Sicherheit und Privacy

Aus EasyLinux 02/2015

Sicherheit und Privacy

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Gut geschützt

Angreifer wollen Ihren Rechner in ein Bot-Netz integrieren, während Onlinehändler und andere Webseiten Ihr Such- und Kaufverhalten ausspähen möchten. Sicherheit und Privacy sind wichtige Themen – wie gut Sie als Linux-Nutzer geschützt sind, verrät dieser Artikel.

Wer sich um die Sicherheit seiner Daten sorgt, hat viele Baustellen zu beachten. Unter Linux sind das teilweise dieselben wie auf Windows-Rechnern, aber es gibt ein paar deutliche Unterschiede, die Linux-Anwender meist ruhiger schlafen lassen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Themen.

Viren und andere Schadsoftware

Eine häufig gestellte Frage ist die nach einem guten Virenscanner für Linux. Die Standardantwort der EasyLinux-Redaktion ist: Den brauchen Sie nicht, es sei denn Ihr Linux-Rechner ist ein Mail- oder Dateiserver, auf den auch Windows-Anwender zugreifen.

Linux-Anwender sind aus verschiedenen Gründen besser gegen Virenbefall geschützt als Windows-Benutzer. Das wichtigste Argument ist die strikte Rechteverwaltung: Wenn Sie als normaler Anwender ein bösartiges Programm ausführen (egal, auf welchem Weg es auf Ihren Rechner gelangt ist), dann läuft es mit einfachen Benutzerrechten. Es könnte dann z. B. Ihre privaten Dateien manipulieren oder löschen. Das wäre ärgerlich genug, aber solche Software kann nicht die Kontrolle über Ihren ganzen Rechner gewinnen, weil es dazu Administratorrechte benötigt.

Das macht Linux-PCs als Angriffsziel weniger attraktiv; verbunden mit der geringeren Verbreitung von Linux auf dem Desktop haben Programmierer von Schadsoftware damit keine hohen Anreize, Varianten ihrer Schädlinge für Linux zu entwickeln.

Trotzdem gibt es Virenscanner für Linux – die suchen aber nach denselben Dateien wie auf Windows-Rechnern: Wer einen Mailserver unter Linux betreibt, möchte vielleicht eingehende E-Mails auf Viren untersuchen und verdächtige Dateien löschen oder unter Quarantäne stellen, damit Windows-Anwender, die ihre Mails vom Linux-Server abholen, geschützt werden. Nutzen Sie Linux nur als Desktop-Betriebssystem, ist ein solcher Schutz nicht nötig.

Neben Viren gibt es aber auch andere Kategorien von Schadsoftware [3]; die meisten Probleme entstehen unter Linux durch Sicherheitslücken in Server-Anwendungen, etwa in Content-Management-Systemen wie WordPress oder Drupal, die auf einer Apache-Webserver-Installation aufbauen (Abbildung 1). Auch solche Software läuft auf einem typischen Linux-Desktop nicht, sie wird bei einer Standardinstallation auch gar nicht mit installiert.

Abbildung 1: Die Seite "www.cvedetails.com" listet bekannte Schwachstellen nach Anwendungen sortiert, hier ist die Übersicht zu WordPress zu sehen.

Abbildung 1: Die Seite “www.cvedetails.com” listet bekannte Schwachstellen nach Anwendungen sortiert, hier ist die Übersicht zu WordPress zu sehen.

Rootkits

Ein Rootkit ist eine Softwaresammlung, die Angreifer verwenden, um sich Zugriff auf fremde Rechner zu verschaffen und diesen auch dauerhaft zu behalten: Es besteht also aus mehreren Komponenten.

