Seriendruck mit Glabels

Aus LinuxUser 12/2016

Seriendruck mit Glabels

© Maxborovkov, 123RF

Die große Feier

Einladungen oder Tischkarten verleihen Sie mit Glabels unkompliziert eine individuelle Note – so beginnt die Feier gleich mit einem ersten Hingucker.

Es gibt sie immer noch, aber gefühlt schrumpfen sie: die Wühltische in den Software-Abteilungen der Elektronikmärkte. Dort landen neben gut abgehangenen Grafik- und Video-Suiten, Schriftenpaketen oder Steuersoftware der vorletzten Saison solch illustre Produkte wie “Die große Einladungs- und Glückwunschkartendruckerei” und Ähnliches. Zwar finden Sie kaum Pendants zu diesen Titeln unter freier Software, intelligente Alternativen aber sehr wohl.

Wenn die Aufgabe lautet, eine kleinere oder größere Feier mit Einladungen und Tischkarten auszustatten, schielt vielleicht so mancher Linux-Anwender zuerst neidisch auf das entsprechende Windows-Programm. Das beglückt mit vorgefertigten Designs, in das Sie nur noch Namen einzutragen brauchen. Doch ein wenig Erfindergeist vorausgesetzt, nutzen Sie als Ersatz einfach Glabels [1].

Das vor mehr als 15 Jahren in einer ersten Version erschienene und beständig aktualisierte Programm dient eigentlich zum Entwerfen und Bedrucken mit Etiketten und Visitenkarten, wie Sie sie auf Bögen im Handel finden. Aber so, wie Sie im Zweifelsfall mit einer Zange einen Nagel in die Wand bekommen, eignen sich die Funktionen von Glabels dazu, ganz andere und nicht minder professionell aussehende Drucksachen anzufertigen. Zwar handelt es sich bei Glabels um kein ausgewachsenes DTP-Programm wie Scribus, doch die gebotenen Möglichkeiten genügen, und die Lernkurve fällt angenehm flach aus.

Das Programm findet sich im Portfolio jeder gängigeren Distribution. Die letzte Veröffentlichung liegt schon einige Monate zurück, sodass die aktuelle Version 3.4.0 zumindest in den (meist halbjährlich ausgerollten) Mainstream-Distributionen bereitstehen sollte. Die beschriebene Funktion für den Seriendruck gibt es seit Jahren, das angepeilte Vorhaben gelingt also selbst mit älteren Versionen.

Glabels kompilieren

Sollten Sie Glabels aus den Quellen [2] kompilieren wollen, benötigen Sie für den üblichen Dreischritt aus configure, make und make install neben GTK 3.x noch Libxml und Libsvg – allesamt mit den passenden Entwicklerpaketen – sowie das Perl-Modul XML::Parser. Weitere Abhängigkeiten, wie die Bibliotheken Zint oder Qrencode zum Erzeugen von Barcodes, sind optional. Entsprechend der GTK-Konfiguration des Systems mahnt das Configure-Skript möglicherweise noch das Fehlen anderer Bibliotheken an. Dazu zählen aber keine Exoten, sodass es – außer auf den wenig GTK3-affinen BSD-Systemen – kaum passieren dürfte, dass die Installation misslingt.

Los geht’s

Wählen Sie nach dem Start des Programms im Menü Datei | Neu die Vorlage aus, die Ihren Vorstellungen entspricht. Für das Beispiel benötigen Sie keine spezielle Vorlage, sondern dürfen sich frei im Fundus bedienen. Er enthält Formate wie ISO A4 oder die bei Papieren für Fotos üblichen Größen.

Die Marke Generic im linken Auswahlmenü (Abbildung 1) ist eigentlich gar keine Marke, sondern enthält lediglich einige allgemeine Papierformate, zum Beispiel das Format DIN A6, das uns hier als Ausgangsmaterial dient. Nach dem Klick auf Weiter wählen Sie noch die Ausrichtung (normal oder gedreht, also Hoch- oder Querformat), und schon dürfen Sie Ihren Ideen für das Design freien Lauf lassen.

