Neue Release der bekannten Bürosuite erschienen

Aus EasyLinux 03/2007

Neue Release der bekannten Bürosuite erschienen

Frischer Anstrich fürs Büro

Seit Ende März gibt es die neue Version 2.2 von OpenOffice. Wir zeigen Ihnen die Neuerungen und testen die PrOOo-Box der deutschen OpenOffice-Gemeinde, die einige Extras mitbringt.

Das Programmpaket OpenOffice besteht mittlerweile aus sechs Hauptkomponenten: Zur Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc, dem Präsentationsprogramm Impress, der Vektorzeichensoftware Draw und dem Formeleditor Math gesellt sich seit Oktober 2005 in der Version 2 die SQL-Datenbank Base. In den folgenden zwölf Monaten gab es vier kleinere Aktualisierungen; im Dezember 2006 folgte die Version 2.1, im März diesen Jahres direkt die Release 2.2 (Abbildung 1). Die interessantesten Neuheiten gibt es beim Kerning, dem PDF-Export, dem Import von Pivot-Tabellen aus Microsoft Excel und bei der Umwandlung von Tabellenfunktionen in solche, die auch Excel beherrscht. Außerdem haben die Entwickler Base einen verständlicheren SQL-Editor spendiert und die Kodierung von UTF-8-Zeichen verbessert.

Abbildung 1: Neue Funktionen, weniger Fehler: Die Release-Notizen von OpenOffice 2.2 führen die Features und Bugfixes auf.

Abbildung 1: Neue Funktionen, weniger Fehler: Die Release-Notizen von OpenOffice 2.2 führen die Features und Bugfixes auf.

Die neue Version 2.2 läutet auch eine geänderte Versionierung für OpenOffice ein. Das soll Unternehmen und Distributoren die Möglichkeit geben, ihre Update-Zyklen besser zu planen: Künftig ist ungefähr jedes halbe Jahr eine so genannte Minor-Release vorgesehen (2.2, 2.3…) – mit Fehlerbereinigungen und neuen Funktionen. Zwischendurch will das Projekt Fehlerkorrekturen im Rahmen von “Micro Releases” veröffentlichen (2.2.1, 2.2.2…). In diesen Mikroausgaben sollen aber weder neue Funktionen hinzukommen noch bestehende geändert werden.

Kerning bei neuen Dokumenten eingeschaltet

Unter Kerning versteht man das Unterschneiden und Spationieren von Buchstabenpaaren. Mit dieser Technik verringert oder vergrößert sich der Abstand zwischen zwei Buchstaben, zum Beispiel zwischen W und a. Das gleicht das gesamte Schriftbild optisch aus und lässt Texte gefälliger aussehen. Das Unterschneiden oder Spationieren geschieht mit Hilfe so genannter Kerning-Tabellen. In diesen ist vermerkt, welche Buchstabenpaare mehr beziehungsweise weniger Abstand benötigen. Solche Tabellen sind meist Bestandteil von Schriftdateien.

Was lange währt, wird endlich gut: Seit dem Release-Candidate der Version 1.1 vor etwa vier Jahren funktioniert das Kerning, in der Version 2.2 ist es nun in der Voreinstellung in Draw, Impress und Writer für neue Dokumente eingeschaltet. Die Funktion finden Sie im Format / Zeichen-Dialog auf der Registerkarte Position.

PDF-Export erweitert

War die PDF-Exportmöglichkeit auch bislang schon ein Prunkstück von OpenOffice, haben sich die Funktionen dieses Konverters in der aktuellen Version noch einmal erweitert. Jetzt ist auch möglich, Lesezeichen zu exportieren und die sichtbaren Bookmark-Ebenen anzupassen. Außerdem kann man Formularfelder exportieren.

