Cinnarch-Nachfolger Antergos

Aus LinuxUser 01/2014

Cinnarch-Nachfolger Antergos

Wachablösung

Arch Linux gilt weithin als System für Geeks. Das Arch-Derivat Antergos zeigt, dass auch normale Anwender durchaus eine Arch-basierte Distribution nutzen können.

Antergos 2013.11.17, die aktuellste Version des spanischen Cinnarch-Nachfolgers, gibt es in 32- und 64-Bit-Varianten. Dass das im November veröffentlichte Release in diesem Jahr bereits die dritte Neuauflage darstellt, hat ebenso wie der Namenswechsel von Cinnarch zu Antergos Kompatibilitätsgründe: Probleme mit dem ursprünglich benutzten Cinnamon-Desktop machten einen Wechsel zu Gnome 3 nötig, und auch gravierende Schwierigkeiten mit dem Display-Manager GDM erzwangen eine neue Version. Daher vollzog das Entwickler-Team einen Wechsel zu LXDM, was der Distribution spürbar und vor allem optisch gut getan hat.

Spartanisch

Antergos (http://antergos.com) startet als Live-CD und bootet in einen Gnome-3-Desktop. Der grafische Installer Cnchi bietet dann die Optionen, die Distribution zunächst zu testen oder wahlweise mit einem CLI-Installer oder einer grafischen Routine auf die Festplatte zu packen.

Für einen Test des Live-Systems schließen Sie Cnchi. Ein Klick auf die Schaltfläche Activities im oberen Panel öffnet links am Bildschirmrand die gewohnte Gnome-Favoritenleiste, die durch einen weiteren Klick auf das Kachel-Symbol alle installierten Applikationen auf den Desktop holt.

Hier fallen einige ungewöhnliche Programme auf: Der Micro-Blogging-Client Hotot ermöglicht den schnellen und komfortablen Zugriff auf Twitter und Konsorten. Der Media-Player Xnoise übertrumpft sogar den wieselflinken SMPlayer in Sachen Geschwindigkeit. Die Programmgruppe Sundry fasst einige altbekannte Konfigurationsprogramme zusammen, wie etwa den Dconf-Editor und andere entsprechende Tools.

Als Webbrowser dient Google Chrome in der aktuellen Variante 31.0. Mit Gedit befindet sich außerdem der Standard-Texteditor von Gnome in der Sammlung. Die ansonsten meist bei gängigen Linux-Distributionen mitgelieferten Boliden wie LibreOffice oder Gimp fehlen hingegen. Für LibreOffice gibt es immerhin einen Starter für dessen grafische Installationsroutine, sodass Sie das Office-Paket auf Wunsch bequem per Mausklick auf die Platte packen.

Auch einige kleinere weitere Applikationen wie das Kameraprogramm Cheese oder der Bildbetrachter Shotwell haben den Weg auf den Antergos-Desktop gefunden. Insgesamt wirkt das Software-Angebot auf den ersten Blick spartanisch. Zudem legten die Entwickler den Fokus unverkennbar auf sehr schlanke Anwendungen, die wenig Ressourcen benötigen.

Da auch der Festplatten-Installer Cnchi mit auf dem Desktop erscheint und in der Favoritenleiste ganz oben residiert, lässt sich Antergos jederzeit auf einem Massenspeicher installieren, ohne dass Sie dazu in ein Terminal oder Menüs wechseln müssten.

PacmanXG

Arch Linux hängt der Ruf an, sich nur für fortgeschrittene Anwender zu eignen, das es ihm an einfach zu bedienenden, grafischen Managementprogrammen fehle. In den letzten Jahren blieb die Entwicklung jedoch nicht stehen, und so bringt Arch Linux und damit auch Antergos ein eigenes Paketmanagementsystem mit, das viele Gemeinsamkeiten mit den DEB- oder RPM-basierten Distributionen aufweist.

Dabei ergänzt inzwischen das grafische Tool PacmanXG den in Arch/Antergos vorhandenen Paketmanager Pacman und wird von Haus auch bei der Live-Variante mit geladen, sodass Sie jederzeit Pakete installieren können. Die Oberfläche von PacmanXG wirkt im Vergleich zu Synaptic oder YaST etwas gewöhnungsbedürftig (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das grafische Frontend PacmanXG erleichtert die Paketinstallation.

Abbildung 1: Das grafische Frontend PacmanXG erleichtert die Paketinstallation.

Links im Programmfenster erscheinen die installierten Pakete, rechts finden Sie unterschiedliche Informationen zu den einzelnen Repositories und Paketgruppen sowie zu installierten Paketen. Hier führt PacmanXG auch alle Abhängigkeiten auf und zeigt verwaiste Pakete, die Sie aus dem System entfernen können.