Abbildung 1: Die generischen Vorlagen halten sämtliche in ISO- oder US-Standards üblichen Papierformate bereit.

Abbildung 1: Die generischen Vorlagen halten sämtliche in ISO- oder US-Standards üblichen Papierformate bereit.

Für den Entwurf erweist es sich generell als hilfreich, das Raster im Hintergrund über Ansicht |Raster einzuschalten. So erleichtern Sie sich das Anordnen der einzelnen Objekte. Zunächst benötigen Sie einen Text, etwa so: “Zu unserer Silvesterparty laden wir euch, Tom und Diana, am 31. Dezember 2016 recht herzlich ein.”

Außer Tom und Diana laden Sie noch einige oder viele weitere Gäste ein. Die Anrede und deren Namen brauchen Sie nicht immer wieder neu einzugeben, denn genau an diesem Punkt vereinfacht die Funktion für den Seriendruck die Sache erheblich.

Die Namen der Gäste legen Sie als externe Textdatei im CSV-Format ab, das Sie bei Bedarf aus einer Tabellenkalkulation exportieren. Da Sie keine komplizierten Konstruktionen benötigen, genügt zum Erstellen unter Umständen sogar ein einfacher Texteditor. Schreiben Sie jeweils die Anrede und die zugehörigen Namen in einer Zeile direkt hintereinander, und trennen Sie diese durch ein Komma (Abbildung 2). Das fungiert als Trennzeichen; in den Zeilen enthaltene Leerzeichen übernimmt die Applikation unverändert.

Abbildung 2: Glabels verarbeitet die Daten für Namen und Anrede der Gäste aus einem simplen Format am Fließband zu perfekten Textzeilen.

Abbildung 2: Glabels verarbeitet die Daten für Namen und Anrede der Gäste aus einem simplen Format am Fließband zu perfekten Textzeilen.

Frisch getextet

Nun fügen Sie den Text in die Zeichenfläche in Glabels ein. Mit einem Klick auf das T in der Werkzeugleiste oder über das Menü Objekte | Erzeugen | Text und einem anschließenden Klick auf die Zeichenfläche erstellen Sie ein passendes Objekt, dessen Eigenschaften Sie rechts bearbeiten.

Der Textrahmen sieht zunächst aus wie eine Versammlung kleiner grüner Männchen. Um ihn in Form zu bringen, ziehen Sie ihn zum Vergrößern oder Verkleinern mit der Maus an den grünen Punkten. Steht der Mauszeiger über der Rahmenlinie zwischen den grünen Markierungen, dann verschieben Sie das Objekt, indem Sie beim Ziehen die linke Maustaste drücken und halten.

Der Text selbst braucht noch etwas Pflege: Eine dekorative Schriftart in ansprechender Größe, dazu noch auf der Seite zentriert, bringt schon etwas mehr Ästhetik in die Einladung. Die entsprechenden Einstellungen finden Sie im Reiter Stil der Eigenschaften. Interessant ist der Reiter Schattierung, wo Sie einen Schatten in frei wählbarer Farbe und Versatz zum Text hinzufügen.

Gehen Sie dennoch sparsam mit den Effekten um, denn die Software zeichnet den Schatten nicht weich. Zu wenig Kontrast zum eigentlichen Text und zu viel Versatz zur Schrift machen das Konstrukt unter Umständen unleserlich. Den Versatz selbst stellen Sie feinkörnig in Schritten von Zehntelmillimetern ein, das Anpassen der Transparenz verbessert hier die Ansicht wesentlich.

Bei Bedarf platzieren Sie sich nach Herzenslust Objekte wie Bilder, Linien und Rahmen mit oder ohne Füllfarbe. Alle Objekte erreichen Sie direkt über die Werkzeugleiste. Passende Grafiken und Bilder, zudem noch gemeinfrei (“Public Domain”), finden Sie etwa beim OpenClipart-Projekt [3]. Sollte bei allzu stürmischem Platzieren der Objekte mal eines außer Sichtweite geraten, dann ist es nicht wirklich weg, sondern nur durch andere verdeckt, denn jedes Objekt liegt auf einer eigenen Ebene.

