Die Ära der analogen Bildspeicherung neigt sich – außer für wenige Enthusiasten – immer schneller ihrem Ende zu. Es ist höchste Zeit, die in Schränken, Schubladen und auf Dachböden verstaubenden Dias und Negative in die digitale Welt hinüberzuretten.
Ihre Zahl geht in die Millionen, vielleicht Milliarden. Sie vegetieren in Schränken, Schubladen, in Kellern oder oft auf verstaubten Dachböden. Mit den Jahren werden sie nicht besser, eher schlechter, aber vor allem nicht weniger. Nein, wir sprechen nicht von ungewollten Geschenken, sondern von Dias und Negativen, deren Belichtung und Entwicklung oft Jahrzehnte zurückliegt. Trotz ihres emotionalen Werts sind sie vor allem eines: inkompatibel zu allen modernen Speichermedien und Wiedergabeformen.
Der Zahn der Zeit setzt auch bei bester Lagerung – in einem normalen Haushalt eher nicht der Standard – dem Material zu, also sollten Sie beizeiten über eine Digitalisierung nachdenken. Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl: Entweder Sie scannen die Vorlagen ein, oder Sie fotografieren sie mit einer Digitalkamera ab. Als dritter Weg bietet sich an, die Digitalisierung einem professionellen Dienstleister zu überlassen, was intern wiederum auf eine der beiden genannten Technologien hinausläuft (siehe Kasten “Wie die Profis”).
Wie die Profis
Zahlreiche Anbieter stehen bereit, um Dias und Negative zu Bilddateien zu verarbeiten. Ein höchst unterschiedliches Preisgefüge erschwert die Suche nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Zumindest sollten Sie vorab Testscans anfertigen lassen, um dann bei der Stapelverarbeitung von Hunderten von Bildern nicht eine Enttäuschung zu riskieren. Die meisten Dienste bieten so etwas für wenige Bilder zu einem symbolischen Preis an, es lohnt sich auf jeden Fall.
Außerdem lohnt sich die Nachfrage, welche Technologie überhaupt zum Einsatz kommt. Die Dienstleister verwenden meist semiprofessionelle Scanner mit automatischem Einzug und hardwarebasierter Staub- und Kratzerentfernung sowie anderen Gimmicks zur Filmkornglättung oder Farbstichkorrektur. Veranschlagt ein Anbieter jedoch weniger als 20 Cent pro Bild, liegt der Verdacht nahe, dass dort gar kein Scanner werkelt, sondern eine Kamera, die per halbautomatischer Steuerung direkt aus der Bildbühne eines Diaprojektors fotografiert. Das muss nicht zwingend eine inakzeptable Qualität zur Folge haben, es empfiehlt sich aber definitiv, ein paar Testscans erstellen zu lassen. Weitere Indizien für die Anwendung eines Alternativverfahrens sind ein hoher Preisunterschied zwischen Negativ- und Diaverarbeitung oder die Tatsache, dass der Anbieter Negative gar nicht erst annimmt: Negative lassen sich kaum mit vertretbarem Aufwand über Diaprojektoren verarbeiten, sodass der Dienstleister auf echte Scanner zurückgreifen muss, was den Preis gegenüber Dias in die Höhe treibt.
Befinden sich in Ihrer Sammlung einige Bilder von unschätzbarem Wert, die Sie unbedingt in optimaler Qualität für die Nachwelt erhalten wollen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: den Trommelscan. Um Bildfehler durch Staub und Kratzer zu minimieren, werden die Vorlagen bei diesen Verfahren (das vornehmlich in der Druckindustrie zum Einsatz kommt) auf einer durchsichtigen Trommel befestigt und in eine Flüssigkeit eingebettet.
