Facebook- und Google-Plus-Chat, Skype, ICQ, Internet Relay Chat (IRC) und viele andere Dienste bieten die Möglichkeit, bei der Arbeit am Rechner im Kontakt mit Freunden und Kollegen zu bleiben, ohne dafür zum Telefonhörer zu greifen. Wir stellen Anwendungen für Linux vor, mit denen Sie die Chatdienste nutzen können.
Wie kontaktieren Sie Kollegen, Freunde oder Verwandte, wenn Sie nur kurz eine Information weitergeben und nicht mit einem Anruf stören möchten? Der Klassiker der Handybesitzer ist die SMS (Short Message Service, deutsch: Kurznachrichtendienst), es gibt sie schon seit Anfang der 90er Jahre, als das digitale D-Netz die analogen Mobilfunknetze (A-Netz bis C-Netz) verdrängt hat. Wer keine SMS-Flatrate, aber mobiles Internet auf dem Smartphone hat, installiert noch WhatsApp und ist damit häufig schon ausreichend versorgt.
Doch sind SMS und WhatsApp an eine Handynummer gekoppelt, und bei ausgeschaltetem Mobilgerät funktioniert auch der Zugriff auf die WhatsApp-Webseite [1] nicht – es gibt also Gründe, nach Alternativen zu suchen. E-Mails stehen für einen gemächlicheren Austausch, und die meisten Mailprogramme stellen eine laufende Konversation unübersichtlich dar. Instant-Messaging-Dienste (IM) übertragen Nachrichten verzögerungsfrei, und der bekannteste Vertreter war über viele Jahre das 1996 gestartete ICQ (ausgesprochen: I seek you, deutsch: Ich suche Dich).
ICQ
Der populäre Dienst, der Anwendern nach Anmeldung eine dauerhafte ICQ-Rufnummer zuteilte, wurde später an AOL (America Online) und von dort weiter an die russische Mail.Ru Group verkauft. ICQ ist weiterhin in Betrieb, und die alten ICQ-Nummern sind noch gültig, auf der Webseite gibt es sogar zwei Linux-Client-Pakete [2] für 32- und 64-Bit-Installationen. Das Programm zu installieren und zu starten, ist kein Problem, aber aus dem Client heraus gelingt die Anmeldung mit ICQ-Nummer und Passwort nicht (Abbildung 1), obwohl ein Login auf der Webseite funktioniert – über die ist aber kein Nachrichtenversand möglich.

Abbildung 1: ICQ gilt als der erste Instant Messenger – dem aktuellen Linux-Client gelingt leider kein Login.
AIM und MSN Messenger
AIM, der AOL Instant Messenger, funktioniert ähnlich wie ICQ und wird weiterhin von America Online (AOL) betrieben; einen Linux-Client bietet AOL aber nicht an. Der Microsoft-Dienst MSN Messenger (MSN = Microsoft Network), der später “Windows Live Messenger” hieß, wurde 2013 in Skype integriert – zu Skype für Linux finden Sie ab Seite 60 einen separaten Artikel.
Facebook Chat
Auch Facebook bietet eine Chat-Funktion, über die sich Anwender austauschen können, die auf Facebook “befreundet” sind – für Smartphones wurde zuerst eine separate Chat-App angeboten, inzwischen gibt es auch für PCs eine separate Messenger-Webseite [3], und wer sich für die Konversationen ein separates, browserunabhängiges Fenster wünscht, kann das Programm Messenger for Desktop [4] installieren: Es ist kein Facebook-Produkt, funktioniert aber zuverlässig (Abbildung 2) und ist als 32- und 64-Bit-Linux-Version erhältlich; für Windows- und Mac-Benutzer gibt es auch Programmversionen.
OpenSuse-Anwender laden ein RPM-Paket herunter, für Kubuntu-Benutzer stehen Debian-Pakete bereit, und nach der Installation gibt es im Menü einen neuen Eintrag Internet / Internet Messenger (Messenger for Desktop), über den Sie künftig den Facebook-Chat starten können.

Abbildung 2: Messenger for Desktop packt den Facebook-Chat in ein eigenes Fenster. Der Hersteller bietet 32- und 64-Bit-Pakete im RPM- und Debian-Format an.
Integrierte Clients
Die meisten Linux-Distributionen installieren automatisch einen integrierten Chat-Client, der mit verschiedenen Protokollen diverser Anbieter zurecht kommt. Das ist praktisch, wenn Sie Accounts bei mehreren Diensten haben und auch alle regelmäßig nutzen. Allerdings ändern die Betreiber gelegentlich Details der Verbindungsprotokolle, so dass Sie immer damit rechnen sollten, dass der Zugang zu einzelnen Diensten ausfällt.
Zwei beliebte Programme sind Kopete [5] und Pidgin [6]. Für das KDE-Programm Kopete entwickelt das KDE-Telepathy-Team aber seit 2011 einen Nachfolger [7], bei Kubuntu ist er statt Kopete installiert und im KDE-Menü unter Anwendungen / Internet / Instant-Messenger-Kontakte zu finden.
Im Wesentlichen funktionieren diese Universaltools alle gleich: Für jeden Dienst, bei dem Sie ein Konto haben, geben Sie Ihre Zugangsdaten ein; das Programm meldet Sie dann bei allen Diensten gleichzeitig an und zeigt eine kombinierte Kontakteliste an. Per Doppelklick auf einen Kontakt starten Sie dann das Gespräch.

Abbildung 3: Telepathy ist – wie Kopete und Pidgin – ein Instant-Messaging-Client für mehrere IM-Dienste.
Neben den typischen IM-Diensten (wie AIM, ICQ, Yahoo Messenger usw.) unterstützen die Multi-Dienst-Tools häufig auch einen weiteren Internet-Klassiker namens IRC.
IRC
Internet Relay Chat ist ein über 20 Jahre altes Internet-Protokoll (definiert im Dokument RFC 1459 von 1993). Ein IRC-Netz ist ein häufig weltweites Chat-System, das aus mehreren verbundenen Chat-Servern besteht, auf denen sich jeder Anwender mit passender Client-Software einloggen kann. Teilnehmer können sich dann in Chat-Foren (“Räumen”) treffen und dort über Gott und die Welt diskutieren. Es gibt dabei nicht ein einziges globales “IRC-Netz”, sondern mehrere separate Netze.
Es gibt viele Gründe, sich in ein Chat-Forum (in IRC-Sprache: auf einen Channel) zu verirren, denn IRC bietet zu allen denkbaren Themen einen solchen Gesprächskanal. Haben Sie eine Frage zur Linux-Kernel-Übersetzung oder möchten Sie über das letzte Konzert Ihrer Lieblingsband sprechen? Suchen Sie einfach nach dem passenden IRC-Channel, und Sie werden dort andere mit gleichen Interessen treffen.
Da beim Chatten nur Text zwischen den Teilnehmern übertragen wird, benötigt man prinzipiell kein grafisches Programm für diese Aufgabe; mit ircII und BitchX gibt es IRC-Clients für die Konsole (Abbildung 5), die unsere Schwesterzeitschrift LinuxUser schon 2001 vorgestellt hat [8].

Abbildung 5: Der IRC-Client ircII läuft im Terminalfenster – das Bild ist von 2001, das Programm sieht heute noch genauso aus.
Vor der Kontaktaufnahme mit anderen Chattern ist zunächst eine Verbindung zwischen Ihrem Chat-Programm und einem der IRC-Server im Internet aufzubauen. Zu diesem Zweck öffnet sich bei manchen Chatprogrammen gleich ein Fenster mit einer Auswahl dieser Server und der Möglichkeit, einen eigenen sogenannten “Nickname” zu wählen. Unter OpenSuse schlägt das KDE-Programm Konversation vor, sich mit de OpenSuse-IRC-Server zu verbinden. Nicknames können reserviert sein; wenn schon ein Anwender mit Ihrem Wunschnamen online ist, versucht das IRC-Programm, auf einen Alternativnamen auszuweichen. Bei reservierten Namen erscheint die Aufforderung, den Namen zu wechseln: In Abbildung 6 meldet sich der Systembenutzer NickServ mit einer solchen Meldung.
id=”artRef-f6″ class=”wp-image-411876 size-medium” src=”https://www.linux-community.de/wp-content/uploads/2017/07/konv1-300×197.jpg” alt=”Abbildung 6: Der KDE-IRC-Client Konversation hat eine Verbindung zum OpenSuse-IRC-Server aufgebaut – NickServ weist darauf hin, dass der Nickname reserviert ist. ” width=”300″ height=”197″ /> Abbildung 6: Der KDE-IRC-Client Konversation hat eine Verbindung zum OpenSuse-IRC-Server aufgebaut – NickServ weist darauf hin, dass der Nickname reserviert ist.
Server-Listen sind dabei nach Netzwerken unterteilt; einige dieser Netzwerke sind Freenode, IRCnet, DALnet, UnderNet und OtherNet. IRCnet ist der Klassiker, auf Freenode sind aber die meisten Benutzer, Entwickler und sonstigen Freunde freier Software unterwegs.
