Multimedia ohne Ende mit Sabayon 5.4 Gnome

Aus LinuxUser 12/2010

Multimedia ohne Ende mit Sabayon 5.4 Gnome

© LNM AG

Italienisches Opus

Mit Italien verbinden viele Menschen die Toskana, das Kolosseum und Pizza. Weniger bekannt ist die Multimedia-Distribution Sabayon – zu unrecht.

Das aus Italien stammende Sabayon Linux hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Distribution für Anfänger gemausert, wobei der Schwerpunkt des Systems auf dem Desktop liegt. Am 30. September ist Sabayon in der neuen Version 5.4 für die Desktopumgebungen Gnome und KDE erschienen [1]. Auf der Heft-DVD finden Sie die Gnome-Version für 32- und 64-Bit-PCs.

Erster Eindruck

Sabayon-Linux startet von der Live-CD in einen dunkel und unaufgeregt anmutenden Gnome-Desktop (Abbildung 1), der als Besonderheit das Icon XBMC Media Center aufweist. Verfügt der Rechner über ausreichend leistungsfähige Hardware, verwandeln Sie Sabayon durch einfaches Anklicken dieses Icons sofort in ein Mediacenter. Ein weiterer Starter mit der Bezeichnung Compiz Fusion Icon schaltet die voreingestellten 3D-Effekte zu, die mit wellenförmig über den Desktop gleitenden Fenstern und rotierenden Würfeln für anspruchsvolle Optik sorgen.

Abbildung 1: Der Sabayon-Desktop gibt sich auf unauffällig, jedoch elegant.

Abbildung 1: Der Sabayon-Desktop gibt sich auf unauffällig, jedoch elegant.

Ein Blick in die Menüs offenbart die solide und aktuelle Softwareausstattung der Distribution: Neben OpenOffice 3.2.1.5 sind unter anderem Firefox 3.6.9 und GIMP 2.6.10 mit an Bord. Sabayon nutzt zudem den aktuellen, auf Desktop-Performance hin optimierten Kernel 2.6.35. Die üblicherweise im Gnome-Fundus befindlichen Standardprogramme ersetzten die Entwickler jedoch teilweise durch Alternativen: Statt des Bittorrent-Clients Transmission findet sich das etwas komfortablere Deluge, anstelle des Audio-Player Rhythmbox kommt das schnelle und schlanke Audacious zum Einsatz. Anwendungen für Voice over IP fehlen ganz. Ansonsten fallen im Gnome-Menü Anwendungen | Sabayon mehrere Einträge auf, die sich um das Verwalten von Paketen oder die Dokumentation des Systems drehen.

Auf die Platte

Die Systemeinrichtung nehmen Sie am einfachsten mit dem Starter Auf die Festplatte installieren vor. Sabayon-Linux aktiviert daraufhin einen grafischen Installer, der nach Abfrage der üblichen Einstellungen zu Lokalisierung, Speichermedium und Partitionen recht zügig das gesamte System auf die Platte packt. Den anschließenden Neustart schaffte das System auf unseren Testsystemen jedoch nicht automatisch, was die Eingabe des Befehls init 6 auf der Kommandozeile notwendig machte.

Nach dem erneuten Laden des Betriebssystems zeigt sich der Desktop wiederum sehr sparsam ausgestattet und im gleichen Farbkanon wie beim Live-System: Ein mit Sulfur bezeichnetes Icon auf der Arbeitsoberfläche sowie der Starter Get Live Help am gleichen Ort, der auf die Chat-Seite der Distribution im Internet verlinkt und dort schnelle Hilfe in Problemfällen verspricht, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Exotische Wurzeln

Da Sabayon zu den Ablegern des quellenbasierten Gentoo-Linux gehört, müssen Sie sich umgewöhnen, falls Sie bereits mit RPM- oder APT-basierten Distributionen gearbeitet haben. Als grafischer Installer für das Gentoo-Paketsystem Portage fungiert bei Sabayon Sulfur, der auch das Verwalten der Repositories übernimmt.

Sulfur ist der grafische Bestandteil des bei Sabayon Entropy genannten Paketverwaltungssystems. Den textbasierten Client dazu bildet Equo, der das Administrieren der Pakete auf der Kommandozeile ermöglicht. Beim ersten Start von Sulfur gilt es zunächst das aktuell verfügbare Official Repository aus dem Internet zu laden, was Sie per Mausklick erledigen. Danach stellt Sabayon mit Sulfur eine ähnlich komfortable grafische Paketverwaltung bereit wie Ubuntu, Mandriva, OpenSuse und deren Derivate (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Paketmanagement-Frontend Sulfur ermöglicht die komfortable Softwareinstallationen unter Sabayon.