Nun dreht ein Motor die von innen beleuchtete Trommel an einer CCD-Zeile vorbei, wobei gigantische Schwungmassen dafür sorgen, dass die Gleichlaufschwankungen der Konstruktion unterhalb der Messbarkeitsgrenze bleiben. Das Ergebnis lässt sich beinahe mit dem eines Rasterelektronenmikroskops vergleichen: Zahlreiche Details treten hervor, die vorher nie ein Diaprojektor zum Vorschein bringen konnte. Die unkomprimierten Bilddateien erreichen allerdings Gigabyte-Größe, der hohe Aufwands verursacht Kosten von rund 50 Euro pro Aufnahme.
Echte Trommelscanner werden seit etwa fünfzehn Jahren nicht mehr produziert. Ersatz bietet beispielsweise der schwedische Kamerahersteller Hasselblad mit seinen virtuellen Trommelscannern. Sie arbeiten etwas anders als ihre archaischen Verwandten, liefern aber eine vergleichbare Qualität. Entsprechende Dienstleister bieten das Einlesen eines Bilds schon ab etwa 5 Euro an. Die dauerhafte Anschaffung eines Hasselblad-Scanners dagegen liegt meist weit außerhalb des Budgets eines Privatanwenders: die Geräte kosten ab 15?000 Euro aufwärts.
Filmscanner
Scanner galten lange Zeit als Stiefkinder der Treiberentwicklung unter Linux. Das wandelte sich jedoch zum Positiven, auch dank des Engagements der Gerätehersteller. Diese Feststellung trifft allerdings nicht auf professionelle Filmscanner zu, die perfekt auf die Gegebenheiten von Kleinbildfilmen zugeschnitten sind. Zwar gibt es zahlreiche Flachbettscanner am Markt, die sich dank Durchlichteinheit auch für Filmmaterial eignen, aber solche Geräte entsprechen eher Dokumentenscannern mit Rucksack.
Die tatsächliche optische Auflösung geht meist über 1800 dpi nicht hinaus. Das genügt für Papiervorlagen völlig, bildet jedoch nur etwas mehr als die Hälfte der bis zu 3300 dpi eines durchschnittlichen Kleinbildfilms ab. Bis auf den Expression 11000 XL von Epson [1], der speziell auch hochwertige Scans von Röntgenfilmen erstellt, lassen sich die aufgestockten Flachbettscanner höchstens der unteren Mittelklasse zuordnen.
Die Geräte der bei den Filmscannern derzeit führenden Marken Reflecta und Plustek bilden keine Oasen in der Treiberwüste: Für die relativ preiswerten Plusteks gibt es überhaupt keine Treiber, die Reflecta-Scanner lassen sich ebenfalls nur sehr unzureichend bis gar nicht ansteuern. Große Optikhersteller wie Konica Minolta, Canon oder Nikon haben das Terrain der Filmscanner schon vor Jahren verlassen, doch schlummern hier einige besonders gut unterstützte Linux-Perlen. Zumindest verweist die Support-Webseite des SANE-Projekts [2] darauf, das eine Anlaufstelle für Scannertreiber unter Linux und anderen unixoiden Betriebssystemen bietet.
Ein Complete für den um 2002 produzierten Nikon Coolscan LS-40 [3] in der Rubrik Support der SANE-Webseite war Anlass für uns, ein solches Wunderwerk der Technik mit USB-Anschluss zu beschaffen. Testberichte aus der Windows-Welt bescheinigen diesem seit mehr als zehn Jahren nicht mehr produzierten Gerät ohnehin eine herausragende Bildqualität und Performance, die es nun unter Linux ebenfalls unter Beweis stellen sollte.
Erste Schritte
Nach dem Anschließen des Scanners stellte sich recht bald Ernüchterung ein. Der Befehl scanimage -L fand kein ansprechbares Gerät, obwohl ein als Root ausgeführtes sane-find-scanner auf eine sich zaghaft anbahnende Beziehung hoffen ließ (Listing 1).
Etliche Leidensgeschichten anderer Besitzer von Scannern in Webforen und Mailinglisten berichten von ähnlichen Problemen, die sich meist auf den USB-Stack des Systems und eigentlich nicht auf den Scanner selbst beziehen. Keiner der in den Diskussionen angebotenen Workarounds führte in irgendeiner Form zum Ziel; außer den Geräuschen der Mechanik unmittelbar nach dem Einschalten war dem Scanner nichts zu entlocken.
