Konfigurierbarkeit von KDE und Gnome

Aus EasyLinux 10/2017

Konfigurierbarkeit von KDE und Gnome

Angepasst

KDE und Gnome konkurrieren um die Gunst der Linux-Desktop-Anwender. Wir untersuchen in dieser Ausgabe, wie gut sich die beiden Oberflächen an individuelle Vorstellungen anpassen lassen.

Die Entscheidung zwischen KDE und Gnome ist eine Geschmacksfrage. Im deutschsprachigen Raum hat KDE traditionell die größere Verbreitung, weswegen wir uns auch bei EasyLinux entschieden haben, den Fokus auf KDE zu legen.

Den bisherigen Standarddesktop Unity von Ubuntu, den wir in der letzten Ausgabe noch mit berücksichtigt hatten [1], haben wir aus dem Vergleich herausgenommen, weil das Ubuntu-Projekt angekündigt hat, Unity nicht weiter zu entwickeln und auf Gnome umzusteigen.

In diesem zweiten Teil des Vergleichs geht es um einige Stellschrauben, die sich bei KDE und Gnome mit unterschiedlichem Aufwand verstellen lassen.

Hintergrundbild

Wir starten mit einer simplen Anpassung, der Auswahl eines anderen Hintergrundbilds. Für viele Anwender ist das der erste Schritt, um sich ihr System “anzueignen” und es individuell und persönlich zu machen.

KDE-Anwender klicken dazu mit der rechten Maustaste auf den Desktop und wählen im Kontextmenü Arbeitsfläche einrichten. In dem dann erscheinenden Einstellungsfenster ist der Reiter Hintergrundbild bereits aktiv; zwei Schaltflächen Öffnen und Neue Hintergrundbilder herunterladen gewähren dann Zugriff auf lokal gespeicherte Bilder (an beliebigen Orten; die Suche startet im Verzeichnis Bilder/ des Benutzers) und auf eine große Hintergrundbildersammlung mit Benutzerwertungen (Abbildung 1). Die hier angebotenen Bilder stammen aus dem Wallpaper-Bereich des KDE Store [2].

Abbildung 1: KDE integriert die Wallpaper-Sammlung aus dem KDE Store: Dort gibt es über 1500 Hintergrundbilder.

Abbildung 1: KDE integriert die Wallpaper-Sammlung aus dem KDE Store: Dort gibt es über 1500 Hintergrundbilder.

Unter Gnome ist der Weg zum neuen Bild kürzer: Ein Rechtsklick auf den Desktop öffnet auch hier das Kontextmenü, das einen Eintrag Hintergrund ändern enthält. Im erscheinenden Dialog ist zunächst zu wählen, ob der reguläre Hintergrund oder der für den Sperrbildschirm geändert werden soll. Gnome bietet dann (unter Ubuntu Gnome) 30 verschiedene Standardhintergründe an, eine Suche nach weiteren Dateien ist aber nicht möglich.

Eigene Bilder lassen sich bei Gnome aber deutlich einfacher über den Dateimanager (der früher Nautilus hieß und jetzt in der deutschen Lokalisierung nur Dateien heißt) auswählen: Ein Rechtsklick auf eine beliebige Bilddatei ruft das Kontextmenü auf, das via Als Hintergrund auswählen den schnellen Wechsel erlaubt (Abbildung 2). Von der Webseite Gnome-Look.org können Sie mehr als 1100 Wallpapers für Gnome herunterladen [3] und dann über den Dateimanager als Hintergrund aktivieren.

Abbildung 2: Bei Gnome suchen Sie Wallpapers im Dateimanager und richten sie dann als Hintergrundbild ein.

Abbildung 2: Bei Gnome suchen Sie Wallpapers im Dateimanager und richten sie dann als Hintergrundbild ein.

Icons auf dem Desktop

Bei Gnome ist der Desktop in der Voreinstellung vollständig leer, und es lassen sich auch keine Dateien dort ablegen – wer das ändern will, findet in den regulären Gnome-Einstellungen auch keine Möglichkeit, das zu ändern. Stattdessen kommt hier (und auch für viele weitere Settings) das Gnome Tweak Tool (mit dem deutschen Namen Optimierungswerkzeug) zum Einsatz – dort können Sie über Arbeitsoberfläche / Symbole auf der Arbeitsoberfläche den Desktop als Ablagefläche freischalten. Dateien, die Sie nun auf den Desktop ziehen, landen im Ordner Schreibtisch.

