Soundeditor Eko mit neuen Konzepten

Aus LinuxUser 05/2017

Soundeditor Eko mit neuen Konzepten

© Anna Jedynak, 123RF

Eigenwillige Komposition

Mit Eko bearbeiten Sie Audiodaten im Handumdrehen – sobald Sie die Eigenheiten der Software meistern.

Zum Aufnehmen und Schneiden von Klängen stehen unter Linux eine ganze Reihe von Anwendungen bereit. Dazu gehören etwa Audacity, das gewissermaßen den Standard setzt, oder Kwave aus dem KDE-Fundus. Die Arbeit am Mitbewerber Eko [1] dauert nun schon seit mehr als sechs Jahren an. Allerdings hat bisher noch kaum eine der großen Distributionen die Software im Repository. Selbst unter Arch Linux bauen Sie das Programm aus den Quellen (siehe Kasten “Installation”).

Installation

Die neueste Version Eko 5.3.3 laden Sie entweder von der Projektseite herunter [4] oder greifen auf die Daten der Heft-DVD zurück. Auf der Website finden Sie einige Hinweise darauf, wie Sie das Programm ins System integrieren.

Neben den Qt-Bibliotheken in Version 4 oder 5 benötigen Sie die Pakete libportaudio, libsndfile und libsamplerate samt den zugehörigen Entwicklerdateien. Die insbesondere für den Import und Export von Klangdateien erforderlichen Pakete jack, mplayer, ffmpeg und lame mahnt Eko bei der Installation nicht an und überlässt es Ihnen, welche Sie später davon benötigen.

Mit dem Dreischritt aus qmake, make und make install arbeiten Sie nun die Installation ab. Unter Umständen gibt es für qmake zwei Binaries auf Ihrem System, mit den entsprechenden Suffixen für Qt4 oder Qt5. Welches Sie davon verwenden, bleibt (derzeit noch) Ihnen überlassen.

Das Makefile installiert die Programmdateien unterhalb von /usr/local/. Diesen Pfad passen Sie bei Bedarf in der Datei eko.pro an. Eine deutsche Übersetzung gibt es momentan noch nicht, aber wenn Sie die russische oder tschechische Oberfläche verwenden wollen, kopieren Sie die QM-Dateien aus dem Ordner translations mit Root-Rechten von Hand nach share/eko/translations unterhalb des bereits gewählten Pfads.

Ein während der Arbeit an diesem Artikel entstandenes Binärpaket für Fedora finden Sie online [5] und auf der Heft-DVD. Weitere halbwegs aktuelle RPM-Pakete finden sich in diversen Zusatz-Repositories für OpenSuse [6] und ROSA [7]. Nutzer von Debian-basierten Distributionen gehen derzeit noch leer aus und sind auf die beschriebene Installation angewiesen. Zu beachten wäre noch, dass das Setup dann keinen Eintrag im Menü anlegt; Sie starten das Programm via Schnellstartfenster oder Terminal mit dem Befehl eko.

Erster Start

Der erste Anblick nach dem Öffnen des Programms (Abbildung 1) mutet etwas seltsam an: Die Oberfläche ähnelt vom Layout her durchaus denen der großen Vorbilder, aber trotz der Qt-Basis sieht Eko eher nach postmoderner Java-Swing-GUI aus und will sich nicht so recht in den Rest des Desktops einfügen. Während die Widgets der Benutzeroberfläche noch einigermaßen den Standards des Desktops entsprechen, gilt das für die Symbole nicht.

Abbildung 1: Eko folgt den Konventionen der meisten Soundeditoren aus diesem Bereich, irritiert aber etwas durch die Wahl der ungewöhnlichen Icons.

Abbildung 1: Eko folgt den Konventionen der meisten Soundeditoren aus diesem Bereich, irritiert aber etwas durch die Wahl der ungewöhnlichen Icons.

Beim Öffnen einer Audiodatei über File | Open offenbart sich ein weiterer Alleingang: Es öffnet sich kein Auswahlfenster, sondern die Software springt in der rechten Leiste zum Reiter Files und bettet den entsprechenden Dialog direkt ins Hauptfenster ein. Die geöffnete Datei zeigt sich wie von anderen Programmen bekannt in einer Zeitleiste und nach Kanälen getrennt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Haben Sie eine Audiodatei geöffnet, finden Sie sich in einer vertrauten Ansicht zum Bearbeiten von Klängen wieder.

Abbildung 2: Haben Sie eine Audiodatei geöffnet, finden Sie sich in einer vertrauten Ansicht zum Bearbeiten von Klängen wieder.

