Trotz E-Book, Kindle und Internet: Das gute alte Buch hat selbst im Computerumfeld nicht ausgedient. Der Markt an Linux-Titeln hat sich aber in den letzten Jahren extrem konsolidiert. Was schlecht für Verlage und Autoren ist, erleichtert Ihnen die Auswahl.
Keine Frage: Bücher und Zeitschriften stehen im Bereich der Special-Interest- und Fachpublikationen in Konkurrenz. Trotzdem möchten wir Ihnen folgende von uns sorgfältig vorausgewählte Titel zur Begleitung Ihres Linux-Einstiegs ans Herz legen. Auch wenn Sie aktuelle, substanzielle Informationen und Hilfe am besten aus EasyLinux sowie aus unserem umfangreichen Archiv beziehen, hat ein gut gemachtes Buch seine Daseinsberechtigung, sei es als Motivationsförderer beim Schmökern im Zug oder Schwimmbad oder als Nachschlagewerk neben dem Schreibtisch. Apropos E-Books: In keiner anderen Branche haben sich diese so früh und flächendeckend durchgesetzt wie in der IT, doch Papier vermittelt für viele Nutzer neben einem gewissen Retro-Charme oft eine höhere Wertigkeit und motiviert allein durch den Besitz dazu, sich intensiv mit den gebotenen Informationen auseinanderzusetzen. Darüber hinaus ist es unter Didaktikern kein Geheimnis, dass ein abgetippter Befehl viel eher im Langzeitgedächtnis haften bleibt als ein per Copy & Paste kopierter – letzterer nämlich gar nicht.
Um sich bei Ihrer Auswahl nicht allein auf die Bewertung in diesem Artikel stützen zu müssen, präsentieren wir Ihnen auf unserer Heft-DVD Probekapitel zu allen hier besprochenen Titeln.
Linux (Kofler)
Der Kofler gilt mit seinen nunmehr 1435 Seiten als Bibel der Linux-Nutzer. Die erste Auflage erschien bereits 1996 beim damals noch von Pearson unabhängigen Addison-Wesley-Verlag, und die Jubiläumsausgabe des von Kofler laufend aktualisierten Werks kam 2006 in der damals siebten Auflage auf den Markt. 2013 gab Pearson für viele Brancheninsider völlig überraschend bekannt, in der Vermarktung der IT-Literatur keine Zukunft mehr zu sehen, und fuhr das Angebot an PC-Literatur der Marken Addison-Wesley und Markt+Technik von heute auf morgen auf Null zurück. Falls Sie sich für die Hintergründe interessieren, finden Sie auf der Homepage von Michael Kofler [1] eine lesenswerte Stellungnahme zum Thema.
Der Begleiter in allen Lebenslagen
Das Kofler-Buch wechselte dann noch im selben Jahr zu Galileo Press, wo das Linux-Standardwerk seit Oktober 2013 in erster Auflage 2014 in völlig überarbeiteter und aktualisierter Form mit satten 43 Kapiteln erscheint. Kofler richtet sich traditionell gleichermaßen an Einsteiger und Profis. Streng genommen ist das Buch didaktisch so konzeptioniert, dass es den Einsteiger vom ersten Tag in seiner Entwicklung zum Profi begleitet, allein aufgrund seines schwergewichtigen Formates aber auch als immer griffbereites Nachschlagewerk dient. Mit seinen rund 2,4 kg eignet sich der Kofler dagegen weniger fürs Schwimmbad.
Inhaltlich gibt es den zahlreichen positiven im Netz verfügbaren Rezensionen wenig hinzuzufügen. Für Sie als Einsteiger ist wichtig: Der promovierte Linux-Experte ist seit vielen Jahren als Fachbuchautor tätig, was sich bei diesem Buch in vielfältiger Weise widerspiegelt. Das gilt nicht nur für den Schreibstil und das fachliche Know-how. Vor allem Koflers praktischer Hintergrund schlägt sich in zahlreichen Details nieder. So behandelt er nicht nur allgemeingültiges Linux-Wissen, sondern geht ganz konkret auf die spezifischen Besonderheiten von Ubuntu und OpenSuse (den von EasyLinux unterstützten Distributionen) sowie Debian, Red Hat Enterprise Linux, CentOS und Fedora ein. Auch zeitnahe Entwicklungen, wie die neuen Anwendungsmöglichkeiten von Linux etwa im Zusammenhang mit einem Raspberry Pi werden berücksichtigt.