Beim Verbindungsaufbau gibt sich ein IRC-Server häufig gesprächig und informiert z. B. über die Zahl der bestehenden Verbindungen. Bevor Sie loslegen, sollten Sie vielleicht einige Tests starten: Denken Sie sich einen Channel-Namen aus, den es sicher nicht gibt, z. B. eine Kombination aus Ihrem Vor- und Nachnamen. Geben Sie in die Eingabezeile des IRC-Clients
/join #vorname.nachname
ein, um den Channel zu betreten – Channel-Namen beginnen immer mit der Raute “#” und können einige Sonderzeichen wie “.”, “-“, “+”, “/” usw. enthalten; selbst deutsche Umlaute sind kein Problem. Das Leerzeichen und Anführungszeichen sind nicht möglich.
Jetzt sind Sie also (alleine) auf Ihrem Test-Channel (Abbildung 7). Konversation zeigt in der rechten Spalte alle Anwender an, die sich auf dem Channel befinden – in diesem Fall also nur Ihren eigenen Nickname. Wenn Sie den Mauszeiger über den Eintrag bewegen, erscheint ein kleines Pop-up mit Informationen zum Benutzer. Dort findet sich als Modus die Bezeichnung Operator: Sie sind ein Operator, kurz Op, auf Ihrem Channel. Channel-Ops haben besondere Rechte, einige davon können Sie jetzt ausprobieren.
Was in der Regel jeder Anwender kann, ist das Schreiben in den Channel. Versuchen Sie es: Tippen Sie eine Zeile Text ein (die nicht mit dem Schrägstrich “/” beginnen darf), und drücken Sie [Eingabe], um die Zeile abzuschicken. Der Text erscheint dann im schwarzen Bereich, und Ihrer Zeile werden die Uhrzeit und Ihr Nickname in spitzen Klammern vorangestellt, im Beispiel aus Abbildung 7 ist das:
[03:34] <hgesser> Das ist ein Test...
Wären auf diesem Channel noch mehr Benutzer, würde die Zeile auch bei diesen im IRC-Programm angezeigt werden, und sie könnten auf Ihren Beitrag antworten. Wollen Sie eine “Aktion” ausdrücken, also etwa, dass Sie gleich den Channel verlassen oder über etwas nachdenken, dann können Sie den IRC-Befehl /me verwenden. Geben Sie etwa
/me schreibt einen Artikel
ein, erscheint im Chat-Fenster die Zeile
[06:40] * hgesser schreibt einen Artikel
Das Sternchen zeigt eine Aktion an; andere IRC-Programme verwenden eventuell eine alternative Darstellung.
Wer die Öffentlichkeit eines Channels scheut, kann sich auch mit einem anderen IRC-Anwender im sogenannten Query treffen: Kennen Sie den Nickname des gewünschten Gesprächspartners, geben Sie einfach
/query nick
ein, und es öffnet sich ein neuer Tab. Dies ist kein Channel, sondern ein Eins-zu-Eins-Gespräch: Hier wird Ihnen niemand zuhören, es sei denn die Verbindung zum IRC-Server wird abgehört. (Nachrichten werden im Klartext übertragen, denn IRC verwendet ein sehr einfaches Netzwerkprotokoll.)
Channel-Operatoren
Viel Wirbel wird im IRC um den Op-Status gemacht: Als Channel-Operator haben Sie einige Sonderrechte gegenüber “nicht-privilegierten” Anwendern auf dem Channel; dies ist mit dem Root-Account auf Ihrem Linux-System vergleichbar. Als Op haben Sie unter anderem die folgenden Möglichkeiten:
- Sie können ein “Topic” setzen und damit ein Thema für den Channel angeben. Das Topic erscheint dann in der obersten Zeile (gleich unter der Menüzeile). Der Befehl ist
/topic Titel; Sie können aber auch in die Topic-Zeile (oder bei Konversation auf das kleine Stift-Icon) klicken und das Topic direkt eintragen. - Sie können andere Anwender auf dem Channel zum Op machen oder diesen den Op-Status entziehen; die Befehle dafür sind
/op Nicknameund/deop Nickname. - Störenfriede können vom Channel “gekickt” werden (wörtlich: aus dem Raum getreten). Da so etwas nicht grundlos geschehen sollte, können Sie beim Rauswurf eines Anwenders eine beliebige Nachricht angeben, die dieser dann als “Kick-Message” erhält. Der Befehl ist
/kick Nickname Grund. Der Kick-Grund kann mehrere Worte enthalten und muss nicht speziell geklammert oder in Anführungszeichen gesetzt werden. Nach einem Kick kann der User den Channel wieder betreten, weshalb Kicks in der Regel nur verwarnenden Charakter haben. - Um einen störenden Benutzer dauerhaft zu verbannen, gibt es den Befehl
/ban Nickname– Sie erhalten darauf in Konversation eine Bestätigung der Form Sie verhängen einen Bann über nickname!*@*. Das vordere Sternchen steht für beliebige (Linux-)Benutzernamen und das hintere für beliebige Rechnernamen. Manche IRC-Clients setzen den/ban-Befehl weniger restriktiv um und tragen statt des Sternchens die aktuelle IP-Adresse des Benutzers ein. - In der Regel gesellt sich zum Ban immer ein Kick dazu: Die Kombination der beiden Befehle heißt
/kickbanund wird genau wie/kickaufgerufen (/kickban Nickname Grund). Dabei führt der IRC-Client den Ban vor dem Kick aus, da ein schneller Client sonst automatisch wieder in den Channel zurückkehrt, wenn er das Feature “Auto-Rejoin” verwendet. Damit käme der Anwender sofort wieder auf den Channel, bevor der Ban wirksam wird.