  • Die erste Komponente ist für den Angriff gedacht, über offene Ports (etwa den HTTP-Port auf einem Webserver) und Ausnutzen bekannter Schwachstellen erhält der Angreifer den Zugriff auf einen Rechner, idealerweise mit Administratorrechten. Ist dieser Zugriff einmal etabliert, kann der Angreifer auf dem Rechner machen, was er will, z. B. eigene Software nachinstallieren und ausführen oder bereits installierte Programme durch eigene Varianten mit für ihn nützlichen Zusatzfeatures austauschen.
  • Die meisten auf diese Weise angegriffenen Rechner ändern aber regelmäßig ihre IP-Adresse und sind nach einem solchen Wechsel für den Angreifer nicht mehr identifizierbar – darum wird Software installiert, die regelmäßig den Angreifer über solche Änderungen informiert. Das läuft automatisiert ab, z. B. über so genannte Control-and-control-Server (C&C-Server). Die sind dann umgekehrt in der Lage, Kommandos an den kontrollierten Rechner zu schicken, so dass etwa tausende Maschinen gleichzeitig einen Denial-of-Service-Angriff gegen einen ausgewählten Rechner im Netz fahren können oder sich einfach am millionenfachen Spam-Versand beteiligen. Der betroffene Anwender-PC ist damit zum “Bot” geworden, der ferngesteuert Aufgaben für den Angreifer verrichtet und auch selbst weitere Rechner angreifen und unter seine Kontrolle bringen kann.
  • Die dritte Komponente soll vor dem PC-Besitzer verbergen, dass ein Angriff stattgefunden hat. Dazu werden z. B. Systemtools so verändert, dass in der Prozessliste verdächtige Programme ausgeblendet werden und beim Auflisten eines Verzeichnisses Dateien nicht erscheinen, die dem Angreifer gehören.

Rootkits gibt es für verschiedene Betriebssysteme, und auch für Linux sind welche im Umlauf. Diese greifen aber typischerweise Internetdienste an, die auf einem Rechner laufen.

Firewall

Ports, die von Internetdiensten geöffnet werden, sind potenzielle Einfalltore für Angreifer. So können Sie z. B. einen SSH-Server installieren (wie wir es auch in dieser Ausgabe im Artikel ab Seite 50 beschreiben). Den Mechanismus, den Sie in diesem Fall für die Anmeldung aus der Ferne benutzen, können sich auch Angreifer zunutze machen. Die Crux ist: Wenn Sie selbst den SSH- oder VNC-Zugang nutzen wollen, muss er offen erreichbar sein, weil Sie sich sonst selbst aussperren würden – auch wenn Sie eine Firewall installieren, ist also der jeweilige Port freizugeben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Screenshot zeigt die via YaST deaktivierte Firewall von OpenSuse.

Abbildung 2: Der Screenshot zeigt die via YaST deaktivierte Firewall von OpenSuse.

Angreifer scannen permament das Netz auf der Suche nach offenen Ports. Wenn Sie für den Systemadministrator root das einprägsame aber hochgradig unsichere, gleichnamige Passwort root vergeben, den SSH-Server starten und diesen Port von außen erreichbar machen, müssen Sie mit einem erfolgreichen Angriff rechnen. Es ist aber möglich, den Zugang abzusichern, indem Sie z. B. festlegen, dass eine Anmeldung nicht durch Eingabe von Benutzername und Passwort, sondern nur über einen Schlüssel möglich ist. Dazu erstellen Sie (auf dem Rechner, von dem aus Sie zugreifen wollen) mit ssh-keygen ein Schlüsselpaar und kopieren dessen öffentlichen Teil auf den Zielrechner – wie das im Detail geht, lesen Sie im Kasten SSH mit Schlüsseln.

SSH mit Schlüsseln

Wollen Sie sich nicht mit Ihrem Account-Passwort, sondern über einen SSH-Schlüssel anmelden, müssen Sie diesen zunächst lokal erzeugen und dann auf den Server übertragen. Sie öffnen dazu über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster, in dem Sie die folgenden zwei Befehle ausführen:

ssh-keygen -t rsa

Das erste Kommando fragt Sie nach einer Schlüsseldatei (hier übernehmen Sie die Vorgabe id_rsa) und zweimal nach einer Passphrase (die Sie leer lassen, also nur [Eingabe] drücken). Damit erzeugen Sie ein Schlüsselpaar (privater und öffentlicher Schlüssel); der private bleibt auf dem Rechner, auf dem Sie ihn erzeugt haben, und den öffentlichen Schlüssel kopieren Sie auf Rechner, die Ihnen Zutritt via SSH gewähren sollen.