Besonders hervorzuheben ist die gebotene Aktualität: wenn man weiß, wie Computerbücher im Allgemeinen entstehen und wie der Produktionsprozess funktioniert, muss man davon ausgehen, dass der Autor sehr nah am Puls der aktuellen Entwicklungen ist und darüber hinaus vorausschauend schreibt.
Praxisnah
Trotz der im hinteren Teil durchaus anspruchsvollen Themen, die unter anderem auch den Servereinsatz behandeln, werden Sie als Einsteiger mit dem Werk auf lange Strecken nicht überfordert sein. Besonders erwähnenswert sind Praxiskapitel, in denen Kofler anhand von Szenarien konkrete Troubleshooting-Handreichungen aufzeigt. Neben einer ausführlichen Einführung in die wichtigsten Desktop-Umgebungen gibt es auch einen umfangreichen Teil, der sich ausschließlich populären Anwendungen widmet. Aber auch dieser Teil wird nicht isoliert betrachtet, sondern anhand konkreter Praxisszenarien. So erfahren Sie etwa im Multimedia-Kapitel nicht nur, mit welchen Gnome- oder KDE-Anwendungen Sie DVDs brennen, Videos anschauen oder Audioaufnahmen erstellen, sondern werden durch Praxisbeispiele von den elementaren Grundlagen im Bereich Multimedia zu einem funktionierenden Workaround geführt.
Generell ist das Buch nach Nutzungsszenarien gegliedert, also Desktop, Server oder Administration. Dazu gibt es einen komplett eigenen Buchteil zum Thema Sicherheit und im Bereich Desktop-Nutzung separate Kapitel über die Virtualisierungslösung VirtualBox und den Raspberry Pi. Eine effizientere und gleichsam unterhaltsamere Nachtlektüre zum Thema gibt es nicht. Daher zitieren wir an dieser Stelle gern ein Fazit unserer Schwesterzeitschrift Linux-Magazin: “Dürfte man einem Linux-Einsteiger nur ein einziges Buch in die Hand drücken, sollte es der Kofler sein.”
Ubuntu 14.04 LTS (Fischer)
Der Titel “Ubuntu 14.04 LTS” von Marcus Fischer befasst sich ausschließlich mit der aktuellen Langzeit-Release von Ubuntu. Der Autor [2] arbeitet als Physiker an der Universität Hamburg und hat als Linux-Experte ebenfalls bereits viele Bücher zum Thema geschrieben.
“Ubuntu 14.04 LTS” ist wie Koflers “Linux” kein reines Einsteigerbuch, sondern behandelt auch den Servereinsatz und das Thema Virtualisierung, aber nur auf Basis von Ubuntu. Auch dieser Schinken bringt es auf rund 1100 Seiten und eignet sich daher ebenfalls kaum für unterwegs. An Quantität und Qualität der gebotenen Informationen gibt es nichts auszusetzen, der Autor braucht aber eine ganze Weile, bis er aus Sicht des erwartungsvollen Einsteigers zur Sache, also zum Installieren von Ubuntu kommt. Die klassische Linux-Abstammungslehre findet sich immerhin auch in anderen Werken. Dafür finden Leser, die sich aus Überzeugung ganz und gar für Ubuntu entschieden haben eine lückenlose Aufbereitung der Ubuntu-Geschichte ab Version 4.10 (Warty Warthog) samt sämtlicher Besonderheiten, Designentscheidungen und Randanekdoten. Das ist sicher amüsant und lesenswert, zum Installieren einer aktuellen Ubuntu-Version aber nicht zwingend erforderlich. Anderseits ist der Blick auf historische Designentscheidungen ganz nützlich, um die eine oder andere Besonderheit von Ubuntu im Lichte der strategischen Ziele des Ubuntu-Sponsors besser zu verstehen.
