Die Firma Parallels hat ihren gleichnamigen PC-Emulator in kurzer Zeit als Alternative zu VMware etabliert. Die aktuelle Version 2.2 unterstützt erstmals vollständig Windows Vista.
Neue Betriebssystemversionen zwingen alle Softwarehersteller, ihre Programme auf Kompatibilität mit dem neuen System zu überprüfen und – wenn die Antwort negativ auffällt – in möglichst kurzer Zeit den Programmcode so anzupassen, dass die Software wieder läuft. Eine kleine Gruppe von Firmen trifft es dabei besonders hart: Emulatorenhersteller wie VMware und Parallels, denn diese müssen gleich in zwei Richtungen versuchen, die Dinge zum Laufen zu bringen, schließlich kommt Vista gleichermaßen als Hostsystem und Gastsystem infrage.
Aus Sicht von Parallels ist es sicher der wichtigste Punkt: Die neue Version läuft auch – rechtzeitig zur Auslieferung des XP-Nachfolgers – unter Vista, so dass Anwender, die von XP auf Vista migrieren, ihren Emulator nach einem Upgrade weiter nutzen können.
Doch auch die Linux-Version ist runderneuert und verspricht für Vista-Gastsysteme doppelte Performance im Vergleich zur älteren Parallels-Version 2.1. Die haben wir in der letzten Ausgabe begutachtet [1], weswegen es in diesem Beitrag nur um die Frage geht, wie gut Vista in der Emulation läuft.
Während die Unterstützung für Vista eine offensichtlich notwendige Anpassung war, haben die Entwickler das Programm vor kurzem auch auf eine weitere Plattform portiert: Für die neuen Intel-basierten Apple-Macs gibt es nun eine Mac-OS-Version, so dass Parallels damit drei Host-Betriebssysteme (Linux, Windows, Mac OS) unterstützt (siehe Kasten Coherence — nur für Mac-OS-Anwender).
64 Bit, VM-Prozessoren
Support für 64-Bit-Betriebssystemversionen auf entsprechenden Rechnern gibt es bei Parallels (anders als beim Konkurrenten VMware) derzeit noch nicht; stattdessen haben sich die Entwickler darauf konzentriert, spezielle Virtualisierungsfunktionen der aktuellen CPU-Generationen zu unterstützen, was auf Intel-VT-CPUs und AMD-SVM-Prozessoren die Performance verbessert. Davon sind zur Zeit aber nur wenige Desktop-Systeme betroffen.
Konkrete Schritte
Parallels Workstation 2.2 laden Sie in einem von drei Dateiformaten vom Webserver herunter; es gibt ein RPM-Paket, ein Debian-Paket und dazu noch ein generisches Archiv (im .tgz-Format). Sowohl das RPM- als auch das Debian-Paket ist schnell installiert, und danach folgt die für Emulatoren übliche Konfigurationsphase, in der ein Skript neue Kernelmodule erstellt.
Die anschließende Einrichtung einer neuen virtuellen Maschine samt Vista-Installation funktioniert wie gewohnt – auffällig war allerdings, dass der Vista-Installer eine gute Stunde benötigte, um die Daten von der DVD auf die virtuelle Festplatte zu bewegen. Es ist gut möglich, dass der Testrechner mit 1 GByte RAM (der dann 512 MByte für das virtuelle Vista abzwackt) einfach speichertechnisch unterdimensioniert ist.
Parallels Tools
Nach der Vista-Installation ist das System benutzbar, aber komfortabel wird es erst mit den Parallels Tools. Beim Einspielen dieser Treiber über den Menüpunkt VM / Install Parallels Tools warnt Vista mehrmals vor der Installation von Treibern aus unbekannten Quellen (Abbildung 1) – einige beherzte Klicks auf Diese Treibersoftware trotzdem installieren bringen die Parallels Tools aber fehlerfrei an den Start.

Abbildung 1: Daran wird man sich unter Windows Vista gewöhnen müssen? Unsignierte Treiber bindet das neue Microsoft-System nur unter starkem Protest ein.
Sind die Treiber ins System eingebunden, ist ein Neustart der virtuellen Vista-Maschine fällig – doch das lohnt sich, denn mit installierten Parallels Tools funktioniert so manches besser:
- Die Maus ist frei zwischen dem Windows-/Parallels-Fenster und dem restlichen Linux-Desktop beweglich; Windows erhält automatisch den Fokus, wenn die Maus über dem Parallels-Fenster steht. Ohne die Treiber ist dazu ein Mausklick notwendig, und verlassen kann man den Windows-Desktop nur mit [Strg]+[Alt].
- Die Auflösung des virtuellen Windows-PCs ist sehr frei anpassbar: Es stehen auch “krumme” Auflösungen wie 896×672, 1152×864 etc. zur Verfügung, so dass man den freien Platz auf dem Bildschirm in den meisten Fällen gut ausnutzen kann.
- Über eine gemeinsame Zwischenablage ist der Austausch von Text in Windows- und Linux-Programmen möglich.

