Für das Verschlüsseln kleiner Datenbestände erweisen sich herkömmliche Tools oft als Overkill. Das kleine Werkzeug Trupax springt hier in die Bresche und sichert kleinere Datenmengen einfach vor neugierigen Blicken.
Nicht erst seit den Enthüllungen von Edward Snowden suchen viele Anwender eine praktikable Lösung, um ihre Daten sicher und vor neugierigen Blicken geschützt zu speichern. Insbesondere bei kleineren individuellen Datenbeständen lohnt sich das Komplettverschlüsseln eines Datenträgers oder einer Partition kaum: Einerseits nimmt es je nach der physikalischen Größe des Speichermediums viel Zeit in Anspruch, andererseits sind verschlüsselte Partitionen nicht mehr portabel.
Abhilfe schafft in dieser Situation eine kryptografische Software, die die Daten in Container variabler Größe packt. Als Standardlösung zu diesem Zweck war unter Linux lange Zeit Truecrypt der unangefochtene Platzhirsch – bis die Entwickler ihre Arbeit überraschend und unter teils ungeklärten Umständen im Mai 2014 einstellten [1]. Das bereits im Jahr 2013 als Fork von Truecrypt entstandene Veracrypt [2] bietet dieselbe Funktionalität, räumt jedoch von Truecrypt her bekannte Probleme weitgehend aus.
Während Veracrypt sich eher das Verschlüsseln großer Datenbestände zur Aufgabe nimmt, bietet das kleine Tool Trupax [3] eine gute Alternative, um auch kleine Datenmengen schnell und sicher vor Unbefugten zu schützen. Dabei bleibt das genutzte Containerformat zudem zu Veracrypt kompatibel, sodass sich die damit erstellten Container in beiden Anwendungen öffnen und bearbeiten lassen.
Trupax einrichten
Obwohl sich das Programm bereits seit geraumer Zeit in Entwicklung befindet, finden Sie Trupax bislang noch nicht in den Software-Repositories der gängigen Distributionen; Sie erhalten das Programm ausschließlich über die Projektseite. Für Linux steht dabei neben dem Quellcode auch jeweils eine Variante für 32- und 64 Bit-Hardware zur Verfügung.
Dabei handelt es sich um ein jeweils rund 40 MByte großes Zip-Archiv, das Sie zur Installation in ein beliebiges Verzeichnis entpacken. Im dabei neu entstandenen Unterverzeichnis rufen Sie das Skript ./install.sh auf, das das komplette Programm nach /opt/trupax/ kopiert und einen Starter im Anwendungsmenü anlegt. Da das Installationsskript temporär Administratorrechte benötigt, fragt es dabei Ihr Passwort ab. Arbeiten Sie mit einer Distribution, die sudo erst nach einer manuellen Installation des entsprechenden Programmpakets unterstützt, dann verschieben Sie alternativ den gesamten Programmordner selbst in das /opt/-Verzeichnis.
Nach dem Einrichten rufen Sie die grafische Programmvariante mit dem Befehl trupaxgui auf. Das ebenfalls vorhandene Kommandozeilentool trupax akzeptiert eine stattliche Anzahl von Parametern, die es bei einem Aufruf ohne Option ausgibt. Um die Software künftig bequemer ohne Wechsel auf die Kommandozeile zu nutzen, legen Sie nach der manuellen Installation noch einen Starter im Menübaum an.
Oberflächliches
Das Programmfenster (Abbildung 1) wirkt auf den ersten Blick spartanisch: Links findet sich ein großer, direkt nach Aktivierung des Programms noch leerer Listenbereich. Rechts liegen einige Schaltflächen, über die Sie Container anlegen, bearbeiten oder entpacken sowie einige Speicheroptionen einstellen. Links unten findet sich zudem eine farblich invertierte Aktivitäts- und Statusanzeige, die den jeweiligen Zustand der Software signalisiert.
Oben horizontal gibt es außerdem eine kleine Menüzeile mit den Optionen Datei und Hilfe. Falls Unklarheiten zu den Funktionen bestehen, positionieren Sie einfach den Mauszeiger auf dem fraglichen Element: Das Programm liefert dann eine entsprechende Schnellhilfe, die – meist in einem Satz – dessen Bedienung kurz erläutert.
