Iñupiat nennen sich die indigenen Ureinwohner im schneebedeckten Alaska. Ihre überlieferten Sagen hat der Spieleentwickler Upper One Games in ein spannendes und forderndes Jump-and-Run-Spiel gegossen, bei dem man neben Geschick hin und wieder auch die kleinen grauen Zellen braucht.
Das kleine Mädchen Nuna rennt. Eine kurze Kopfdrehung bringt die Gewissheit: Der Eisbär hat aufgeholt. Über Eisschollen springend, kleine Abhänge hinunter rutschend und über den Neuschnee rennend, versucht Nuna verzweifelt zu flüchten. Während ihre Beine sie unaufhaltsam vorwärts tragen, materialisiert sich am Horizont ein kleiner weißer Fuchs, der mit hoher Geschwindigkeit aufzuschließen scheint. Erst als das Mädchen erschöpft vor einer vereisten Wand in der Sackgasse steht, hat der Fuchs Nuna eingeholt. Und das keine Sekunde zu spät: Mit einem gekonnten Ablenkungsmanöver lotst er den Eisbären in das eiskalte Meerwasser. Dankbar schließt Nuna den kleinen Fuchs in ihre Arme, der ihr ab sofort nicht mehr von der Seite weicht.
Durch den langsam zunehmenden Schneesturm macht sich das Duo auf zum Dorf des Mädchens. Als sie endlich in seine Nähe gelangen, steigen schwarze Rauchwolken in den Himmel. Das Dorf selbst liegt niedergebrannt im Schnee, die Bewohner sind spurlos verschwunden.

Abbildung 1: Auf der Flucht vor dem Mann muss Nuna möglichst schnell mit ihrer Steinschleuder den kleinen Eisberg auf der rechten Seite zertrümmern. Erst dann kann sie auf die andere Seite springen.
Schneebrett
Im Jump-and-Run-Spiel Never Alone [1] gilt es herauszufinden, was im Dorf geschehen ist und warum der peitschende Schneesturm einfach nicht aufhören will. Dazu reist der Spieler zusammen mit Nuna und dem Fuchs durch das verschneite Alaska. Auf ihrem Weg treffen die beiden unter anderem auf freundliche Geister, diebische kleine Höhlenbewohner und weitere Iñupiat. Letztgenannte sind dem Duo allerdings nicht immer freundlich gesinnt. Um in der verschneiten und vereisten Landschaft voran zu kommen, müssen Nuna und der Fuchs zudem immer wieder kleine Rätsel lösen. Unter anderem überlisten sie einen Eisbären und finden für einen weisen alten Mann eine Trommel.
Über die weiße Landschaft fegt immer wieder ein kurzer Schneesturm. Sofern sich Nuna und der Fuchs nicht rechtzeitig ducken, reißt er das Paar ein Stück mit – im schlimmsten Fall in einen tiefen Abgrund. Andererseits können die beiden den Sturm auch geschickt ausnutzen: Mit Rückenwind springt es sich ein klein wenig weiter. Sollten Nuna und der Fuchs in einen Abgrund stürzen, von einem Felsblock erschlagen werden oder aber einem Eisbären in die Arme laufen, setzt das Spiel die Helden umgehend wieder an den Anfang der letzten Passage zurück. Der Spieler darf somit einen Abschnitt immer wieder erneut versuchen.
Teamwork
Genretypisch laufen die Helden per Tastendruck von links nach rechts über den Bildschirm und überspringen Hindernisse. Sofern man alleine vor dem Bildschirm sitzt, kann man immer nur einen der beiden Protagonisten steuern. Per Knopfdruck wechselt man dann zwischen Nuna und dem Fuchs. Der jeweils andere Partner läuft seinem Freund automatisch hinterher. Findet man noch einen weiteren menschlichen Mitspieler, kann man gemeinsam vor dem Bildschirm durch die Landschaft springen: Jeder Spieler steuert dann im sogenannten Co-Op-Modus dauerhaft einen der beiden Helden. Ein Spieler benötigt dazu allerdings ein XBox-360-GamePad.
Nuna und der Fuchs besitzen unterschiedliche Fähigkeiten. So kann das Mädchen beispielsweise an Seilen emporklettern und Kisten verschieben. Darüber hinaus erhält sie im Spielverlauf eine Steinschleuder, mit der sie entfernte Ziele ab- oder zerschießt. Der kleine Fuchs wiederum läuft auch durch enge Gänge, kann für Nuna ein Seil herablassen (Abbildung 2), an Wänden hoch rennen und beherrscht einen speziellen Doppelsprung, mit dem er besonders hohe Vorsprünge erreicht. Darüber hinaus sieht der Fuchs die freundlich gesinnten Geister wesentlich deutlicher. Die Köpfe dieser weißen schemenhaften Wesen bilden in der Regel kleine Plattformen, über die Nuna und der Fuchs einen Vorsprung erreichen (Abbildung 3). Mitunter kann der Fuchs die Geister auch leicht bewegen und sie so über einen Abgrund manövrieren.