Listing 1
# sane-find-scanner
# sane-find-scanner will now attempt to detect your scanner. If the
# result is different from what you expected, first make sure your
# scanner is powered up and properly connected to your computer.
# No SCSI scanners found. If you expected something different, make sure that
# you have loaded a kernel SCSI driver for your SCSI adapter.
found USB scanner (vendor=0x04b0 [Nikon], product=0x4000 [LS-40 ED]) at libusb:006:002
# Your USB scanner was (probably) detected. It may or may not be supported by
# SANE. Try scanimage -L and read the backend's manpage.
# Not checking for parallel port scanners.
# Most Scanners connected to the parallel port or other proprietary ports
# can't be detected by this program.
Schließlich rettete die proprietäre Software Vuescan [4] das Projekt. Eine Testversion, die jedes Bild mit einem Wasserzeichen versieht, lässt sich nach dem Herunterladen uneingeschränkt nutzen, sodass Sie sich beim Ausprobieren Zeit lassen dürfen. Gegen Zahlung einer Lizenzgebühr (siehe Kasten “Preisfrage”) schalten Sie das Programm frei.
Lediglich eine minimalinvasive Anpassung des Zugriffs auf den USB-Anschluss war nötig, um den Nikon zur Mitarbeit zu bewegen. Auf der Webseite von Vuescan finden Sie für jedes unterstützte Gerät neben einer Auflistung der mit dem jeweiligen Modell nutzbaren Funktionen auch Installationshinweise [5], die (sofern erforderlich) den USB-Workaround verlinken [6].
Preisfrage
Das mit einigem Abstand teuerste Verfahren zur Fotodigitalisierung stellt das Einscannen dar. Der vor 15 Jahren für knapp 1000 Euro angebotene Nikon LS-40 kostet heute auf den einschlägigen Online-Marktplätzen immer noch etwa 450 Euro. Adapter für Negativstreifen und Einzeldias liegen in aller Regel bei, da sie sowieso zum originalen Lieferumfang gehörten. Die einst als Nachfolger des Kleinbildfilms geplanten APS-Patronen lassen sich mit einem speziellen Adapter verarbeiten, für den Sie jedoch nochmals 600 Euro einrechnen müssen. Ein Einzug für Diamagazine kostet sogar das Doppelte des APS-Adapters. Beachten sollten Sie hierbei, dass er keine CS-Magazine bedienen kann, was bei vielen Dias zusätzliche Arbeit beim Umfüllen in Standardmagazine bedeutet.
Das möglichst automatisierte Einscannen nagt also kräftig am Geldbeutel. Die Kosten relativieren sich jedoch insofern, dass Sie die angeschaffte Hardware, sofern Sie nicht gerade bei Ihnen den Dienst quittiert, nach getaner Arbeit praktisch ohne Wertverlust wieder weiterverkaufen können. Letztendlich bleiben Sie dann nur auf den derzeit etwa 80 Euro Lizenzgebühr für die Vuescan-Software sitzen, alles andere bekommen Sie beim Verkauf quasi zurückerstattet.
Deutlich günstiger gelingt das Ablichten mit einer Kamera, sofern Sie diese schon besitzen. Einen Diakopiervorsatz samt Adapter für Negativstreifen bekommen Sie schon für etwa 120 Euro, hinzu kommen die Kosten für eine Leuchtplatte. Ein Exemplar aus dem Billigsegment bietet zwar keine gleichmäßige Ausleuchtung bis zum Rand, die Sie aber auch gar nicht benötigen, weil Sie nur die 24 mal 36 Millimeter des Filmformats ausleuchten müssen. Entsprechende Leuchtplatten schlagen gebraucht mit etwa 25 Euro zu Buche.