Es folgt der Befehl

ssh-copy-id username@rechnername

in dem Sie username und rechnername durch den Benutzernamen auf dem anderen Rechner und den Rechnernamen (oder die IP-Adresse) ersetzen. Das Kommando erfragt (zum letzten Mal) das Passwort für die Gegenseite und kopiert dann den öffentlichen Schlüssel dorthin. Ab dem nächsten Login-Versuch erkennt der andere Rechner Sie automatisch und lässt Sie ohne Passwortabfrage rein.

Der Vorteil ist hierbei, dass Sie anschließend die klassische Anmeldung über Benutzername und Passwort deaktivieren können: Nur wer im Besitz des privaten Schlüssels ist, kann sich noch per SSH anmelden; alle anderen sehen nicht mal eine Passwortabfrage, sondern werden direkt abgewiesen. Um diese Verhaltensänderung einzustellen, müssen Sie als Administrator die Konfigurationsdatei /etc/ssh/sshd_config bearbeiten und dort die Raute in der Zeile

#PasswordAuthentication no

löschen; falls am Ende yes steht, ändern Sie das Wort außerdem in no (Abbildung 3) – der neue Eintrag verbietet dann die klassische Anmeldung durch Eingabe der am PC gültigen Zugangsdaten.

Abbildung 3: Entfernen Sie die markierte Raute in der Konfigurationsdatei "sshd_config" und setzen Sie den Wert auf "no", um SSH-Anmeldungen über Benutzername und Passwort zu verbieten.

Abbildung 3: Entfernen Sie die markierte Raute in der Konfigurationsdatei “sshd_config” und setzen Sie den Wert auf “no”, um SSH-Anmeldungen über Benutzername und Passwort zu verbieten.

Die Sicherheit erhöhen Sie zusätzlich, wenn Sie beim Erzeugen des Schlüssels die Passphrase nicht leer lassen. Das macht das Einloggen zwar umständlicher (anstelle des Account-Passworts müssen Sie nun jedesmal die Passphrase eingeben), aber damit bleibt der Zugang selbst dann gesichert, wenn der Rechner gestohlen wird, der den privaten Schlüssel enthält.

Laufen auf einem Rechner keine Dienste, ist er auch von außen nicht erreichbar. Kubuntu wird standardmäßig ohne solche Dienste eingerichet, und OpenSuse schaltet bei einer Standardinstallation automatisch eine Firewall ein, die den Zugriff auf eventuell laufende Dienste von außen verhindert. Dazu kommt noch, dass die meisten Anwender über einen DSL-Router oder ein ähnliches Gerät auf das Internet zugreifen, und damit sind die lokalen PCs zunächst generell vor Zugriffen von außen geschützt – Ports müssen im Router manuell an einen bestimmten PC weitergeleitet werden, wenn ein Dienst von außen erreichbar sein soll.

Browser-Add-ons

Einige Add-ons für Firefox sind als notorisch unsicher bekannt, darunter etwa das Flash-Plug-in, das auf vielen Seiten benötigt wird, um Videos anzuzeigen. Geeignet manipulierte Inhalte auf Webseiten können dann via Flash einen Rechner angreifen, auf dem der Flash-Code im Browser ausgeführt wird.

Aus Sicherheitsgründen sollte man darum eine Erweiterung wie NoScript [2] einsetzen (Abbildung 4), um das ungefragte Ausführen von Flash-Code und anderen aktiven Elementen einer Webseite (z. B. Java und JavaScript) zu verhindern – wenn Sie einer Seite vertrauen (etwa Ihrer Bank), können Sie dann gezielt Ausnahmen zulassen.

Abbildung 4: NoScript ist ein Plug-in für Firefox, mit dem Sie verhindern, dass der Browser unerwünschte aktive Elemente ausführt.

Abbildung 4: NoScript ist ein Plug-in für Firefox, mit dem Sie verhindern, dass der Browser unerwünschte aktive Elemente ausführt.

