Knoppix ist der Klassiker unter den Live-Linux-Distributionen. Sein Erfinder Klaus Knopper stellt jedes Jahr pünktlich zur CeBIT eine neue Version für unsere Schwesterzeitschriften Linux-Magazin und LinuxUser zusammen. Die aktuelle Version 8.0 finden Sie auf unserer DVD.
Es gibt viele Gründe, ein Live-Linux zu benutzen: Wer Linux nur ausprobieren, aber deswegen nicht direkt die Platte neu partitionieren möchte, kann gefahrlos ein Live-System booten und ausprobieren, wie er oder sie damit zurecht kommt. Freunde haben sich ihren Rechner zerschossen und bitten um Hilfe? Da brauchen Sie vielleicht eine Reparatur-Tool-Sammlung, wie SystemRescueCd [2] sie bietet. Eine Liste von Live-CDs gibt es im Netz [3] – und auf Seite A der doppelseitigen Heft-DVD finden Sie die zur CeBIT aktualisierte Version 8.0 des Urgesteins Knoppix von Klaus Knopper. Es unterstützt Rechner mit 32- und 64-Bit-CPUs.
Live-DVD booten
Um das Livesystem booten zu können, müssen Sie eventuell die Bootreihenfolge Ihres Rechner neu konfigurieren (siehe Grundlagenartikel auf DVD). Wenn das klappt, erscheint der Bootmanager der Knoppix-DVD. Hier legen Sie fest, mit welcher grafischen Oberfläche die Distribution startet. Zur Auswahl stehen drei Desktops (KDE, Gnome und das voreingestellte LXDE). Sie treffen am Bootbildschirm die Wahl durch Eingabe von
knoppix desktop=Desktop
wobei Sie als Desktop wahlweise kde oder gnome einsetzen. Eine Liste weiterer Boot-Parameter erhalten Sie mit [F2]+ und [F3]. Drücken Sie einfach nur die Eingabetaste oder warten einige Sekunden, startet der schlanke Desktop LXDE.
Große Software-Auswahl
Knoppix bietet ein voll ausgestattetes Desktopsystem, das kaum Wünsche offen lässt (Abbildung 1). Es enthält Programme aus beinahe allen Anwendungsbereichen, von Entwicklung über Multimedia und Office bis hin zur IT-Sicherheit. Als Basis verwendet die Distribution den Kernel 4.2.2.

Abbildung 1: Knoppix ist traditionell gut mit Software ausgestattet. Vom schlanken Desktop LXDE aus greifen Sie über das Startmenü darauf zu.
Zum Abspielen beinahe aller Arten von Filmen stehen VLC 2.2.4 sowie Smplayer 16.11.0 bereit, die Wiedergabe von Musik übernimmt unter anderem Amarok 2.8. Wer Musik lieber selbst macht oder bearbeitet, für den gibt es Audacity 2.1.2.
Zum Bearbeiten von Texten, Tabellen und Datenbanken kommt LibreOffice in Version 5.3.0.3 zum Einsatz. Möchten Sie eigene Flyer oder Ähnliches entwerfen, nutzen Sie dazu Scribus 1.4.6. Für das Erstellen, Anzeigen und Bearbeiten von Grafiken aller Art bringt Knoppix 8.0 unter anderem Gimp 2.8.18 und Inkscape 0.92 mit.
Eine ebenso breite Palette an Anwendungen stellt die Distribution für den Kontakt ins Internet bereit: Zu den Hauptakteuren zählen die Webbrowser Firefox 52.0 und Chromium 56, der E-Mail-Client Icedove (Thunderbird) 45.6.0 sowie das Instant-Messaging-Programm Pidgin 2.11.0.
Installation auf Platte oder Stick
Wollen Sie Knoppix nicht nur als Live-Distribution verwenden, finden Sie im Startmenü unter Knoppix die Einträge Knoppix HD-Installation und Knoppix auf Flash kopieren. Letztere Variante hat auch einen Shortcut auf dem Desktop liegen; sie ist interessant, wenn Sie einen Rechner besitzen, der von USB-Sticks booten kann: Dann können Sie Knoppix auf einem solchen Stick installieren und von dort verwenden, ohne die Partitionierung Ihrer Platte zu verändern. Der USB-Stick muss mindestens 8 GByte freien Speicher haben, andernfalls verweigert der Installer bereits bei der Auswahl der Zielpartition den Dienst.
Beim Aufruf des Stick-Installers erscheint ein Fenster, in dem Sie zunächst den Stick identifizieren. Wenn Sie ihn erst kurz vor dem Programmaufruf eingestöpselt haben, sollte der letzte Eintrag in der Liste der Datenträger der richtige sein. Das Tool installiert dann einen Bootloader auf dem USB-Stick und kopiert anschließend die Dateien. Je nach Schreibgeschwindigkeit kann sich das eine Weile hinziehen; mit einem schnellen Stick dauerte es im Test knapp zehn Minuten. Am Ende finden Sie auf dem Stick das vollständige Knoppix-System, wie es auch von der DVD startet.
Die Installationsroutine für die Festplatte ist im Vergleich zu “klassischen” Installern von OpenSuse und Ubuntu sehr rudimentär; damit die Installation auf Platte klappt, muss eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
- Sie haben bereits eine 15 GByte große Partition für Knoppix eingerichtet; die schlägt der Installer dann vor.
- Auf der Festplatte gibt es mindestens 15 GByte freien (unpartitionierten) Platz – dann können Sie den Installer in diesem Bereich automatisch eine Linux-Partition anlegen lassen, wählen Sie dazu die Option auto.
- Sie wollen die ganze Festplatte für Knoppix verwenden – dann wählen Sie im Installer die Option disk.
Eine Auswahl einzelner Pakete oder Paketgruppen ist bei dieser Einrichtung nicht möglich; Sie können aber später über die Paketverwaltung unerwünschte Programme entfernen. Über den Knoppix-Menüpunkt Zusätzliche Software installieren können Sie einige Zusatzpakete aus den Debian-Paketquellen nachinstallieren, z. B. eine Sammlung mit den üblichen Windows-Schriftarten im Paket ttf-mscorefonts-installer (Abbildung 2). Die hier ebenfalls angebotene Nachrüstung des Flash-Plug-ins funktioniert allerdings nicht. Wer sich mit der Bedienung von apt auf der Konsole auskennt, kann auch darüber Software installieren: Die Repositorys der Debian-Distribution sind aktiviert.

Abbildung 2: Über den Menüpunkt “Zusätzliche Software installieren” können Sie einige Zusatzpakete aus dem Internet ziehen.
Wenn sich wichtige Daten auf Ihrer Platte befinden, sollten Sie diese vor der Knoppix-Platteninstallation sichern, etwa auf DVD oder einem anderen Rechner, denn jede Veränderung an der Partitionierung der Platte kann zu Datenverlust führen, wenn etwas schief geht.
Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren der aktuellsten Knoppix-Version.
Infos
-
Knoppix 8.0 Release Notes: http://knopper.net/knoppix/knoppix800.html
-
SystemRescueCD: http://www.system-rescue-cd.org/
-
Live-CD-Liste: https://livecdlist.com/