Arbeiten Sie mit einer Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkamera und einem Zwischenring, genügt ein preiswerterer Kopiervorsatz mit einer einfachen Nahlinse (die Sie in dem Fall ohnehin entfernen), der nur etwa 40 Euro kostet. Somit kommt das Abfotografieren zwei Drittel günstiger als das Scannen. Die Wiederverkaufswerte der nötigen Geräte lassen sich allerdings kaum kalkulieren, sodass Sie die eingesetzten Mittel in der Regel abschreiben müssen.
Sollten Sie mit einem CMOS-Scanner liebäugeln, erhalten Sie Neugeräte schon ab etwa 50 Euro, selbst am anderen Ende der Preisskala fallen selten mehr als 150 Euro an. Der Preis spricht jedoch auch Bände hinsichtlich der zu erwartenden Qualität, die weit unter der von echten Scannern liegt.
Am laufenden Band
Vor dem Start von Vuescan schalten Sie den Scanner ein, um der Software die Suche nach dem richtigen Gerät zu erleichtern. Anhand des eingesteckten Zuführadapters erkennt das Programm, ob Sie Dias oder Negative einlesen möchten. Nur bei Schwarzweißvorlagen müssen Sie dies im Auswahlmenü Vorlage anpassen. Das Programm bringt bereits sinnvolle Voreinstellungen mit, sodass Sie ohne weitere Anpassungen sofort loslegen dürfen und trotzdem gute Ergebnisse erzielen.
Abbildung 1 zeigt das Programm nach dem Scannen eines etwa zwanzig Jahre alten Negativs, auf dem die Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat: Sowohl Kratzer als auch reichlich Staub zieren das Bild. Völlig unbeeindruckt von allem Schmutz liefert der Nikon ein Foto, das beinahe wie frisch aus dem Labor wirkt – von Kratzern und Staub keine Spur.

Abbildung 1: Vuescan lässt im Umgang mit Scannern unter Linux kaum Wünsche offen und unterstützt auch zahlreiche ältere Modelle.
Das Geheimnis dieses Jungbrunnens liegt in der hardwarebasierten Staub- und Kratzerentfernung namens ICE [7], die mittels Infrarotscan die Verunreinigungen sichtbar macht und so quasi vom eigentlichen Bild subtrahiert. Konzeptbedingt versagt das Verfahren allerdings bei Schwarzweißvorlagen, ansonsten liefert es sehr gute Ergebnisse. Die Abbildungen 2 und**3 zeigen einen Vergleich der Scans mit und ohne eingeschaltetem ICE.

Abbildung 2: Das Ergebnis eines mit dem Nikon Coolscan LS-40 und Vuescan erstellten Scans eines älteren Diapositivs.

Abbildung 3: Staub und Kratzer: Ohne die ICE-Bildkorrektur treten die über die Zeit angesammelten Schäden hervor.
Neben der Intensität der Staub- und Kratzerentfernung können Sie in Vuescan noch weitere verbessernde Funktionen aktivieren (Abbildung 4). Der Effekt hält sich allerdings in Grenzen. Die Farbrestauration führte sogar oft zu unnatürlich bunten Bildern, sonst eher typisch für billige Smartphone-Kameras.

Abbildung 4: Vuescan bietet diverse Funktionen zum Verjüngen eines älteren oder beschädigten Dias an.
In den anderen Reitern finden Sie noch mehr Anpassungsmöglichkeiten, zum Beispiel für den Weißabgleich (Abbildung 5). Was bei Digitalkameras automatisch geschieht, war bei Diafilmen durch die Farbtemperatur des Materials vorbestimmt. So lassen sich recht unkompliziert Farbstiche ausgleichen, wie sie bei Aufnahmen auf Tageslichtfilm bei Kunstlicht entstehen.

Abbildung 5: Bei der Aufnahme vergessene Farbfilter sowie die Grundfarbe des Negativmaterials korrigiert Vuescan automatisch.
