Es rauscht im Browserwald: Ein recht kleines Entwicklerteam spendiert Ihnen einen Browser, der sich vor seinen großen Vorbildern nicht zu verstecken braucht.
Noch vor wenigen Jahren war das Angebot an Webbrowsern für freie Betriebssysteme recht überschaubar: Der Netscape-Browser bestimmte das Bild. Mozilla als dessen freier Ableger existierte zunächst nur als Idee, und Alternativen beispielsweise in Form des Konqueror scheiterten damals noch an Technologien wie Javascript und Flash.
Das Mozilla-Projekt griff den freigegebenen Code von Netscape auf und sorgte für reichlich Wirbel im Browser-Pool, was schließlich auch das Aus für den proprietären Netscape bedeutete. Das Bild verschob sich noch einmal gründlich, als Apple die Rendering-Engine des KDE-Projekts für sich entdeckte. Aus KHTML wurde Webkit geboren, und glücklicherweise flossen die Ergebnisse der Arbeit der Apple-Entwickler an die Community zurück. Heute buhlen zahlreiche auf Webkit basierende Browser um die Gunst des Benutzers, während das Angebot von mit der Gecko-Engine von Mozilla arbeitenden Surfbrettern eher schmal geblieben ist.
Auch Dooble [1] setzt auf Webkit. Doch das allein macht noch keinen Browser – auch wenn das Programm nicht nur für Linux, sondern auch für Mac OS X und Windows bereitsteht, was es schon ein Stück weit in die Mozilla-Liga aufsteigen lässt.
Dooble installieren
Noch sind fertig geschnürte Dooble-Binärpakete für gängige Distributionen ziemlich rar. Ubuntu bietet zwar schon seit “Lucid” ein Paket an, das allerdings selbst in “Oneiric” noch auf einer SVN-Version vom Oktober 2009 basiert – eher nicht zu empfehlen. Das Quellcode-Paket der aktuellen Version 1.24 vom 22. August 2011 finden Sie auf der Dooble-Website [4] sowie der Heft-DVD dieser Ausgabe. Außerdem lagern dort auch die Binärpakete für Mac OS X und Windows.
Ein halbwegs aktuelles System vorausgesetzt, gestaltet sich die Installation von Dooble nicht schwierig: Sie benötigen einige Qt-relevante Bibliotheken und deren Entwicklerpakete, welche die Datei dooble.d/trunk/browser/Doc/INSTALL im Dooble-Tarball auflistet. Gegebenenfalls müssen Sie nach ähnlichen Paketnamen suchen, falls die für Ubuntu geltenden Bezeichnungen auf Ihrem System etwas anders lauten.
Beim Übersetzen gelangen Sie mit dem Dreischritt aus Listing 1 ans Ziel. Unter Umständen liegt qmake nicht im Suchpfad für ausführbare Programme, so dass Sie es in diesem Fall mit vollem Pfad aufrufen müssen, zum Beispiel mit /usr/lib/qt4/bin/qmake.
Übrigens finden Sie nach dem letzten Befehl das Dooble-Binary auch an einem unüblichen Ort, nämlich unter /usr/local/dooble/Dooble. Entweder starten Sie den Browser dann durch direkten Aufruf oder Sie legen eine symbolische Verknüpfung in einem Ordner an, der in der Variable $PATH enthalten ist.
Listing 1
qmake -o Makefile dooble.pro make sudo make install
Der Einstieg
Nach dem ersten Start gibt sich Dooble eher unspektakulär. Abbildung 1 zeigt das Programmfenster mit der voreingestellten Startseite samt Suchfeld, das im Hintergrund das Orakel der Metager-Suchmaschine [2] befragt. In einem zusätzlichen Suchfeld neben der Adresszeile geben Sie weitere Suchanfragen ein – beispielsweise an Google, Wikipedia oder die sehr spezielle Wolfram-Datenbank, die unter anderem über mathematische Funktionen Auskunft gibt.
Eines der erklärten Ziele des Dooble-Teams besteht darin, das Rückverfolgen der Aktivitäten des Surfers unmöglich zu machen. Das funktioniert so: Sie surfen im Web nicht als Sie selbst, sondern als dooble. Der Name ist in diesem Fall Programm, denn der Browser stellt Ihnen damit ein Double zur Verfügung. Dooble bereinigt außerdem die Chronik und kümmert sich um unnötige Cookies.
Aber dabei handelt es sich eigentlich um Funktionen, die es in anderen Browsern ebenfalls gibt – zumindest als Add-On. Zudem scheint das Hauptaugenmerk der Entwickler derzeit eher nicht auf den Sicherheitsfeatures zu liegen, sondern mehr auf dem Ausbau des Browsers zur vollständigen Internetsuite inklusive E-Mail-Client und Chat-Programm. Nicht für die Linux-Version wohlgemerkt, sondern für Windows – wohin das alles führen wird, steht in den Sternen.
Nebenberuflich
Neben der eigentlichen Aufgabe als Webbrowser widmet sich Dooble noch einigen Teilzeitjobs. So bringt er ein FTP-Programm mit, das nicht nur die Suche auf und den Download von FTP-Servern erlaubt, sondern als vollwertiger FTP-Manager fungiert (Abbildung 2). Über die eingebaute Reiterleiste kopieren und verschieben Sie Dateien.
Da die Entwickler schon an die Integration eines FTP-Dateischiebers gedacht haben, war es naheliegend, dessen Management-Funktionen auch auf lokale Dateien auszuweiten (Abbildung 3), inklusive der üblichen Baumansicht für die Ordner. Doch erwarten Sie nicht zu viel davon: Es mangelt noch an der Möglichkeit, Dateien und Ordner nicht nur hin- und herzuschieben, sondern im Bedarfsfall auch Dateien zu öffnen. Das klappt derzeit weder mittels Doppelklick noch über ein Kontextmenü. Immerhin lassen sich Ordner anlegen und löschen sowie Dateien umbenennen. Ein Dooble-Desktop, für den nur noch ein Fenstermanager zu ergänzen wäre, bleibt damit nur ein Silberstreif am Horizont.
Fazit
Dooble stellt allemal eine interessante Browser-Alternative dar, zumal die erwähnten Sicherheitsfeatures ausbaufähig erscheinen. Der Dateimanager schießt zwar etwas zu kurz, aber beim Einbau von Dooble in eine ansonsten vollwertige Arbeitsumgebung wie KDE, XFCE oder Gnome lässt sich das problemlos verschmerzen.
Falls Ihnen die unvollständige und etwas dilettantische deutsche Übersetzung des Programms nicht zusagt, können Sie selbst Hand anlegen: Bearbeiten Sie die im Tarball enthaltene Datei trunk/browser/translations/dooble_de.ts mit einem Texteditor oder idealerweise mit dem Qt-Linguist. Das Ergebnis Ihrer Arbeit schicken Sie dann an die Entwickler [3].
Infos
[1] Dooble: http://dooble.sourceforge.net
[2] Metager-Suchmaschine: https://www.metager.de>
[3] Dooble-Mailingliste: http://sourceforge.net/mailarchive/forum.php?forum_name=dooble-team
[4] Dooble herunterladen: http://sourceforge.net/projects/dooble/files/Version%201.24/