Desktop-Virtualisierung
Das Kapitel zur Desktop-Virtualisierung erweckt falsche Erwartungen, weil es hier nicht um Enterprise-VDI-Lösungen (Virtual-Desktop-Infrastruktur) geht, sondern um Virtualisierungslösungen für den Desktop, wie z. B. VirtualBox. Das ist aber gerade für Linux-Einsteiger und -Nutzer ohnehin das interessantere Thema. Warum dazu allerdings zunächst alle erdenklichen Virtualisierungstechnologien erläutert werden, weiß allein der Autor, zumal im Gegensatz zu Koflers “Linux” der im Linux-Kernel enthaltene KVM-Hypervisor nicht behandelt wird. Auch das muss Einsteiger aber nicht weiter stören.
Unity
Was Details zu Ubuntu betrifft, gibt es derzeit sicher kein umfassenderes Werk. Trotzdem behandelt Fischer auch allgemeine Linux-Themen wie Office und Multimedia. Leider widmet er sich beim User-Interface nur dem Unity-Desktop. Das ist zwar nachvollziehbar, wenn das Buch “Ubuntu” heißt – wirft man aber einen Blick auf das Gesamtkunstwerk mit seinen 1100 Seiten, stellt sich die Frage, warum der Autor nicht das eine oder andere Thema aus der Linux-/Unix-Mottenkiste zugunsten eines Kapitels zu KDE, Xfce oder LXDE geopfert hat, zumal das Buch mit einem eigenen Kapitel zu Ubuntu Touch überrascht. Ubuntu-Anwender können schließlich auch andere Desktops als Unity installieren, auch wenn Unity als Canonical-Eigenentwicklung eine der Besonderheiten von Ubuntu ist.
Referenz
Weit über Einsteigeransprüche hinaus gehen eine sehr umfangreiche Befehlsreferenz und ein vollständiges Kapitel zu Programmiersprachen sowie zu LaTeX. Nicht alle gebotenen Informationen, die häufig auf einer historischen Aufarbeitung der zugrunde liegenden Entwicklung basieren, sind aus heutiger Sicht notwendig, wie etwa die Ausführungen zu System-V-Init oder zur manuellen Kernel-Konfiguration im Kapitel zur Architektur von Linux, allerdings richten sich diese Abschnitte auch nicht mehr an Einsteiger.
Wie bei Koflers “Linux” widmet auch Fischer einen kompletten Buchteil der Installation von Ubuntu auf Servern. Dabei scheut der Autor z. B. auch vor einem eigenen Kapitel zum Thema Monitoring nicht zurück, bespricht dort aber ausschließlich das manuelle Einrichten von Nagios, auch wenn die Nagios-Forks Shrinken und Icinga bei vielen Administratoren heute weitaus populärer sind. Spätestens bei den Kapiteln zum Domain Service, MySQL oder dem Aufsetzen eines Webservers werden Einsteiger bei der Erstlektüre sicher aussteigen, aber das gilt für den Kofler genauso: Auch der verliert sich im hinteren Teil in weit fortgeschrittenen Themen, allerdings ist Ubuntu eine Distribution, die sich mehr als alle anderen an Anwender richtet. Bis Sie so weit sind, könnten die Informationen im Serverteil durchaus nicht mehr ganz so aktuell sein. Hier ist der Kofler häufig näher am technologischen Puls der Linux-Welt.
Viele Tipps
Marcus Fischers “Ubuntu 14.04” wirbt auf dem Cover mit “über 350 Tipps”, die sich lose über den gesamten Inhalt verteilen, aber nummeriert und damit identifizierbar und wiederauffindbar sind. Die Tipps geben im Wesentlichen ergänzende Informationen zum gerade behandelten Thema, sind aber insgesamt von sehr unterschiedlichem Nutzwert. Fischers Werk ist zweifelsohne ein gutes Buch und sein Geld wert, allerdings fehlt es dem Buch im Vergleich zum Kofler etwas an Struktur. Wer für den Linux-Einstieg Ubuntu wählt, für den ist dieses Buch sehr zu empfehlen.
Einsteig in Linux (Wendzel, Plötner)
Mit “Einsteig in Linux” hat Galileo Press ein weiteres für Einsteiger geeignetes Linux-Buch im Verlagsprogramm, das ebenfalls von hochkarätigen Autoren stammt. Steffen Wendzel leitet am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) in Bonn ein Forschungsteam, und Johannes Plötner beschäftigt sich beruflich seit über 15 Jahren mit Linux als Server-Betriebssystem. Das Buch wird seit der Ersterscheinung 2004 regelmäßig aktualisiert. Wendzel ist zudem Autor vieler weiterer Linux-Fachbücher [3], und auch Johannes Plötner ist bekannter Fachautor und Experte im Bereich Unix/Linux und IT-Sicherheit: Er hat ebenfalls viele Fachbücher und Artikel zum Thema Linux unter anderem bei Linux Openbook[4] veröffentlicht.
Galileo Press hat damit drei Titel im Programm, die sich zum Teil inhaltlich überschneiden, allerdings weisen die Bücher von Kofler und Wendzel/Plötner jeweils bereits eine beträchtliche Historie auf, und Koflers Werke gibt es ja erst seit diesem Jahr bei Galileo Press. Auch “Einstieg in Linux” erscheint bereits in 6. Auflage. Mit knapp 420 Seiten fällt es deutlich kompakter aus. Es versteht sich zwar als Distributions-unabhängiges Einsteigerbuch, widmet sich aber in der gerade aktualisierten Ausgabe im Wesentlichen Ubuntu 14.04 und OpenSuse 13.1. Ein etwas kompakteres Installationskapitel gibt es aber auch zu Fedora 20. Dafür besprechen die Autoren die Desktops KDE, Gnome und Unity.
Bootstrap
Im Anschluss an die durchaus gelungene Beschreibung der Installation von Ubuntu, OpenSuse und Fedora schließt sich ein vom Titel vielversprechendes Kapitel zur “Funktionsweise von Linux” an, das allerdings recht kompakt ausfällt und zum Teil ebenfalls historischen Ballast mitschleppt. Im Folgekapitel “Der Bootstrap-Vorgang”, das sich umfangreicher als für Einsteiger nötig mit dem Systemstart befasst, verweilen die Autoren ebenfalls recht lange beim überholten System-V-Init-System, bringen aber immerhin noch Ubuntus upstart ins Spiel. Zum von OpenSuse und Fedora verwendeten systemd, das auch Canonical in den kommenden Ubuntu-Versionen einsetzen will, findet sich kein Wort. Auch im Kapitel “Grundlegende Administration” gibt es zum Teil historische Altlasten, wie etwa Ausführungen um Slackware-Paketsystem.
Shell-Skripte
Auch dieses Autorenteam kann der Versuchung nicht widerstehen, ein komplettes Kapitel dem Thema Shell-Skripte und Shellskript-Programmierung zu widmen, und befasst sich dann in weiteren Kapiteln mit regulären Ausdrücken und dem Editor vi. Was für umfassende Nachschlagewerke wie den Kofler in Ordnung ginge, ist hier im Anbetracht des Titels “Einstieg in Linux” etwas unangebracht.
Auch dieses Buch leidet etwas an einer unübersichtlichen Struktur. Erst nach dem fortgeschrittenen Kapitel zur Skript-Programmierung und einem umfassenden Kapitel zum TCP-/IP-Networking widmen sich die Autoren im Rahmen eines Kapitels zu populären Netzwerkanwendungen (wie Apache, Samba, FTP oder Usenet) auch dem Thema E-Mail. Dabei kann man sich schon fragen, was FTP oder Usenet in einem aktuellen Einsteigerbuch zu suchen haben. Die für Einsteiger wirklich spannenden Themen wie Multimedia, Raspberry Pi und Spiele folgen dann erst in den letzten Kapiteln, aber niemand zwingt Sie ja, dieses Buch linear zu lesen.