Negative besitzen im Gegensatz zu Positivfilmen eine orangefarbene bis hellbraune Maskierung im Trägermaterial, die dem damaligen Verarbeitungsprozess geschuldet ist. Meist genügen die Standardwerte in Vuescan, um den dadurch resultierenden Farbstich zu korrigieren. Um die Farbtemperatur detailliert anzupassen, lassen sich bei Bedarf in den unteren Auswahlmenüs der Hersteller, die Marke und der Typ des Negativfilms auswählen.
Generell hat es sich als praktisch erwiesen, schon den Vorschauscan mit der gewünschten endgültigen Auflösung ausführen zu lassen. Das spart Zeit, sofern Sie die richtigen Einstellungen bereits gefunden haben. Nach dem Erstellen der Vorschau brauchen Sie dann nur noch auf Sichern zu klicken, um das Bild im entsprechenden Ordner abzulegen.
Mit der Kamera
Im Prinzip eignet sich zum Abfotografieren jede Kamera – allerdings nur in der Theorie. Ein handelsüblicher Diakopiervorsatz besitzt ein Gewinde, das sich in irgendeiner Form an der Kamera befestigen lassen muss. Sie können sich damit behelfen, den Vorsatz und die Kamera so zu fixieren, dass der Abstand stets gleich bleibt. Dabei verfälscht jedoch oft seitlich eindringendes Streulicht das Ergebnis, sodass Sie für bestmögliche Ergebnisse eine Kamera mit einer passenden Befestigungsmöglichkeit wählen sollten.
Möchten Sie die Vorlage formatfüllend abbilden, stellt zudem deren Winzigkeit besondere Anforderungen an die Optik. In einem Diakopiervorsatz steckt eine achromatische Makrolinse, die den Objektabstand stark verringert. Bei dieser Linse handelt es sich um den mit Abstand teuersten Teil der Konstruktion, da sie aus zwei verschiedenen Glassorten besteht, die die unterschiedliche Brechung der einzelnen Lichtfarben korrigieren und damit hässliche Farbsäume verhindern.
Außerdem muss die Kamera eine Möglichkeit bieten, die Blendenöffnung manuell einzustellen. Eine nicht abschaltbare Programmautomatik macht die Kamera für das Vorhaben völlig unbrauchbar. Eine förderliche Blende minimiert Beugungsunschärfen. Sie liegt meist zwischen 5,6 und 11 und hängt stark von der Optik und der Sensorgröße der Kamera ab; Probieren geht dabei über Studieren.
Das schränkt die Zahl der geeigneten Aufnahmegeräte deutlich ein. Im Test verwendeten wir die Kompaktkamera Nikon Coolpix P7800 sowie die Spiegelreflexkamera Pentax K-x mit einem älteren Standard-Zoomobjektiv mit 28 bis 80 mm Brennweite. Als Beleuchtung kam eine Leuchtplatte mit Kaltlichtkathodenlampe zum Einsatz, die tageslichtähnliches Licht spendet.
Glühlampen- oder Halogenlicht eignet sich aufgrund der zu niedrigen Farbtemperatur weniger, selbst wenn es gelingt, die Vorlage damit gleichmäßig auszuleuchten. Ebensowenig eignen sich gewöhnliche Leuchtstofflampen, weil deren Farbspektrum meist schwer korrigierbare Farbstiche erzeugt.
Testlauf
Die schon etwas ältere Pentax-Kamera war in der Einsteigerklasse hinsichtlich Abbildungsqualität schon zu Produktionszeiten ein Geheimtipp. Das konnte sie unzweifelhaft bestätigen. Bei Blende 6,7 fand sich die optimale Einstellung. Die etwas gekippte Ansicht lässt sich in einem Bildbearbeitungsprogramm ganz einfach beseitigen, hier in Pix (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der Bildbetrachter Pix kann ein schiefes Bild begradigen und gleich passend zuschneiden.
Dabei fällt nebenbei auf, dass Digitalkameras mit ihrem 4:3-Seitenverhältnis Dias und Bilder im Format 3:2 nicht formatfüllend abbilden. Hinzu kommt, dass sich auch die Bildbreite nur schwerlich perfekt einstellen lässt, sodass Sie damit rechnen müssen, dass von den sicherlich beeindruckenden Megapixel-Werten Ihrer Kamera am Ende einiges verlorengeht.