Abbildung 2: Das Paketmanagement-Frontend Sulfur ermöglicht die komfortable Softwareinstallationen unter Sabayon.

Ein Bewertungssystem mit Sternchen-Kategorien hilft ungeübten Anwendern besonders empfohlene Software zu finden. Da die Installation neuer Programme das Herunterladen der Pakete erfordert, ist eine funktionierende Internet-Verbindung hierzu zwingend erforderlich. Sofern die Software beim Download voreingestellte Spiegelserver nicht erreicht, wählt Sabayon automatisch einen anderen Mirror, um die Installationen nicht wegen fehlender Pakete abzubrechen.

Das Official Repository listet knapp 10?000 Dateien, was selbst ausgefallene Wünsche in den meisten Fällen befriedigen dürfte. Sollten von Ihnen präferierte Programme nicht dabei sein, so besteht die Option, diese online [2] zu suchen.

Treibende Kraft

Die Fähigkeiten einer multimedial ausgerichteten Linux-Distribution stehen und fallen mit der entsprechenden Treiberunterstützung für Hardwarekomponenten. Sabayon hat dabei keinerlei Berührungsängste vor proprietären Treibern und integriert in der Standardinstallation unfreie Module. Da insbesondere bei den Grafikkarten von Nvidia und AMD/ATI die freien Treiber noch nicht die für viele anspruchsvolle Multimedia-Anwendungen nötige Leistungsfähigkeit erreichen, ist der Einsatz der proprietären Treiber unumgänglich.

So war es im Test auf einem Lenovo Thinkpad R500 mit einer schnellen Core-2-Duo-CPU und einer leistungsfähigen ATI-Grafikkarte nicht möglich, mit freien Treibern flüssig mit dem Mediacenter XBMC zu arbeiten. Da Sabayon jedoch nach der Hardware-Analyse automatisch den proprietären ATI-Treiber nutzt, spielte das Mediacenter einen Mausklick später seine volle Leistung im Vollbild-Modus bei einer Auflösung von 1680×1050 Punkten aus.

Auch proprietäre Codecs bringen die Distribution nicht in Verlegenheit: Während diese bei vielen anderen Distributionen erst nachgezogen werden müssen, bringt Sabayon-Linux bereits von Haus eine “handelsübliche” Grundausstattung mit. Davon profitieren selbstverständlich alle multimedialen Anwendungen, sodass die Inhalte auf leistungsschwächeren Maschinen einfach per Totem & Co. laufen.

Original bevorzugt

Viele nützliche Programm benötigen als plattformübergreifend einsatzfähige Applikationen eine funktionierende Java-Umgebung. Die freien Java-Implementationen verfügen derzeit zu einem großen Teil noch nicht über den Funktionsumfang des ursprünglich von der Firma Sun entwickelten Originals, sodass manche Anwendungen nicht korrekt unter den freien Derivaten arbeiten.

Sabayon-Linux kennt auch hier keine Berührungsängste und setzt von Haus aus die originale Laufzeitumgebung in der aktuellen Version, sodass die entsprechenden Anwendungen ohne umständlichen vorherigen Wechsel der Java-Variante laufen. Das schließt potenzielle Fehlerquellen von vornherein aus.

Fazit

Das italienische Sabayon-Linux glänzt mit multimedialen Fähigkeiten – insbesondere dem per Mausklick zuschaltbaren XBMC Media-Center – sowie guter Standard-Software. Auch die automatische Hardware-Erkennung klappte im Test problemlos, so dass die Distribution für auch für Anfänger geeignet erscheint. Umsteiger von anderen Mainstream-Derivaten müssen sich allerdings umgewöhnen, weil die Sabayon-Basis Gentoo doch einige weniger gebräuchliche Konzepte und Applikationen beinhaltet.

Dafür erfreut Sabayon den Anwender mit einem umfangreichen Repository, ordentlicher Stabilität und einer sehr detaillierten Online-Dokumentation. Falls Sie ein ausgereiftes Allround-Betriebssystem mit multimedialem Schwerpunkt suchen, lohnt sich ein Blick auf Sabayon daher allemal. 

Infos

[1] Download unter http://www.sabayon.org/download

[2] Suchfunktion für zusätzliche Programme unter http://www.sabayon.org/packages/

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