Privacy

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt wird oft vernachlässigt: Die so genannte Privacy (wörtlich etwa: Privatheit, Achtung der Privatsphäre) wird verletzt, wenn persönliche Daten (etwa das Surf-Verhalten oder die Inhalte von E-Mails) bekannt werden. Über Tracking-Mechanismen können die Betreiber von Webseiten beobachten, wann Sie ihre Webseiten zuletzt besucht haben: Dank Browser-Cookies erkennen diese, wenn Sie die Seite erneut besuchen, und können dann z. B. Vorschläge zu interessanten Produkten machen – das ist an sich ein nützlicher Mechanismus. Allerdigns gibt es auch Tracking-Netzwerke, bei denen die Wiedererkennung über mehrere, verschiedene Webseiten hinweg funktioniert.

Vielen Anwendern ist dieser Versuch der Totalüberwachung nicht bewusst, und wenn sie davon erfahren, möchten sie das Verhalten abstellen. Das ist leicht zu schaffen, indem Sie einen anonymisierenden Proxy verwenden: Der leitet alle Webseitenzugriffe über zahlreiche andere Rechner zum Anbieter und verschlüsselt so, wo Sie herkommen. Dazu gehört dann aber auch, Cookies abzuschalten (oder diese nur im Bedarfsfall zuzulassen). Das Standardprogramm für diese Aufgabe heißt Tor (ehemals TOR in Großbuchstaben, als Abkürzung von “The Onion Router”; Abbildung 5), und dessen Einrichtung haben wir in einem älteren Artikel beschrieben [1].

Abbildung 5: Wenn Sie Tor nutzen und den Browser richtig konfigurieren, sind Sie als Besucher einer Seite nicht mehr wiedererkennbar.

Abbildung 5: Wenn Sie Tor nutzen und den Browser richtig konfigurieren, sind Sie als Besucher einer Seite nicht mehr wiedererkennbar.

Daten in der Cloud

Wer Daten in der Cloud speichert, also z. B. Google Mail verwendet, Officedokumente mit Google Docs erstellt oder einen Dropbox-Account (Abbildung 6) für die bequeme Synchronisation nutzt, legt diese Daten auf dem Server eines Unternehmens ab. Das setzt das Vertrauen voraus, dass sich der Betreiber nicht für diese Daten interessiert und sie nicht missbrauchen wird. Anbieter, die im Ausland sitzen, unterliegen zudem anderen Gesetzen als deutsche Anbieter, so dass evtl. ausländische Ermittlungsbehörden Zugriff auf die Daten haben.

Abbildung 6: Zwar können Sie bei Dropbox jederzeit sehen, welchen Geräten und welchen Apps Sie Zugriff auf die Daten gewähren, aber wenn Ihre Zugangsdaten ausgespäht werden, erhält ein Angreifer sofort Zugriff auf alle Dateien.

Abbildung 6: Zwar können Sie bei Dropbox jederzeit sehen, welchen Geräten und welchen Apps Sie Zugriff auf die Daten gewähren, aber wenn Ihre Zugangsdaten ausgespäht werden, erhält ein Angreifer sofort Zugriff auf alle Dateien.

Unabhängig von möglicherweise rechtmäßig angeordnetem Zugriff auf solche Daten gibt es auch das Risiko, dass die Diensteanbieter selbst Opfer eines Hacking-Angriffs werden und Daten so in fremde Hände fallen.

Für die Nutzung von Onlinediensten ist es generell wichtig, dass man für jeden Dienst ein eigenes Passwort (und am besten auch einen abweichenden Benutzernamen) verwendet, denn wenn Angreifer Zugriff auf die Benutzer- und Passwortliste eines Dienstes erhalten, testen sie, ob die Zugangsdaten auch für andere Angebote nutzbar sind. Wer hier konsequent auf unterschiedliche Passworte setzt, stellt zumindest sicher, dass im Falle eines erfolgreichen Angriffs nur die Inhalte kompromittiert sind, die beim betroffenen Dienst gelagert werden. Das hat nichts mit Linux zu tun, ist aber auch für Linux-Anwender wichtig.

Verschlüsselung

Wer Daten in der Cloud lagern möchte oder wer regelmäßig ein Notebook mit auf Reisen nimmt und sich wegen eines möglichen Diebstahls sorgt, sollte seine Dateien verschlüsseln – wenigstens die eigenen Dateien im Verzeichnis /home und genauso Dateien auf USB-Sticks, die auf Reisen verloren gehen können. Das ging unter Linux in früheren Jahren am leichtesten mit TrueCrypt, dessen Entwicklung aber eingestellt wurde. Eine Schweizer Webseite bietet die Software weiterhin zum Download an [4], so dass Sie etwa unsere letzte Anleitung zur TrueCrypt-Installation [5] nutzen können, die Software aber aus einer anderen Quelle beziehen. Für 64-Bit-Linux-Versionen benötigen Sie dazu das Paket truecrypt-7.1a-linux-x64.tar.gz.