Das Endergebnis in Abbildung 7 wirkt ansehnlich, aber auch nur deshalb, weil das Original nicht von Kratzern verunstaltet war und wir Staubpartikel vorher mit Druckluftspray entfernten. Das sollten Sie bei jedem Bild machen, denn nicht vorhandenen Staub müssen Sie später nicht mühsam retuschieren. Sie sollten sich einen kleinen Vorrat an solchen Spraydosen anlegen, denn dieses Hilfsmittel geht bei den schnellen Bildwechseln rascher zur Neige, als Sie denken.

Abbildung 7: Das Abfotografieren mit einer Spiegelreflexkamera lieferte ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis.
Obwohl sich die Pentax recht wacker schlug, war eine kleine optische Korrektur nötig: Die Makrolinse erzeugte eine leichte kissenförmige Verzerrung des Bilds – kaum wahrnehmbar, doch ärgerlich. Die Qualität der Achromaten ist zwar unbestritten, doch bleiben sie stets Fremdkörper in der optischen Achse eines Systems. Kompensieren ließ sich der Fehler auf einfache Weise. Wir entfernten die Linse, schraubten den Kopiervorsatz direkt an und setzten stattdessen einen 20-mm-Zwischenring zwischen Objektiv und Kamera.
Solche Auszugsverlängerungen enthalten keine optischen Bauteile und beeinflussen das Ergebnis nicht maßgeblich. Sie schlucken nur Licht, was aber beim statischen Kopieren keine Rolle spielt. Bei der Anschaffung von Zwischenringen sollten Sie darauf achten, dass diese mindestens über Kontakte zum Übertragen der Blendenwerte und einen Hebel für die Offenblendenmessung besitzen – anderenfalls gerät das korrekte Einstellen der Belichtung zur Qual.
Die kompakte Nikon erwies sich hinsichtlich Schärfe und Abbildungsleistung als der Pentax nicht ganz ebenbürtig. Die kissenförmige Verzeichnung fiel deutlich stärker aus als bei der DSLR (Abbildung 8). Eine Kompaktkamera bietet systembedingt keine Möglichkeit, einen Zwischenring einzubauen. Zwar wäre es auch ohne Makrolinse gelungen, Bilder aufzunehmen, allerdings wegen des viel zu kleinen Abbildungsmaßstabs nur in Form von Bilddateien mit heutzutage indiskutablen 3 Megapixeln. Eine manuelle Korrektur der Verzeichnung war vonnöten.

Abbildung 8: Mit leichten Randunschärfen und kissenförmig verzeichnet, kommt das Bild aus der Kompaktkamera.
Weil die Verzeichnung wegen der stets identischen Brennweite der Kamera auch immer gleich ausfällt, könnte das ImageMagick-Skript Pinbarrel [8] eine elegante Lösung bieten. Nach dem Herunterladen müssen Sie das Programm nur noch ausführbar machen, seine Funktionen offenbart es mit der Option --help. Es dauert eine Weile, die korrekten Argumente für den Befehlsaufruf zu finden, aber dann versieht Pinbarrel sehr zuverlässig seinen Dienst.
Auf der Webseite des Skripts finden Sie diverse Beispiele für Anwendungsfälle, wobei Sie beachten sollten, dass die Bilder dort den zu erzielenden Effekt anzeigen und nicht die zu korrigierende Verzeichnung. In unserem Fall lieferte folgender Befehl brauchbare Ergebnisse:
$ ./pinbarrel "0.1,0.1,0,0,0" bild.jpg bild_neu.jpg
Das Resultat ließ sich durch feinkörniges Verändern der Werte noch weiter optimieren. Auffällig war allerdings, dass Pinbarrel ziemlich langsam agierte: Das Bearbeiten eines einzigen Bildes dauerte mehrere Minuten. Hier bietet es sich an, alle fraglichen Bilder über Nacht per Stapelverarbeitung umzuwandeln.