Pivot-Tabellen und Winkelfunktionen

In Calc hat sich die Kompatibilität zu Microsoft Excel verbessert. Manche Pivot-Tabellen, die in OpenOffice Datenpilot-Tabellen heißen, beziehen ihre Daten aus externen Quellen. Damit gab es immer wieder Probleme. Mit der Version 2.2 soll das aber nun vorbei sein, denn die Entwickler haben die Importfunktion für Pivot-Tabellen kräftig überarbeitet. Dabei haben sie gleich auch den Excel-Exportfilter korrigiert: Der wandelt nun die Kotangens-Funktionen “COT”, “ACOT”, “COTH” und “ACOTH” korrekt um und übergibt diese Daten an Excel, das diese Funktionen nicht zu bieten hat.

Weitere neue Funktionen

“Aufdringlich” wurde OpenOffice immer dann, wenn Sie ein großes Dokument geladen haben und das Programm gleichzeitig in den Hintergrund schickten. Nachdem die Datei eingelesen war, schob es sich automatisch in den Vordergrund, bekam also den Fokus. Mit der neuen Release rückt sich OpenOffice in dieser Situation nur noch in den Vordergrund, wenn das Eingreifen des Nutzers (z. B. in einem Dialog) notwendig ist.

Über den Extension-Manager spielen Sie nützliche Erweiterungen ein. Jetzt prüft OpenOffice diese auf Updates und aktualisiert sie auf Ihren Wunsch automatisch.

Sammelsurium PrOOo-Box

OpenOffice erfreut sich nicht nur in der Linux-Gemeinde größten Interesses. Einziges Manko: Nach einer Installation des Programms mangelt es an Bildern, Vorlagen und hilfreichen Erweiterungen. So ist es nicht verwunderlich, dass einzelne freie Projektgruppen auf Grundlage von OpenOffice eigene Pakete schnüren und diese mit vielen Extras ausstatten. Eines dieser Projekte ist die OpenOffice PrOOo-Box. Wir stellen Ihnen diese vor und zeigen, wie Sie deren Extras für ihre bisherige OpenOffice-Version nutzen.

Die PrOOo-Box ist kein einzelnes Paket, sondern eine Art Sammelsurium rund um die bekannte Office-Suite. Sie enthält die aktuellen Installationspakete für OpenOffice (momentan Version 2.2) und bringt eine umfangreiche Zusammenstellung von zusätzlicher Software, Schriften, Vorlagen und Cliparts mit. Darüber hinaus stellt das Projekt die Dokumentation der Büro-Suite, Rechtschreibprüfung für über 60 Sprachen, zusätzliche Zeichensätze sowie Programmerweiterungen und Hilfsmittel für Entwickler bereit. Diese Zusammenstellung erspart somit das Durchforsten des Internet, da eine ganze Reihe von diesen auf der CD/DVD zusammengetragen wurden.

Die PrOOo-Box gibt es als CD- oder DVD-Image auf der Webseite des Projekts zum kostenfreien Download [1]. Wer aber nicht extra eine CD/DVD brennen möchte oder nicht den ganzen Inhalt benötigt, für den liegen auf der PrOOo-Box-Live-Webseite alle Pakete und Dateien auch einzeln zum Download bereit. Aus diesem Grund ist die PrOOo-Box auch für Anwender interessant, die ihre bisherige OpenOffice-Version vervollständigen möchten.

Abbildung 2: Die übersichtliche Oberfläche der PrOOo-Box-DVD erlaubt schnellen Zugang zu den Komponenten.

Abbildung 2: Die übersichtliche Oberfläche der PrOOo-Box-DVD erlaubt schnellen Zugang zu den Komponenten.

Die Installation der Version 2.2

Der Zugang zu einzelnen Komponenten der PrOOo-Box gelingt sehr leicht und komfortabel. Mit Hilfe einer übersichtlichen Weboberfläche navigieren Sie wie auf der PrOOo-Box-Live-Webseite zu den Bestandteilen. Die Inhalte sind in Reiter unterteilt, die zu den Softwarepaketen, Informationen, Vorlagen usw. führen (Abbildung 2). Zudem fällt positiv auf, dass es zu jeder Komponente eine kleine Hilfestellung oder eine Kurzanleitung zur Installation oder Einrichtung gibt.