Bevor Sie sich nun tiefer in die Menüs vergraben, sollten Sie sich erst einmal der Konfiguration widmen: Klicken Sie zunächst auf den Eintrag Help | System Check. Die Applikation zeigt dann im unteren Bereich an, welche der externen Werkzeuge, die sie zum Einlesen oder Exportieren von Dateien braucht, sie auch gefunden hat.

Weitere Einstellungen nehmen Sie in der rechten Leiste im Reiter Options vor. Im Reiter Common passen Sie diverse grundlegende Einstellungen an, etwa den Lame-Befehl zum Exportieren ins MP3-Format sowie die Sprache der Benutzeroberfläche.

Außerdem legen Sie fest, wie viele Schritte die Software beim Bearbeiten speichert, um diese gegebenenfalls rückgängig machen zu können (Abbildung 3). Das scheint entbehrlich, weil Sie sich unter Umständen damit selbst Steine in den Weg legen, aber für die Entwickler war es wohl von Bedeutung, diese Möglichkeit einzubauen.

Abbildung 3: Die Konfiguration erlaubt es, in so mancher Hinsicht mehr einzustellen, als in der Praxis wirklich nötig ist.

Abbildung 3: Die Konfiguration erlaubt es, in so mancher Hinsicht mehr einzustellen, als in der Praxis wirklich nötig ist.

Im Bereich Sound devices stellen Sie bei Bedarf ein, woher das Programm seine Daten bezieht und wohin es sie schickt. Im Test waren keine Änderungen an den Voreinstellungen nötig, die Software hatte die richtigen Geräte sicher erkannt.

Bei den Einstellungen für die Tastatur im Reiter Keyboard bleiben ebenfalls keine Wünsche offen: Hier besteht die Möglichkeit, praktisch alle Funktionen frei mit Kürzeln zu belegen. In der Auswahl erscheinen dort sogar Dateien, die Sie bereits einmal geöffnet haben, sodass sich ein schneller Zugriff darauf realisieren lässt.

In Bearbeitung

Beim Bearbeiten einer Datei geht das Tool kaum neue Wege. Wie von Mitbewerbern bekannt, finden Sie die Knöpfe zum Steuern der Wiedergabe in der Werkzeugleiste. Mit der Maus klicken Sie bei Bedarf in die Zeitleiste und markieren dann durch Ziehen einen Bereich. Eine Wiedergabe in einer Endlosschleife aktivieren Sie durch Anklicken des Kästchens looped.

Im Menü Functions stellt die Software eine Anzahl Werkzeuge bereit, um den markierten Bereich zu verändern – etwa durch Einfügen von Stille, Kompression der Dynamik oder Vertauschen der Kanäle. Dort finden Sie außerdem einen Sinus- und einen Rauschgenerator.

Einige wirklich interessante Gimmicks verstecken sich im Mixer, der sich in einem separaten Fenster gleich beim Programmstart öffnet. Unter Umständen ist Ihnen dieses Fenster aber entgangen, weil es bei Platzmangel auf kleineren Displays einfach hinter dem Hauptfenster verschwindet.

Abbildung 4: Der Mixer ist in der Lage, das typische Knistern von Schallplatten authentisch zu generieren. Der umgekehrte Weg beim Restaurieren von Aufnahmen funktioniert allerdings nicht.

Abbildung 4: Der Mixer ist in der Lage, das typische Knistern von Schallplatten authentisch zu generieren. Der umgekehrte Weg beim Restaurieren von Aufnahmen funktioniert allerdings nicht.

Ein Klick auf das Plus-Symbol oberhalb des Drehreglers öffnet ein weiteres kleines Fenster, in dem Sie Funktionen zum Hinzufügen von Hall, Verzerrungen oder dem Knistern einer Schallplatte finden (Abbildung 4). Die Effekte erschließen sich nicht immer gleich aus den Namen; Probieren geht hier über Studieren.

Die eine oder andere Überraschung hält Eko bei den Funktionen zum Bearbeiten bereit: So lässt sich etwa ein markierter Bereich nicht ohne Weiteres in eine neue Datei exportieren. Sie kopieren ihn zuerst über File | Copy, öffnen dann mit File | New einen neuen Editorbereich und fügen die Daten dort ein. Das klingt wenig logisch – und ist es auch nicht. Außerdem läuft die Software bei der Wiedergabe am Ende eines markierten Bereichs munter weiter, statt dort zu stoppen.

