PCLinuxOS steht bei Distrowatch auf Platz 1 der meistbesuchten Seiten und hat sogar Ubuntu überholt. Darum ist es Zeit, einen Blick auf diese Distribution zu werfen.
Beim Informationsportal Distrowatch [1], das zahlreiche Distributionen vorstellt, nimmt PCLinuxOS [2] die Position 1 in der Rangliste ein. Das bedeutet weder, dass PCLinuxOS die beste noch dass es die meistgenutzte oder beliebteste Linux-Distribution ist. Die Topplatzierung besagt lediglich, dass es in den letzten sechs Monaten die am häufigsten besuchte Seite auf Distrowatch ist. Überragend viele Besucher des Linux-Portals interessierten sich genau für diese Distribution. Grund genug, Ihnen das Betriebssystem vorzustellen.
PCLinuxOS wurde 2003 von einer Handvoll Linux-Enthusiasten auf Grundlage von Mandrake Linux (heute:Mndriva Linux) entwickelt. Im Mai dieses Jahres erschien die aktuelle Pclos-Version 2007, die neben dem Live-Betrieb die Möglichkeit bietet, das System fest auf dem Computer zu installieren.
Einfach weil einfach einfach ist?
Nach eigenen Aussagen konzipierten die Entwickler die Distribution speziell für Linux-Einsteiger. Den Ausdruck “radically simple” (deutsch: radikal einfach) machten sie zum Schlagwort, das jedes PCLinuxOS-Logo ziert. Die Heft-DVD ist so angelegt, dass Sie PCLinuxOS als Live-System starten können, ohne Ihr bestehendes Linux oder Windows zu verändern. Möchten Sie es ausprobieren, legen Sie die DVD in das Laufwerk ein und starten den Computer neu.
Die Distribution bootete in unserem Test zunächst ohne Schwierigkeiten. Noch bevor KDE startet, führen Sie mehrere Dialoge durch die Konfiguration der Internetanbindung. Läuft alles kabelgebunden über eine Netzwerkkarte und einen DHCP-Router, klappt die Einrichtung ohne Schwierigkeiten und vollständig automatisch. Problematisch wird es hingegen, wenn Sie ein USB-Modem benutzen oder sich über ein WLAN verbinden (Kasten “Internetanbindung”)
Internetanbindung
Im Test verwendeten wir ein analoges USB-Modem (Typhoon Silver Crest), um eine Verbindung ins Netz aufzunehmen. Zwar erkannte PCLinuxOS das Modem, war aber auf Grund fehlender Pakete nicht in der Lage, die notwendigen Treiber zu aktivieren. Genauso unwillig gestaltete sich die Einbindung eines Wlan-USB-Sticks (im Test ein Dlink DWL-G122). Zwar ermittelte das Live-Betriebssystem den richtigen Typ, lud aber einen falschen Treiber. Eine Verbindung mit dem kabellosen Netzwerk kam ohne Weiteres nicht zustande.
Die Distribution setzt auf KDE 3.5.6 (Abbildung 1), das auch bei Kubuntu 7.04 seine Arbeit verrichtet. Andere Desktop-Environments wie Gnome oder Xfce können Sie nach der Installation auf den Rechner nachrüsten. Allerdings haben die Entwickler es nicht bei einem Standard-KDE belassen, sondern einiges aus den Mandriva-Schmieden hinzugefügt: Die Installation aus dem Live-Betrieb heraus übernimmt beispielsweise ein Drakx-Tool.
Die Live-CD enthält mehr als die Standardausrüstung für den Desktop. Neben den üblichen Applikationen wie Firefox, Gimp und OpenOffice sind Digikam, Amarok, MPlayer sowie K3B sofort mit an Bord. Auffallend aktuell sind die Programmversionen: Firefox 2.0.0.3, Gimp in Version 2.3.16 und OpenOffice 2.2. Ein Sahnehäubchen bringt PCLinuxOS mit der NTFS-Schreibunterstützung mit: Sie ermöglicht Ihnen das Lesen von und Schreiben auf Windows-Datenträger. Das Feature ist besonders für diejenigen interessant, die neben Linux auch mit Windows arbeiten. Zur Aktivierung gibt es auf dem Desktop ein Icon ntfs-config.

Abbildung 1: Die KDE-Oberfläche von PCLinuxOS. Gnome, Xfce und andere Windowmanager stellt die Distribution ebenfalls bereit.
Kontrolle behalten
Dreh- und Angelpunkt im PCLinuxOS-Universum ist das Control Center, nicht zu verwechseln mit dem KDE-Kontrollzentrum. Hier konfigurieren Sie mit Hilfe vieler kleiner Werkzeuge neben dem Computerinnenleben auch den Scanner, Monitor und Drucker (Abbildung 2). Die Kategorien sind übersichtlich angeordnet und lassen sich dank der gut verständlichen Einstellmöglichkeiten sicher bedienen. In diesem Zusammenhang ist sehr positiv aufgefallen, dass das Controll Center automatisch die für die Einrichtung einer Komponente notwendigen Pakete nachinstalliert, ohne dass Sie erst den Paketmanager bemühen müssen.