Nicht linear
Wenn Sie es aber linear konsumieren, werden Sie bei diesem Buch mitunter – häufiger aber als bei Michael Kofler – auf anfangs nur oberflächlich angerissene Informationen stoßen, deren Sinn sich oft erst im hinteren Teil des Buches oder manchmal auch gar nicht erschließt. Anders ausgedrückt: Aus Sicht echter Einsteiger setzen die Autoren anfangs Vieles voraus, was sie erst später erklären. Von strukturellen Mängeln abgesehen schreiben die beiden Experten aber sehr kompetent und mitunter auch humorvoll. Dabei vermeiden sie es bewusst und gekonnt, Stellung zur einen oder anderen Distribution zu beziehen. Vielmehr animieren Sie den Leser zu einem Blick über den Tellerrand und dazu, auch andere Distributionen auszuprobieren. Zitat: “Das Arbeiten ist dabei überall und unter jeder Distribution gleich – Unterschiede ergeben sich nur bei der Installation, der Konfiguration und teilweise der Administration, wie zum Beispiel beim Aktualisieren des Systems.”
Unter dem Strich ist “Einstieg in Linux” ein lesenswertes Buch, um sich Appetit auf das Abenteuer Linux zu holen. Für das Lesen unterwegs ist es von seinen Ausmaßen im Gegensatz zu den beiden anderen Kalibern gerade noch geeignet und zudem etwas preisgünstiger.
Ubuntu 14.04 für Ein- und Umsteiger (Troche)
“Ubuntu 14.04 für Ein- und Umsteiger” von Christoph Troche ist vom Preis (14,99 Euro) und Umfang (272 Seiten) deutlich Schwimmbad-freundlicher und in der gerade aktualisierten Auflage zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch gar nicht im Handel. Trotzdem finden Sie auf unserer Heft-DVD ein Probekapitel als Vorschau. Auch Christoph Troche ist als Autor kein Unbekannter und hat zahlreiche Bücher zu den Themen FritzBox und Android veröffentlicht. Troches Buch ebnet – und da hält der Titel sein Versprechen – tatsächlich nur den Weg zu einem gelungenen Einstieg in Linux, aber auch nicht mehr. Das Buch adressiert dabei in besonderer Weise Windows-Umsteiger. Es ist zwar verständlich geschrieben, bleibt aber mit Absicht im wahrsten Sinne des Wortes an der Oberfläche von Ubuntu. So eignet es sich aber gerade deswegen hervorragend für “absolute beginners”.
An der Ubuntu-Oberfläche
So lautet beispielsweise eine Kapitelüberschrift “Die Grafikkarte einrichten”, der Leser erfährt dann aber nur, dass Ubuntu die Grafikkarte automatisch einrichtet und er besser beim automatisch erkannten Treiber bleiben solle. Zitat: “Ob und welchen Hersteller-Treiber Sie verwenden sollten, kann ich Ihnen natürlich nicht sagen”. In der Tat konfigurieren heutige X.Org-Versionen die Grafikkarte immer automatisch, das gilt nicht nur für Ubuntu. Sollte dies aufgrund einer exotischen Grafikkarte scheitern, werden echte Einsteiger immer ein Problem haben. Was Ubuntu in dieser Sache auszeichnet, ist die komfortable Möglichkeit zum Installieren proprietärer Treiber. Auch beim Kapitel “Drucker einrichten” verweist der Autor im Prinzip lediglich auf www.linuxprinting.org, wenn Ubuntu das automatische Installieren eines Druckers nicht gelingt. Diese Art der Oberflächlichkeit setzt sich fort. Beim Kapitel “Scanner einrichten” gibt es etwa einen kurzen Verweis auf SANE. Andererseits wird der Autor damit durchaus der Zielgruppe und dem angestrebten kompakten Format gerecht. Alles, was heutige Distributionen nicht automatisch erledigen, wird Windows-Umsteiger letztendlich doch zwingen, sich über Sekundärliteratur, wie etwa “dem Kofler”, intensiver als geplant mit Linux auseinanderzusetzen.