Auch bei KDE ist Schreibtisch der Ordner, dessen Inhalte auf dem Desktop erscheinen – aber nur, wenn in den oben schon erwähnten Hintergrundbild-Einstellungen das Layout Ordner-Ansicht gewählt ist. Standard ist bei einigen Distributionen die Alternative (das Layout Arbeitsfläche), bei der sich der KDE-Desktop zunächst komplett leer präsentiert. Unabhängig von dieser Grundsatzentscheidung lassen sich allerlei aktive Widgets (die auch Plasmoide heißen) auf dem Desktop ablegen, im Layout Arbeitsfläche aber keine Dateien – als Kompromiss können Sie dann ein Widget auf den Desktop ziehen, das auf einem Teil der Arbeitsfläche den Schreibtisch-Ordner anzeigt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der KDE-Desktop dient wahlweise als klassische Icon-Ablage (über den Ordner "Schreibtisch") oder erlaubt – wie hier links oben – per Widget Zugriff auf den "Schreibtisch".

Abbildung 3: Der KDE-Desktop dient wahlweise als klassische Icon-Ablage (über den Ordner “Schreibtisch”) oder erlaubt – wie hier links oben – per Widget Zugriff auf den “Schreibtisch”.

Desktop-Widgets und Erweiterungen

KDE ist für seine Erweiterbarkeit bekannt, aber auch auf der Gnome-Oberfläche können Sie zusätzliche Features hinzufügen.

Gnome löst das auf interessante Weise: Sie suchen auf einer Erweiterungswebseite [4] nach interessanten Komponenten und können diese dann über einen Ein-/Ausschalter (direkt auf der Seite, Abbildung 4) einfach installieren und aktivieren – die Änderungen sind in der Regel sofort aktiv. Vor der ersten solchen Einrichtung installieren Sie ein Firefox-Add-on, das diese Kooperation von Desktop und Browser erlaubt. So lässt sich z. B. über die Erweiterung “Window List” ein Panel für den unteren Bildschirmrand nachrüsten, das sowohl sichtbare als auch minimierte Fenster anzeigt – ohne eine solche Erweiterung können minimierte Fenster schnell in Vergessenheit geraten.

Abbildung 4: Gnome-Erweiterungen installieren Sie direkt aus dem Browser heraus – dafür richten Sie vorher ein Firefox-Add-on ein.

Abbildung 4: Gnome-Erweiterungen installieren Sie direkt aus dem Browser heraus – dafür richten Sie vorher ein Firefox-Add-on ein.

Widgets auf dem Desktop unterstützt Gnome nicht direkt; wenn Sie das Paket gdesklets nachinstallieren, können Sie einige wenige Miniprogramme auf die Oberfläche bringen, aber die Entwicklung dieser Gnome-Desklets wurde schon 2006 eingestellt.

KDE setzt seit einigen Jahren auf die Plasmoid genannten Plasma-Widgets, die Sie aber nur nutzen können, wenn Sie den Desktop mit dem Layout Arbeitsfläche betreiben (siehe oben). Dann aktivieren Sie Widgets über einen Rechtsklick auf den Desktop und Auswahl von Miniprogramme hinzufügen. Am linken Rand erscheint die Übersicht der bereits installierten Widgets, und via Neue Miniprogramme herunterladen greifen Sie auf die Auswahl im KDE Store zu. Viele der hier wählbaren Erweiterungen gehören aber nicht auf den Desktop, sondern in die Startleiste – sie erscheinen trotzdem in der Auswahl und bei Aktivierung auch auf dem Desktop, was nicht hilfreich ist. Erweiterungen für die Startleiste richten Sie per Klick auf das Hamburger-Menü am rechten Rand der Startleiste und Auswahl von Miniprogramme hinzufügen ein; KDE zeigt dann dieselbe Liste wie bei der Auswahl von Desktop-Widgets an.

Standardprogramme

Klicken Sie (bei KDE einfach, bei Gnome Windows-ähnlich doppelt) auf eine Datei, startet der Desktop die mit dem Dateityp verknüpfte Standardanwendung – wer das nicht will, öffnet per Rechtsklick das Kontextmenü und wählt dann über Öffnen mit (KDE) oder Mit anderer Anwendung öffnen (Gnome) ein alternatives Programm aus. Sie können aber auch grundsätzlich die Standardanwendung ändern:

  • Gnome-Benutzer rufen dazu per Rechtsklick auf eine Datei die Eigenschaften auf, wechseln im erscheinenden Dialog auf den Reiter Öffnen mit, wählen dort ein Programm aus und klicken dann auf Als Vorgabe festlegen (Abbildung 5).
  • Bei KDE ist der Ablauf ähnlich: Auch dort öffnen ein Rechtsklick und die Auswahl der Eigenschaften einen neuen Dialog. Dieser bietet auf dem ersten Reiter eine Schaltfläche Einstellungen zum Dateityp. Darüber wird dann ein MIME-Typ konfiguriert, der verschiedene Dateiendungen zusammenfassen kann (Abbildung 6). Schieben Sie im Bereich Rangfolge der zugeordneten Anwendungsprogramme das Standardprogramm ganz nach oben in der Liste.

Abbildung 5: Unter Gnome legen Sie über die Einstellungen einer Datei die Standardanwendung für den Dateityp fest.