Alternativ bekommen Sie die Verzeichnung mit Gimp in den Griff. Im Menü Filter | Verzerren | Objektivfehler finden Sie dazu das passende Werkzeug (Abbildung 9). Spielen Sie ein wenig mit den Schiebereglern, um die passende Einstellung zu finden. Die Vorschau reagiert sehr direkt, und auch das Rendern des entzerrten Bildes geht viel schneller vonstatten als mit Pinbarrel.

Abbildung 9: Gimp erledigt die Entzerrung der Aufnahme deutlich schneller als das ImageMagick-Skript Pinbarrel.
Negativ zu Positiv
Selbst wenn die Bearbeitungsfunktionen einer Kamera auch das Umwandeln in ein Negativbild anbieten, heißt das noch lange nicht, dass auch der umgekehrte Weg gelingt. Meist handelt es sich um einen der kreativen Filter, der die Farbmaske von Negativfilmen nicht berücksichtigt und einen Blaustich erzeugt. Für das Umwandeln setzen Sie daher besser gleich auf Gimp.
In der Bildbearbeitung öffnen Sie das Menü Werkzeuge | Farben | Werte. Mit der rechten Farbpipette unter dem Histogramm nehmen Sie an der Perforation oder auf einem Stück leeren Films die Farbe des Materials auf, die nun weiß erscheint (Abbildung 10). Über das Menü Farben | Invertieren wandeln Sie das Negativ dann ganz einfach in ein Positivbild um (Abbildung 11). Damit Sie die Farbe immer wieder zur Hand haben, sollten Sie sie oben als Einstellung speichern. Das Verfahren erfordert noch ein wenig Feinarbeit, denn meist zeigt sich noch immer ein Farbstich.

Abbildung 10: Beim Invertieren des eingescannten Bildmaterials hilft Gimp beim Bestimmen des Weißpunktes.

Abbildung 11: Am Ende erhalten Sie ein Positiv: Das Verfahren ist nicht perfekt, was die Muster im Himmel und der Blaustich zeigen.
CMOS-Scanner
Einen Sonderfall des Abfotografierens stellen die preiswerten CMOS-“Scanner” dar. Der Begriff führt in die Irre, denn um Scanner handelt es sich bei diesen Geräte nicht. Sie entsprechen vielmehr stationären Digitalkameras, die mit einem CMOS-Bildsensor Vorlagen abfotografieren. Ihre theoretische Auflösung geht in der Regel über 1800 dpi nicht hinaus. Höhere Angaben verweisen im Kleingedruckten nur auf interpolierte Werte, also auf künstliches Aufblähen der Bilddaten. Die tatsächliche messbare Auflösung bleibt sogar meist noch weit unter dem angegebenen Wert.
Die meisten Geräte dieser Klasse besitzen einen kleinen Vorschaumonitor und einen eigenen Steckplatz für SD-Karten, um die Bilddateien zu speichern. Der meist ebenfalls vorhandene USB-Anschluss lässt Sie nur auf die SD-Karte als Massenspeicher zugreifen. CMOS-Scanner, die man über den USB-Port als Webcam ansteuern und so auch mit Scannersoftware nutzen konnte, sind mittlerweile fast völlig vom Markt verschwunden.
Die Qualität der ausgegebenen JPEG-Bilder überzeugt selten und lässt sich in der Regel nicht direkt am Gerät beeinflussen. Sie kann sich bestenfalls mit der einer kompakten Digitalkamera der gleichen Preisklasse messen. Für schnelle Scans von Dias, Negativen und (je nach den für das Gerät verfügbaren Filmadaptern) auch 8-mm- oder Pocketfilmen sind CMOS-Scanner unschlagbar, sofern es nur um den Einbau in Webseiten oder das Betrachten auf kleineren Bildschirmen geht. Für die dauerhafte Archivierung raten wir grundsätzlich davon ab.