Abbildung 2: Hier hat der Fuchs das Seil heruntergelassen. Nuna muss nur noch irgendwie an dessen Ende gelangen. Glücklicherweise steht rechts eine Kiste.

Abbildung 3: Hier ist der Fuchs zunächst durch die Spalte unter dem Fels gehuscht, dann rechts in der Felsspalte geschickt nach oben geklettert und hat dann oben die Geister aktiviert. Auf deren hellweißen Köpfen kann Nuna nach oben springen.
Konnte man einen Abschnitt meistern oder eine Aufgabe lösen, schaltet das Spiel Videosequenzen, Interviews und Bilder frei (Abbildung 4). Diese geben wiederum einen Einblick in das Leben und die Geschichte der Iñupiat. Letztere halfen auch bei der Entwicklung des Spiels: Ihre Sagen und das Wissen um das einstige Alltagsleben flossen unmittelbar in das Abenteuer ein. Mit Nunas Steinschleuder, der so genannten Bola, haben die Ureinwohner Alaskas beispielsweise Vögel gejagt. In den Zwischensequenzen erzählt zudem ein Iñupiat die Geschichte in seiner Landessprache, deutsche Untertitel helfen beim Verständnis.

Abbildung 4: In dieser Galerie kann der Spieler Filme über die Kultur der Iñupiat abrufen, z. B. erklärt ein Film die Herkunft und die Wirkungsweise von Nunas Steinschleuder.
Kostenpflichtiger Winterurlaub
Never Alone erschien bereits 2014 für Windows. Ein Jahr später folgte das Erweiterungspaket Foxtails, das die Geschichte um Nuna und den Fuchs weiterspinnt. Mittlerweile sind Never Alone, Foxtails und der Soundtrack zum Spiel zusammen als Paket auch für Linux erhältlich: “Never Alone – Arctic Collection” kostet auf Steam 18 Euro, das Hauptspiel selbst gibt es dort für 15 Euro [2]. Bei Gog.com bekommt man nur das Komplettpaket, das mit 17,09 Euro allerdings etwas günstiger ist [3]. Abschließend bietet auch der Humble Store das Jump-and-Run-Spiel für 18 Euro an [4]. Dort muss man allerdings genau hinschauen: Nur das Komplettpaket gibt es auch für Linux, das Hauptprogramm ohne den Zusatz “Arctic Collection” ist offiziell nur für Windows erhältlich.
Bei Gog.com und im Humble Store erhalten Sie jeweils eine kopierschutzfreie Version des Spiels, deren Installation der Kasten beschreibt. Wenn Sie im Humble Store einkaufen, erhalten Sie zudem einen Schlüssel, mit dem Sie Never Alone auch auf Steam freischalten können. In jedem Fall liegt das Jump-and-Run-Spiel nur als 64-Bit-Programm vor, Sie benötigen also eine 64-Bit-Linux-Distribution. Dies ist automatisch der Fall, wenn Sie den Empfehlungen von EasyLinux folgen und Kubuntu 16.10 oder OpenSuse Leap von unseren Heft-DVDs verwenden.
Installation
Die kopierschutzfreie Version des Spiels müssen Sie zunächst installieren. Wie das funktioniert, hängt vom Online-Shop ab.
