Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilen-Tools, mit denen sich manche Aufgabe schneller bewältigen lässt als in grafischen Programmen. Wir stellen die wichtigsten Anwendungen vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug auf die Shell zu ermutigen.
Tipp: Schneller navigieren mit “cd”
Mit dem Kommando cd (englisch “change directory” = “Verzeichnis wechseln”) navigieren Sie durch die Ordner auf Ihrer Festplatte. So wandern Sie beispielsweise über
cd /etc/X11
in das Verzeichnis, das unter anderem die Konfigurationsdateien des X-Servers beherbergt. Ein Verzeichnis zurück geht’s über
cd ..
und durch die reine Eingabe von cd (ohne Aufrufoptionen oder Ortsangaben) kommen Sie ins eigene Home-Verzeichnis zurück.
Neben dieser effizienten Möglichkeit, schnell nach Hause zu gelangen, bringt Sie
cd -
ins zuletzt besuchte Verzeichnis. Wiederholen Sie das Kommando, kehren Sie wieder zum ursprünglichen Verzeichnis zurück. Da sich die Shell immer nur den letzten Aufenthalt “merkt”, springen Sie also in den Verzeichnissen vor und zurück (Abbildung 1).
Tipp: Orientierung verloren?
Wer sich mit cd einmal im Verzeichnisdschungel verirrt und über den Prompt nicht den aktuellen Aufenthaltsort erfährt, erhält über den Befehl pwd die Orientierung zurück.
$ pwd /usr/share/doc/bash
Tipp: Wörter, Zeilen oder Bytes lesen
Wie viele Worte hat mein Text? Wie viele Zeichen gibt es, und wie viele Zeilen habe ich insgesamt geschrieben? Für diese Informationen müssen Sie keinen Texteditor bemühen, denn wc (englisch “word count” = “Wortzähler”) gibt Auskunft auf der Kommandozeile. Ohne weitere Parameter gestartet, zeigt wc drei Werte:
$ wc datei.txt 36 228 1468 datei.txt
Dabei steht der erste Wert für die Zeilen, der zweite für die Worte und der dritte für die Zeichen. Alle drei Angaben können Sie auch einzeln betrachten: So zeigt wc -l nur die Zeilenanzahl (englisch “line”), -w die Worte und -c die Zeichen (englisch “characters”).
Definieren Sie nach dem Kommando mehr als eine Datei, gibt wc zusätzlich die Anzahl der Gesamtzeilen aus. So verrät
$ wc -l datei1.txt datei2.txt datei3.txt
8 datei1.txt
36 datei2.txt
341 datei3.txt
385 insgesamt
zunächst die Zeilenanzahl der drei Dateien und ergänzt die Summe am Ende.
Tipp: Dateien mit <C>find<C> und <C>wc<C> zählen
Wer schnell die Zahl von Dateien in einem Ordner ermitteln möchte, kann tricksen und die Programme find ([1], sucht nach Dateien) und wc geschickt kombinieren: Dazu lassen Sie find über die Option -type f (englisch “file”) nur normale Dateien – und nicht auch die Verzeichnisse – auflisten und leiten die Ausgabe ohne Umweg über das Pipe-Zeichen | an wc weiter. Letzterem Befehl teilen Sie über die Option -l mit, dass Sie die Zeilenzahl suchen:
$ find /home/huhn/digikam/ -type f | wc -l 2010
Als Ergebnis sehen Sie die Anzahl der Dateien im Ordner digikam und dessen Unterverzeichnissen.
Mit dem Parameter -name schränken Sie die Suche weiter ein und fahnden beispielsweise nur nach bestimmten Dateiendungen, zum Beispiel:
$ find /scratch3/mp3/ -type f -name "*.ogg" | wc -l 91
Das Kommando zählt alle Dateien aus dem Verzeichnis /scratch3/mp3/, deren Dateinamen auf .ogg enden. Verwenden Sie ein Wildcard-Zeichen wie hier das Sternchen, achten Sie darauf, den Ausdruck in Anführungszeichen zu setzen. Andernfalls wertet die Shell ihn aus und gibt ihn nicht unverändert an find weiter.
Tipp: Terminalfenster aufräumen: “clear” und “reset”
Der Befehl clear räumt gründlich auf und löscht den gesamten Bildschirminhalt im Terminal. Anschließend sehen Sie wieder die Eingabeaufforderung (Prompt) in einem ansonsten leeren Fenster. Während dies bei den grafischen Terminalprogrammen unter KDE und Gnome eher selten zum Einsatz kommt (schließlich lässt sich hier übersichtlich in mehreren Reitern arbeiten), kann ein solcher Terminalputz auf den virtuellen Konsolen (Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[F1],[Strg]+[Alt]+[F2] usw.) durchaus für mehr Durchblick sorgen. Statt clear am Befehls-Prompt einzugeben, können Sie auch [Strg]+[L] drücken.
Noch gründlicher räumt der Befehl reset auf. Dieses Kommando leert nicht nur das Fenster, sondern setzt auch diverse andere Einstellungen zurück, wenn Sie versehentlich eine Binärdatei ins Terminal umgeleitet haben und nur noch wirre Sonderzeichen sehen (Abbildung 2). Um diesen Zeichensalat aufzuräumen, tippen Sie (notfalls “blind”) reset und bestätigen mit [Eingabe].
Tipp: Informationen zum System abfragen
Wer nach Informationen zu Kernel, Arbeitsspeicher oder Prozessor des eigenen Systems sucht, muss kein grafisches Programm bemühen und sich durch die Menüstrukturen klicken. Auf der Shell verraten einige Tools mehr zu diesen Interna.
Das Programm uname beispielsweise gibt Auskünfte zum Namen des Kernels (-s) und des Rechners (-n), zur Release-Nummer des Betriebssystems (-r), zur Kernel-Version (-v), zur Rechnerarchitektur und zum Betriebssystem (-o). Alle Informationen auf einen Schlag sehen Sie so:
$ uname -a Linux transpluto 2.6.18-4-k7 #1 SMP Mon Mar 26 17:57:15 UTC 2007 i686 GNU/Linux
Viele dieser Informationen und noch mehr offenbart ein Blick ins Verzeichnis /proc – hier liegen verschiedene Dateien, die der Kernel dynamisch generiert. So enthält meminfo beispielsweise Informationen zum Speicher des Rechners. Zur schnellen und unkomplizierten Präsentation auf der Shell setzen Sie das Programm cat ein, das den Dateiinhalt auf die Konsole schreibt:
$ cat /proc/meminfo MemTotal: 1036708 kB MemFree: 19396 kB …
Wie viel Arbeitsspeicher der Rechner hat, steht direkt in der ersten Zeile (MemTotal). Im Verzeichnis /proc gibt es noch weitere interessante Dateien, zum Beispiel verrät /proc/cpuinfo welchen Prozessor Sie besitzen:
$ cat /proc/cpuinfo processor : 0 vendor_id : AuthenticAMD cpu family : 6 model : 8 model name : AMD Athlon(tm) XP 2200+ cstepping : 1 cpu MHz : 1795.047 …
[1] Artikel zu find: Elisabeth Bauer, “Meisterdetektiv”, EasyLinux 01/2004, S. 72 ff., http://www.easylinux.de/2004/01/072-find/
[2] Artikel zu grep: Elisabeth Bauer, “Text fischen”, EasyLinux 10/2004, S.74 ff., http://www.easylinux.de/2003/10/074-grep/