Die Reihenfolge der Anzeige im Stapel der Ebenen sortieren Sie über das Menü Objekte | Anordnung. Abbildung 3 zeigt, wie das Beispiel mit einem farbig gefüllten Textrahmen, einer schattierten und eingefärbten Schrift und einer kleinen Grafik aussieht.

Abbildung 3: Die Einladung bietet noch Potenzial für Verbesserungen, aber für einen ersten Entwurf macht sie schon etwas her.

Abbildung 3: Die Einladung bietet noch Potenzial für Verbesserungen, aber für einen ersten Entwurf macht sie schon etwas her.

Stapelverarbeitung

Noch handelt es sich um eine Einladung, die lediglich für Tom und Diana gilt. Damit später personalisierte Einladungen aus dem Drucker quellen, öffnen Sie das Menü Objekte | Mischeinstellungen (Abbildung 4). Als Format wählen Sie CSV, wobei Sie möglicherweise feststellen, dass das Menü noch etliche weitere Formate beherbergt – zum Beispiel TSV, bei dem Tabulatoren dieselbe Funktion erfüllen wie die Kommas bei CSV.

Abbildung 4: Hier richten Sie die Namensliste für die Verarbeitung zu einem Seriendokument ein.

Abbildung 4: Hier richten Sie die Namensliste für die Verarbeitung zu einem Seriendokument ein.

Selbst das Adressbuch von Evolution könnten Sie anzapfen, wobei Sie allerdings die Anrede extra hinzufügen müssten. Unter Ort geben Sie die zuvor angelegte CSV-Datei an. In der Voreinstellung sind bereits alle Einträge markiert.

Im Panel für die Eigenschaften im Hauptfensters präsentiert sich nun das bisher inaktive Menü Datenfeld einfügen einsatzbereit. Nun brauchen Sie nur noch die Namen im Text durch Variablen zu ersetzen. Im Menü stehen dazu zwei Einträge bereit, einer für die Anrede und einer für die Namen. Abbildung 5 zeigt, wie der Text dann aussieht.

Abbildung 5: Die eingefügten Variablen ebnen den Weg für die Stapelverarbeitung der Einträge aus der CSV-Datei.

Abbildung 5: Die eingefügten Variablen ebnen den Weg für die Stapelverarbeitung der Einträge aus der CSV-Datei.

Nun ist es Zeit für eine erste Druckvorschau. Die erreichen Sie über die Schaltfläche mit dem Drucker in der Werkzeugleiste und einen anschließenden Mausklick auf Vorschau am unteren Rand. Mal eben schnell durch die Seiten scrollen und wegklicken empfiehlt sich hierbei nicht: Die Variablen weisen auch eine variable Breite auf. Was auf der Zeichenfläche vier Textzeichen belegt, bringt später auf dem Papier das Layout unter Umständen völlig durcheinander. Abbildung 6 zeigt deutlich, wie alter Adel selbst heute noch besonderen Respekt verlangt.

Abbildung 6: Da ein überlanger Name unter Umständen das Layout durcheinanderbringt, lohnt es sich, die Druckvorschau stets etwas genauer durchzusehen.

Abbildung 6: Da ein überlanger Name unter Umständen das Layout durcheinanderbringt, lohnt es sich, die Druckvorschau stets etwas genauer durchzusehen.

Zu Tisch, bitte!

Sind die Einladungen verschickt, widmen Sie sich den Tischkarten. Das Verwalten mehrerer Vorlagen in einem Projekt beherrscht Glabels noch nicht, selbst wenn diese sich auf dem gleichen Papierbogen befinden. Daher öffnen Sie mit Datei | Neu eine neue Vorlage. Sie nutzen entweder wieder die generische DIN-A6-Vorlage und funktionieren diese zur Faltkarte um. Alternativ – abhängig von der Sehkraft der Gäste und dem Platz auf dem Tisch – weichen Sie auf eine kleinere Vorlage aus, etwa eine für Visitenkarten. Deren Standardformat ergibt neben dem Teller dann eine sichtbare Fläche von etwa 85 x 27 Millimetern.