Antergos ist vollständig binärkompatibel zu seiner Basis Arch Linux, sodass Sie deren sechs verfügbare Repositories auch hier uneingeschränkt nutzen. Arch Linux verfügt zudem über eine stattliche Anzahl von Spiegelservern, welche die Softwaresammlungen bereithalten. Die entsprechende Mirror-Liste vom Pacman dürfen Sie editieren und damit aktuellen Gegebenheiten anpassen. Außerdem können Sie eigene Listen mit bevorzugten Spiegelservern anlegen und in das System einbinden. In PacmanXG erreichen Sie die entsprechenden Dateien über die Settings-Schaltfläche im Startfenster und anschließende Auswahl von mirrorlist.

Über die Schaltfläche Tasks im Startfenster von PacmanXG erschließt sich der volle Funktionsumfang des Paketmanagementsystems. Sie installieren, aktualisieren und deinstallieren hier nicht nur Pakete (wie bei Synaptic und Co.), sondern entfernen über entsprechende Schaltflächen auch verwaiste Dateien aus dem System oder ziehen einzelne Dateien nach.

Sogar Downgrades klappen hier per Mausklick, sodass Sie schlecht funktionierende Aktualisierungen gegebenenfalls wieder durch die Vorversion ersetzen. Über die Schaltfläche Update System halten Sie Ihre Installation, wie bei Rolling Releases üblich, stets auf dem aktuellsten Stand, ohne dass ein Zwang zum Update besteht.

Als zusätzliches Feature bietet PacmanXG die Option, den Paketcache zu löschen. Dort puffert der Paketmanager üblicherweise die heruntergeladenen Pakete, was bei einer umfangreichen Installation schnell erheblichen Speicherplatz beansprucht. Mit dem Schalter Clean Package Cache räumen Sie den Cache per Knopfdruck auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Pacman bietet auch einige ungewöhnliche Optionen.

Abbildung 2: Pacman bietet auch einige ungewöhnliche Optionen.

Nach der Erstinstallation von Antergos gilt es, zunächst einmal die Paketlisten zu aktualisieren. Antergos richtet in der Grundvariante gut 600 Pakete auf der Platte ein. Der Paketmanager weist dabei detailliert aus, dass es sich bei gut 140 davon um Programme handelt, während die restlichen etwa 450 Pakete lediglich Abhängigkeiten erfüllen.

Um die in den Repositories verfügbaren Pakete in PacmanXG angezeigt zu bekommen, aktivieren Sie im Fenster Tasks des Paketmanagers zunächst die Option Synchronize Mirrors. Die Anzahl verfügbarer Pakete steigt danach auf gut 6000, wobei die Routine lediglich die Paketarchive Core, Community, Extras und Antergos nutzt. Sobald Sie im Installationsfenster ein Paket markieren und dessen Integration ins System anstoßen, zieht der Paketmanager sämtliche Abhängigkeiten automatisch nach.

Einstellungen

Die Konfiguration von Hardware und Desktop beschränkt sich bei Antergos auf wenige Optionen, sofern Sie beim vorgegebenen Gnome-Desktop bleiben. Das Betriebssystem bietet dazu lediglich das sehr spartanische Menü Settings an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Gnome-typisch fallen die Einstellmöglichkeiten sehr spartanisch aus.

Abbildung 3: Gnome-typisch fallen die Einstellmöglichkeiten sehr spartanisch aus.

Anders verhält es sich, wenn Sie als Arbeitsoberfläche den KDE-Desktop einrichten, der Einstellmöglichkeiten bis ins kleinste Detail bietet. Auch KDE SC installieren Sie bei Antergos bequem per Pacman nach. Das gleiche gilt für die Alternativen XFCE, Razor-qt und Cinnamon. Es steht Ihnen also frei, jederzeit den für Ihre Bedürfnisse und Hardware-Ressourcen optimalen Desktop zu nutzen.

Pro und Contra

In unserem Kurztest punktete Antergos vor allem durch seine Schnelligkeit und Stabilität. Dank des aktuellen Kernels 3.12 mit ausgezeichneter Hardware-Unterstützung treten auch auf ansonsten kapriziösen mobilen Systemen kaum Probleme auf. Die Distribution bringt zudem viele proprietäre Firmware-Dateien bereits mit, sodass sich entsprechende Komponenten sofort anstandslos ansprechen lassen.

Ein gewisses Manko stellt der im Vergleich zu Platzhirschen wie Debian, Fedora oder Mageia noch recht dürftige Umfang der Standard-Repositories dar. Sie sollten daher über die entsprechenden Pacman-Dateien zusätzliche Paketquellen einbinden. Außerdem fällt das Fehlen einer durchgängigen deutschen Lokalisierung unangenehm auf.

Fazit

Antergos zeigt mit vielen grafischen Tools, dass auch eine auf Arch Linux basierende Distribution sich für Normalanwender durchaus eignen kann und nicht zwangsläufig nur auf Geeks und Konsolen-Jockeys abzielen muss. Das System eignet sich damit auch für Nutzer, die ein zuverlässiges Betriebssystem für ältere Hardware suchen und dabei keine Abstriche bei der Standard-Software machen wollen. 

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 01/2014 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

1 Kommentar
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Jimmy
12 Jahre her

….

Nach oben