All-in-One-PC mit riesigem Touchscreen

Aus EasyLinux 02/2011

All-in-One-PC mit riesigem Touchscreen

Einheitsrechner

All-in-One-PCs führen außerhalb der Apple-Welt weiterhin ein Nischendasein. Zu unrecht, denn die Rechner brauchen wenig Platz, sind sehr portabel, meist günstig und umfangreich ausgestattet.

Der Acer Aspire Z5710 ist ein solcher All-in-One-PC. Der taiwanische Hersteller lässt sich wie üblich nicht lumpen bei der Ausstattung unseres Testmodells: Core-i3-530-Doppelkern mit 2,93 GHz, 4 MByte Cache und Hyperthreading, NVidia Geforce 210m mit 512 MByte VRAM, 4 GByte DDR3-RAM (Dual Channel), 500 GByte Festplatte, DVB-T-/Analog-TV-Tuner und 8x-Slot-in-DVD-Brenner packt Acer hinter einen riesigen 23,6 Zoll großen Multitouch-Screen (maximal zwei Druckpunkte) mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel). An der Vorderseite finden sich integrierte 5-Watt-Stereolautsprecher, ein Mikrofon und eine 1-MPixel-Webcam (1280 x 800). Rückwärtig am Gerät finden sich an Anschlüssen vier USB-2.0-Ports, Antenne, HDMI, 5.1- und Line-in-Klinke sowie GBit-Ethernet und Strom (integriertes Netzteil), seitlich gibt es Speicherkartenleser (MMC/SD/MS) und Kopfhörer/Mikrofon-Klinke rechts sowie zweimal USB 2.0 links. Unser Testgerät hatte zusätzlich noch einen eSATA-Anschluss, in dieser Konfiguration ist es auch bei einigen Händlern gelistet. Laut Acer gibt es das Gerät offiziell jedoch nur ohne eSATA, dies war ein Feature der Vorgängergeneration Z56x0. Acer legt dem Gerät Fernbedienung, drahtlose Tastatur und Maus bei, unverständlicherweise bindet Acer Maus und Tastatur jedoch über einen riesigen USB-Dongle an, insbesondere bei einem All-in-One hätten wir eine Integration des Dongles erwartet.

À la carte

Acer verkauft den 57 x 48,4 x 8,5 cm großen Rechner auch mit anderer Ausstattung. Die Top-Konfiguration verfügt über 8 GByte RAM, 2 TByte Festplatte, Core i7 870 Quadcore mit 2,93 GHz, NVidia GT240M mit 1 GByte VRAM (128 Bit Speicherbus) und ein 4x-Bluray-Laufwerk. Auch eine noch billigere Version mit Pentium G6950 führt Acer im Programm. Wer es gerne schnell mag, bestellt sich alternativ eine 80 GByte große SSD-Platte, auch 802.11 b/g/n WLAN, Bluetooth und DVB-T sind optional. Unsere oben beschriebene Konfiguration listet der Handel für rund 900 Euro.

Linux-Installation

Wir installieren Ubuntu 10.10 auf dem mit Windows 7 Home Premium 64 Bit ausgelieferten Gerät, die Installation funktioniert problemlos. Nach der Einrichtung des proprietären Nvidia-Treibers geht fast jede Komponente: Sound, Webcam, Speicherkartenleser, Multimediatasten, Lautstärkerad an der Tastatur, Schlafmodus – sogar der Touchscreen funktioniert, mangels Multitouch-Support unter Ubuntu 10.10 jedoch nur als Mausersatz im Singletouch-Modus. Mit den Firefox-Touchscreen-Add-ons Grab and Drag und Lazy Click macht der Touchscreen beim Internetsurfen dennoch Spaß. Die einzigen beiden Komponenten, die nicht funktionieren, sind der Surround-Klinkenausgang hinten und der DVB-T-Tuner. Eine kurze Recherche zeigt, dass Acer sich mit der AVermedia A336 MiniCard Hybrid (Vendor/PCI-ID: 07ca:1336) für einen der wenigen DVB-T-Receiver entschieden hat, die unter Linux die Mitarbeit verweigern.