Einpacken
Im ersten Schritt definieren Sie, welche Dateien oder Ordner Trupax in einem Container zusammenfassen und verschlüsseln soll. Dazu klicken Sie oben rechts im Programmfenster entweder auf die Schaltfläche Dateien hinzufügen… oder Ordner hinzufügen…. Falls Trupax Verzeichnisse rekursiv verschlüsseln soll, also dem Container auch alle Unterordner hinzufügen soll, setzen Sie ein Häkchen vor der Option Unterordner miteinschließen.
Soll die Software zusätzlich komplette Pfade wie in der Quellstruktur sichern, ohne dabei Laufwerksbezeichner mit zu speichern, dann setzen Sie außerdem vor der Option Vollständige Pfade speichern ein Häkchen. Sobald Sie danach entweder den Dialog zum Hinzufügen von Dateien oder von Ordnern anklicken, öffnet sich ein Dateimanager zur Auswahl der gewünschten Inhalte. Dabei zeigt die Software unten links im Statusbereich des Programmfensters die Containergröße sowie den Umfang der ausgewählten Dateien an.
Abschließend geben Sie dem Container einen Namen, den Sie im Feld Kennzeichnung eintragen. Dabei darf der Name aus Ziffern und Buchstaben bestehen und bis zu 15 Zeichen umfassen. Verwechseln Sie diese Kennzeichnung nicht mit dem eigentlichen Namen der Container-Datei: Die Kennzeichnung dient lediglich als eine Art Laufwerksbezeichner für das Veracrypt-Volume.
Gleichnamig
Auf viel genutzten Systemen mit größeren Datenmengen kommt es häufig vor, dass innerhalb verschachtelter Verzeichnishierarchien Dateien denselben Namen tragen. Sichern Sie anschließend in Trupax eine solche komplette Ordnerhierarchie ohne Übernahme der Quellstruktur in einem Container, kommt es beim Speichern der gleichnamigen Dateien zwangsläufig zu Konflikten.
Damit Trupax nicht versehentlich die ursprüngliche Datei mit der neueren überschreibt, wählen Sie im Programmfenster im entsprechenden Ausklappmenü die Option Kein Zusammenfügen an. Steht hier stattdessen Zusammenfügen, überschreibt die neuere Datei eine ältere gleichen Namens, wobei das Programm keine Rücksicht auf die Groß- und Kleinschreibung nimmt. Die Option Zusammenfügen Groß/Klein dagegen überschreibt eine ältere Datei nur dann mit einer neueren gleichen Namens, wenn die Schreibweise beider Dateinamen exakt übereinstimmt.
Vor dem Erzeugen des Containers legen Sie noch durch Setzen eines Häkchens vor der Option Schreibgeschützt rechts im Programmfenster fest, dass das Programm den Container mit dem Schreibschutzattribut versieht und er sich somit nicht modifizieren lässt. Die Option Danach vernichten löscht die originalen Dateien, sobald Trupax den Container angelegt hat. Um den anzulegenden Container kompatibel zu Veracrypt zu halten, setzen Sie gegebenenfalls den Haken vor dem Parameter Für VeraCrypt.
Übergrößen
Trupax legt die Containergröße automatisch so fest, dass sie den addierten Datei- und Ordnergrößen der ursprünglichen Inhalte entspricht. So vermeidet das Programm, unnötig Speicherplatz auf dem Zielmedium zu verschwenden. Nehmen Sie jedoch Dateien mit in den Container auf, die Sie später noch bearbeiten möchten, empfiehlt es sich, dem Container zusätzlichen Speicherplatz zuzuweisen.
Dazu geben Sie im Feld Freier Speicherplatz: einen ganzzahligen Wert ein, gefolgt von den Buchstaben k, m oder g für Kilo-, Mega- oder Gigabyte. Trupax fügt dem belegten Speicher die gewünschte Kapazität hinzu und zeigt den Gesamtwert unten links in der Statusanzeige an.
Nach dem Abschluss der Datei- und Ordnerauswahl klicken Sie zum Anlegen des Containers auf den Schalter Container-Datei erzeugen… ganz unten (Abbildung 2). Im darauf folgenden Dialog tragen Sie den Namen für die eigentliche Container-Datei ein und wählen den Speicherpfad aus. Als Erweiterung nutzt Trupax normalerweise das zu Truecrypt kompatible Containerformat .tc. Bei aktivierter Veracrypt-Kompatibilität endet der Namen des Containers stattdessen auf .hc.
Im nächsten Schritt fragt die Routine ein Passwort ab, das Sie später beim Öffnen des Containers angeben müssen. Wählen Sie das Passwort möglichst sicher, um den Container nicht der Gefahr von Wörterbuchangriffen auszusetzen, und beachten Sie dabei, dass Trupax hier Groß- und Kleinschreibung berücksichtigt. Sie müssen das Passwort danach zur Bestätigung ein weiteres Mal eingeben.
Nach Vergabe des Passworts und einem Klick auf Beginnen… schreibt Trupax den Container auf die Festplatte. Für das Verschlüsseln nutzt die Anwendung einen 256 Bit langen Schlüssel mit dem als sicher geltenden AES-Algorithmus. Je nach Datenbestand nimmt der Vorgang eine mehr oder weniger lange Zeit in Anspruch.
Auspacken und zerstören
Um Container wieder zu entpacken, wählen Sie im Menü Datei die Option Extrahieren…. Trupax öffnet daraufhin einen Dialog, in dem Sie den Zielort angeben, an dem das Programm die ausgepackten Verzeichnisse und Dateien ablegen soll. Anschließend müssen Sie nur noch das Passwort des Containers eingeben und danach etwas warten, bis die Software die Daten am gewünschten Ort extrahiert. Der originale Container bleibt dabei erhalten.
Nicht mehr benötigte Container stellen ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar, solange Sie diese nicht sicher entsorgen. Ein einfaches Löschen entfernt einen Container nicht zuverlässig von der Festplatte, sodass er sich wie jede andere Datei durch spezielle Software rekonstruieren lässt. Damit obsolete Container auch wirklich vom jeweiligen Datenträger verschwinden, bietet Trupax eine Funktion zum Zerstören der Dateien an.
Dazu dient die Option Ungültig machen… im Menü Datei, die den Header im Container zerstört und somit den Schlüssel vernichtet. Im entsprechenden Löschdialog finden Sie zudem die Option Fortfahren und Löschen: Sie putzt den Container anschließend physisch von der Festplatte, sodass der von der zugehörigen Datei belegte Speicherplatz wieder zur freien Verfügung steht (Abbildung 3).
Als ungültig markierte Container, die sich nicht automatisch löschen lassen, verbleiben im System. Es gibt allerdings keinen Weg mehr, an die im Container gespeicherten Daten zu kommen – auch wenn Sie das zuvor verwendete Passwort wissen. Sobald Sie solch einen Container in Trupax zu entschlüsseln versuchen, signalisiert die Software nach Eingabe des Passworts einen Fehler (Abbildung 4).
Veracrypt
In Veracrypt können Sie mit Trupax verschlüsselte Container problemlos als herkömmliches Volume mounten, sofern Sie sie durch Setzen der Option Für VeraCrypt im Trupax-Programmfenster entsprechend vorbereitet haben (Abbildung 5). Laden Sie anschließend einen solchen Container in Veracrypt, entschlüsselt ihn der Truecrypt-Nachfolger und hängt die Daten als Laufwerk ein. Dabei dient der in Trupax unter Kennzeichnung eingegebene Name als Bezeichnung des Volumes. Ein in Veracrypt modifizierter Container lässt sich anschließend in Trupax wieder problemlos öffnen.
Fazit
Mit Trupax erhalten Sie das ultimative Tool zum Verschlüsseln kleinerer Datenbestände, auf die Sie auch mobil zugreifen möchten. Die Software gefällt durch ihre flotte und stabile Arbeitsweise sowie den Verzicht der intuitiv zu bedienenden Oberfläche auf jeglichen optischen Schnickschnack. Die 256 Bit-AES-Verschlüsselung sichert die Daten dabei zuverlässig vor fremden Blicken.
Durch die Kompatibilität zu Veracrypt lässt sich Trupax obendrein deutlich flexibler einsetzen als mit einem eigenen Containerformat. So kommen Sie auch auf Rechnern an Ihre Daten, auf denen “nur” Veracrypt installiert ist – speziell, wenn diese mit MacOS oder Windows arbeiten. Gerade für kleinere Datenbestände auf Wechselspeichern empfiehlt sich Trupax daher ohne Einschränkung.
Infos
[1] “Rätsel um das Ende von Truecrypt”: http://www.golem.de/news/verschluesselung-raetsel-um-das-ende-von-truecrypt-1405-106812.html
[2] Veracrypt: https://veracrypt.codeplex.com
[3] Trupax: https://www.coderslagoon.com/