Auch vertrauliche E-Mails sollte man verschlüsseln, entweder über S/MIME oder das in der Linux-Welt populärere GnuPG. Wie Sie S/MIME oder GnuPG unter Thunderbird einrichten, lesen Sie auch in einem älteren Artikel [6]. Die sichere Kommunikation via GnuPG setzt voraus, dass Sender und Empfänger beide die Software einsetzen; für den S/MIME-Einsatz muss man ein Zertifikat ausstellen lassen.

E-Mails lassen sich auf diese Weise nicht nur verschlüsseln, sondern auch signieren: Das ist eine elektronische Unterschrift, dank der ein Empfänger überprüfen kann, ob eine Mail wirklich vom vorgegebenen Absender stammt und ob sie auf dem Weg zu ihm verändert wurde.

Eine Datei verschlüsseln

Für die schnelle Verschlüsselung einer einzelnen Datei (etwa, um diese anschließend zu einem Cloud-Anbieter hochzuladen) eignet sich das Tool openssl, das bei OpenSuse und Kubuntu automatisch mit der Erstinstallation auf den Rechner kommt. Für seinen Einsatz müssen Sie Befehle in der Shell eingeben: Zum Verschlüsseln einer Datei geheim.txt verwenden Sie das Kommando

openssl des3 -in geheim.txt -out geheim.enc -salt

und geben dann zweimal ein Passwort ein, das als Schlüssel dient. Die so erstellte Datei gemein.enc ist nicht lesbar und kann nun auf einem fremden Server abgelegt werden. Zurück zum Original gelangen Sie später mit dem ähnlichen Kommando

openssl des3 -in geheim.enc -out geheim.txt -d -salt

bei dem die zusätzliche Option -d (decrypt) für das Entschlüsseln sorgt (Abbildung 7). Geht das Passwort verloren, ist eine Entschlüsselung nicht mehr möglich.

Abbildung 7: Mit "openssl" können Sie Dateien schnell verschlüsseln (und über die Zusatzoption "-d" wieder entschlüsseln).

Abbildung 7: Mit “openssl” können Sie Dateien schnell verschlüsseln (und über die Zusatzoption “-d” wieder entschlüsseln).

Paket-Aktualisierungen

Ältere Distributionsversionen, deren Support ausgelaufen ist, erhalten keine Paketupdates mehr, und damit auch keine Korrekturen von später bekannt gewordenen Sicherheitslücken. Hier hilft dann nur der Wechsel auf ein aktuelleres System, für das der Distributor noch Updates in die Paketrepositorys einpflegt. Wer das regelmäßige Distributionsupgrade umgehen möchte, kann eine der LTS-Versionen (Long Term Support) einsetzen, die es bei Ubuntu schon länger und neuerdings auch für OpenSuse gibt (siehe LTS-Artikel ab Seite 104).

Gefälschte Pakete

Auch in den Bereich der Softwarepakete fällt ein Angriffsszenario, bei dem nicht direkt ein individueller Anwender-PC attackiert wird – stattdessen versucht der Angreifer, einen Server zu übernehmen, der als Paketquelle für Linux-Distributionen dient. Hat er den Rechner einmal unter Kontrolle, kann er Pakete gegen selbst gebaute Ersatzpakete mit enthaltener Schadsoftware austauschen; Anwender installieren diese dann automatisch, wenn sie ein Paket aus dieser Quelle auswählen.

Der einfachsten Form dieses Angriffs haben die Linux-Distributionsentwickler aber einen Riegel vorgeschoben: Pakete werden signiert, das funktioniert ähnlich wie bei signierten Mails, und Angreifer können keine korrekte Signatur erzeugen, so dass die Paketverwaltung warnt, wenn Anwender versuchen, ein manipuliertes Paket zu installieren. Hier kommt es aber darauf an, als Benutzer nicht jede Warnmeldung zu Signaturen einfach wegzuklicken und dennoch zu installieren.

