Mini Metro mischt Simulations- und Taktikspiel

Aus EasyLinux 02/2016

Mini Metro mischt Simulations- und Taktikspiel

Knifflige Linienführung

Der Liniennetzplan der Londoner U-Bahn ist Ihnen zu langweilig? Dann entwerfen Sie doch kurzerhand Ihren eigenen! Genau das ermöglicht ein pfiffiges Spiel des Entwicklers Dinosaur Polo Club. Die vielen bunten U-Bahn-Linien fordern dabei nicht nur Ihre kleinen grauen Zellen, sondern machen sogar ganz leicht süchtig.

Kann diese Stadt nicht etwas langsamer wachsen? Jetzt wurde am Stadtrand schon wieder eine neue U-Bahn-Station errichtet. Auf dem Bahnsteig stehen sogar schon zwei Passagiere. Um die nicht warten zu lassen, könnte man die neue Station einfach an die rote U-Bahn-Linie anschließen. Damit würden sich auf ihrer Strecke aber auch die Fahrtzeiten erhöhen, die man wiederum mit einem zusätzlichen Zug kompensieren müsste. Die kurze gelbe Linie liegt hingegen auf der anderen Flussseite. Um sie bis zum neuen Bahnhof zu verlängern, müsste man erst einen kostbaren Tunnel graben.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Derartige Entscheidungen verlangt Ihnen das Simulationsspiel Mini Metro [1] ab: Sie bauen ein eigenes funktionierendes U-Bahn-Netz auf und erweitern es schrittweise. Das gelingt zunächst noch recht leicht: Auf einer Landkarte erscheinen mehrere Symbole, die jeweils einzelne Bahnhöfe repräsentieren. Zwischen ihnen zeichnen Sie mit der Maus U-Bahn-Linien ein, auf denen automatisch jeweils ein Zug in gemütlichem Tempo alle Stationen abfährt (Abbildung 1). Die Linien dürfen sich dabei an den Stationen treffen, nicht aber auf offener Strecke kreuzen.

Abbildung 1: Hier fahren in Berlin drei Linien. Der grüne Zug bringt gerade einen dreieckigen Passagier zum nächsten dreieckigen Bahnhof. Das große Dreieck repräsentiert einen Intersection Point.

Abbildung 1: Hier fahren in Berlin drei Linien. Der grüne Zug bringt gerade einen dreieckigen Passagier zum nächsten dreieckigen Bahnhof. Das große Dreieck repräsentiert einen Intersection Point.

Im Lauf der Zeit tauchen weitere Stationen im Umland auf (Abbildung 2). Diese binden Sie an das bestehende Netz an, indem Sie das Ende einer U-Bahn-Linie mit der Maus zur entsprechenden Station ziehen. Wenn Sie sich verplant haben, können Sie die einzelnen Strecken komplett oder etappenweise vom Ende her auflösen und dann neu verlegen. Die Anzahl der möglichen Linien ist allerdings zunächst auf drei Stück begrenzt.

Abbildung 2: Mit der Zeit wächst das Liniennetz. Hier ist gerade rechts oben (rot markiert) eine neue Station hinzugekommen. Um sie einzubinden, bleibt eigentlich nur, die lilafarbene Linie zu verlegen.

Abbildung 2: Mit der Zeit wächst das Liniennetz. Hier ist gerade rechts oben (rot markiert) eine neue Station hinzugekommen. Um sie einzubinden, bleibt eigentlich nur, die lilafarbene Linie zu verlegen.

An den Haltestellen treffen nach und nach Fahrgäste ein. Sie stellt das Spiel ebenfalls als Symbole dar, die gleichzeitig die Fahrtziele der Kunden repräsentieren. Ein dreieckiger Passagier möchte beispielsweise zur nächsten dreieckigen Station. Falls die U-Bahn einen solchen Bahnhof nicht direkt anfährt, steigt der Passagier selbständig an einem Kreuzungspunkt um. Damit erhöht sich an solchen Stationen aber auch das Passagieraufkommen. Sollten an einem Bahnhof zu viele Passagiere warten, schließt ihn das Spiel wegen Überfüllung. Ihnen bleiben dann nur noch wenige Sekunden Zeit, um den Stau zu beheben (Abbildung 3). Schaffen Sie das nicht, ist das Spiel umgehend beendet. Sie sollten daher die Linien möglichst an mehreren Stationen kreuzen lassen und besonders stark frequentierte Teilstrecken mit mehreren Linien befahren. Für jeden korrekt transportierten Fahrgast erhalten Sie einen Punkt. Ziel ist es, das Netz möglichst lange zu betreiben und dabei möglichst viele Fahrgäste zu befördern.

Abbildung 3: Die Station mit dem zunehmenden, schwarzen Kreis steht kurz vor der Schließung. Schnelle Abhilfe ist hier nicht in Sicht: Alle fünf möglichen Linien und sämtliches Rollmaterial sind im Einsatz.