Wenn Sie Never Alone bei Gog.com erworben haben, erhalten Sie eine Datei mit der Endung .sh. Klicken Sie diese mit der rechten Maustaste an, wählen Sie aus dem Menü Eigenschaften und wechseln Sie auf das Register Berechtigungen. Dort sollte das Kästchen Ausführbar blau ausgefüllt sein – falls nicht, klicken Sie das Kästchen an. Schließen Sie in jedem Fall das Fenster mit OK. Klicken Sie die Datei mit Endung .sh an und entscheiden Sie sich für Ausführen. Es erscheint jetzt ein Installationsassistent, in dem Sie zweimal einen Schritt Weiter gehen, dann die Lizenz mit Yes beziehungsweise Ja abnicken und wieder zweimal auf Weiter klicken. Nachdem der Assistent das Spiel eingerichtet hat, verlassen Sie ihn via Fertig stellen. Ab sofort finden Sie das Spiel unter Kubuntu im Startmenü hinter Anwendungen / Spiele / Never Alone Arctic Collection, bei OpenSuse Leap in der Gruppe Spiele hinter dem Punkt Never Alone Arctic Collection.
Haben Sie Never Alone im Humble Store gekauft, landet eine Datei mit Endung .tar.gz auf Ihrer Festplatte. Dieses Archiv müssen Sie lediglich entpacken. Klicken Sie dazu die Datei mit der rechten Maustaste an und wählen Sie Entpacken / Archiv hierher entpacken, Unterordner selbständig ermitteln. Das Entpacken kann jetzt ein paar Minuten dauern. Anschließend können Sie das Spiel starten, indem Sie in das neu erstellte Verzeichnis wechseln und dort die Datei Never_Alone.x64 anklicken.

Abbildung 5: Sofern man nach einer Weile nicht auf die Lösung eines Puzzles kommt, blendet das Spiel entsprechende Symbole als Hilfen ein.
Fazit
Never Alone soll nicht nur unterhalten, sondern die Kultur und die Geschichte der Iñupiat vermitteln. Das gelingt dem Jump-and-Run-Spiel erstaunlich gut. Die freischaltbaren Filme ergänzen die entsprechenden Hüpfpassagen perfekt. Die Hintergrundgeschichte erzählt das Spiel zudem in stimmungsvollen Zeichnungen, die an Höhlenmalerei erinnern.
Im Spiel selbst wechseln sich im genau richtigen Maß schnelle, actionreiche Passagen mit kleineren Knobeleinlagen ab. So muss man etwa erst mit schweißnassen Händen vor einem Eisbären flüchten, während man sich anschließend in Ruhe in einem unterirdischen Höhlensystem den passenden Weg über die Vorsprünge zurechtlegen kann. Die Tastatursteuerung ist allerdings ziemlich hakelig geraten. So springt man schon einmal ungewollt über eine Eisscholle hinweg. Insbesondere in den Verfolgungsjagden ist die Zeit derart knapp bemessen, dass man die Hindernisse auf der entsprechenden Strecke erst auswendig lernen muss, um eine Chance zu haben.
Unter dem Strich ist Never Alone ein solides Jump-and-Run-Spiel, das mit seinen liebenswürdigen Charakteren, einem interessanten Szenario und einer tollen Atmosphäre punktet. (hge)
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Entwickler |
Upper One Games / E-Line Media |
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Lizenz |
Kommerziell |
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Preis |
17,99 Euro (Steam) / 17,09 Euro (Gog.com) / 17,99 Euro (Humble Store) |
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Voraussetzungen |
Aktuelle 64-Bit-Linux-Distribution mit aktivierter 3-D-Grafik, CPU der Klasse Intel Core 2 Duo E4500 oder besser, mind. 2 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte der Klasse GeForce 440 GT oder besser |
Infos