Die Installation von OpenOffice 2.2 geht einfach von der Hand: Sie legen die DVD ein, klicken auf die Datei index.html und sehen dann die eben beschriebene Oberfläche, die Ihnen den Weg zu den Paketen weist. Zum Einspielen der Version 2.2 finden Sie im Reiter Office-Suite die Verknüpfungen zu den richtigen Ordnern: Suse- und Mandriva-Anwender wählen hier die RPM-Pakete und Ubuntu-Nutzer die DEB-Pakete. Nachdem Sie alle Pakete im jeweiligen Ordner markiert haben, starten Sie den Installationsvorgang mit einem Klick der rechten Maustaste und wählen Öffnen mit Software Installer (Mandriva), Öffnen mit / Installieren von Software (Suse). Der Installationsmanager spielt daraufhin OpenOffice 2.2 parallel zur bestehenden Version auf dem Computer ein. Starten Sie die Version 2.2 mit dem Befehl /opt/openoffice.org2.2/program/soffice, den Sie am einfachsten in das Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) eingeben. Lediglich Ubuntu 7.04 enthält bereits die neue Version 2.2 in den Softwarequellen; eine Installation ist hier also nicht nötig.

Vorlagen, Cliparts und Erweiterungen nutzen

Wie schon angesprochen, ist es nicht unbedingt notwendig, die neueste OpenOffice-Version von der PrOOo-Box zu installieren, um die Extras zu nutzen. Deren Einbinden gestaltet sich dann aber etwas aufwendiger als in OpenOffice 2.2. Im Reiter Vorlagen & Cliparts der PrOOo-Box-Oberfläche finden Sie alle Vorlagen für Formulare, Präsentationen und Kalkulationen. Zu jeder gibt es eine Vorschau oder Umschreibung, was die Auswahl erleichtert. Bei Bedarf ist es möglich, einzelne Dateien oder die gesamte Sammlung zu installieren. Am einfachsten spielen Sie die deutsche Vorlagensammlung der PrOOo-Box (vorlagen_de_opendoc.oxt) über den Extension-Manager in OpenOffice 2.2 ein, den Sie im Menü Extras finden. Klicken Sie auf Hinzufügen und wählen Sie den Pfad aus, in dem Sie die Vorlagensammlung gespeichert haben. In OpenOffice 2.0.x gehen Sie wie folgt vor: Entpacken Sie das ZIP-Archiv mit den Vorlagen (vorlagen_de_opendoc.zip) in Ihr Homeverzeichnis unter ~/.ooo-2.0/user/template. Beachten Sie dabei, dass der Ordner .ooo-2.0 je nach installierter Distribution auch .openoffice.org2 heißen kann und dass es sich um einen versteckten Ordner handelt. Um ihn im Konqueror zu sehen, aktivieren Sie Versteckte Dateien anzeigen im Menü Ansicht. Einzelne Vorlagen kopieren Sie ebenfalls in dieses Verzeichnis. Den Namen des Ordners für Vorlagen, die jeder Nutzer des Systems verwenden kann, erfahren Sie im Optionsdialog unter Extras / Optionen. Suchen Sie im OpenOffice.org-Bereich den Eintrag Pfade und wählen Sie hier Dokumentenvorlagen. Ein Klick auf Bearbeiten zeigt Ihnen OpenOffice den Speicherort für Vorlagen. Nach einem Neustart von OpenOffice und gegebenenfalls des OpenOffice-Quickstarters stehen Ihnen die neuen Vorlagen zur Verfügung.