Im Test

Mit dem Aspire Z5710 zu arbeiten, macht Spaß: Den verbauten Lüfter hören wir selbst unter Last kaum, stattdessen liefern die integrierten Lautsprecher einen guten Klang und bei Bedarf auch ordentliche Lautstärke. Der Bildschirm spiegelt zwar (wie alle Touchscreens), ist aber riesig, sehr leuchtstark und bietet satte, äußerst blickwinkelstabile Farben. Der DVD-Schlitz rechts könnte ergonomischer ausfallen, beim Einlegen einer optischen Scheibe müssen wir regelmäßig nachschauen, wo der Schlitz genau ist (Abbildung 1). Den Einschalter oben an der Seite finden wir nicht so leicht, die Apfelkonkurrenz packt diesen zur Wahrung des heiligen achsensymmetrischen Jonathan-Ive-Designs jedoch ernsthaft hinter das Gerät – je nach Generation auch noch auf unterschiedlichen Seiten, so dass der Gelegenheitsnutzer jedes Mal aufs Neue ertasten muss, ob er links oder rechts ist.

Abbildung 1: Seitenansicht des Aspire Z6710 mit DVD-Laufwerk und Speicherkartenleser.

Abbildung 1: Seitenansicht des Aspire Z6710 mit DVD-Laufwerk und Speicherkartenleser.

Das 12 kg schwere Gerät steht auf zwei metallenen Füßen und einem Stützbügel hinten, mit dem man es zur Not auch herumtragen kann. Praktisch am Standfußdesign ist, dass beim Freiräumen des Schreibtischs die Tastatur unter das Gerät passt. Das optische Design ist Geschmackssache, die Vorderseite aus Plastik mit Metalloptik wirkt durchaus ansprechend und schlicht, die metallene Rückseite aus rotem eloxiertem Aluminium ist uns etwas zu verspielt.

Das Gerät schluckt 72 Watt im Leerlauf und 111 Watt bei Last auf allen Kernen. Mit 441 Punkten im von unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser entwickelten LUbench [3] (unter Ubuntu 10.10, 64-Bit-Version) liefert der Core i3 die erwartete Performance. Die Festplatte erweist sich mit 112 MByte/s als recht flott, der Speicherdurchsatz entspricht mit 8,6 GByte/s dem, was man von zweikanaligen DDR3-Intel-Systemen mit H57-Chipsatz erwarten kann.

Grafik

Mit der Geforce 210m verbaut Acer, um eine geringe Wärmeentwicklung zu erreichen, einen Notebook-Grafikchip. Die GT218-Chipgeneration beherrscht OpenGL in Version 3.3 und DirectX in Version 10.1 und ist nichts anderes als ein Nvidia Ion 2 mit höherem Takt, ähnlich wie der Geforce 9400m dem Ion 1 entsprach. Die Grafikleistung ist akzeptabel und besser als Intel-Chipsatzgrafik, dank niedrigem Takt (135-606 MHz GPU, 270-1468 MHz Shader-Units, 135-790 MHz RAM) und magerem 64-Bit-Speicherbus versetzt sie den Anwender jedoch nicht in Begeisterungsstürme.

Fazit

Der Aspire Z5710 ist ein sehr Linux-kompatibles Gerät, ein vollwertiger platzsparender Arbeitsplatz, der keine Breschen in den Geldbeutel schlägt. Das Design mochte uns nicht so recht gefallen, sehr gut fanden wir hingegen den riesigen farbstarken Bildschirm und den leisen Betrieb. Mit Ubuntu 11.04 dürfte auch Multitouch-Support gut funktionieren, denn das verbaute optische Quanta/PixArt-Touchpanel ist auf der Liste offiziell unterstützter Multitouch-Geräte [2]. Wer kein Windows nutzt, spart sich besser den Aufpreis für den DVB-T-Tuner, da dieser unter Linux ohnehin nicht funktioniert.

Infos

[1] Acer Aspire Z5710: http://www.acer.de/ac/de/DE/content/model/PW.SDBE2.001

[2] Linux-Multitouch-Geräte: http://lii-enac.fr/en/projects/shareit/multitouch-devices.html

[3] LinuxUser-Benchmark: Daniel Kottmair: “Leistungskurve”, LinuxUser 05/2009, S. 40 ff., https://www.linux-community.de/artikel/18237

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