Abbildung 2: Nach getaner Arbeit läuft Vista trotz mit 512 MByte geringem Speicher ausreichend flüssig.
Leider kein Shared Folder
Ein hübsches Feature von Parallels steht leider ausgerechnet für Vista-Gastsysteme nicht zur Verfügung: Shared Folders sorgen bei allen übrigen Windows-Versionen für unkomplizierten Zugriff auf Verzeichnisse, die über die Parallels-Einrichtung freigegeben werden. Wählt man bei der Konfiguration Vista als Gastsystem, deaktiviert Parallels die Shared Folders (Abbildung 3).

Abbildung 3: Shared Folder? Fehlanzeige; für Windows Vista unterstützt Parallels dieses Feature nicht.
Versucht man, Parallels auszutricksen, indem man als Gastsystem “Windows XP” einträgt, ist es zwar möglich, den Shared Folder einzurichten, nur leider hängt sich dann Vista beim Booten wegen dubioser ACPI-Probleme auf.
Fazit
Nach dem Download der Testversion haben Sie 15 Tage Zeit, mit Parallels zu experimentieren – danach läuft der Key ab. Entscheiden Sie sich dann für den Kauf einer Lizenz, ist keine Neuinstallation nötig: Die Testversion wird durch Eingabe des richtigen Schlüssels dauerhaft entsperrt. Wenn Parallels mit einem nächsten Update noch die Shared Folders für Vista nachliefert, ist die Lösung mit knapp 50 Dollar günstig. Dann ist noch die Frage zu beantworten, ob Microsofts Lizenzen für die billigeren Vista-Versionen (die einen Einsatz in virtuellen Maschinen ausschließen) wirksam sind – aber das liegt nicht in der Verantwortung von Parallels. (hge)
Coherence – nur für Mac-OS-Anwender
Parallels gibt es auch in einer Version für Apple-Rechner mit Intel-Prozessor und Mac OS X: Die Mac-Version heißt Parallels Desktop und unterscheidet sich vor allem durch ein wichtiges Feature von den Parallels-Workstation-Schwestern unter Linux und Windows: In Verbindung mit einem Windows-Gastsystem teilen sich unter Mac OS Programme aus beiden Welten den Desktop. Das Programm zeigt im Coherence-Modus also keinen kompletten Windows-Desktop im Fenster an, sondern die Windows-Fenster erscheinen auf dem regulären Desktop, als wären es native Programme (Abbildung 4).
Unterstützte Gastsysteme
Parallels unterstützt offiziell die folgenden Gastsysteme (was nicht bedeutet, dass andere als die genannten Versionen nicht laufen würden):
Windows: Vista, 2003 (Standard, Enterprise, Web), XP (Professional, Home), 2000 (Professional, Server, Advanced Server), NT 4.0 (Workstation, Server), ME, 98, 95, 3.11, 3.1; MS-DOS 6.22
Linux: Fedora Core 3, 4; Red Hat Enterprise Linux WS3/4. AS4, ES3/4, Red Hat 7.3, 8, 9, Debian 3.1, Suse 9.0-9.3, Mandriva 9.2-10.1, Xandros 4.0
FreeBSD 4.1, 4.3, 4.5, 5.4
OS/2 Warp 3, 4, 4.5; eComStation 1.1, 1.2
Sun Solaris 9, 10
Parallels Workstation 2.2
| Hersteller | Parallels, Inc. |
| Download-Version | |
| Internet | http://www.parallels.com/ |
| Preis | 49,99 US $ beim Hersteller |
Glossar
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Hostsystem
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In der Welt der Emulatoren nennt man den (echten) Rechner, auf dem das Emulationsprogramm läuft, Host (Gastgeber). Das Betriebssystem, das auf dem Host läuft, ist das Host-System.
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Gastsystem
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Das Gastsystem ist das Betriebssystem, das in der virtuellen Maschine läuft, die das Emulationsprogramm erzeugt.
[1] Testbericht VMware 5.5 / Parallels 2.1: Hans-Georg Eßer, “Ein Fenster für Windows”, EasyLinux 09/2006, S. 30 ff., http://www.easylinux.de/2006/09/030-emu-linux/