Es gibt auch legitime Gründe dafür, dass eine Warnung zu einer fehlenden (oder fehlerhaften) Signatur erscheint, aber die muss man im Einzelfall prüfen. Hat man eine Paketquelle z. B. für die Installation eines einzelnen Programms in die Repositoryliste aufgenommen (ohne ihren Signierschlüssel mitzuinstallieren) und danach vergessen, das Repo wieder zu entfernen, taucht eine solche Warnung immer dann auf, wenn die Paketverwaltung versucht, ein weiteres Paket dieser Quelle zu installieren.

Grundsätzlich sollte man für jedes Repository entscheiden, ob man dem Anbieter vertraut (dann integriert man den öffentlichen Signierschlüssel des Anbieters in den Schlüsselbund) oder nicht (dann erscheint für jedes Paket aus dieser Quelle eine Warnung). Vertrauenswürdig sind die direkt vom Distributor angebotenen Repositorys; dank der Schlüssel spielt es dabei auch keine Rolle, ob man später Pakete direkt vom FTP-Server des Anbieters oder von einem der Mirrorserver einspielt. Bei allen anderen Quellen ist es nicht möglich, eine generelle Empfehlung zu geben. Wer hier maximale Sicherheit haben möchte, sollte alle Fremdquellen ausschließen – muss dann aber auch damit leben, dass manche Programme nicht verfügbar sind.

Fazit

Es gibt gute Gründe, die Sicherheit eines Linux-Systems im Blick zu behalten – Grund zur Panik gibt es hingegen nicht; Windows-Anwender müssen sich deutlich mehr Sorgen um den Zustand ihres Rechners machen und an regelmäßige Aktualisierungen der Virensignaturen denken – unter diesem Stress stehen Linux-Nutzer nicht.

Zum Abschluss möchten wir Ihnen im Kasten Zwei Faktoren noch eine Möglichkeit vorstellen, durch einen physischen Schlüssel (Abbildung 8) für zusätzliche Sicherheit zu sorgen.

Abbildung 8: Der Yubikey Neo ist einer der neueren Vertreter von Schlüsseln, die zur Zwei-Faktor-Authentifizierung eingesetzt werden.

Abbildung 8: Der Yubikey Neo ist einer der neueren Vertreter von Schlüsseln, die zur Zwei-Faktor-Authentifizierung eingesetzt werden.

Zwei Faktoren: Zugangsschutz durch einen Hardware-Schlüssel

In der realen Welt ist vieles einfacher: Wenn man die Wohnung verlässt und abschließt, kann man sich recht sicher sein, dass nur Personen mit einem Schlüssel Zutritt zur Wohnung erhalten. Dazu kann man auch mehrere Schlüssel für dasselbe Schloss an Familienmitglieder, Freunde etc. verteilen. Solange kein Schlüssel abhanden kommt, können nur Profis die Wohnung unbefugt betreten.

In der digitalen Welt ist der Schlüssel meist ein Passwort: Auf den ersten Blick hat es dieselben Eigenschaften. Solange es nur berechtigten Personen bekannt ist, können keine Unbefugten Personen auf Daten, wie z. B. den Gmail-Account zugreifen. Anders als ein physischer Schlüssel kann ein Passwort aber leichter abhanden kommen. Der Sitznachbar in der Bahn kann heimlich über die Schulter schauen, oder ein Trojaner kann das Passwort ausspähen. Im Gegensatz zum physischen Schlüssel bemerkt man den Verlust des Passwortes nicht, das Passwort ist in diesem Fall ja nicht weg, sondern wurde lediglich kopiert und kann von nun an missbraucht werden.

Genau dieses Problem wird durch das Protokoll “Universal Second Factor” (FIDO U2F) gelöst. Dazu wird neben dem Passwort zusätzliche Hardware in Form eines USB-Sticks verwendet. Während der Anmeldung wird geprüft, ob der Benutzer im Besitz des USB-Sticks ist – nur dann wird der Zutritt gewährt. Der USB-Stick übernimmt damit die Rolle des physischen Schlüssels.