Abbildung 3: Die Station mit dem zunehmenden, schwarzen Kreis steht kurz vor der Schließung. Schnelle Abhilfe ist hier nicht in Sicht: Alle fünf möglichen Linien und sämtliches Rollmaterial sind im Einsatz.

Flotter Bergbau

Mit zunehmender Spieldauer ändert sich hin und wieder das Symbol einer bestehenden Station. Ein Kreis mutiert dann etwa plötzlich zu einem Stern – zu dem natürlich Passagiere aus allen Ecken der Stadt wollen. Des Weiteren durchzieht jede Stadt mindestens ein Fluss. Diese Gewässer müssen die Bahnen in Tunneln unterqueren, die Ihnen wiederum nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. Als wäre das noch nicht genug, wächst auch langsam das Fahrgastaufkommen.

Wer sein U-Bahn-Netz erfolgreich betreibt, den belohnt Mini Metro in regelmäßigen Abständen mit einem neuen Zug. Den können Sie jederzeit auf einer der vorhandenen Linien zur Entlastung der dort bereits fahrenden Züge einsetzen. Zusätzlich können Sie sich einen von zwei Bonusgegenständen aussuchen (Abbildung 4): z. B. einen weiteren Tunnel, eine neue Linie oder einen Waggon. Letztgenannter erhöht die Kapazität eines ausgewählten Zuges. Ebenfalls zu den Boni gehören die so genannten Intersection Points, mit denen sich eine Station zu einem Knotenpunkt ausbauen lässt. An ihm können nicht nur mehr Fahrgäste warten, Züge passieren die Station auch wesentlich flotter. Sie sollten allerdings gut abwägen, welchen Bonusgegenstand Sie wählen: Müssen Sie eine neue Station auf der anderen Seite des Flusses anbinden, bietet sich der Tunnel an. Andererseits ließe sich vielleicht mit einem weiteren Wagen der Stau an einer wichtigen Station schneller abbauen. Verlockend ist auch eine zusätzliche Linie, die jedoch immer auch einen verfügbaren Zug kostet.

Abbildung 4: Es gibt einen Bonus: Hier haben Sie die Wahl zwischen einem neuen Anhänger und einem Tunnel.

Abbildung 4: Es gibt einen Bonus: Hier haben Sie die Wahl zwischen einem neuen Anhänger und einem Tunnel.

Städtereisen

Zu Beginn eines neuen Spiels entscheiden Sie sich für eine von mehreren bekannten Städten, darunter Tokyo, Melbourne und Berlin. Die Stationen tauchen allerdings nicht an ihren realen, sondern an zufällig gewählten Orten auf. Jede Stadt besitzt neben einer individuellen Farbgebung ihre eigenen Vor- und Nachteile. So hat beispielsweise Berlin viele verästelte Nebenflüsse. Wer zum ersten Mal Mini Metro spielt, hat zudem nur die Wahl zwischen London (Abbildung 5), Paris und New York. Die anderen Städte können Sie durch besonders gut funktionierende U-Bahn-Netze freispielen. Wenn Ihnen Mini Metro zu leicht oder zu schwierig erscheint, können Sie in den Einstellungen auf zwei andere Spielmodi umschalten. Im härtesten “Extreme”-Modus kann man einmal gelegte Strecken nicht wieder zurückbauen, während sich im einfachsten “Endless”-Modus keine langen Schlangen mehr an den U-Bahn-Stationen bilden. Darüber hinaus bietet das Spiel täglich eine neue “Herausforderung” an.

Abbildung 5: Obwohl in London nur ein Fluss die Landschaft durchschneidet, kann schon eine falsch verlegte Linie zu einem verknoteten und wenig erfolgreichen U-Bahn-Netz führen.

Abbildung 5: Obwohl in London nur ein Fluss die Landschaft durchschneidet, kann schon eine falsch verlegte Linie zu einem verknoteten und wenig erfolgreichen U-Bahn-Netz führen.

Die Ursprünge von Mini Metro reichen bis in das Jahr 2013 zurück: Für die 26. Ausgabe des Programmierwettbewerbs Ludum Dare entwickelten die Neuseeländer Peter und Robert Curry in nur 48 Stunden das Spiel Mind the Gap [5]. Die Reaktionen waren derart positiv, dass die beiden umgehend eine verbesserte Version in Angriff nahmen. Zunächst werkelten sie nur in ihrer Freizeit an ihrem Spiel, später dann Robert Curry sogar in Vollzeit. Nach einer extrem langen öffentlichen Testphase und mehreren Verschiebungen erschien die erste offizielle Version schließlich im November 2015.

Die Entwickler verkaufen Mini Metro über Steam für rund 10 Euro [2], im Humble Store für 9,50 Euro [3] und über den Online-Shop Gog.com für 9 Euro [4]. Im Humble Store und bei Gog.com erhalten Käufer kopierschutzfreie Versionen des Spiels. Wer im Humble Store ordert, darf Mini Metro nicht nur zusätzlich auf Steam freischalten, ein Teil des Kaufpreises fließt auch an eine gemeinnützige Organisation.