NickServ und ChanServ
Auf populären IRC-Channels gab es in den 90er Jahren regelmäßig Channel-Takeover-Kämpfe, bei denen ein Team von IRC-Nutzern versucht hat, Operator-Rechte für den Channel zu erhalten und die ursprünglichen Operators aus dem Channel zu werfen. Um keine Plattform für solche Auseinandersetzungen zu bieten, gibt es in vielen IRC-Netzen Schutzmechanismen: Im System gibt es dann zwei spezielle Anwender namens NickServ und ChanServ, die das Netzwerk mit besonderen Rechten ausstattet: NickServ kann Benutzer ausloggen, die einen reservierten Nickname verwenden und sich nicht durch ein Passwort authentifizieren, und ChanServ gibt registrierten Channel-“Besitzern” automatisch den Operator-Status, wenn sie ihren Channel betreten.
Eine ausführliche Anleitung, wie Sie als IRC-Neuling Ihren eigenen Nickname registrieren und darüber hinaus eigene Channels schützen können, finden Sie auf den Dokumentationsseiten des DALnet [9].
Beliebte IRC-Clients
Neben dem KDE-Programm Konversation, das Sie im KDE-Menü unter Anwendungen / Internet / IRC-Programm (Konversation), unterstützen auch die Multi-IM-Tools Pidgin und Kopete das IRC-Protokoll; ein weiteres auf IRC spezialisiertes Programm ist Hexchat: Bei OpenSuse ist es schon vorinstalliert, Kubuntu-Anwender können es mit
sudo apt install hexchat
einspielen. Im Menü liegt HexChat unter Anwendungen / Internet / IRC-Client (Hexchat). Für die ersten Schritte mit IRC spielt es aber keine Rolle, welchen Client Sie wählen – Abbildung 8 zeigt den ähnlichen Aufbau von Konversation und HexChat.

Abbildung 8: HexChat (oben) und das KDE-Programm Konversation sind zwei beliebte grafische IRC-Clients.
Fazit
Linux bietet zahlreiche Möglichkeiten, Kurznachrichten mit Familie, Freunden und Bekannten auszutauschen. Wer mehrere Messaging-Dienste nutzen möchte, kann die meisten davon dank Multi-IM-Clients unter einer gemeinsamen Oberfläche zusammenfassen. Mit IRC steht neben den IM-Diensten eine Alternative zur Verfügung, die vor allem wegen der zahlreichen Channels rund um Linux-Themen interessant ist: Auf welchem Channel die Anwender Ihrer Lieblingsdistribution sich austauschen, erfahren Sie meist durch eine Google-Suche (Abbildung 9).

Abbildung 9: Sie vermuten, dass es zu einem Programm oder einer Linux-Distribution einen IRC-Channel gibt? Googeln Sie den Namen und “IRC Channel”, werden Sie meist fündig.
Infos
-
ICQ für Linux: https://icq.com/linux/de
-
Facebook Messenger: https://www.messenger.com/
-
Messenger for Desktop: https://messengerfordesktop.com/#download
-
Pidgin: https://pidgin.im/
-
KDE Telepathy: https://en.wikipedia.org/wiki/KDE_Telepathy
-
IRC-Clients für die Konsole: Heike Jurzik, “ircII und BitchX”, LinuxUser 03/2001, S. 32 ff., https://www.linux-user.de/ausgabe/2001/03/032-zubefehl/befehl14.html
-
DALnet-Dokumentation zu NickServ, ChanServ: http://docs.dal.net/docs/nickservde.html
-
HexChat: https://hexchat.github.io/