Die Hardware

Das Protokoll wurde von der FIDO Alliance (Fast Identity Online) [11], einem Zusammenschluss mehrerer großer Firmen, wie z. B. Google, Paypal und Microsoft, Ende 2014 festgelegt. FIDO U2F prüft über kryptografische Verfahren, ob der Nutzer im Besitz der Hardware ist. Da das Protokoll erst vor einigen Monaten veröffentlicht wurde, ist die Hardwareauswahl aktuell noch eingeschränkt. Zur Zeit stehen zwei FIDO U2F Security Keys zur Verfügung: Der Hersteller Yubico [7] mit Sitz in den USA und Schweden bietet einen Stick für ca. 17 Euro an [8], und beim französischen Unternehmen Plug-up [9] gibt es Stick für ca. 6 Euro [10]. Beide Geräte melden sich als Tastatur am Computer an, dadurch ist keine Treiberinstallation notwendig. Der Stick von Yubico verfügt zusätzlich über eine kleine Taste, die beim Anmeldeprozesses gedrückt werden muss; dagegen muss der Plug-up-Stick für jede Anmeldung erneut eingesteckt werden.

Beispiel: Google-Account

Da der Standard noch recht jung ist, wird er noch nicht von vielen Diensten unterstützt. Als erster großer Hersteller erlaubt Google in Verbindung mit dem eigenen Browser Chrome eine Anmeldung über FIDO-U2F-kompatible Sticks. Damit Ihr Account mit FIDO U2F geschützt wird, sind die folgenden Schritte notwendig:

  1. Loggen Sie sich in Ihren Google-Account (über https://myaccount.google.com) ein. Im Anschluss sollten Sie auf der Seite Kontoeinstellungen landen, auf der verschiedene Punkte, wie z. B. Ihre persönlichen Daten, zu sehen sind.
  2. Klicken Sie auf Anmeldung in zwei Schritten unter dem Abschnitt Anmelden und dann auf Einrichtung starten und folgen Sie den weiteren Anweisungen.
  3. Sie müssen zunächst Ihre Handynummer angeben. Daraufhin erhalten Sie per SMS einen Bestätigungscode, den Sie im nächsten Dialog eingeben.

Nach diesem Schritt haben Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS aktiviert. In diesem Modus erhalten Sie bei jeder Anmeldung in Ihrem Google-Account eine SMS mit einem Code, den Sie abtippen müssen. Das ist zwar relativ sicher, allerdings auch sehr umständlich und zeitraubend. Durch die Verwendung des FIDO-Sticks wird die Zwei-Faktor-Authentifizierung komfortabler und alltagstauglich. Um Ihren FIDO-Stick zum Profil hinzuzufügen, sind noch folgende Schritte nötig:

  1. Klicken Sie auf Sicherheitsschlüssel und dann auf Verwalten.
  2. Lesen und setzen Sie die Anweisungen auf dem Bildschirm um und klicken Sie auf Registrieren.
  3. Stecken Sie nun den FIDO-Stick an Ihren PC. Falls Sie den Stick von Yubico verwenden, drücken Sie die Taste am Stick, sobald diese blinkt (Abbildung 9).

    Abbildung 9: Bei der Anmeldung an einem Google-Dienst muss der physische Sicherheitsschlüssel in einer USB-Buchse stecken.

    Abbildung 9: Bei der Anmeldung an einem Google-Dienst muss der physische Sicherheitsschlüssel in einer USB-Buchse stecken.

Ihr Account ist nun durch den FIDO-Stick geschützt. Wenn Sie sich bei einem Google-Dienst anmelden, wird geprüft, ob der Stick vorhanden ist. Der Yubico-Stick kann dabei durchgängig eingesteckt bleiben, es muss lediglich die Taste während des Anmeldeprozess gedrückt werden, sobald diese blinkt. Der Plug-up-Stick muss dagegen für jede Anmeldung erneut eingesteckt werden.

Vertrauenswürdige Computer

Die Zwei-Faktor-Authentifizierung können Sie für einzelne Geräte deaktivieren. Beim Anmeldeprozess wurde schon (sofern nicht anders angegeben) der aktuell genutzte PC als Ausnahme festgelegt. Das bedeutet, dass Sie sich nur an anderen Geräten mit dem zweiten Faktor authentifizieren müssen. So können z. B. den heimischen PC als Ausnahme definieren. Der Laptop für unterwegs sollte dagegen besser geschützt sein und den zweiten Faktor nach wie vor abfragen.