Inbetriebnahme

Die Installation von Mini Metro läuft je nach Online-Shop unterschiedlich ab. Im Fall von Steam übernimmt die Steam-Software alles Notwendige.

Nach einem Kauf im Humble Store erhalten Sie ein .tar.gz-Archiv. Dieses klicken Sie unter OpenSuse mit der rechten Maustaste an und wählen dann Entpacken / Archiv hierher auspacken, Unterordner selbstständig ermitteln. Als Kubuntu-Anwender klicken Sie das Archiv mit der linken Maustaste an, rufen im erscheinenden Fenster Aktion / Entpacken / Entpacken nach auf, aktivieren Entpacken und schließen das Fenster Ark. In jedem Fall starten Sie das Spiel, indem Sie in das neu entstandene Verzeichnis wechseln und das Programm MiniMetro.x86_64 anklicken.

Wenn Sie Mini Metro bei Gog.com erworben haben, erhalten Sie eine Datei mit der Endung .sh. Klicken Sie diese mit der rechten Maustaste an, wählen Sie Eigenschaften und wechseln Sie auf das Register Berechtigungen. Das Kästchen vor Ausführbar muss unter OpenSuse 13.2 einen Haken, unter OpenSuse Leap und Kubuntu ein blaues Rechteck enthalten. Fehlen Haken oder Rechteckt, ändern Sie dies mit einem Klick in das leere Kästchen. Schließen Sie das Fenster mit OK und klicken Sie die Datei mit der Endung .sh an. Lassen Sie das Programm ausführen. Es startet jetzt ein Installationsassistent, in dem Sie auf Weiter klicken. Akzeptieren Sie die Lizenz mit Weiter und Ja (oder Yes). Wählen Sie ein Verzeichnis aus, in dem der Assistent Mini Metro installieren soll – im Zweifel können Sie die Vorgabe übernehmen. Klicken Sie auf Weiter und stoßen Sie die Installation mit Weiter an. Schließen Sie den Assistenten via Fertig stellen. Mini Metro finden Sie ab sofort im Startmenü in der Gruppe Spiele.

Im Spiel kommen Sie immer wieder zum Hauptmenü zurück, indem Sie den Pfeil in der linken oberen Ecke anklicken oder [Esc] drücken.

Tipp: In den Einstellungen des Spiels können Farbenblinde auf eine andere Farbpalette umschalten. Ergänzend lässt sich dort auch ein sogenannter Nachtmodus mit schwarzem Hintergrund aktivieren.

Fazit

Das Spielprinzip von Mini Metro wirkt auf den ersten Blick recht simpel, fordert aber schon nach ein paar Sekunden taktisches Geschick und schnelle Entscheidungen. Mini Metro ködert dabei den Spieler mit raschen Erfolgen: Zwei funktionierende U-Bahn-Linien sind mit der Maus fix erstellt, die wenigen Fahrgäste schnell an ihrem Ziel. Mit jeder neuen Station und jedem weiteren Fahrgast steigt jedoch der Druck auf den Spieler. Diese sehr gute Mischung aus Erfolgserlebnis und langsam ansteigendem Schwierigkeitsgrad macht sogar leicht süchtig.

Die Grafik beschränkt sich auf Symbole und bunte Linien. Auf Dauer wirkt das zwar etwas karg, lenkt aber auch den Blick auf das Wesentliche. Obwohl sich die Entwickler bemüht haben, mit den Bonusgegenständen etwas Abwechslung ins Geschehen zu bringen, spielen sich die einzelnen Städte allesamt recht ähnlich. Durch das immer gleiche Spielprinzip sackt zudem nach einer beendeten Runde die Motivation in den Keller – bis man nach einer Weile eine neue Partie startet, denn die 1700 Passagiere müssen doch irgendwie zu schaffen sein. Mini Metro ist somit das ideale Spiel für zwischendurch, das man immer mal wieder gerne hervorkramt. Der Preis zwischen 9 und 10 Euro ist dafür gerade noch vertretbar. (hge)

Abbildung 6: Gleich mehrere Statistiken geben Auskunft über den Zustand des U-Bahn-Netzes und die Zufriedenheit der Fahrgäste.

Abbildung 6: Gleich mehrere Statistiken geben Auskunft über den Zustand des U-Bahn-Netzes und die Zufriedenheit der Fahrgäste.

Mini Metro

Entwickler Dinosaur Polo Club / Codepoint Limited
Lizenz kommerziell
Preis Gog.com: 9 Euro / Humble Store: 9,50 Euro / Steam: 10 Euro
Voraussetzungen Aktivierte 3-D-Grafik, Grafikkarte und -Treiber müssen das Shader Model 2.0 unterstützen, Prozessor ab 2 GHz, mind. 1 GByte RAM

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