Ein echtes Highlight stellt die Installation und Einrichtung von Nvidia-Grafikkarten dar. Die Suche nach dem richtigen Treiber gestaltet sich einfach, da der Paketmanager APT (Advanced Packaging Tool) mit allen Paketquellen vorkonfiguriert ist und auch proprietäre Treiber gleich zur Auswahl stehen. Automatisch installiert die Distribution die zugehörigen Abhängigkeiten und passt die Treiber an den Kernel an. Einzig ein Neustart der grafischen Oberfläche ist notwendig, damit der neue Grafikkartentreiber seine Arbeit aufnimmt. Darüber hinaus spielt der Paketmanager ein Helferprogramm ein, das nach jedem Kernel-Update den Nvidia-Treiber selbständig erneuert. Sie brauchen also keine Extrapakete mehr und keine Befehle zum Kompilieren: Einfacher geht es nicht. Für Besitzer von ATI-Grafikkarten ist die Installation der Treiber nicht ganz so einfach. Das deutsche PCLinuxOS-Forum beschreibt aber in einer Anleitung, wie Sie die proprietären ATI-Treiber einspielen [3].
Mit der von Ubuntu bekannten APT-Bedienoberfläche Synaptic spielen Sie problemlos neue Pakete ein und aktualisieren das Betriebssystem mit wenigen Klicks. Ebenso einfach aktivieren Sie den 3D-Desktop: Alle notwendigen Pakete sind vorinstalliert, und im Control Center steht ein eigener Abschnitt zum Konfigurieren der 3D-Desktop-Effekte bereit. Entscheiden Sie sich ganz nach Ihrem Geschmack für Compiz oder Beryl und setzen Sie die notwendigen Häkchen – fertig (Abbildung 3).
Multimediafähig
PCLinuxOS kommt von Haus aus mit allen nur erdenklichen Plug-ins für Mozilla Firefox. Ohne zusätzliche Pakete zu installieren, spielt der Browser Windows-Media-Dateien, Flash-Animationen, Filme in Apples Quicktime- und im MPEG-Format sowie RealMedia-Streams. PDF-Dokumente sowie OpenOffice-Formate zeigt Firefox ebenso ohne besondere Konfiguration an. Das ist bei vergleichbaren Distributionen nicht selbstverständlich. Dank MPlayers zeigt das System außerhalb des Browsers aus dem Stand die meisten Multimediaformate an. Zusätzlich stehen die Pakete für weitere Codecs (z. B. win32codecs) zur Verfügung. Spiele gibt es übrigens nicht auf der Live-CD.
Auf die Platte, fertig, los
Überzeugt Sie der Live-Betrieb von PCLinuxOS 2007, dann bietet es sich an, die Distribution fest auf dem Rechner zu installieren. Detaillierte Hilfe zu diesem Vorgang erhalten Sie im deutschen PCLinuxOS-Forum [4] oder als Video, das Sie über den Link Installations Hilfe auf dem Desktop finden (Internetverbindung vorausgesetzt). Den eigentlichen Prozess starten Sie über das Programm, das sich hinter dem Desktop-Icon Install PCLinuxOS verbirgt. Beenden Sie die Sitzung und melden sich danach durch die Eingabe von root als Benutzername und Passwort als Administrator an. Jetzt starten Sie den Installationsvorgang durch einen Doppelklick auf das Icon.
Die Installation ist im Grunde recht simpel und verständlich. An einem Haken bleiben der Linux-Anfänger dennoch hängen: Die Installationsroutine erkennt zwar eine vorhandene Windows-Partition und bindet diese automatisch in das Bootmenü ein, aber an anderen Linux-Distributionen geht sie einfach vorbei. Das Programm ermöglicht, diese per Hand einzubinden, doch welcher Anfänger weiß schon, auf welcher Partition sich sein anderes Linux befindet und wie das dazugehörige Kernel-Image heißt. Während der Installtion spielt das Tools alle auf der Live-CD vorhandenen Pakete ein.
Doch nicht so “simpel”?
PCLinuxOS ist eine gelungene Linux-Distribution, die aber auch nicht vollkommen ist. Sehr gut gefallen hat der Programmumfang und die Funktionalität der Live-CD. Neben den typischen KDE-Anwendungen finden Sie eine Reihe vorinstallierter Programme und Tools, die Ihnen über die normale Arbeit hinaus zur Seite stehen. Firefox spielt out of the box mehr als den gängigsten Formaten ab. Mit APT und Synaptic installieren Sie sehr einfach neue Software und halten das System aktuell. Die Pakete der Distribution sind auf aktuellem Stand, sodass Sie mit den neuesten Features versorgt werden. Die einfache Installation von proprietären Grafiktreibern ohne manuelles Basteln ist vor allem für Anfänger ein willkommenes Highlight.
Die Nachteile sind schnell zusammengefasst: Bei vermeintlich problematischer Hardware kann auch PCLinuxOS keine Lösung aus dem Stegreif liefern, was aber für den Linux-Neuling wichtig wäre. Die fehlende Einbindung anderer Linux-Distributionen in das Bootmenü trübt ebenfalls den guten Gesamteindruck. Alles in allem kann die Distribution überzeugen, aber vollbringt auch keine Wunder.
[1] Distrowatch: http://www.distrowatch.com
[2] PCLinuxOS-Website: http://www.pclinuxos.com
[3] ATI-Treiber Installation: http://www.pclinuxos.de/wiki2/index.php?title=ATI-Treiberinstallation
[4] Forum der deutschen PCLinuxOS-Gemeinde: http://www.pclinuxos.de