Wenn Sie sich mit einem neuen Gerät via FIDO-Stick anmelden, können Sie jeweils entscheiden, ob dieser Computer vertrauenswürdig ist und in Zukunft der zweite Faktor nicht überprüft wird.

Ausnahmen für Anwendungen

Falls Sie Ihren Google-Account außerhalb des Browsers verwenden, z. B. E-Mails in Thunderbird abrufen oder an Ihrem Android-Mobiltelefon auf das Google-Konto zugreifen, ist eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zunächst nicht vorgesehen. Aus Sicherheitsgründen wird die Anmeldung deshalb nicht erlaubt. Um dennoch Ihre Anwendungen wie gewohnt zu nutzen, können Sie App-spezifische Passwörter vergeben und damit jeder Anwendung ein eigenes Passwort zuweisen, z. B. ein Passwort für Thunderbird und ein seperates Passwort für Ihr Smartphone. Diese Passwörter ermöglichen den Zugriff auf Ihr Konto ohne zweiten Faktor. Damit durchbrechen Sie zwar das Konzept des sicheren Hardwareschlüssels, aber durch die Vergabe eines separaten Passworts pro Anwendung federn Sie diesen Sicherheitsverlust ein wenig ab. Geht z. B. das Mobiltelefon verloren, können Sie das spezifische Passwort für dieses Gerät sperren.

Deaktivieren der Stick-Nutzung

Falls Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung wieder deaktivieren möchten, loggen Sie sich in Ihrem Google-Account (wieder https://myaccount.google.com/) ein und wählen wieder die Bestätigung in zwei Schritten im Abschnitt Anmelden aus. Auf der folgenden Seite finden Sie auf der rechten Seite die Möglichkeit, den zweiten Faktor zu deaktivieren.

Fazit

Für Benutzer, die ihr Google-Konto hauptsächlich im Browser verwenden, ist die Umstellung auf den zweiten Faktor nur mit geringem Aufwand verbunden. Die Einrichtung ist in wenigen Minuten erledigt, der Komfort im Alltag kaum eingeschränkt. Das Drücken der Taste bei jedem Einloggen wird schnell zur Gewohnheit und fällt kaum auf.

Benutzer, die weitere Geräte verwenden, müssen etwas mehr Aufwand betreiben. Jede Anwendung benötigt ein eigenes Passwort, die Umstellung wird so schnell zeitraubend. Die Sicherheit Ihrer Daten, wie z. B. persönlicher E-Mails in Ihrem Google-Konto, ist durch diese Maßnahme aber deutlich erhöht. Ohne Ihren FIDO-Schlüssel sollte keine unbefugte Person auf Ihre Daten zugreifen können, selbst wenn sie die Zugangsdaten herausfindet. (Christian Moch/hge)

Infos

[1] Tor-Artikel: Thomas Drilling, “Das Zwiebelprinzip”, EasyLinux 04/2013, S. 54 ff., http://linux-community.de/30172

[2] NoScript: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/noscript/

[3] Wikipedia (englisch) zu Linux-Schadsoftware: http://en.wikipedia.org/wiki/Linux_malware

[4] TrueCrypt-Archiv: https://truecrypt.ch/

[5] TrueCrypt auf USB-Sticks: Martin Loschwitz, “Sicher unterwegs – Verschlüsselte USB-Sticks mit TrueCrypt”, EasyLinux 01/2014, S. 61 ff., http://linux-community.de/31337

[6] Artikel zu Mail-Verschlüsselung: Florian Effenberger, “Briefgeheimnis”, EasyLinux 04/2012, S. 36 ff., http://linux-community.de/27114

[7] Yubico: https://www.yubico.com/

[8] Yubico Fido U2f Security Key: https://www.yubico.com/products/yubikey-hardware/fido-u2f-security-key/

[9] Plug-up: http://www.plug-up.com/

[10] Plug-up Security Key: http://sk.plug-up.com/

[11] FIDO Alliance: https://fidoalliance.org/

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