügig, denn die CD enthält weniger Software als eine DVD-Version. Anschließend fragt der Installer nur noch, ob Sie Grub als Bootloader verwenden möchten und wo auf der Platte der Bootloader hingehört. Nach einem letzten Blick auf die Grub-Konfiguration beenden Sie den Assistenten und können zum ersten Mal in das frisch installierte System booten. Diesen Neustart müssen Sie manuell auslösen.

Abbildung 1: Mandrivas KDE-Obefläche mit einem Firefox-Fenster direkt nach der Installation.

Abbildung 1: Mandrivas KDE-Obefläche mit einem Firefox-Fenster direkt nach der Installation.

Im nächsten Schritt konfigurieren Sie das neue System. Der Installer fragt Sie, ob Sie eine Netzwerkverbindung einrichten wollen. Neben den üblichen Verdächtigen wie DSL- oder Ethernet-Verbindungen haben Sie hier auch die Wahl zwischen DVB-Satelliten-Verbindungen oder Wireless-Netzwerken. Gerade Besitzer von Broadcom-WLAN-Karten dürften sich über die neue Mandriva-Release freuen, denn erstmals ist hier ein Treiber für diese Karten enthalten. Um ihn zu benutzen, benötigen Sie jedoch die mit den Windows-Treibern ausgelieferte Broadcom-Firmware. Auf Wunsch durchsucht Mandriva eine Windows-Partition nach der passenden Firmware-Datei; wenn Sie eine Treiber-CD parat haben, kann Mandriva auch diese verwenden. Die Netzwerkkonfiguration ist intuitiv und läuft dank sinnvoller Vorgaben zum großen Teil automatisch.

Danach legen Sie das Passwort des Administrators fest und erstellen einen normalen Benutzerzugang, um nicht ständig mit den Rechten des Systemadministrators root zu arbeiten.

Es folgt ein etwas seltsam anmutender “First-Time”-Dialog, der Sie in englischer Sprache dazu auffordert, eine Registrierung als Mandriva-User durchzuführen. Wenn dieser Dialog verschwunden ist, sehen Sie aber endlich das ersehnte Login-Fenster, in dem Sie sich mit den gerade festgelegten Daten anmelden.

Unter der Haube

Viele Veränderungen hat Mandriva am Betriebssystemkern vorgenommen: Kernel 2.6.22.9 vom September 2007 haben die Entwickler wie üblich um diverse Mandriva-spezifische Patches erweitert.

In der Abteilung Hardware-Support bietet Mandriva nun einen NTFS-Treiber, der auch auf die Windows-Partitionen schreiben kann, sowie bessere NVidia- und ATI-Treiber.

Der X-Server (X.org) liegt in Version 7.2 vor und unterstützt erstmals die Erweiterung XRandR [2]. Passende Grafikkartentreiber vorausgesetzt, unterstützt Mandriva nun auch den dreidimensionalen Windowmanager Compiz-Fusion. Die CD enthält Compiz Fusion nicht, Sie können die Mandriva-Pakete aber aus dem Internet herunterladen. Im Test funktionierte der 3D-Desktop gut.

Updates hier und da

Besonders aktuell ist die neue Mandriva-Version nicht: Zwar ist KDE 4 an Bord, die Version 4.0, die als “Preview” gebrandmarkt ist, war im Test allerdings nicht stabil. Wollen Sie Ihre Nerven schonen, sollten Sie daher mit der Alternative KDE 3.5.7 arbeiten. Der mitgelieferte Firefox 2.0.0.6 sowie die OpenOffice-Version 2.2.1 sind schon etwas veraltet.

Mandriva benutzen

Das Arbeiten mit der neuen Mandriva-Version gestaltete sich im Test sehr angenehm. Der Distributor bleibt dem Vorsatz treu, besonders Windows-Umsteigern das Leben zu erleichtern. Das leigt zum Beispiel der an Windows-Standards angepasste KDE-Desktop, dessen einzelne Elemente, wie Startmenü, Task-Leiste und Schnellstartleiste, sehr an Windows erinnern. Dazu gehören auch Details wie Doppel- statt Einzelklick aus Voreinstellung. Wer das nicht mag, kann aber über das KDE-Kontrollzentrum Abhilfe schaffen.

Apropros Startmenü: Mandriva weist in den Release Notes darauf hin, dass das KDE-Menü nun “aufgeräumt” ist. Tatsächlich sind die teils weit verzweigten Menüeinträge aus früheren Versionen passé: Jeder Eintrag hat höchstens ein Untermenü.

Mit den 700 MByte Software auf der “One”-Variante müssen Sie übrigens nicht Vorlieb nehmen: In der Softwareverwaltung legen Sie beim ersten Start Internet-Paketquellen fest. Danach greifen Sie bequem auf das gesamte Software-Archiv der “Free”-Version zu. So können Gnome-Anhänger etwa Zusatzprogramme des alternativen Desktops auf das System holen. Auch die offiziellen Updates kommen übers Internet auf Ihren Rechner. Im Test konnten wir eine “frische” Mandriva-2008.0-Installation problemlos aktualisieren.

Abbildung 2: Mit RpmDrake installieren Sie Pakete aus dem freien Mandriva-Archiv auch in der "One"-Variante nach.

Abbildung 2: Mit RpmDrake installieren Sie Pakete aus dem freien Mandriva-Archiv auch in der “One”-Variante nach.

Fazit

Ein ganz großer Wurf ist Mandriva 2008.0 nicht, auch wenn das erstmals verfügbare Live-System auf der Installations-CD eine interessante Neuerung ist. Die neue Version ist aber ein robustes Update, das Mandriva-Benutzer zufrieden stimmen wird. Wer ein installiertes Mandriva 2007.1 nun zu alt findet, macht beim Update nichts falsch.

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