Für das Zurechtstutzen von Musikstücken hat Eko eine Funktion zum Ein- und Ausblenden an Bord, die Sie im Menü Functions | Fade finden. Sie wirkt korrekt auf dem markierten Bereich, wenngleich Sie die Intensität des Vorgangs über mehrmaliges Anwenden der Funktion steuern müssen. Parameter stehen dafür nicht bereit.

Um einen markierten Bereich besser zu untersuchen, wollen Sie ihn vielleicht vergrößern. Das erlaubt der Audioeditor ebenfalls nicht ohne Weiteres; unter dem Menüpunkt View findet sich dazu kein passender Eintrag. Dennoch brauchen Sie nicht darauf zu verzichten, denn unter Edit | Trim verbirgt sich die passende Funktion, mit der Sie einen markierten Bereich an die Breite des Fensters anpassen. Durch mehrmaliges Wiederholen der Prozedur dringen Sie bis in den Bereich einzelner Schwingungen vor. Allerdings stürzte das Programm dabei im Test oft ab oder erzeugte unbrauchbare Ansichten.

Export

Für das Speichern von Dateien stehen derzeit nur die Formate WAV und MP3 bereit. Letzteres erzeugen Sie über den Encoder Lame, indem Sie die Daten über File | Import/Export | Export to MP3 speichern. Beim einfachen Sichern einer Datei wählt das Tool dagegen automatisch das unkomprimierte WAV.

Zwar lässt sich in den Einstellungen ein Parameter für den freien Vorbis-Codec anpassen, doch erscheint dieses Format nicht in der Auswahl für den Export. Über einen Umweg sichern Sie die Daten aber dennoch in anderen Formaten: Die Befehlszeile für Lame nimmt in den Einstellungen Freitext auf, sodass Sie hier einfach ein anderes Kommando eingeben. In den Menüs erscheint zwar weiterhin der Eintrag zu MP3, das Ergebnis stimmte im Test aber.

Egal, welches Format Sie letztendlich wählen: Eko hinterlässt in der exportierten Datei keinerlei Metadaten. Damit Abspielprogramme später erkennen, womit sie es zu tun haben, benötigen Sie also einen externen Editor. Als gut für diese Aufgabe gerüstet erweisen sich der VLC Media Player und EasyTag [2] aus dem Gnome-Fundus.

Hilfe

Unterstützung beim Entdecken der Möglichkeiten finden Sie im Reiter Help. Die Software blendet die Dokumentation direkt im Hauptfenster ein und verdeckt so den geöffneten Editor. Zum Nachschlagen der Funktionen schalten Sie zwischen Editor und Text hin und her. Praktischer wäre das Auslagern in ein eigenes Fenster, was aber nicht klappt. Selbst das Betrachten im Webbrowser gelingt nicht, weil der Hilfetext Teil des monolithischen Eko-Binaries ist.

Die HTML-Datei steht aber auf der Github-Seite des Projekts bereit [3], von wo Sie sie bei Bedarf herunterladen und lokal speichern. Der im Programm integrierte Text erschien ohnehin in einigen Teilen veraltet, sodass Sie vermutlich mit der Github-Version besser bedient sind.

Fazit

Die Webseite des Projekts schweigt sich über die Herkunft und Bedeutung des Namens weitgehend aus, nur ein vager Verweis auf “Echo” findet sich dort. Uns kam während des Tests der Name “Eigenwilliger Klang-Organisator” in den Sinn.

Wenngleich das Programm sich ein Stück weit an anderen Editoren orientiert, kapriziert es sich insgesamt eher auf erzwungene Alleinstellungsmerkmale, als wirklich innovative Lösungen anzubieten. Speziell das Konzept mit den zahlreichen Fenstern erscheint auf kleineren Bildschirmen mit geringer Auflösung nicht praxisgerecht. Und das Verhalten beim Öffnen von Dateien überrascht zwar, stellt aber keinen echten Schritt nach vorn dar.

Wo anderenorts Desktop-weite Konsistenz zum Konzept gehört, bleibt Eko außen vor. Damit residiert die Software derzeit im Bereich zwischen einfachen Tools zum Aufnehmen wie dem Gnome Sound Recorder und den bereits erwähnten ausgewachsenen Klangkünstlern. Ob es jemals zu Letzteren aufschließt, bleibt offen.

Stören Sie sich nicht an dem etwas ausgefallenen Design oder möchten sich nicht mit den zahlreichen Möglichkeiten und Optionen von Kwave oder Audacity herumschlagen, ist Eko auf jeden Fall einen Versuch wert. 

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 05/2017 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben