Die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 hat begonnen: Spätestens 2019 wird der letzte Sender nur noch den neuen Standard unterstützen. Unter Linux empfangen Sie mit dem TripleStick 292e von PCTV Antennenfernsehen in HD-Qualität.
Antennenfernsehen hatte es in Deutschland nicht immer leicht: Seit der Einführung des (digitalen) Kabel- oder Sat-Empfangs fristete die alte Analogtechnik lange ein trauriges Dasein. Mit der Einführung von DVB-T in den 2000ern änderte sich das: Endlich stand auch über terrestrischen Empfang ein umfassendes Bouquet digitaler Sender zur Verfügung.
Auch DVB-T entwickelt sich weiter: Der Nachfolger DVB-T2 steht in den Startlöchern, und seit Mai 2016 lässt sich in allen großen Ballungsgebieten ein Testpaket aus mehreren privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern empfangen. Spätestens 2019 soll der letzte DVB-T-Kanel vom Äther gehen und DVB-T2 die einzige Option für den Fernsehempfang über Antenne sein.
DVB-T(2) ist wegen seiner Mobilität beliebt: Einfach mit dem Notebook auf dem Balkon zu sitzen und fernzusehen, ist dank der Technik kein Problem – vorausgesetzt, dass eine Antenne verfügbar und ein entsprechender Tuner an den PC angeschlossen sind. In den meisten Gegenden Deutschlands genügt dafür eine kleine Standantenne – das Tuner-Thema ist komplizierter. Erste USB-Sticks mit Unterstützung für DVB-T2 tauchten bereits vor zwei Jahren am Markt auf, blieben aber weitgehend unbemerkt – vor allem, weil es noch keine DVB-T2-Sender gab. Da sich das jetzt geändert hat, ist es Zeit für einen ersten Test: DVB-T2 mit Linux – geht das?
In den Ring steigt der TripleStick 292e von PCTV, der DVB-T2 unterstützt. PCTV gehört zur Firma Hauppauge, die schon lange für Linux-kompatible Geräte bekannt ist; der Linux-Support des 292e war dem Unternehmen eine eigene Pressemitteilung wert [1].
Informationen bei LinuxTV
Wer auf der Suche nach DVB-T2-Hardware für Linux ist, findet im Wiki von LinuxTV.org [2] eine wichtige Informationsquelle: Dort sind diverse DVB-T2-Empfänger und deren Linux-Kompatibilität aufgeführt. Die Liste ist in englischer Sprache gehalten, doch auch wer kein Englisch spricht, kann sie nutzen: Besonders praktisch sind jene Geräte, bei denen im Comments-Feld (Kommentare) eine Kernel-Version des Linux-Kernels verzeichnet ist. Für den PCTV TripleStick gibt es sogar eine eigene Seite auf LinuxTV.org [3], aus der hervorgeht, dass der Treiber im Linux-Kernel 3.16 (und neuer) enthalten ist. Es ist also nicht nötig, einen zusätzlichen Treiber manuell zu installieren, um den Stick zu nutzen. Weil alle aktuellen Desktop-Distributionen den genannten oder einen neueren Kernel an Bord haben, ist die Erwartungshaltung klar: Einstecken sollte genügen, damit die Hardware erkannt und richtig eingerichtet wird.
Der PCTV TripleStick
Den TripleStick von PCTV (“292e”) finden Sie zu Straßenpreisen von rund 80 Euro (z. B. bei Amazon). Nach dem Öffnen der Verpackung begegnet Ihnen neben dem Stick auch ein kleines Kabel: Der Stick ist so klein, dass eine normale Buchse für das Antennenkabel keinen Platz findet. Deshalb nutzt der TripleStick den MCX-Standard für seinen Antenneneingang: MCX steht für “Minature Coax” und meint einen Koaxialanschluss mit kleinerem Stecker. Das beiliegende Kabel ist ein Adapter, über den Sie den MCX-Anschluss des TripleSticks mit einem Koax-Kabel verbinden können, wie es bei Antennen üblich ist.
Zusätzlich liegen der Verpackung eine kleine Antenne, eine kleine Fernbedienung mit Batterien und Anleitungen in Papier- und CD-Form bei. Wer den Stick nicht direkt an den Computer anschließen möchte, findet außerdem ein USB-Kabel im Karton – je nach Anordnung der USB-Ports kann es passieren, dass der Stick wegen seiner Größe einen benachbarten USB-Port verdeckt. Das USB-Kabel umgeht das Problem.
DVB-T: Problemlos
Es ist leicht, den TripleStick unter Linux in Betrieb zu nehmen: Im Test genügte es, ihn einzustöpseln und einen Blick in die Systemmeldungen des Rechners zu werfen. Dort teilte der Kernel sofort mit, dass er ein DVB-Gerät gefunden und die nötige Firmware geladen hatte. Kaffeine bestätigte das: Das Modul des KDE-Medienplayers für digitales Fernsehen zeigte den Stick an und bot auch an, einen Sendersuchlauf zu starten. Nachdem die Antenne an den Stick angeschlossen war, klappte der Sendersuchlauf problemlos und förderte diverse DVB-T-Sender zu Tage.
Es hängt übrigens vom Wohnort ab, welche Art von Antenne nötig ist: Meistens reicht eine Zimmerantenne aus, zumindest, wenn sie einen eingebauten Verstärker hat. Die beigelegte Antenne des TripleSticks genügt nur dort, wo man im Kernbereich der Abdeckung einer Sendestation ist – und selbst dann ist sie meistens nur draußen gut genug. Die beste Empfangsleistung bietet eine klassische Dachantenne, aber die finden sich immer seltener, weil sie von vielen Häusern im Zuge einer Sat-Schüssel-Installation entfernt wurden.
DVB-T2: Schwieriger
Der Sendersuchlauf in Berlin fand im Mai auf einem OpenSuse-Rechner auch das Probepaket für DVB-T2. In der Programmliste standen nach dem Scan also Das Erste HD und ZDF HD sowie die privaten Sender ProSieben, Sat.1, Vox und RTL – ebenfalls in HD. Das Umschalten auf einen dieser Kanäle führte aber zu Ernüchterung: Zwar war Ton zu hören, aber das Bild blieb schwarz.
DVB-T2 verwendet ein anderes Videoformat als DVB-T. Vor der Übertragung der Sendung reduzieren digitale Sender die Datenmenge über ein Kompressionsverfahren. DVB-T nutzt das MPEG2-Format, was für Sender in normaler Auflösung (SD) genügt, aber hochauflösende Bilder (etwa 1080p) wären in MPEG2 noch immer viel zu groß. DVB-T2 setzt deshalb auf das H.265-Format (auch HEVC genannt: High Efficient Video Codec), das selbst Filme in Full-HD-Auflösung (1080p50) so komprimiert, dass sie sich problemlos terrestrisch verbreiten lassen.
HEVC-Support für Linux
Der Haken an der Sache: OpenSuse liefert für HEVC ab Werk keinen Support – anders als Ubuntu. Wer den Test unter Ubuntu durchspielt, sieht in Kaffeine also gleich ein Bild zum Ton. Wenn Sie DVB-T2 unter OpenSuse nutzen möchten, gibt es aber einen Ausweg: Das Packman-Projekt springt einmal mehr ein und liefert die fehlende Software nach. Kaffeine setzt unter der Haube auf den Videoabspieler Xine – wenn der den nötigen Codec beherrscht, steht dem Fernsehvergnügen nichts im Wege. Die Packman-Pakete erweitern Xine (und damit auch Kaffeine) um Unterstützung für HEVC; danach gelingt auch unter OpenSuse die Wiedergabe von HD-TV mit Bild und Ton (Abbildung 1). Der Kasten HEVC für OpenSuse zeigt die nötigen Schritte.

Abbildung 1: Der PCTV TripleStick 292e ist aus dem Stand Linux-tauglich – OpenSuse-Anwender müssen aber vor der erfolgreichen Einsatz dafür sorgen, dass die TV-Software das Videoformat H.265 von DVB-T2 versteht.
HEVC für OpenSuse
So installieren Sie unter OpenSuse die für HEVC nötige Software nach:
- Klicken Sie in YaST auf Software-Repositories, um die Verwaltung der auf Ihrem System aktiven Paketquellen zu öffnen.
- Klicken Sie auf den Button Hinzufügen und wählen Sie Community- Repositorys als Verzeichnistyp aus.
- Setzen Sie einen Haken vor Packman (falls dieser nicht eh schon gesetzt ist) und klicken Sie auf Ok. Per Mausklick im nächsten Dialog akzeptieren Sie den digitalen Signaturschlüssel des Packman-Verzeichnisses. Danach ist das Repository auf Ihrem System aktiv.
- Starten Sie nun das YaST-Modul zur Installation neuer Software und suchen Sie nach dem Paket libxine2-codecs (Abbildung 2). Markieren Sie das Paket, damit YaST es im nächsten Schritt installiert.
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Bestätigen Sie die Pakete, die YaST als Abhängigkeit von libxine2-codecs mitinstallieren möchte. Wenn YaST seine Arbeit beendet hat, genügt es, Kaffeine neuzustarten – wenn Sie dann auf einen DVB-T2-Kanal schalten, sehen Sie das gewünschte Bild.
Getrübte Freude
Zwei Faktoren verhageln Ihnen potenziell die Freude am terrestrischen HD-Fernsehen: Einerseits braucht HEVC einen Rechner mit genügend Dampf unter der Haube – eine moderne Mehrkern-CPU mit 8?GByte RAM sollte es schon sein.
Andererseits wird DVB-T2 das erste terrestrische Fernsehen in Deutschland sein, das mit flächendeckender Grundverschlüsselung daherkommt: Anders als sein Vorgänger ist der Einsatz von Smart-Cards und CI+-Schächten bei DVB-T2 vorgesehen. Frei empfangbar bleiben dabei nur die öffentlich-rechtlichen Sender. Die privaten Sender hingegen haben bereits angekündigt, ihr Programm ab Mitte 2017 nur verschlüsselt zu senden. Dass sich diese dann mit Linux noch empfangen lassen, ist eher unwahrscheinlich, denn der CI+-Standard [4] ist so stark von Patenten durchzogen, dass es bisher keine freie Implementierung gibt. Das betrifft übrigens auch DVB-S(2) und DVB-C(2): Sobald CI+ mit passender SmartCard notwendig sind, bleibt das Linux-Bild schwarz. Schlechte Aussichten also, wenn Sie sich nicht auf die Senderliste des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschränken wollen.
Infos
[1] Hauppauge-Pressemitteilung zum TripleStick 292e: http://www.hauppauge.com/pdfs/pr_292e_linux.pdf
[2] DVB-T2-Geräte auf LinuxTV: https://www.linuxtv.org/wiki/index.php/DVB-T2_USB_Devices
[3] LinuxTV-Seite zum TripleStick: https://www.linuxtv.org/wiki/index.php/PCTV_Systems_nanoStick_T2_290e
[4] Wikipedia-Eintrag zu CI und CI+: https://de.wikipedia.org/wiki/Common_Interface