Abbildung 5: Unter Gnome legen Sie über die Einstellungen einer Datei die Standardanwendung für den Dateityp fest.


Abbildung 6: KDE fasst mehrere Dateiendungen zu MIME-Typen zusammen und verwaltet dafür eine Liste möglicher Programme sowie die Standardanwendung.

Abbildung 6: KDE fasst mehrere Dateiendungen zu MIME-Typen zusammen und verwaltet dafür eine Liste möglicher Programme sowie die Standardanwendung.

Klicken und Fokus

Traditionell unterscheiden sich KDE und Gnome beim Klickverhalten: Gnome arbeitet da wie Windows (und erwartet Doppelklicks, um Dateien zu öffnen oder Programme aus einem Dateimanager heraus zu starten), bei KDE ist der Einfachklick die Voreinstellung. Manche Distributionen schalten diese KDE-Funktion direkt ab, z. B. gilt das für das dieser Ausgabe beiliegende OpenMandriva Linux.

Stören Sie die Einzelklicks bei KDE, rufen Sie die Systemeinstellungen auf, wechseln darin zu Eingabegeräte / Maus und aktivieren die Option Doppelklick zum Öffnen von Dateien/Ordnern.

Umgekehrt können Gnome-Anwender in Nautilus (im Programm Dateien) die Einstellungen öffnen und unter Verhalten die Option Einfacher Klick zum Öffnen von Objekten auswählen. Das wirkt sich dann nicht nur auf die Dateimanager-Fenster, sondern auch auf die Icons auf dem Desktop aus.

Ebenfalls wichtig ist für viele Benutzer das Fokusverhalten der Maus – es geht hier um die Frage, wann ein Fenster den Fokus hat (also Tastendrücke in diesem Fenster landen) und ob der Desktop ein Fenster automatisch in den Vordergrund holt, wenn es eine Weile den Fokus besitzt. Beide Desktops arbeiten mit denselben Voreinstellungen: Um den Fokus zu erhalten, muss ein Fenster angeklickt (oder über [Alt]+[Tab] ausgewählt) werden, und dadurch kommt es automatisch in den Vordergrund (wird also nicht von anderen Fenstern teilweise überdeckt).

Diese Standards können Sie bei beiden Desktops ändern. Bei Gnome ist dafür wieder ein Start des schon erwähnten Optimierungstools nötig, dort findet sich unter Fenster der Fokusmodus, den Sie auf Mouse umstellen können. Dabei bleiben Fenster aber im Hintergrund, bis Sie hineinklicken. Aktivieren Sie zusätzlich die Option Fenster automatisch in Vordergrund holen, dann bringt Gnome ca. eine halbe Sekunde nach dem Fokuswechsel das Fenster nach vorn. Diese Zeitangabe lässt sich nicht komfortabel ändern – wollen Sie mehr Zeit vergehen lassen, starten Sie den DConf-Editor für die Profi-Einstellungen, suchen dort nach auto-raise-delay und ändern diesen Wert von 500 (Millisekunden) auf eine größere Zahl, z. B. 1000.

KDE-Anwender rufen die Systemeinstellungen auf, gehen dort zum Modul Fensterverwaltung und können dann auf dem ersten Reiter Aktivierung das gewünschte Verhalten einstellen – hier gibt es mehr Wahlmöglichkeiten (Abbildung 7), z. B. erlaubt KDE auch einen Modus, in dem ein Fenster den Fokus verliert, wenn man die Maus heraus bewegt (ohne dass dadurch ein anderes Fenster den Fokus erhält). Auch das automatische In-den-Vordergrund-Holen sowie die Verzögerung sind hier konfigurierbar, und auch für den Fokuswechsel ist eine Verzögerung einstellbar, so dass bei der Arbeit mit vielen Fenstern nicht mehrfach der Fokus wechselt, wenn Sie mit der Maus von ganz links nach ganz rechts fahren. Es lohnt sich, die verschiedenen Varianten auszuprobieren, um die beste auszuwählen.

Abbildung 7: Unter KDE können Sie das Fokusverhalten umfassend konfigurieren.

Abbildung 7: Unter KDE können Sie das Fokusverhalten umfassend konfigurieren.

Fortsetzung folgt

In der nächsten Ausgabe werden wir den Vergleich von KDE und Gnome, den wir im letzten Heft begonnen haben, fortsetzen – im dritten Teil schauen wir dann auf einige Standardanwendungen, die Teil des Desktops sind.

Infos

  1. Teil 1 des Desktop-Vergleichs: Hans-Georg Eßer, “Oberflächlich”, EasyLinux 05/17-07/17, S. 101 ff.

  2. KDE Store, Wallpapers: https://store.kde.org/browse/cat/299/ord/latest/

  3. Gnome-Look.org, Wallpapers: https://www.gnome-look.org/browse/cat/300/

  4. Gnome Extensions: http://extensions.gnome.org

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