Anwendungen
Dafür beschreibt Christoph Troche relativ ausführlich die Anwendungsebene, was für echte Einsteiger im Zweifel auch nützlicher ist. So gibt es unter anderem ausführliche Handreichungen zum Einrichten von Thunderbird samt Kalender-Plug-in und zum Migrieren vom Internet Explorer zu Firefox bzw. Epiphany, und das Buch beschreibt recht ausführlich die Inbetriebnahme von VirtualBox samt Kernel-Modulen und DKMS-Paketen. Allerdings sind z. B. bei VirtualBox Screenshots wie “Der Willkommensbildschirm” relativ nutzlos.
Ebenfalls für Einsteiger gedacht ist ein komplettes Kapitel zu LibreOffice, was allerdings nichts Ubuntu-Spezifisches ist. Jedes Kapitel nennt am Anfang eine Art “Lernziel” und fasst vorab die dazu erforderlichen “Schritte zum Erfolg” zusammen. Durchsetzt ist das Buch wie bei Marcus Fischer von zusätzlichen Tipps, die aber nicht nummeriert sind.
Abgerundet wird das Werk von einem Kapitel zu Cloud-Speichern wie Dropbox und zum Thema Sicherheit. Dann folgt noch ein eigenes Kapitel, das mehr oder weniger sinnfrei die bei Ubuntu mitgelieferten Programme auflistet.
Der Autor schließt das Buch mit einem sehr ausführlichen Kapitel zur VPN-Konfiguration ab, wobei sich nicht ganz erschließt, warum es keinen Abschnitt zur Netzwerkkonfiguration gibt. Ein solches müsste nicht im epischer Tiefe die TCP-/IP-Historie aufarbeiten wie Marcus Fischers Werk. Zwar beschreibt der Autor im Kapitel “Ubuntu einrichten” recht ausführlich, wie Sie WLAN, Modem, UMTS-Stick oder DSL-Modem einrichten, obwohl in den meisten Heimnetzen ein Router werkeln sollte, beschränkt sich aber beim Thema statische IPv4-Konfiguration auf den Hinweis: “Diese Methode sprengt den Rahmen des Buches”.
Trotz allem ist “Ubuntu 14.04 für Ein- und Umsteiger”, besonders gemessen am günstigen Preis, eine vernünftige Investition für Windows-Umsteiger, und gerade der Preis lässt nach dem erfolgreichen Bewältigen der ersten Schritte noch Luft für den Kauf eines umfassenderen Titels (hge).
Informationen
| Buch | Linux | Ubuntu 14.04 LTS | Einstieg in Linux | bhv Praxis Ubuntu 14.04 für Ein- und Umsteiger |
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| Autor | Dr. Michael Kofler | Marcus Fischer | Steffen Wendzel, Johannes Plötner | Christoph Troche |
| Verlag | Galileo Press | Galileo Press | Galileo Press | MITP Verlags GmbH |
| URL | https://www.galileo-press.de/linux_3436/ | https://www.galileo-press.de/ubuntu-1404-lts_3655/ | https://www.galileo-press.de/einstieg-in-linux_3667/ | http://www.it-fachportal.de/shop/buch/Ubuntu%2012.04/detail.html,b183620 (Link führt zur alten Auflage) |
| ISBN | 978-3-8362-2591-5 | 978-3-8362-2960-9 | 978-3-8362-2975-3 | 978-3-8266-7641-3 |
| Preis Buch | 49,90 | 49,90 | 24,90 | 14,95 |
| Preis E-Book | 44,90 | 44,90 | 19,90 | – |
Infos
[1] Webseite von Michael Kofler: http://kofler.info/blog/200/126/Das-Ende-von-Addison-Wesley-und-die-Zukunft-des-IT-Buchs/
[2] Webseite von Marcus Fischer: http://www.marcus-fischer.com/
[3] Webseite von Steffen Wendzel: http://steffen-wendzel.blogspot.de/p/blog-page.html
[4] Johannes Plötner bei Linux Openbook: http://linuxbuch.blogspot.de/p/johannes-plotner.html