Fazit
Bei der Entscheidung für das richtige Verfahren zur Archivierung Ihrer Schätze spielt vermutlich das Budget eine tragende Rolle. Wie viel Sie investieren müssen, haben wie eingangs im Kasten “Preisfrage” vorgerechnet. Abgesehen vom finanziellen Einsatz hängt die Entscheidung aber vor allem von der erzielbaren Qualität und dem Zeitaufwand ab.
Für die Qualität der Scans zeichnet maßgeblich der Effekt der Staub- und Kratzerentfernung verantwortlich. In dieser Hinsicht leistet der Nikon LS-40 Beachtliches; beim Abfotografieren fiele ein erheblicher Zeitaufwand für das Nachbearbeiten an. Allerdings benötigt der Scanner etwa eineinhalb Minuten pro Vorlage, die Kamera knipst schon nach wenigen Sekunden das nächste Bild.
Hinzu kommt insbesondere bei Negativen die Zeit für das Umwandeln in ein Positiv und eventuell den Ausgleich von Objektivfehlern. Andere Korrekturen, wie perspektivisches Entzerren, Nachschärfen oder Ähnliches fallen hingegen nicht ins Gewicht, weil sie auch die eingescannten Bilder betreffen.
Es fällt daher schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Spielen die Finanzen eine nachgeordnete Rolle, dann liegt ein entsprechender Scanner eindeutig vorne. Das gilt aber nur, wenn er wie unser Nikon über eine automatische Staub- und Kratzerentfernung verfügt, weil sich diese beim Nachbearbeiten nur schwer bis gar nicht simulieren lässt. Andere Scanner ohne ein solches Verfahren liegen bestenfalls gleichauf mit dem Abfotografieren per Kamera, was der Test mit dem beim Nikon abgeschalteten ICE eindeutig demonstriert.
Außerdem gilt es, das Ziel im Auge zu behalten: Eine Langzeitarchivierung in bester Qualität mit anschließender Entsorgung der Originale setzt deutlich höhere Ansprüche an die Qualität als das Digitalisieren einiger Bilder für eine Webseite oder zum Posten bei Facebook und Konsorten. Wofür auch immer Sie sich entscheiden: Warten Sie nicht zu lange damit, das Digitalisieren in die Tat umzusetzen. Ihre Bilder werden nicht besser, und mit den Jahren gerät ein einst gefasster Plan zur digitalen Archivierung oft wieder in Vergessenheit.
Glossar
- Förderliche Blende
- Zwar lässt sich mit einer möglichst weit geschlossenen Blende eine maximale Schärfentiefe erzielen, jedoch nicht die maximale Schärfe an sich. Durch Beugung an den Blendenlamellen entstehen Beugungsunschärfen. Bei voller Öffnung hingegen fällt die Schärfentiefe zu gering aus und macht es durch den geringen Objektabstand unmöglich, das ganze Bild scharfzustellen. Die förderliche Blende bietet hier einen Kompromiss.
Infos
- Epson Expression 11000XL: https://www.epson.de/products/scanners/business-scanners/epson-expression-11000xl
- Sane: http://sane-project.org/lists/sane-mfgs-cvs.html#Z-NIKON
- Nikon Coolscan LS-40: http://www.filmscanner.info/NikonCoolscanIVED.html
- Vuescan: https://www.hamrick.com
- Installationshinweise: https://www.hamrick.com/vuescan/nikon_ls_40.html#technical-information
- USB-Workaround: http://www.freecolormanagement.com/sane/libusb.html
- ICE: https://de.wikipedia.org/wiki/Dia-Scan#ICE.2C_SRD.2C_iSRD.2C_Infrared_Cleaning
- Pinbarrel: http://www.fmwconcepts.com/imagemagick/pinbarrel/






Zu diesem Thema habe ich ein interessantes Video gefunden, was meine Entscheidung Scannen oder Abfotografieren beeinflusst hat, siehe: https://youtu.be/BRJAygveCnU