In OpenOffice 2.2 lassen sich Cliparts als OXT-Erweiterung über den Extension Manager installieren. In Version 2.0.x ist es erneut etwas umständlicher: Dort nutzen Sie die Clipart-Archive im ZIP-Format. Diese enthalten Dateien mit SDV-, SDG- und THM-Endung. Kopieren Sie diese in den Ordner ~/.ooo-2.0/user/gallery in Ihrem Homeverzeichnis. Nach einem Neustart von OpenOffice finden Sie die neuen Bilder in der Gallery. Bestehen die Cliparts als reine Bilddateien, z. B. im JPG- oder PNG-Format (so wie im ZIP-Ordner der Open Clip Art Library), gehen Sie folgendermaßen vor: Schalten Sie die Gallery-Ansicht in OpenOffice ein (Extras / Gallery) und klicken Sie auf Neues Thema. Im folgenden Dialog klicken Sie im Reiter Dateien auf Datei suchen und wählen den Ordner aus, in dem Sie die Bilddateien vorher entpackt haben. Danach folgen nur noch Klicks auf Hinzufügen und OK. Achten Sie darauf, die Bilder und Ordner nicht wieder zu löschen.

Schriften

Die Installation zusätzlicher Schriftarten ist in OpenOffice einfach gelöst: Seit Version 1.1.2 gibt es dafür einen Assistenten. Es kommt aber trotzdem vor, dass der Dialog Schriftarten aus dem Internet installieren nicht im Menü Datei / Assistenten bzw. Datei / AutoPilot vorhanden ist. In diesem Fall hilft die PrOOo-Box mit der Datei FontOOo.sxw, die Sie im Writer öffnen. Folgen Sie den Anweisungen des Makros, ist es leicht, Schriftarten aus dem Internet und aus Offline-Quellen wie der PrOOo-Box-CD/DVD hinzuzufügen. Die Datei FontOOo.sxw befindet sich ebenfalls im Reiter Vorlagen & Cliparts. Auch hier unterstützt das Projekt Sie mit einer Kurzanleitung.

Erweiterungen

Zur Universalität von OpenOffice gehört die Möglichkeit, die Funktionalität durch Makros und Programme zu erweitern. Im Reiter Erweiterungen der PrOOo-Box finden Sie eine Auswahl von nützlichen Tools, wie z. B. OOo-Wikipedia: Es erlaubt, aus OpenOffice heraus ein Wort zu markieren und durch einen Klick auf das eingebettete Wikipedia-Symbol online in der freien Enzyklopädie nachzuschlagen. Diese Erweiterungen integrieren Sie in OpenOffice, indem Sie die zugehörige ZIP-Datei über den Package Manager bzw. den Extension Manager auswählen und auf Hinzufügen klicken. Alle so installierten Helferprogramme können Sie nach Belieben ein- oder ausblenden. Dazu wählen Sie im Menü Ansicht den Punkt Symbolleisten und setzen oder entfernen das Häkchen vor der gewünschte Erweiterung. Ausnahmen gibt es aber auch hier: Nicht alle als ZIP-Datei vorliegenden Erweiterungen sind für die Installation über den Package Manager konzipiert. Lesen Sie unbedingt die dazu gehörenden Anmerkungen durch.

OxygenOffice Professional:

Eine ähnliche Sammlung wie die PrOOo-Box ist OxygenOffice Professional. Sie enthält ebenfalls alle Module von OpenOffice und darüber hinaus freie Cliparts, Fotos, Vorlagen, Schriftarten, Dokumentationen und Erweiterungen. Bei Redaktionsschluss lag noch keine stabile Version 2.2 von OxygenOffice für Linux vor. Alle Extras der Sammlung können Sie aber einzeln als Extension (OXT-Dateien) für OpenOffice 2.2 unter http://sourceforge.net/projects/ooop/ herunterladen und einbinden.

Infos

[1] PrOOo-Box Webseite: http://www.prooo-box.org

[2] PrOOo-Box-Live-Webseite: http://live.prooo-box.org

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