Sie benötigen wiederum eine CSV-Datei als Datenquelle, die diesmal noch simpler ausfällt als für die Einladungen: Sie benötigen ja nur die Namen, die Sie einfach in einer Textdatei untereinanderschreiben. Verwenden Sie das Design der Einladungen erneut, beeindrucken Sie Ihre Gäste, die womöglich dahinter einen professionellen Dienstleister vermuten.

TIPP

In der Entwurfsphase sollten Sie die Mitte der Vorlage mit einer Linie markieren, die als Kante zum Falten dient. Aus dem fertigen Layout löschen Sie diese wieder.

Nun bauen Sie wie beschrieben die Objekte für Text und Bilder ein. Der Mensch ist von Natur aus neugierig; oft prüfen Gäste verstohlen das Tafelsilber auf Echtheit oder wollen die Herkunft der Tischkarten ergründen. Wenn Sie nun auf der Rückseite der Karte einen Hinweis auf den Urheber einbauen, sieht Ihr Produkt noch professioneller aus – und Sie beantworten die Frage auf elegante Weise, ohne sich aufdringlich in Szene zu setzen.

Wie üblich öffnen Sie ein Textobjekt auf der Zeichenfläche. Damit der Text später nicht auf dem Kopf steht, drehen Sie ihn in 90-Grad-Schritten. Die entsprechende Funktion finden Sie im Menü Objekte | Drehen/Spiegeln. Durch zweimaliges Drehen nach rechts oder links steht der Text nun wie gewünscht auf dem Kopf und auf der Rückseite der aufgestellten Karte wieder auf den Füßen.

Abbildung 7 zeigt die fertige Tischkarte, wie Sie sie auf der Zeichenfläche von Glabels sehen. Nun steht wieder eine genaue Prüfung in der Druckvorschau an. Dabei sollten Sie im Druckdialog im Reiter Labels die Option Begrenzungen drucken (um Druckausrichtung zu testen) aktivieren. Das empfiehlt sich insbesondere dann, wenn Sie keinen Rahmen im Layout haben, der die Grenzen der einzelnen Karten anzeigt.

Abbildung 7: So zeigt Ihnen Glabels die Tischkarte, noch mit der wenig aussagekräftigen Variablen statt des Namens.

Abbildung 7: So zeigt Ihnen Glabels die Tischkarte, noch mit der wenig aussagekräftigen Variablen statt des Namens.

Die Vorschau zeigt Ihnen, dass die Expansion der Variablen zu echten Namen geklappt hat (Abbildung 8). Sie brauchen nun nur noch alle Hilfslinien zu löschen und den eigentlichen Druckvorgang anzustoßen.

Abbildung 8: Erst die Druckvorschau signalisiert, dass Ihr Produkt gelungen ist.

Abbildung 8: Erst die Druckvorschau signalisiert, dass Ihr Produkt gelungen ist.

Fazit

Der erwähnte Missbrauch der Zange zum Nageln war letztendlich doch ein ziemlich humpelnder Vergleich, denn Glabels hat die gestellte Aufgabe mit Bravour gemeistert. Es ist nur ein Beispiel von vielen, wie Sie mit Kreativität und erstaunlich wenig Aufwand mehr aus einer Software herausholen, als die Dokumentation beschreibt. Über das Eintragen von Namen in vorgefertigte Vorlagen samt Text und Bildern, wie sie ein typisches Windows-Programm bietet, geht der Komfort der Applikation nicht hinaus.

Kreativität ist also immer noch gefragt. Aber mit einer vollständig selbst entworfenen Einladung samt passender Tischkarte bekommen Sie das gelangweilte “Hab ich schon mal gesehen” von Ihren Gästen so schnell nicht zu hören. Die während der Arbeit an diesem Artikel entstandenen Daten für das Projekt finden Sie online [4] oder auf der beiliegenden Heft-DVD. 

Glossar

CSV

Comma Separated Values. Ein Format für einfachen Text, dessen Zeilen den Zeilen einer Tabelle entsprechen, wobei Kommas die Werte der einzelnen Spalten trennen. Tabellenkalkulationen wie LibreOffice Calc, Microsoft Excel oder Gnumeric exportieren dieses Format.

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