Editorial

Aus EasyLinux 01/2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

im Schwerpunkt dieser Ausgabe geht es um den Einstieg in Linux: Wie unterscheidet sich Linux von Windows (ab Seite 32), wie installieren Sie es (S. 37) und wie sehen die ersten Schritte mit dem frisch eingerichteten System aus (S. 42)? Wenn diese Fragestellungen Sie langweilen, bitten wir um Nachsicht: Für das gemeinsame Ziel, Linux stärker auf dem Desktop zu verbreiten, sind gelegentlich auch diese elementaren Informationen wichtig. Der Rest des Hefts spricht auch die fortgeschrittenen Anwender an, z. B. mit einem Thunderbird-Workshop, der zeigt, wie Sie E-Mails filtern und sortieren, gezielt Absender blockieren und das Spam-Aufkommen reduzieren (S. 62), und praktischen Hinweisen zum Löschen und Wiederherstellen von Dateien (S. 48).

Irrtümer und Irrwege

Als Linus Torvalds 1991 die erste Linux-Version veröffentlichte, schrieb er, dass das System nur ein Hobby sei und nicht groß und professionell werde [1]. Da hat er sich geirrt.

Microsofts Ex-CEO Steve Ballmer hat Linux 2001 als Krebsgeschwür bezeichnet [2]: “Linux is a cancer that attaches itself in an intellectual property sense to everything it touches.” Doch Microsoft hat vor einem Jahr in Windows 10 die Möglichkeit integriert, Linux-Anwendungen (zunächst nur die Bash-Shell und einige Terminal-Anwendungen) auszuführen; und schon länger arbeitet man dort mit Linux-Distributionen zusammen, um diese z. B. in einer virtuellen Umgebung (Hyper-V) unter Windows auszuführen [3]. Die Kampfansage von Steve Ballmer ist lange vergessen.

Über viele Jahre fragten Linux-Freunde, wann denn endlich das “Jahr des Linux-Desktops” kommt und damit die Phase der “Linux World Domination” anbricht. Bis heute konnte Linux – im Vergleich mit Windows und macOS – keine nennenswerten Desktopnutzerzahlen erreichen, aber die World Domination ist in Form von Android-Smartphones schon längst erreicht. So hatte sich das nur niemand vorgestellt.

Canonical, Hersteller der Ubuntu-Distribution, hatte die Vision, Smartphones und PCs zusammenzuführen (Stichwort: Konvergenz). Dieses Ziel sollte mit dem Desktop Unity erreicht werden. Aktuell gibt Ubuntu das Unity-Experiment auf und kehrt mit der kommenden Version 17.10 zu Gnome zurück (siehe auch die Ubuntu- und Mint-Tipps ab Seite 94). Wenn Sie über die Jahre unserer Empfehlung gefolgt sind und statt Ubuntu die KDE-Version (Kubuntu) verwendet haben, betrifft Sie das nicht – für Anwender des echten Ubuntu ändert sich durch den Wechsel aber einiges auf der Oberfläche. Die Rückkehr zu Gnome hat damit zu tun, dass es Canonical nicht gelungen ist, Unity und Ubuntu Phone als Smartphone-Plattform zu etablieren; die Entwicklungsarbeit an der neuen Unity-Version 8 wurde eingestellt.

Was sind die aktuellen populären Irrtümer, die noch nicht als solche erkannt wurden? In der EasyLinux-Redaktion glauben wir z. B., dass PCs und Notebooks noch viele Jahre eine wichtige Rolle spielen werden, weil Smartphones und Tablets diese (selbst bei identischer CPU-Leistung) nicht in allen Bereichen ersetzen können – richtig oder falsch?

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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