Studie widerlegt teilweise Argumente der Filmindustrie gegen File-Sharing

Studie widerlegt teilweise Argumente der Filmindustrie gegen File-Sharing

Zeit für Popcorn

Die Filmindustrie wird nicht müde, File-Sharer rund um den Globus zu jagen. Die Szenarien, die dabei oft als Begründung herhalten, gehören aber zumindest auf den Prüfstand, denn eine neue Studie zeigt: In einigen Fällen profitieren die Unternehmen leicht von der recht frühen Bekanntheit.

Der Wirtschaftsprofessor Koleman Strumpf hat in einer Studie Daten der “Hollywood Stock Exchange” mit denen einer großen Bittrorrent-Seite verglichen. Die Titel an der Börse sind vorwärtsgerichtet und abhängig von Nachrichten zum entsprechenden Film. Neuigkeiten, wie Trailer oder andere Berichte, beeinflussen den Kurs der Papiere. Die Studie betrachtet insbesondere den Effekt, den das Aufkommen von Aufnahmen eher schlechter Qualität in den Tauschbörsen kurz vor dem Start eines Films hat und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Daten in Kombination mit der gleichzeitigen Werbekampagne einen leicht positiven Effekt auf den Erlös haben. Wie es mit der langfristigen Vermarktung aussieht, darüber sagt die Studie nichts aus.

Für ein kollektives Aufatmen ist es also zu früh. Das zeigt sich auch an einer jüngsten Aktion der Motion Pictures Assocition of America (MPAA), die sich auf einem Feldzug gegen das Programm Popcorn und deren Ableger befindet. Die Software stammt aus einem studentischen Projekt und erlangte große Beliebtheit, weil sie im Grunde genommen das tut, was sich Anwender seit unerdenklichen Zeiten von der Medienindustrie wünschen: Sie gewährt in einer ansprechenden und zugleich intuitiven Oberfläche Zugriff auf aktuelle Blockbuster und weniger bekannte Filme in jeder erdenklichen Qualität. Einziger Haken: Alle Filme stammen aus Tauschbörsen.

Um dem “Problem” nun Herr zu werden, greift die MPAA auf kreative Strategien zurück: So schickte sie jüngst ein Schreiben an die Hosting-Plattform Github, mit der Bitte, die Dateien der Projekte “Time4Popcorn” und “Popcorn Time” offline zu nehmen. Das Anschreiben liest sich wie ein klassischer DMCA-Takedown, der dann gerechtfertigt wäre, wenn sich auf den betreffenden Seiten kopiergeschütztes Material befände. Das Problem der MPAA in diesem Fall liegt aber in der Tatsache, dass sie nicht die Rechte an der entsprechenden Software besitzt. Also gibt man sich höflich:

We are writing to notify you of, and request your assistance in addressing the extensive copyright infringement of motion pictures and television shows that is occurring by virtue of the operation and further development of the GitHub projects Popcorn Time, and Time4Popcorn (the “Projects”).

Die Betreiber der Hosting-Plattform kamen der Bitte nach, da die Bedingungen von Gthub den Einsatz der Plattform für Projekte mit illegalen Zielen verbietet (siehe Punkt 8):

You may not use the Service for any illegal or unauthorized purpose. You must not, in the use of the Service, violate any laws in your jurisdiction (including but not limited to copyright or trademark laws).

Das Spannungsfeld zwischen legitimen Gewinnstreben und einfachem Zugriff auf Filme bleibt der Welt also noch eine Weile erhalten. So zeigt die Website von “Popcorn Time” den trotzigen Claim:

This PopcornTime service will never be taken down.

Für Linux-Anwender ist das Problem besonders aktuell, da die kommerziellen Streaming-Lösungen über den Webbrowser bei Diensten wie Watchever, Amazon Prime Video, Maxdome, Sky Go und dem Branchenprimus Netflix in der Regel auf das Microsoft-Framework Silverlight aufsetzen, um die Rechte an den Filmen zu verwalten. Silverlight steht aber aus naheliegenden Gründen nicht für Linux und die darauf laufenden Browser bereit. Als Ausweg bleibt die Alternative Pipelight. Wie ein Artikel in LinuxUser 07/2014 zeigt, ist auf diesem Weg zwar möglich, auf die Bibliotheken zuzugreifen. Das Ganze gestaltet sich aber recht umständlich, und ständige Versionswechsel zwingen zu häufigen Updates. Komfort sieht anders aus. Es bleibt also nachvollziehbar, wenn manch einer da die Nerven verliert und sich nach bequemeren Alternativen umschaut.

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Pirat
11 Jahre her

Wenn es einen Streaminganbieter gäbe, der aktuelles (betonung auf aktuelles) DRM-freies Material für Linux bereitstellen würde, dass man optional auch Downloaden kann, würde ich gerne einen monatilichen Betrag von ca. 10 EUR zahlen.

Die Industrie hat da bisher ganz klar verschlafen, bzw. bewusst nicht gemacht, da sie Angst hat, dass ihnen die Felle wegschwimmen.

Wenn der Marktdruck allerdings irgenwann zu gross wird, könnte sich die Situation bald ändern.

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